!OaWWfa W *» l » UH W JW f BffWWWW w > -■ NA lowiQSENSCHAFTLiCH BAND g.'.'ii'.'yi.W'M' " i //■ Bik LiSEN VON fiUNDD^FKÖERBER JFNA-VERLAG GUSTAV FISCHER «iMw»w»««iawtm»Miwgwwwiww^^ ^.A.BOUMAN Jr. BOEKEN MUZIEKHANDEL . AMSTERDAM: -, BILDERDIJICSTRA»! 190 W' ZEIST: ^ JE-, JAGERLAAN 20. .«ji Naturwissenschaftliche WlCHENSCHRIFT. REDIGIERT VON Prof. Dr H. POTONIE, und Prof. Dr. F. KOERBER, KGL. LANDESQEOLOGEN KGL. OBERLEHRER IN GROSSLICHTERFELDE BEI BERLIN. NEUE FOLGE VI. BAND (DER GANZEN REIHE XXII. BAND). (JANUAR — DEZEMBER 1907.) MIT 2 TAFELN UND 332 ABBILDUNGEN IM TEXT. %4 JENA. VERLAG VON GUSTAV FISCHER. 1907. Alle Rechte vorbehalten. Register.' Allgemeines und Verschiedenes. Ilokorny, Kat;ilysc und t*"ernH'nt (S.-R.) 250. Dalli, Was ist Leben- (Orig.) 422. Di eis, N'alurdcnkmäler in Australien (Orig.) 197. Fick, Individualität, Reduktion und Ver- erbung der Chromosomen. 505. Hertel, l'ber den Gehalt verscliiedener Spektralbezirke an physiologisch wirk- samer Energie (Orig.) 81. Hoffmann, Im., Wie erklären sich die Namen Berlin und Köln (an d. Spree)? (Orig.) 351. Kanitz, Über die sogenannte RGT- Regel in ihrer Anwendung auf die Lebensprozesse. 828. Koerber, Zur mechanischen Erklärung der SchulzTärbung (Orig.) 37. Lindner, Technisch wichtige Enzyme und ihre Wirkungen (Orig.) 397,737. Müller, Rieh., Physiologische und biologische Bedeutung der Kunst (Orig.) 209. Po to nie, Begriff der Entwicklung (Orig.) I SS- Po tonic, Glauben und Wissenschaft, zu Wasmann's Vorträgen über Deszen- denzlehre in Berlin ^Orig.) 1 58 ff. Potonie, Beziehung von Seele und Körper (Orig.) 208. Potonie, Streben des Menschen nach Veränderung (Orig.) 224. Ruzicka, Morph. Metabolismus des lebenden Plasmas. 487. Ruzicka, Kernlose Organismen und Notwendigkeit des Kernes für das Leben. 601. Ruzicka. Zelle und Kernsubstanz. 730. Verworn, Die Erforschung des Lebens. (Orig.) 273. Volk, Hamburgische Eibuntersuchung VIII. 8. Weismann, Unsterblichkeit der Keim- zellen und Keimplasmatheorie. 335. Willer, Wiederherstellung menschlicher Mumien. 442. Ameisen-Vertreibung. 560. ,, Anregungen und .Antworten". 431. Biontologie, Begriff von. 155. N.W. -Angelegenheilen. I60, 431. Parthenogenesis und Apogamie. 640. Physiologische Arten. 480. Träger erblicher Eigenschaften (mit .Abb.) 571- Anthropologie und Verwandtes. Bremer, Noch einmal Geisterschriften (Orig.) 411. Brück, Biolog. Differenzierung von Affen- arten u. mcnschl. Rassen durch spezif Blutreaktion. 778. Bülow, W. V., Zur .Anthropologie der Samoa-Inseln 54 1. Busch an, Gehirn u. Kultur. 56, 352. Gorjanovic-Kramberger, Systema- tische Stellung des Homo primigenius (Orig.) 747. Hennig, R., Geisterschriften. 332. Henshaw u. Swanton, Die Eskimos.: 746. j Heuser, Natürliche u. künstliche Erzeug- 1 nisse (Orig. mit t irig -Abb.) 681. lirdlicka, Zur Anthropologie der nord- amerikan. Indianer. 666. Killermann, Eßbare Insekten (Orig.) SSO- Kirschstein, Der fossile Mensch. 202. Köhler, F., Krankheit u. Tod in kultur- geschichtlicher und naturwissenschaft- ' lieber Beleuchtung (Orig.) 241. Livi, Zur Anthropologie Italiens. 198. Misch ke. Zur Herkunft unserer Ziffern. S4>- Passarge, Buschmänner der Kalahari. 488. Pearson , Intelligenz u. körperliche Merk- male. 346 Revesz, Rassen und Geisteskrankheiten. 728. Schal 1 m ey er, Verhältnis derlndividual- u. Sozialhygiene zu den Zielen der generativen Hygiene. 121. Tornier, Gegen den Vegetarismus. 808. Verworn, Zellularphysiologische Grund- lage des Gedächtnisses. 264. Verworn, Zur Psychologie der primi- tiven Kunst (Orig.) 721. Wilser, Gliederung der vorgeschicht- lichen Menschenra.ssen. 312. Woltmann, Die Germanen in Frank- reich. 90. Ziegler, Chromosomentheorie der Ver- erbung in Anwendung auf den Menschen. 314- Einheitliche Schädel- u. Gehirnmaße bei anthropologischen Messungen. 506. Farbenemphndung , ihre physiologischen (d. h. körperlichen) Grundlagen. 824. Grenzen des Irreseins. 718. Größe u. Gewicht der roten Blutkörperchen des Menschen. 672. Lichtbänder beim Blinzeln. 720. Modelle der Embryonalentwicklung des Menschen. 400. Ohrenklingen. 384. Sterblichkeit der ländlichen u. der städti- schen Bevölkerung in England. 183. Urbewohner am unteren Eujihrat. 400. Zoologie und Verwandtes, wie Viehzucht. Adams und Löns, Zur Naturgeschichte des Maulwurfs. 213. Bail, Beobachtungen über das Leben der Wasserspinnc (Argyroneta a(]uatica) (Orig. mit Orig. -Abb.) 621;. Becker, Tanztliege (Orig.) 207. Berndt, Leben der .Ameisen 1 Orig.) 188. Braun, M., Abnorme Nistgelegenheiten von Vögeln. 184. Brian, Die Ilornzähne auf der Zunge von Hystrix cristata (mit Abb.) 762. V. Buttel-Reepen, Psychobiologische und biologische Beobachtungen an Ameisen, Bienen und Wespen (Orig. mit Abb.) 465. Dahl, Maulwurfs-Wohnung (Orig.) 142. D a h I , Intelligenz der Spinnen (Orig.) 207. Dahl, Schlaf iles Hasen lOrig.) 607. Dahl, Über die Blattschneider-Biene (Orig. mit Abb.) 751. Dahl, Spinnenlliege, Nycteribia bechsteini (Orig. mit Abb.) 799. Enslin, Reduktion der Augen bei einer Planarie. 57. Enslin, Höhlenfauna des fränkischen Jura. 265. Forel, A. , Zeit-Gedächtnis der Bienen. 617. Graebener, Fang der Maulwurfsgrillen (Orig.) 736. Greff, Würmer als Parasiten im mensch- lichen .Augapfel. 249. Greppin, Die geistigen Fähigkeiten der Vögel. 599. Gudger, Brutpllege von Siphonostoma Floridae (mit Abb.) 284. Hadzi, Biologie von Hydra. 263. Hagedorn, Pilzzüchtende Borkenkäfer (Orig. mit Orig.-.Abb.) 289. Hase, A 1 b r. , Ist -Sarcoptcs mutans lebendig gebärend r (Orig. mit Orig.- Abb.) 568. Hirsch 1er, Regulatorische Vorgänge bei Ilirudinecn nach dem Verlust des liintcren Körperendes. 729. Hochstetter, Entwicklungsgesch. der europ. Sumpfschildkröte. 583. ') Die Abkürzung S.-R. bedeutet Sammel-Referat. .388:^2 Register. V. Ihcring, Cecropien und ihre Schutz- ameisen. 347. Jacobi, Schrillapparal bei Singcicadcn (mil Abb.) 779. Kammerer, Geschlechtsreife Krösche und Kröten als würgende Reiter auf Kisclien. 800. Keibel, Mirsch, Secfcldcr, Wol- fram etc., Zur Entwicklungsgeschichte des Auges. 104. Kleiner, Methode zur Ermittlung der Höhe des Vogellluges (ürig. mit ürig.- Abb.) 26. Knauer, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Aquarienkunde (Orig.) 177. Kolbe, Über die lärutpillen und die Fürsorge für die Nachkommenschaft bei den Pillenkäfern (Orig. mit Orig.- Abb.) 33. ^ K o ro tn e i f, Zoologisches vom Baikalsce. 174- Korscheit, Versuche an Lumbriciden und deren Lebensdauer im Vergleich mit anderen wirbellosen Tieren. 668. Krumbach, Trichoplax , die umge- wandelte Planula einer I iytirometluse. 425- Kükcnthal, Beziehungen der marinen Tierwelt des arkt. u. anlarkt. Gebiets. 507. Lange, B., Zur Xaturg. des Maulwurfs. 496. van Leeuwen, Aufnahme der Sperma- lophoren bei Salaniandra maculosa (mil I Abb.) 490. Magnussen, Harro und Dahl, Opfermut einer Grasmückenmutter (Grig.) 59; Manzeck , Über ein Hornissennest (Orig.) 623. Meyer, Erich, Im Reich des Bibers (Orig. mit Orig.-.'Vbh.) 651. jVottbohm, .Ansiedelung einer subtrop. .Spinne bei Hamburg I,' )rig.) 333. Zu O s t w a 1 d ' s Plankton-Untersuchungen. 127. Pflugk. Akkommodation des Auges der Taube (mit Abb.) 38. P 1 a t e , Pyrodinium bahamecse, die Leucht- Peridinee des „Feuersees" von Nassau, Bahamas (mit Abb.) 71. Punett, Geschlechtsbestimmung (bei Hydatina). 459. Reh, Einige Bemerkungen zur Vogel- schutzfrage (Orig.) i;77. Schaff, Schläft der Hase mit offenen .•\ugen? 521. Schulze, Franz Eilhard, Die Glas- schwämme (Hexactinellida) der deut- schen Tiefsee-Expedition (mit Abb.) 129. de -Soza de Castro, Zoologische Be- obachtungen in Indien 1660. 173. S p e m a n n , Embryonale Transplantation. 121. Spill, Fernrohrbeobachtungen über den Wanderflug der Vogel (Orig.) 293. Was mann siehe Tissot. Werckle, Uranidenzüge (Orig.) 91. Aale, ihr nächtliches Wandern. 47. Aal in kontinentalen Gewässern. 640. Autotherapie. 7S3. • Bandwurm in Fasanen. 32. Bienen mit 1 »rchideen-Pullinien am Ko|:)f 640. Biologische Meeresstationen. 768. Blattwespen-Raupen. 240. Buckelwal, seine Nahrungsaufnahme. 207. Chlorophyllkörner verglichen mit Zoo- chlorellen. 400. Coelenteraten- Verdauung. 128. Eieinschlüsse. 240. Eierlegen der Arbeitsbienen. 815. Eintagsfliegen, ihr massenhaftes Auftreten. 656. Energie im lebenden Tiere, ihre Herkunft. 128. Essigälchen. 207. Farbenwechsel der Tiere und .Anpassungs- farben. 15. Finne und Darmsaft. 206. Fische, können sie hören? 46, 319. Fliedermotte. 639. Fliegender Sommer. 432. Haflhaare an den F'üßcn der Fliegen. 176. Hydrokorallien, Entwicklung ihrer Ge- schlechtsprodukte. 720. Holzwurm. 640. Igel, seine Giftfestigkeit. 206. Insekten, eßbare. 550, 688. Insekten-Farben. 7151. Kamel-Höcker und -Magen (mit Abb.) 670. Klettern von Löwen und Tigern. 432. Krähe als Feind des Engerlings. 511. Leukocyten (weilic Blutkörperchen). 591. Libellenwanderungen. 416. Loranthus europaeus mit Schildlaus. 672. Maulwurfsgrillen-Fang. 624. Maulwurfs- Wohnung. 319. Mechanismus d. Akkommodation d. Auges. 296. Milbenlarve auf Feldheuschrecke. 814. Nerven, ihre spezifische Energie. 271. Nervöse Störungen bei Tieren. 827. Physostomen-Geschlechtsorgane, ihre Dif- ferenzierung. 719. Präparierbecken. 656. Proglottiden-Eierzahl. 206. Prostata. 719. PseudoSkorpione, ihre Lebensweise. 639. Reptil- etc. Farben-Erhaltung für die Sammlung. 720. Ringelnatter, ihre Geschwindigkeit. 366. Rothirsch -Dasselfliegen-Larve. 206. Salz-Ausscheidungen im Tierkürper. 399. Schlupfwespe an VViesenpflanzen. 432. Schneckenf.Fliegenlarve in Ameisenhaufen 815. Selbsverdauung des Magens , ihre Ver- hütung. 384, 416. Sepia. 223. Spinnen, ihre Konservierung. 32. Stern feld, Verkümmerung der Mund- Spinnen-„lntelligenz". 319. teile und Funktionswechsel des Darmes Spinnen als \ ertilger von Schädlingen. 43 bei den Ephemeriden. 796. Strohmeyer, Eichenkernkäfer. 584. Thesin g, Infusionstierchen. 74. Thilo .Luftwege der Seh wimmblasen. 140. Thilo, Schwinden der Schwimmblasen bei den Schollen (mit Abb.) 373. Tissot u. Was mann, Ameisennester „Boussole du Montagnard" (ürig.)39i. Spinnen, ameisenähnliche (mit Abb.) 767 Trichinen -Entw. im Dünndarm resp. in den I.ymphbahnen. 206. Trichinen-Präparat. 222. Vogelzug. 222. Wegschnecke, Ursachen ihrer F'arbenabän- derungen. 607. Wal u. Känguru, Zahl ihrer Jungen. 432. Wespen, aus ihrem Leben. 767. Wickersheimer'sche Flüssigkeit zur Kon- servierung zoolog. Ohj. 624. ,, Witterung" brütender Rebhühner. 432. Zum zoologischen Studium, Literatur und anderes. 560. Zur zoologischen Makrotechnik. 815. Botanik und Agrikultur. Andreae, Pflanzen der Tempelliaine Japans (Orig.) 225. Beckmann, P., Über Bambus l,Orig.) 143- Bernau, Frühlingsvegetalion am (Sarda- see (Orig.) 353. Detmer, Stärke- u. Zuckerblätter u. üb. Transpiration. 315. Diels, Das Verhältnis von vegetativer Entwicklung u. generativer Reife im Pflanzenreich (Orig. mit Abb.) 117. Dun bar. Die Entstehung der Bakterien. 795- Dürkop, Zur Geschichte der Tomate (Orig.) 545. Eisenberg, Entstehungsbedingungen diastatischerEnzvme in höherenPflanzen, 585. Ernst, Keimen der dimorphen Frücht- chen von Synedrella nodiflora. 232. Fischer, Hugo, Über Bodenbakterien (Orig.) 481. Franke, A., Präparation von Diatomeen (Orig.) 464. Graebner, Flora des Grunewaldes (Orig.) 359. Graebner, Das plötzliche massenhafte Auftreten von Epilobium angustifolium u. dergl. (Orig.) 624. Graebner, s. Geologie. Gurwitsch, Die Nutzbarmachung von Luftstickstoff (Orig.) 817. Hannig, Pilzfreies Lolium temulentum. 334- Hein eck, Verlauf des Blütenlebens bei Aristolochia clematilis (Orig.) 732. Herse, Ein kernloser Apfel (Orig. mit Orig.-Abb.) 72. Herter, Stachelbeerkrankheit (Orig. mit Orig.-Abb.) 27. Köhler, P., Reproduktions- u. Regene- rationsvorgänge b. Pilzen. 491. K n y , Bau und Leben der Wasserpflanzen 429. Küster, Beziehung der Zellkcrnlage zu Zellenwachstum und Membranbilduug. 35S. Lange, B., Die Schwadengrütze (Orig.) 512. Lindau, Unters.-Methode der Basidio- myceten (Orig.) 1 12. Lindau, Präparation von Hutpilzen (Orig.) 384. Loeske, Über Moose (Orig.) 79. Loeske, Moose des Grunewaldes (Orig.) 362. Loeske, Riccia fluitans u. Ricciocarpus natans (Orig.) 480. Lopriore, Die Cauliflorie nach alten und neuen .Anschauungen (Orig. mit Abb.) 497. Lopriore, am Anapo, unter den Papyren (Orig.) 820. L o ts y , Generationen (x- u. 2 x-Generation) der Pflanzen. 571. Magnus, W., Entw. u. Formbildung der Pflanzen in ihrer Abhängigkeit von äußeren Einflüssen (Orig.) 187. Register. III Marshai, Aposporie et sexualite chez les niousses. 797. M e i s e n h c i m c r , J., Nutzbarmachung des Luftslickstoffs. 830. Möbius, Der Stammbaum des Prianzen- rcichs (ürig. mit Abb.) 401. Molisch, Neue Purpurbakterien mit Schwebekörperchcn. 284. Orth, Kalidüngung (Orig.) 60S. Potonie, Zur Stammesgeschichte des Karnprolhalliums (Orig. mit z. T. Orig.- Abb.) 161. Potonie, Hänge- u. Besen-(Moor-)Birke u. andere Baumarten trockener Stand- orte mit Parallelen auf Moorböden (Orig. mit Orig.-Abb.) 199. Potonie, Die Nahrung der Ilochmoor- ptlanzen (Orig.) 425. Rosenberg, Neue .^rt der Embryo- bildung bei Phanerogamen. 215. Schelle, Bambuseen u. Kälte (Orig.) 272. Schiffner, Tierfangende, Lebermoose (mit Abb.) 106. Schlickum, Abnorme Formen von Pri- mula elatior (Orig.) 522. Schroedcr, Guajaktinktur als Farb- mittel für Pilic (Orig.) 141. Sernander, Die europäischen Myrme- kochoren. 375. S t ä g c r , PHanzen mit transparenten Blüten (Orig.) 184. Werth, Die Pflanzenwelt der Antarktis nach den Ergebnissen der Deutschen Südpolar-E.vpedition (Orig. mit Orig.- Abb.) 369. White. G. F., Bakterien des Bienen- stockes 332. Zimmermann, A., Urwald u. Kulturen in Deutsch-Ostafrika. 428. Apogamie u. Parthenogenesis. 80, 224. .■\ucuba japonica. 704. Diatomeen-Präparation und Beslimmungs- werke. 304. Digitalis purpurea plötzlich auftretend. 783. Farn (Schreibweise). 223. Feige, ihre Befruchtung durch Insekten (mit Abb.) 15. Flechten-Pilze u. Algen als Symbionten oder als Mutualismus. 463. Früchte, ihre Konservierung. 783. Gipfel-Erneuerung von Tannen u. Fichten. 608. Gonen und Gonotokonten. 573. Herkunft der Energie der Pflanzen. 287. Kohl auf Helgoland. 223. ,, Krebs" der Obstbäume. 447. Laubblätter-.Assymmetrie. 688. Licht-Entwicklung bei Pflanzen. 431. Mikroorganismen-Tätigkeit im Boden. 97. Nectera depressa. 704. Nicotiana silvestris u. Sanderae. 96. Nilghirrie-Nessel 800. Plantago mit rispiger Auflösung der Ähre. 303- Rotfärbung von Landpflanzen. 366. Russtau. 400. Schraubelr 416. Transpirationsstrom der Pflanzen. 704. Wie schützen sich Pflanzen gegen Druck- kräfte r 800. Wurzelhaare u. deren Sekrete. 91. Zea Mais mit abnormer Blütenbildung. 7S3. Paläontologie. Brandt, Mammut-Schwanz. 479. G o t h a n , Pflanzengeographischcs aus der paläozoischen Flora (Orig. mit Abb.) 593. 639- Hörich, Pleridospermeac (Orig.) 215. Potonie, Historisches zur Frage nach der Genesis der Steinkohle (Orig. mit .•\bb.) 113. Potonie, Inkohlung und Wrkohlung (Orig.) 463. Graptolithcn, ihre System. Stellung. 223. Zahn einer ausgestorbenen Rhinozerosart. 352- Geologie und Mineralogie. .\ r 1 d t , Zyklon der Erdentwicklung (Orig.) 193- (" a 1 d e r 6 n , Das Streben zum mole- kularen Gleichgewicht in der Mineral- weit. 341. Ebler, Arsengehalt der ,,Ma.\quelle" in Bad Dürkheim. 542. Gessert, Unterschiede des Bodens in Steppen verschiedener Klimate (Orig.) 705. Gr aebner, P., Beziehung von Quellen zu Nadel- und Laubwäldern (Orig.) 528. Kästner, Die Schneedecke als Veran- schaulichungsmittel einiger geologi- scher u. geographischer Erscheinungen (Orig. mit Orig.-Abb.) 201. Lehmann, O., Flüssige und scheinbar lebende Kristalle. II. Müller, W. J., Bildung von (luarz und Silikaten aus wässriger Lösung. 297. Reindl, Das vulkanische Ries u. seine Erdbeben (Orig.) 698. Sieberg, Die Natur der Erdbeben und die moderne Seismologie (Orig. mit Abb.) 785, 801. Simoens, Geologie als Unlerrichts- gegenstand. 7*0. Solger, Ursache der größeren .Aus- dehnung der Gletscher zur Eiszeit (Orig.l 336. Spethmann, Nacheiszeitliche Entwick- lung des südwestl. Ostseebeckens (Orig.) 107. Spitz, Zur Theorie der intermittierenden Quellen (Orig.) 285. Steffen, Zum Erdbeben in Miltelchile. 123. Stutzer, Eruptive Kalksteine (Orig.) 392. Wagner, Schwefel säurehaltige , heii3e Quellen, die ihren Thermalcharakter menschlicher Bautätigkeit verdanken. 350- Wahn seh äffe , Die Seerinne des Grune- walds und ihre Moore (Orig. mit z. T. Orig.-.-^bb.) 321. Diallagsyenit als Schmuckstein. 448. Erdbebeuforschung nach den Verhand- lungen der inlern, seismolog. Asso- ziation im Haag 1907. 733. Erdpyraraiden (mit Abb.) 608. Gelenkquarz, fle.xible stone. 528. Kalkkarbonat, sein Ursprung. 783. Luzerner Gletschergarten. 64, 224. Moor, Torf, Sumpf, Schlamm, ihre Be- griffe. 224. Sedimentation in Salzwasser. 224. Störungen in der Erdkruste. 232, 443, 810. Wachstum der Kristalle. 384. Wünschelrutenfrage. 240. Geographie und Geophysik. Albrech l, Geogr. Längenditferenz-Be- stimmungen mittels dr.Uitloser Tele- graphie. 5S6. A r 1 d l , Zur .\tlantisfrage (Orig. mit Karte) 673- Er d mann, h.in ncugcbildclcr großer See in Südkalifornien. 266. llayford. Neueste Erdmessungen. 510. Jacubi, Tirols gcfürchtetste Gletscher ausbrüche (Orig.) 685. Jentzsch, Eine neue Insel. 445. Lotz, Trinkw.asser, schlechtes, in Deutsch- Südwestafrika (Orig.) 366. Philippi, Betrachtungen über ozeani- sche Inseln (Orig.) 385. Potonie, Kultureinflüsse auf Sumpf und Moor (Orig.) 337. Potonie, Ein von der Holländisch- Indischen Sumatra- Expedition ent- decktes Tropen-Moor (Orig. mit Orig.- Abb.) 657. Reindl, Bergstürze in Bayern (S.-R.l 377- V. Richthnfen, Herkunft des Salzes im Meerwasser. 28. Sc h o 1 1 , Forschungsreise S. M. S. ,, Planet". 393- Schröder, Christoph, Am Ostrande des Parehgebirges entlang zum Kili- mandscharo (Orig. mit Orig.-Abb.) 513. V o e 1 1 z k o w , Ceylon und die Perlen- rischerei. 555- W o 1 f f , M a .t , Das Licht in der Tiefe des Weltmeeres (Referat). 355. Gefrieren von Meerwasser. 208. Rennsteig, nicht Rennstieg. 96. Physik. Dannenberg, R., Zinksulfidschirm zur Deraonstr. von Wärmestrahlung und als Röntgenschirm. 780. Duddell u. Eichhorn, Kontinuierliche elektrische Schwingungen und die Poulsenstation Lyngby (mit Abb.) 647. Eichhorn, Die moderne drahtlose Tele- graphie (Orig. mit Abb.) 49. Elstern. Geitel, LichtelektrischesPhoto- meter 654. Fischer, G., Elektrizität und Ausnutzung der Naturkräfte. 366. Gehrke u. Reichenheim, Anoden- strahlen. 492. H a r t m a n n , J., Spektrokom)iarator. 297. Hermann, E., Wesen des Klanges. 716. Meyer Wildermann, Galvanische Ströme durch Licht hervorgerufen. 40. Orechow, Das Massenwirkungsgfsetz und seine Bedeutung (Orig.) 536. i.lrlow. Blase aus Schusterpech. 717. Otto, W., Der Rotax-Unterbrecher, ein neuer Fortschritt im Röntgen-Instru- mentarium (Orig. mit Abb.) 753. Beck, Unterwasscr-Schallsignale. 286. Pohl, Rob., l.ichtemission von Gasen vor radioaktiven Substanzen. 686. Ramsay, Radiumemanalion. 570. Schmidt, K. E. F., Periodische Störungen der drahtlosen Telegraphie. 446. Schmidt, W., Linsenfehler (Orig.) 769. Spies, Elektrochemisches Chronoskop. 798. Stark, Kanalstrahlen. 412. Wedekind, Magnetische Verbindungen aus unmagnetischen Elementen. 73. Wulf, Elektrometer für statischeLadungen. 779- Biegungsfestigkeit. 256. Chemische Theorie der Berührungselektri- zität. 511. IV Register. Cupron-Element. 511. Diffusion fester Körper. 784. Galvanische Polarisation. 44S. Historisches über die Erfindungen physik. etc. Apparate. 752. Leidenfrost'sches Phänomen S16. Summen der Telcgraphendrähtc 719. Zustandsgieichung de Mathematik. Ilalicrmann, Apparat zur 7-'reilung eines Winkels Orig.-Abb.) 73. 192. 3-, 5- (Orig. und mit Astronomie. Adams, Spektren der Mitte und des Randes der Sonnenscheibc. 716. Harnard, Nebliges Streifensystem im Sternbildc des Stiers. 428. H r u n s , Der spektroskupische Doppelstern / Antlromedac. 1 :;4. Ceraski, Helligkeit der Atmosphäre in unniittelbarcrNachbarschaftdesSonnen- randes. 363. Fery u. Willoohau, Sonnenstiahlung. 249. Haie, Stcreoskopbild der Sonne. 701. Haie, Adams, Gale, Sonnenflecken- sjjektra. 40. Hartmann, Julius, .Astrophys. Be- deutung der .momalen Dispersion. 7'3- Lagrange, !■'.., Zum Kotations-E.\peri- ment Leeuwenhoek's, 154. 1^ o \v e 1 1 , P e r c i V a 1 , Mars and its canals. 522. I.udendorff, Bahn des S]iektroskop. Doppelsterns .-i Arietis. 460. Metcalf, Photogr. Nachweis von Ver- änderlichkeit bei Planetoiden. 479. Müller u. Kempf, Veränderl. Stern x Persei. 586. Newcomb, Erklärung der Mars-Kanäle. 715- Petri, A. van l.eeuwenhoek's Experiment die Drehung der l'>dc zu zeigen (Orig. mit Abb.) 40. Poynting, Astron. Folgerungen aus dem vom Lichte ausgeübten Druck. 109. Rosenberg, Veränderlicher Stern x Cygni. 621. Sliph er, Spektrum lies Sternes Mira Ceti. 4»5- Entstehung der Sonuenwärme. 217. Erklärung der stark ellipt. Kometenliahnen. 384- Heller Komet in den Zwillingen. t;24. Himmelserscheinungen, monatliche. 13, 59, 124, 267, 350, 414, .622, 687, 765. Instrumente zur Zeitbestimmung (mit Abb.) 363. Mira Ceti. 40. Planetoiden der Jupitergruppe. 603. Polarisation des Lichtes der Coroniumlinie im Züdiakal- u. Polarlicht und der Kryplonlinien im Polarl. öü6. Spektroskopische Doppelslerne. 716. Meteorologie. .\ r c t o w s k i , (Gezeiten in der Atnui.sphäre. Hergesell, Meteorolog. Bcob. üb. dem Meere. 602. Hergesell, Eroberung des I.uftmeercs. 053. Kaiser, Max, Land- und Seewinde an der deutschen Ostseeküste. 9. I.cü, Wetter-Monatsübersicht (Orig.) 43, HO, 186, 252, 317, 396, 461, 524, 003, 069, 748, 812. P o t o n i c , d. h. P 390 • .Summer, Inversionstemperatur der Luft. 174. Abendliches Bewolkungs-Minimum. 592. Berechnung der Höhe der .Atmosphäre. 404. Mundharometer. 2^6. Sogenannter Schwefelregen, onregen (Orig. mit I .Abb.) Chemie. Baaz, Zusatz zum Artikel über berühmte Alchymisten (Orig.) 239. Bechhold, Kolloidstudien mit der Fil- tratiousmethode (mit .Abb.) 763. V. B o 1 1 o n , Darstellung reinen Niob- mctalls. 553. Erdmann, H, Feste Luft. 780. Hahn, O. , Mesothorium, ein neuer radio- aktiver Körper. 702. Müller, W. J. , Passivität der Metalle. 94. Petri, Athanasius Kircher's Destillier- methüden (Orig. mit Abb.) 561. Roland, Kataly tische Wirkung von AlCl;,. 380. Wölbung, Theorie d. Lusungsi caktioncn (Orig.) 689. Dianenbaum. 384. Ozon. 176. Wesen der Maßanalyse. 192. .Aus Ciueihcs Meteorologie. 316. B ö r n s t e 617. Halb faß, Kliniatolugische Probleme im lichte moderner Seenfyrschung. 412. Technik (auch naturwissen- schaftliche), Instrumentenkunde und Industrie. Ives, Farbige Photographien. 141. Jencic, Fortschritte der Photographie in natürlichen Farben (Orig.) 641. Kammerer, Die modernen Hilfsmittel eines Stahlwerkes. 381. K o e r b e r , Die Verwendung feiner Gitter in Wissenschaft, Technil; und Unter- richt (Orig. mit .Abb.) 17. Lindner, Technisch wichtige Enzyme und ihre Wirkungen (Orig. mit Abb.) 397, 737- Loebe, Der elektrische Ofen (Orig. mit Abb.) 433. Petri, J., A. van Lceuweuhoek's Mikro- skope (Orig. mit Orig.-Nachb.) i. Z c m e c k , Photographie v. Wärmestrahlen. 123. Bildtelegraphie -Verfahren. :;92. Epidiaskop von Zeili (mit .Abb.) 29S. Gummitkische nach Witt. 176. Handlungen nükroskop. Prä|)arate etc. 160. Institut für Gärungsgewerbe in Berlin. 397. Kayserling'sche Konservierungsflüssigkeit. 272. Kitt zum Verschließen von Gläsern. S15. Photographisches Preisausschreiben für Luftschiffer. 221. KaniiestrUmpfe. 63. Roburit. ()4. Wickershcimer'sche klüssigkeit. 708. Unterricht. Biologie in der Schule. 47. Deutsche Ges. f. volkstüml. Naturk. 74, 187, 202, 25b, 366, 381, 397, 428, 554, 829. Medizin und Hygiene. Bacon, Fischgifte der Philippinen. 314. Falkenberg, Der Alkohol und seine Wirkung auf den menschlichen Orga- nismus. 554. L o e V c n h a r t , Biolog. Methode zur Ent- deckung von Fluoriden in Nahrungs- mitteln. 478. Marcuse, Gesetzliche Eheverbote liir Kranke und Minderwertige. 443. Petri, Athanasius Kircher's Buch über die Pest (Orig. mit Abb.) 609. Schenkung, Sigm., Hautausschlag verursacht durch Dictamnus albus (Orig.) 544. Steiger, Entwicklungsgeschichtliche Ge- danken zur Frage der Kurzsichtigkeit. 507- Augenzerstörung durch Fliegenlarven. 4S0. Biß der Gila-Echse. 521. Cassiatistula, ihr purgierendes Prinzip. 816. Dahlia-Knollen zur Moskitovertilgung. 708. Diptam, Hautreizung durch. 072. Fliegenlarven im u. am lebenden Menschen- körper. 799. Mist-Geruch-Beseitigung. 784. Schlafkrankheit. S32. Biographisches u. Historisches. Baaz, Berühmte Alchimisten (Orig.) 23g. E c k a r d t , 1mm. Kant's Bedeutung für die moderne Naturwissenschaft (Orig.) 679. Harms, Carl von Linne (Orig. mit 2 Porträts) 305. Lehmann. R. C, Über Robert Cham- bers und die „Vestiges of creation" (Orig.) 301. von S t r a d o n i t z , Berülimte .Alcliimi;,ten. 103. Tsakalotos, Lamarckistische .Äußerung Herodots (Orig.) 464. Berthelot f. 219. von Bezold, W., f. i!;4. Czapski f. 460. Kreutz, Heinrich, f. 524. Loewy, Maurice, f. 703. Mendel-Denkmal. 142. Mendelejcff -f. 123. Moissan f. 175. von Oppolzcr, Egon, f. 524. Seile, Gustav, f. 510. Vogel, H. C, t- 554- Literatur .Ambron n, L., Sternverzeichnis. 63. .A m r e i n u. H e i m , Gletsehergartcn in Luzern. 175. Apstein, Salpen. 29. .Arendt, Elektrische Wellentelegraphie. 735- .\ rno I d , Chemie. 191. Auerbach, Die Grundbegriffe der mo- dernen Naturlehre. 268. .Auerbach, Zeißwerk. 606. V. Baer's, Karl Ernst, Schriften, aus- gewählt und eingeleitet von Prof Dr. Remigius Stölzle. 558. Bahrd t, I'hysikalische Messungsmethodon. 267. Register. Huucr, Gescliichle der Chemie. I.Teil; Von den ältesten Zeiten bis zur Vcrbrennuiigsllieorie von Lavoisier ; II. Teil: Von Lavoisier bis zur Gegen- wart. 267. H a u m g a r t e n , Jaliresber. über die Kort- sclirilie in der Lehre von den patho- genen .Mikroorganismen. ySl. Herberich, .Vstronom. Jahresber. 638. V. Hezold, Gesammelte .Abhandlungen. 191. Braß, Krnst Iliickcl. 124. Hr aß, Erwiderung an Franz (Orig.) 255. Hraucr, Die Ticfscefische (mit Abb.) 23-v Hrillouin, Viscosite. 221. 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Köthner, .Aus der Chemie des Ungreif- baren. 558. Krisch, Barometrische Höhenmessungen und Reduzierungen. 383. Krische, Das agrikulturcheraische Kon- trollwescn. 267. Krümmcl, Ozeanographie. 351. Kuenen, Zustandsgieichung der Gase u. Flüssigk. 605. K ü k e n t h a I , .Alcyonaccae ( Valdivia-Exp.) 318. Kunz, Theoretische Physik. 399. Laloy, Parasitisme et mutualisme dans la nature. 26S. Lampert, Das Tierreich. I.Säugetiere. 207. Lange u. St ahn, Gartengestaltung. 59. Lebesque, Series trigonometriques. 78. von Lenden feld, Tetraxonia. 765. Liebenthal, Praktische Photometrie. Lindner, Ornitholog. Vademecum. 112. Lotsy, Vorträge üb. botan. Stammes- geschichte (mit Abb.) 571. Lüpke, R., Elektrochemie. 782. Maas, Otto, Lebensbedingungen und Verbreitung der Tiere. 558. Mahler, Physikal. Formelsammlung. 76. Malina, Sternbahnen und Kurven mit mehreren Brennpunkten. 605. Martius, F'lora brasiliensis. 525. Mayer, Ad., Agrikuliurchemie III. 367. Metze, Bau und Leben der Blüte. Eine Einführung in die Blütenbiologie, 268. Meisen heimer, Gärungschemie. 367. Meyer's Großes Konversations-Lexikon. 76, 301, 543. .Miehe,Selbsterhitzung des Heus. 205, 463. Mi ehe, Die Erscheinungen des Lebens. Grundprobleme der modernen Biologie. 268. M i g u 1 a , Morphologie , .Anatomie und Physiologie der Pflanzen. 267. Migula, Pflanzenbiologie. 267. Miller, W., Instrumentenkunde für For- schungsreisende. 45. Molisch, Purpurbakterien. 462. Möller, M., Witterung des Jahres 1907. in. M o o s e r , Sonnensystem. 204. M ü 1 1 e r - P o u i 1 1 e t - L u m m e r , Physik und Meteorologie. 367, 718. Naumann-Zirkel, Mineralogie. 798. Newcomb's .Astronomie. 782. Oels, Pflanzenphysiol. Versuche. 191. Ohmann, Chemie u. Mineralogie. 45. Oppenheim, Das astronomische Welt- bild im Wandel der Zeit. 268. Pauls en, Das deutsche Bildungswesen in seiner geschichtlichen Entwicklung. 268. Petronievics, Die typischen Geometrien u. das Unendliche. 751. 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Schillings, Der Zauber des Elelescho. 44- Schubert, H., .'\us meiner Unterr.- u. Vorlesungspra.xis. 301. Schmeil, Zotilogie. 219. Schmiedeknecht, Die Hymenopteren Mitteleuropas. 382. Schneider, Karl CamiUo, Deszen- denztheorie. 155. S c h o e n , Anleitung für die Manipulationen bei d. barometrischen Höhenmessungen. 383. Schoenichen, Aus der Wiege des Lebens. Eine Einleitung in die Bio- logie der niederen Meerestiere. 268. Schröder, O., Neue Radiolarien (Cyto- cladus gracilis u. C. major). 429. Schröder, O. Eine gestielte Acantho- metride (Podactinelius sessilis). 429. Schuck, Wirbelstürme. 31. Schulz, W. A., Hymenopteren-Studien. Schulz, Spolia hymenopterologica. 3S2. Schurig, Anatomie der Echinothuriden. 77- Seligo, Hydrobiolog. Untersuchungen II. 2S7. Sievers, .Mlgcmeine Länderkunde. 559, 798. Stephan, Techn. Mechanik. 220. Stroobant, Observatoires astronomiques et les astronomes. 639. Taschenberg, Die Insekten nach ihrem Schaden und Nutzen. 558. Thiele, Chitonen der deutsch. Tiefsee- E.^ip. 77. Thiele, Archaeomonia prisca. 77. Tümpel, Geradflügler. 687. Lfrban, Flora brasiliensis. 525. Vater, Einführung in die Theorie und den Bau der neueren Wärmekraft- maschinen. 267. Vierordt, Anatom., physiol. u. physikal. Daten u. Tabellen zum Gebrauche {. Mediziner. 190. Voges, Der Obstbau. 26S. de Vries, Mutation. 155. Wasmann, Biologie. 155. Wasmann, Der Kampf um das Knt- wicklungsproblem. 635. Webern. Wellstein, Elementar-Mathe- matik. 750. Weitbrecht, .\usgleichungsrechnung nach der Methode der kleinsten Qua- drate. 267. Weinstein, Philos. Grundl. d. Wissen- schaften. 3S2. W e s t e r m a r c k , Moralbegrift'e. 586. Wiedersheim, Vergl. Anatomie der Wirbeltiere. 335. Wiesner, .-\nat. u. Phys. d. Pflanzen. 30. Wilser, Menschwerdung. 461. W i n k e 1 m a n n , Handbuch derPhysik. 7g. Winkler, Rieh., Tierreich. 219. Wüllner, Experimentalpliysik. 814. Zacharias, Staatl. Inst. f. Hydrobiologie. 111. Zacharias, Plankton als Gegenstand naturkundl. Unterw. 446. Zacharias, Süßwasser-Plankton. 44^- Ziegler, H. E., Zoologisches Wörter- buch. 703. Zirkel siehe Naumann. .Adreßbuch der Deutschen Präzisions- mechanik und Optik. 221. Annuaire pour l'an 1907 du burcau des longitudes. 79. Astronomischer Kalender 1907. 142. Aus Natur und Geisteswelt. Sammlung wissenschaftlich - gemeinverständlicher Darstellungen. 558. Bibliographie. I 12. Bücher der Weisheit und Schönheit, her- ausgegeben von Jeannot Emil Freiherr von Grotthuss. 558. Chemisch-technische Bibliothek. 558. Das Wissen der Gegenwart. Deutsche Universal-Bibliothek für Gebildete. 558. Deutsches Käderbuch. 203. Deutsche Südpolar-Expedition. 29, 429. Die Natur. Eine Sammlung naturwissen- schaftlicher Monographien. Heraus- gegeben von Dr. W. .Schoenichen. 558. Lit. üb. .Apogamie und Aposporie. 816. Lit. üb. die baltische obere Kreide. 31. Lit. für den biozentrischen Unterricht in Zoologie. 302. Lit. üb. Blüten-Insekten. 192. Lit. zur Geschichte der Chemie. 48. Lit. üb. Diatomeen. 304. Lit. üb. Chemie der Eiweißstoffe. 192. Lit. üb. Erdpyramiden. 816. Lit. üb. Farbenskala. 240. Lit. zur Fauna von Rügen. 223, 336. Lit. z. Bestimmung von Süßwasser-Fischen. 720. Lit. üb. Biol. d. Flechten u. Moose. 783. Lit. zum Studium der Geologie. 576. Lit., geologische, üb. das Mainzer Becken. 528. Lit., geolog., üb. Südamerika. 31. Lit. zur Geschichte d. Naturwissenschaften. 20S. Lit. für Schülerinnen von Handelsschulen. 608. Lit. neuer Werke üb. Kryptogamen. 272. Lit. üb. Kulturgewächse. 288. Lit. üb. die Mendel'schen Gesetze. 544. Litt. üb. das Nervensystem. 240. Lit. üb. Pflanzengallen- und Pflanzen- Krankheiten. 688, 783. Lit. üb. die Pfl. in Sage, Mythe, Märchen usw. 240. Lit. pflanzenphys. Handbücher. 336. Lit. zur Phylogenie d. Pflanzenreichs. 240. Lit. (Zeilschriften) üb. Physik u. Chemie, 480. Lit.: Lehrbücher d. Physiologie. 32. Lit. üb. Pilz-Abbildungs-Werke. 544. Lit. zum Studium der Pteridophyten. 10. Lit. üb. .Anat. u. Biologie der Spinnen. 32- Lit. über Süßwasserplankton. 223. Lit. üb. wissenschafll. Terminologie. 490. Lit. üb. Termiten. 32. Lit. üb. Tier-Fährten. 352. Lit.; tierphysiolog. Praktica. 32. Lit. üb. d. Vogelzug. 222. Lit. zur Analyse des Wassers. 3S4. Lit. zur mikroskop. Zoologie. 192. Lit. zur ökologischen Zoologie. 767. Lit. aus der Praxis der Zoologie. 815. Natur und Staat. 654. Naturwissenschaftliche Zeitschriften. 400. und Bildung. Einzeldar- aus allen Gebieten des Herausgeg. von Dr. Paul Pädagogische Jahresschau. 606. Pflanzen-.\bbildungs-Werke der cinheim. Flora. 256. Photographischer Abreißkalender. 799. Ri-gles intern, de la nomenclature bota- nique. 45. Valdivia-Expedition. 765. Vegetationsbilder herausgegeben von Dr. G. Karsten und H. Schenck. 383. Wissenschafll. Ergebnisse der Deutschen Tiefsce - Expedition auf dem Dampfer „Valdivia" 189S — 1899 (mit Abb.) 76, 233- Wissenschaft Stellungen Wissens. llerre. 55S. Zoologische Modelle. 7bv Zoologische Wandtafeln. 767. Zoolog. Zeitschriften. 400. Abbildungen. Abb. zur drahtlosen Telegraphie. 51 — 55. Acaena adscendens-Bestand (Orig.) 371. Acheson'scher Ofen. 435. Akkommodationsapparat der Taube. 39. Albizzia moluccana. 6^9. Alnus glutinosa. 418. .\meisenähnliche Spinnen. 76S. Ameisennester ,,Boussole du Montagnard" (Orig.) 392. .-Vmphidisken. 132. Anker eines Schwammes. 136. Anthoceros. 408. Apfel, kernloser (Orig.) 72. Aposporie bei Aspleninm. 178. Apparate, Maschinen und Stationen zur drahtlosen Telegraphie. 66, 67, 68, 69. Apparat zu Kolloid - Filtrationsstudien. 763. 764- Apparat zur 3-, 5- u. 7 -Teilung eines Winkels (Orig.) 73. Argyroneta aquatica (Orig.) 627. Aristolochia clematitis (Orig.) 733. Ascyssa. 146. Aspidium-Prothallium etc. 165, 166. Augenlinse der Taube in ihren Formver- änderungen. 39. Aulopax, 134. Azorella Selago-Riesenpolster (Orig.) 370. Basidien mit Sporen. 406. Bennetites-Blüte. 419. Betula (Orig.) 200. Beugungsspektra-Entstehung (Orig.) iS. Biber- Wohnstätte bei Klicken (Orig.) 652. Bidens radiatus. 119. Bienenwaben- und Biencnmodelle. 682, 766. Birken (Orig.) 200. Blattschneider- Wohnzellen (Orig.) 751. Blattspreiten-Querschnitte mit Angabe des Stereoms. 681. Bogenlicht-Spektrum des Silbers. 19. Borkenkäferarten und ihre Behausungen (Orig.) 291. Botrychium. 409. Callipteris conferta. 598. Cauliflore Pflanzen. 49S — 503. Caulophacus. 139. Chantransia. 163. Chaunangium. 134, Chondrus. 405. Chronodeik. 363. Cingularia typica. 596. Codonosiga. 149. Register. Vll Colcochacte pulvinata. 406. Coiu-i'|it;ikeln, l'izelle u. Spernialozoitlen von Kiicus. 162, 163. Destillierapparate vcm Atlianasius Kirclier. 56J, 564, 505. Dorn- u. Buschsteppe, Deutsch-Ost-Afrika (Orig.) 515, 517, 519. Dunipalmenstrppe von Mlocliinui (Orig.) 535- l'A'locarpus. 404, Klektrisclier Tiegelofcn. 4.;7. Kntw. der curop. Suniprsehililkrötc. 583, Fpliedra- u. GneliiniMütcn. 418. Kpidiaskop. 298 — 300. t'rdhehcnlolgen : StatTelftirmigcs Absinken von AUuvialboden. 793. lirdbebenfolgen : Abselieren eines Zaunes durch eine Spalte. 794. I'.rdbehenspalte. 792, Krdpyramiden. 608. l'Tlenmoor. 360. r'rlcnmoor von Gr.-Lichterfeldo. 327. ( Kucalyptus. 120. Euphorbia -Bestand in Dornbuschsteppe, D. Ost-.\frika (Orig.) 515. Euplectella. 130 ff. Expeditionslager am Parehgebirge (Orig.) 531- Feigen-(Ficus-)Frucht und Keigenblüten. 15- Heus carpensis. 503. Kicus Minahassae. 499. Ficus religiosa (Blatt). 502. Klachnioor-Hochwald von Sumatra (Orig.) 66i. Flagellaten. 402. Formregulationen von Ilrtmoglobinkristal- len. 587- Frullania. I06. Fucus platycarpus. 162. Gerste, Querschnitt durch Samen. 743. Ginkgo-Samenknospe. 40g. Glasschwamm-Nadelformen. 1 30. Glasschwämme. 131 ff. Glukase-, Dextrin- und Maltosebildung. 739- Graph. Darst. zu den Wetter-Monatsüber- sicliten (Orig.) 186, 253, 317, 396, 461, 525, 603, 604, 669, 749, 812. Grassteppe bei Kwasingiwa (Orig.) 533. Grunewaldbilder (Orig.) 324, 326, 327, 329- Hängebirke (Orig.) 200. Hefekulturen. 758, 759. Hefe, Keimungsbilder. 757. Holascus. 133. Horizontalofen. 436. Hornzähne von Hystrix. 762. Hygrophile Vegetation bei Kambi ya simba (Orig.) 533. Induktionsofen. 435. jungermanniacee. 408. Jussiaea peruviana. 502. Kadsura cauliflora. 500. Kameinlagen. 671. Karte zur Atlantisfrage ^Orig.) 675. Karte von Zentral -Kurasien mit Stein- kohlenrevieren (Orig.) 594. Karte von Zentraleuropa mit Kotlicgend- Revicren iOrig.) 599. Karte des Havellaufes etc. (Orig.) 323. Karte des kalifornischen F.rdbebens April 1906 (Orig.) 792. Kernteilung. 572. Kleingärversuch. 758. • Leeuwenhoek - Mikroskop (Orig. - Nachb.) 3-6. Lepidodendron (Orig.) 41 8. Lilium Martagon-Befruchtung. 410. ) Limosella. 1 19. Linne (Porträts). 306, 307. Linsenfehler (Orig.) 770 — 777. Lonchopteris Defrancei. 595. Lonchopteris typ. rugosa. 595. Lupe von Johannes Zahn (Orig.-Nachb.) 2. Macrocystis. 404. Maische. 741, 742. Marchantia-Arehcgonium. 407. Monoraphis. 136 ff. Moorbaum der Tropen mit Brett-, besenf. Luftwurzeln u. Pneumatophorcn (Orig.) 66r. Moorbirke (Orig.) 200. Muffelofen. 439. Nadeln von Schwämmen. 136 ff. Oedogonium. 163. Olynthus. 146. Palinurus vulgaris (Anatomisches). 589. Parmentiera cereifera. 498. Pestbazillen. 616. Phascum mit Archegonien u. Antheridien. 165. Pillenkäfer mit Brutpille (Orig.) 35. Planaria-Regeneration. 588. Pneumatophorcn von Avicenna ofl'. 500. Pollen von Pinus silvestris. 390. Pollenschlauch und .Spermatozoiden von Zamia floridana. 409. Polytrichum. 165. Poulsen-Generator. 650. Poulsen-Station Lyngby. 648, 649. Prismen- Astrolabium. 365. 420. ihrer Wir- 588—590. Pyrodinium bahamense. 71. Ranunculus sceleratus-Blüten. Raster u. Fig. zur Erklärung kung. 21—24 "• 2 Tafeln Regenerationen von Tieren. Riccia fluitans. 165, 407. Riffe mit Fucus vor Helgoland (Orig.) 169. Rotax-Röntgen-Unterbrecher und Instru- mentarium. 755. Sagittaria-Blüten. 420. Salangane-Nest. 682. Sansevieren-Bestand in Dornbuschsteppe (Orig.) 531. Saprolegnia. 405. Sarcoptes mutans (Orig.) 569, 570. Sargassum linilolium. 164. Schema der Fortpflanzung seismischer Wellen u. ihres Erscheinens im Seis- mogramm (Orig.) 787. Schema der Homologien von Algen, Moosen u. Karn (Orig.) 171. Schema der Landptlanzen-Werdung aus tangähnlicher Pflanze (Orig.) 171. Schemata zu den VVetter-Monatsübersich- ten. 43 etc. Schema zur Erläuterung der Ermittlung der Höhe des Vogelfluges (Orig.) 2(>. Schrillapparat bei einer Singcicade. 779. Schwamm vom Ascontypus. 146. Schwamm vom Leueontypus. 146. Schwamm vom Sycontypus. 146. Schwämme (Tiere). 131 ff. Schwämme, zum anatom. Bau derselben. 147 ff. Schwamm-Kolonie. 149. Schwimmblasen des Steinbutt und von Zeus. 374. Seismogramm (Orig.) 789. Seismologisches. 803 ff. Selaginella Martensii-Prothallium. 410. Semperella. 135. Sigillaria Boblayi. 597, 639 (Berichtigung). Siphonostoma Floridae. 2S4. Sonnenspiegel. 364. Sphenophyllum maius. 596. Sphenophyllum myriophyllum. 595. Spinnenfliege (Orig.) 799. Spermatophor von Salamandra. 490. Stachelbccrpest (Orig.) 27. Steinbutt mit Schwimmblase. 374. Steinkohlenpröbchen (Holz) unter dem Mikroskop. 114. Stentor-Regeneration. 588. Succulcnten am Ugnenogebirge (Orig.) 535- Succulentensteppe, D. Ost-.-\frika (Orig.) 517- Swietenia Mahagoni. 118. Syringa-Blatt vom Blattschneider zer- schnitten (Orig.) 752. Tiefsee-Fische. 234 — 238. Titelblätter zu Werken von Leeuwenhoek (Orig.-Nachb.) 2. Träger-Konstruktionen (Orig.) 683. Träufelspitzen-Blatt. 502. Uredineen. 574. Vegetationsbild von den Kerguelen (Orig.) 370. Verbrennungsofen. 437. Vesuv-Eruption. 791. Vogelbaum : mit Epheu umrankte Birke (Orig.) 581. Wasserspinne (Orig.) 627. Weizenstärke. 739. Würmer-Regenerationen. 5S9, 590. Zähne des Homo primigenius. 748. Zeus mit Schwimmblase. 374. ^■'^^^<^ Organ der Deutsehen Gesellschaft für volkstümliche Naturkunde in Berlin. Redaktion : Professor Dr. H. Potoni6 und Professor Dr. F. Koerber in Grofs-Lichterfelde-West bei Berlin. Verlag von Gustav Fischer in Jena. Neae Folge Tl. Band; der ganzen Reibe XXll. Band. Donnerstag, den 3. Januar 1907. Nr. 1. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen f— und Postanstalten, wie bei der Expedition. Der M Halbjahrspreis ist M. 4. — . Bringegeld bei der Post 1 5 I'fg. extra- ^ Inserate: Die zweigespaltene Kolonelzeile 40 Pfg. Bei M größt-ren Aufträgen entsprechender Rabatt. Heilagen nach '^ Übereinkunft. Inseratenannahine durch die Verlags- handlung. [Nachdruck verboten.' A. van Leeuwenhoek's Mikroskope. Von Dr. R. J. Petri, Kaiscrl. Geh. Reg.-Rat. I. Die Titelbilder von Leeuwenhoek's Werken. Leeuwenhoek's Mikroskope sind sonderbarer- weise wenig bekannt geworden, trotzdem das, was er gesehen, und was er in seinen Briefen mit- geteilt hat, in aller Welt angestaunt wurde. Seine Mikroskope waren so wenig bekannt, daß sogar der Zeichner des Titelbildes zum ersten Bande der ,, entdeckte onsigtbaarheeden" als Werkzeug, mit welchen seine Entdeckungen gemacht werden, eine andere, allgemein bekannte Lupe abbildete. Das Titelblatt dieses ersten Bandes ') zeigt Fig. I. Der Zeichner dieses Blattes ist wahrschein- lich der unten auf demselben angegebene R. de Hooghe, der, wie es daneben heißt, ainico suo das Blatt widinete, im Jahre 1685. Die „ontdeckte onsigtbaarheeden", oder viel- mehr ,,ontledingen en ontdekkingen van levende dierkens" etc. etc. zeichnet eine Figur mit ge- flügeltem Haupte in ein Buch ein. Die.se F"igur ') Ontledingen en Ontdekkingen van levende dierkens in de teeldeelen van verscheyde dieren, vogelen en visschen etc. etc. door Antoni van Leeuwenhoek etc. Leyden 1686. hält in der linken Hand ein Mikroskop, eben jene allgemein bekannte Lupe. Solche Instrumente waren jedermann bekannt und wurden als Ver- größerungsgläser benutzt. Am meisten erinnert das Instrument in der Hand mit geflügeltem Kopfe an eine Abbildung von Johannes Zahn, aus seinem oculus artificialis ') (Hg. 2). Solche Lupen sind oder waren beim Volke bekannt, und wurden als Vergrößerungsgläser benutzt. In Leeuwen- hoek's Werken wird dies Instrument gar nicht er- wähnt, aber eben weil es allgemein benutzt wurde, zeichnete es der Herr de Hooghe ab. Was das Titelblatt zum ersten Bande bedeutet, ') Oculus artificialis tcledioptricus etc. etc. authore Joanne Zahn etc. etc. Norimbergae etc. 1702, erste Auflage 1685. — Die beiderseits konve.xe Linse A ist ''/loo Rom. Fuß dick (utrius- que conve.xa). B C ist eine hölzerne, knöcherne oder, wie es an der betreffenden Stelle heißt, ex quacunque alia solidiori materia gemachte Kapsel. D E ist aus Holz oder Knochen. F G ein Stylus aus .=ihnlichem Material, der in D noch ein- mal durchbohrt ist, um die Nadel, acicula, G F zu tragen. An die Spitze dieser Nadel steckt man z. B einen Floh (H), oder irgend ein anderes kleines Objekt. Mit diesem Grifi'el wird daran der Floh so eingestellt, daß man ihn genau sieht. So erscheint er ungefähr 14 mal vergrößert (Erklärung der Figur nach Zahn.) Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. I sehen wir aus der Erklärung zum Titelblatt vor Band V und VI. Diese Zeichnung (Fig. 3) ist dem abgebildeten Titelblatt zum ersten Rande ziemlich getreu nachgebildet, wie ein Vergleich der ein- zelnen Figuren ergibt. Der mit diesem Titelbilde versehene Band wurde 1696 zu Delft bei Henrik van Cronevelt gedruckt.') Der Zeichner dieses Bildes wird wohl Pieter Rabus sein, der dazu die folgende Erklärung ab- gegeben hat: „Man sieht hier die Wißbegier, Königin der Wissenschaften, die mit ihrem Reichsstab auf die Natur hinweist, welche zuvor verdeckt war, jetzt aber sichtbar geworden ist. Vor ihr liegen vielerlei des Aristoteles unterwiesen, welcher die Aufschrift Verborgene Eigenschaften auf seinem Rücken Fig. I. Titelblatt des ersten Bandes von Leeuwenh o ek. Naturgeschöpfe, deren Ursprung und Erzeugnis durch ein Vergrößerungsglas von der klugen Unter- suchung angesehen wird, die mit ihrem pracht- vollen Taiar voller Augen herausschaut. Die rüstige Emsigkeit sucht zu dieser Untersuchung den widerspenstigen Irrtum zu ziehen, einen Burschen, kenntlich an seinem Stelzfuß, den verbundenen Augen und großen Eselsohren. Drei Jünger, welche den Namen von Wißbegierigen tragen — der erste ein abergläubiger Jude, der folgende ein allzu leicht- gläubiger Christ, der dritte ein Heide, in der Schule ^ k: t. I — I — t— < — I — 1 1 1 1 ' f> 1 ' 1 1 " Fig. 2. Lupe von Johannes Zahn. ') Vijfde vervolg der brieven, geschreven aan verscheide hege Standspersonen en geleerde luijden, door Antoni van L e e u w e n h o e k tot Delft 1 696. Fig- 3- Titelblatt des fünften und sechsten Bandes von Leeuwenhoek. N. F. \'I. Nr. I Naturwissenschaftliche Wochenschrift. trägt — haben sich noch nicht der Schwelle ge- nähert, auf welcher die Wahrheit sitzt, eigen- tümlich nackt und schön, keiner Schminke be- dürftig, mit r'üßen tretend den schrecklichen Neid. Ein göttliches Himmelslicht strahlt auf L e e u w e n - hoek's schöne Entdeckungen." Das Bild ist bis auf einzelne Kleinigkeiten dem Titelbilde zu Band I nachgezeichnet. In beiden Bildern untersucht eine weibliche Person, die „scharfsinnige Untersuchung", die vor ihr liegenden Gegenstände. Im zweiten Bild fehlt die Inschrift des Tisches „ontdekte onzigtbaar- heeden". Auch schreibt die Person nichts in ein Buch, wie im ersten Bilde geschieht. Die unter- suchten Gegenstände sind allerlei Naturobjekte, Pflanzen, Früchte, Tiere etc. Sie quellen im ersten Bilde aus einem Füllhorn hervor, welches die Natur, eine Figur mit fünf Brüsten, in der Hand hält. In dem ersten Bilde weist eine Figur mit gekröntem Haupte darauf mit einem Stab hin. Die ,, scharfsinnige Untersuchung" erscheint im zweiten Bilde mit einem Kleid voller Augen an- getan, im Strahle eines vom Himmel gesendeten Lichts, und versehen mit einem Leeuwen- hoek'schen Mikroskop. 2. Eigentliche Mikroskope Leeuwenhoek's. Diese Mikroskope waren inzwischen bekannt geworden, wenigstens in den Niederlanden. Es ist deshalb leicht erklärlich, daß in dem Bilde Fig. 3 ein solches abgezeichnet ist. In der Mitte des Bildes sehen wir, wie ein am Kopf geflügeltes, weibliches Wesen ein solches Mikroskop vor das Auge hält. >A^iiliiillZÄi!!P''p Fig. 4 a. Fig. 4 b. Instrument zur Beobachtung des Blutkreislaufs in der Schwanzflosse des Aales von Leeuwenhoek. Das Mikroskop ist genau beschrieben in der 66. „missive" vom 12. Januar 1689:') „Ich habe noch ein zweites Instrument verfertigt wo- von die Feder etwas kürzer gemacht ist, und welches an so ein Werkzeug festgeschraubt wird. Der kupferne Körper, womit ein Vergröße- rungsglas eingenietet ist, wird, wie hier mit Fig. 1 1 (die Abbildung Fig. 4a) angewiesen. Über dieses Vergrößerungsglas habe ich ein Schüsselchen ge- lötet, damit das Auge die Vorlagen noch besser sehen kann. Das Kupfer um das Vergrößerungs- glas habe ich so weit weggefeilt, wie es eben gehen kann, um das Licht auf die Gegenstände, welche man sehen will, so viel als tunlich zu bringen, wie man an F"ig. 12 (die Abbildung P^g. 4b) M. N. O. P. sehen kann , worin man dasselbe In- strument von der anderen Seite sieht." Da finden sich auch die Abbildungen Fig. 4 a und b und Fig. 5, welche kleinen Instrumente zur Beobachtung des Blutkreislaufs in der Schwanz- flosse des Aales dienten. Natürlich ist die Vor- richtung für diesen Zweck ganz besonders einge- richtet, aber der optische Teil entspricht den Ab- bildungen 4 a und b und Fig. 5. H G ^ i^ 4 F K ® Fig. 5. Zweite Abbildung eines Leeuwenho ek'schen Mikroskops. In Leeuwenhoek's Werken findet sich außer diesen beiden Zeichnungen keine einzige Abbildung seiner Mikroskope ; 26 derselben vermachte er der royal society zu London. Der Königin von Eng- land, Anna, überreichte er zwei. Folkes, der damalige Vizepräsident der Gesellschaft, rühmt die außerordentliche Klarheit und Güte seiner Linsen. Eine genaue Beschreibung derselben gibt Baker.^j A D Fip. 6. Vorder- und Rückseite eines Mikroskopes von Leeuwenhoek, nach Baker um 1670. Derselbe untersuchte die in einem Schränkchen des indian cabinet aufbewahrten Mikroskope. Die- selben waren in 1 3 kleinen Kästchen zu zwei Stück aufgehoben. Sie maßen im Geviert 3 X 1.7 Zenti- ') Verfolg der brieven, geschreven an de wytvermaarde koninglijke societeit in London, door Antoni van Leeuwen- hoek medelid van deselve societeit. Leyden 1688. ') Henry Baker, employment for the microscope, Lon- don 1764. — The microscope made easy, London 1769. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. meter, einige etwas größer. Fig. 6 zeigt ein solches Mikroskop. Genaue Zeichnungen und Beschreibungen seiner Mikroskope finden wir in dem Reisewerke des von Uffenbach.') Dieser besuchte den alten Leeuwenhoek, der ihm seine Mikroskope teilweise zeigte und mit denselben auch wirklich einige Sachen vorführte. Die besten seiner Mikroskope scheint er allerdings nicht gezeigt zu haben. Es ist dies um so betrübender, als jetzt die Leeuwenhoek'schen Mikroskope, die bisher in Lon- don waren, woselbst sie Leeuwenhoek der royal Society schenkte, nicht aufgefunden werden konnten.-) Leeuwenhoek verfertigte seine Mikroskope selbst und war stolz darauf. Wie er selbst über diejenigen dachte, welche versuchten seine Linsen nachzumachen, sagt folgende Stelle: (Brief vom 28. September 171 5, übersetzt.) „Junge Leute im Glasschleifen zu unterweisen und eine Schule dafür einzurichten, daraus kann ich nicht ersehen, daß viel Nutzen entspringen sollte; denn durch meine Entdeckungen und mein Glas- schleifen sind in Leyden viele Studenten angeregt worden, und es sind daselbst 3 Glasschleifer ge- wesen, zu denen die Studenten hingingen, um das Schleifen ihrer Gläser zu erlernen. Aber was ist dabei herausgekommen ? Nichts, so viel mir be- kannt ist; denn zumeist laufen alle Studien darauf hinaus, durch die Wissenschaften Geld zu er- werben oder durch die Gelehrtheit geachtet zu werden, und das steckt im Glasschleifen und im Entdecken von Dingen, die vor unseren Augen verborgen sind, nicht. Es steht auch bei mir fest, daß von tausend Menschen nicht einer dazu befähigt ist, sich mit solchen Studien abzugeben, weil dazu viel Zeit erfordert und viel Geld ver- braucht wird, und man ausdauernd mit seinen Ge- danken dabei beschäftigt bleiben muß. Überdies sind die meisten Menschen nicht wißbegierig; ja einige, von denen man es nicht erwarten dürfte, sagen : Was ist daran gelegen, ob wir es wissen ?" '') Auch liebte Leeuwenhoek es, den Über- legenen und Geheimnisvollen zu spielen, besonders gegenüber den zahlreichen wißbegierigen und neu- gierigen Besuchern, die oft von weit her kamen, um den berühmt geworden Mikroskopiker kennen zu lernen. Mehrere solcher Besucher haben uns über Leeuwenhoek und seine Mikroskope ausführ- liche Berichte hinterlassen. Molyneux^) schreibt in seiner 1692 erschienenen Optik: (übersetzt) ') Herrn Zacharias Konrad von Uffenbach merk- würdige Reisen durch Niedersachsen, Holland und Engelland. Dritter Teil mit Ku|)fern. Ulm 1754. '■'1 Wenigstens konnte der Verfasser dies nicht. Die Be- amten der royal society vermil3ten die Mikroskope schon seit mehreren Jahren. ') Dr. R. J. Petri, Das Mikroskop. Berlin 1896. Richard Schoetz. *) William MoIyneu.N, Dioptrica nova. A treatise of Dioptricks, in two parts, wherein the various effects and ap- pearances of spherick glasses, both, convex and concave, Single and combined in Telescopes and Microsropes together with their uselulness in many concerns of human life are explained. London, B. Tooke, 1692. „Der Herr Leeuwenhoek in Delft in Holland hat sich kürzlich mit großem Fleiß dem Gebrauche der Mikroskope gewidmet. Er glaubt, er habe eine bessere Art dieses Instruments, als bisher bekannt war. Als ich diesen Herrn in Delft besuchte, zeigte er mir einige, die in der Tat sehr sonderbar waren, aber nichts mehr, als was ich schon gewöhnlich gesehen hatte. Sie bestanden aus einer einzigen sehr kleinen Glaskugel oder Halbkugel, die zwischen zwei sehr dünn gehämmerten Blechen oder Platten \^on Messing (Kupfer) untergebracht waren. Das Objekt wurde zu seinem gehörigen Abstand von dem Glase durch eine feine Schraube gebracht. Seine beste Sorte jedoch zeigt er, uns um Ent- schuldigung bittend, nicht." Günstiger für Leeuwenhoek ist die Kritik von Martin Folkes, sowie auch von Baker. Leeu wen hoek hatte der royal society zu Lon- don, auf deren ihm 1679 verliehene Mitgliedschaft er sein ganzes Leben hindurch nicht wenig stolz war, 26 seiner selbstgefertigten Mikroskope ver- macht. Folkes, der damalige Vizepräsident der gelehrten Gesellschaft, rühmt in seinem Bericht die außerordentliche Klarheit und Güte der von Leeuwenhoek geschliffenen Linsen; auch seiner Fertigkeit im Präparieren der Objekte und der Objektivität seiner Beobachtungen spendet er wohl- verdientes Lob. Fig. 6 ist die Abbildung, welche Baker von der Augen- (A) und Präparaten- (B) Seite eines dieser Mikroskope gibt. Die Linse be- findet sich bei c in einem Loche zwischen zwei vorn dieselbe umfassenden rechteckigen Silber- platten. Diese werden durch 6 Niete b zusammen- gehalten. Durch die Schraube e ist auf A der nach vorn rechtwinklig (f) umgebogene Silber- streifen d befestigt. Durch f geht die Stellschraube g, welche unten einen Griff und oben den kleinen Objekttisch h trägt. Zum Befes- tigen der Objekte dient der Stachel i, welcher durch die Handhabe k um seine Achse gedreht werden kann. Die Schraube 1 geht durch den Objekttisch undstößtgegen die Platte B. Die Höheneinstellung wird durch Drehen der Schraube g, die Einstellung der horizontalen Entfernung von der Linse durch Drehen der Schraube 1 bewirkt. H a r t i n g hat bei M a i t - land einen dieser Abbildung ge- nau entsprechenden silbernen Leeu wen hoek gesehen, dessen Silberplatten etwa 3 X 1,7 Zentimeter im Geviert maßen. Fig. 7 ist die Abbildung eines etwas größeren messingnen Mikroskopes (4,5 >< 2,5 Zenti- meter im Geviert), welches sich im physikalischen Kabinett zu Utrecht befindet. Die Abbildung, van Haastert entlehnt,^) ist nach Harting natur- Fig. 7. Lceuwen- hoek'sches Mikro- skop im physika- lischen Kabinett zu Utrecht. (Nach V. Heurck.) ') Isaak van Haastert. Anth. van Leeuwenhoek verce- rend herdacht, 1823. \. F. VI. Nr. I Naturwissenschaftliche VVochenscIiritt. 5 getreu. Die sehr ^iite bikonvexe Linse vergrößert 2701113! und löste die dritte Gruppe derNobcrt- schen Frobeblättchcii gut, die vierte mühsam auf. Die kleine Stellschraube h hat nur 1 1 Windungen. Das ganze Instrument ist ziemlich grob gearbeitet. Nach B i r c li ') hat L e e u w e n h o e k noch bessere Mikroskope besessen, und dem Molyneux nur seine gewöhnlicheren gezeigt. Ahnliches berichtet auch Uylenbroek'-) in einem unedicrten Briefe des Huyghens in der Bibliothek zu Leyden. Harting^) hält jedoch dafür, daß das im Utrechter Kabinett aufbewahrte Instrument zu den besten des L e e u w e n h o c k gehört hat. Fig. 8 zeigt ein in dem Werke von H. van H e u r c k ') abge- messingnen Mikroskope erzielte 15 Stüber bis 3 Gulden, der silbernen 2 bis 7 Gulden. Im ganzen wurden 737 Gulden 3 Stüber gelöst! Aus dem Umstände, daß bei zwei Mikroskopen angegeben ist, daß sie 2, ein drittes gar 3 Gläser gehabt haben, schließt Harting, daß Leeuwenhoek auch Doublets und Tri])lets verfertigt zu haben scheint. Ob die Angabe des Harting'schen Auk- tionskatalogs darauf zu beziehen ist, halte ich für fraglich, denn Leeuwenhoek machte auch Mikro- skope mit zwei Linsen nebeneinander, wie uns von Uffenbach in seinem interessanten Reisebericht mitteilt. Dieser wißbegierige Frank- furter Patrizier — übrigens in imikroskopischen B Kig. 8. Vorder- und Rückseite eines Mikroskopes von Leeuwenhoek. (Nach V. Heurck.l Augenseite Fig. 9. Objektseite eines Mikroskops von Leeuwenhoek zur Demonstration des Blut- kreislaufs im Fischschwanz. (Nach Uffenbach.) bildetes Mikroskop, welches in seiner Einstellvor- richtung etc. von den vorher gebrachten geringe Ab- weichungen darbietet. Am 29. Mai 1747 wurden die Mikroskope aus dem Nachlaß Leeuwen- hoek 's öffentlich versteigert. Harting teilt aus einem in seinem Besitz befindlichen ausführlichen Auktionskatalog mit, daß 247 vollständige Mikro- skope, 172 zwischen Platten gefaßte Linsen, zu- sammen also 419 Linsen, worunter 3 aus Berg- kristall (."^mersfoorter Diamant) und eine Linse aus einem Sandkorn mit ebenfalls einem Sand- korn als Objekt zum Verkauf kamen. 160 Mikro- skope waren von Silber, 3 aus Gold ; zwei der letzteren wogen 10 Engels 17 As, das dritte 10 Engels 14 As. Eins der ersten wurde für 23 Gulden 15 Stüber verkauft, also nach dem Gewichte, wie Harting als curiosum berichtet! Das Paar der ') Birch, history of the royal society of London 1757. ^) Nach Halberlsma. 'J P. Harting, Prof. in Utrecht, das Mikroskop, Theorie, Gebrauch, Geschichte und gegenwärtiger Zustand desselben. Deutsche Originalausgabe von Dr. Wilh. Theile. 3 Bde., 2. Aufl. Braunschweig 1866. ■•j van lleurck, le microscope, 4. edition. Anvers- Bru.\elles 1891. Dingen ein Laie — besuchte am 4. Dezember 17 10 den 80jährigen Leeuwenhoek in Delft, und gibt uns eine ergötzliche Schilderung seiner Be- kanntschaft mit dem „guten resp. wunderlichen alten Mann". Leeuwenhoek führte sein Kabinett- stück vor, die Beobachtung des Blutkreislaufs im Schwanz des Aales. Er zeigte Präparate von Muscheln u. a. m. Die dabei benutzten Mikroskope bildete Uffenbach ab. Ich gebe seine Figuren in geringem Grade verkleinert, sonst aber ganz unverändert wieder. Fig. 9 ist das Instrument, mit welchem der Blutkreislauf im Fischschwanz demon- striert wurde. Links A ist die Mikroskop- und rechts B die Präparatenseite. Bei e ist die zwischen zwei kleinen Metallplatten montierte Linse, welche an dem Griffe dd unter Führung des Lineals cc beliebig auf der in den Rahmen bb eingeschobenen feinen Glastafel aa verschoben werden kann. Die Einstellung des Fokus geschielit durch die .Schraube bei d Auf der anderen Seite der Glastafel wurde durch die Klemme f der kleine Fisch festgehalten. Uffenbach berichtet: „Die Maschine ist simpel, groß und nicht bequem", ca. I Schuh lang, '/., Schuh breit, von Messing. Sie wird mit der Mikroskop- Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. I Seite auf die Stirne gelegt, und man sieht „so durch das kleine Gläschen in die Höhe, welches lange Aufsehen zuletzt verdrießlich fällt". Ein anderes Leeu wen hoek'sches Mikroskop mit zwei Linsen nebeneinander in natürlicher Größe (hier etwas verkleinert) ebenfalls aus dem Reise- berichte des Herrn von Uffenbach zeigt Fig. lo. A ist die Präparaten- und B die vor das Auge zu haltende Linsenseite. Die beiden Linsen stecken in den Löchern bei aa; durch die Schraube f können die Objektklemmen in verschiedener Höhe festgestellt werden. Der Fokaleinstellung dienen die Schrauben e e. Leeuwenhoek zeigte dem Herrn von Uffenbach verschiedene Objekte, und zwar jedes an einem anderen Mikro- skop. LTffenbach sah in Leeuwenhoek's Kabinett „wohl ein Dutzend lackirter Kästgen, und in diesen wohl an anderthalbhundert obvermelde- ter kleiner Futterälgen, in deren jedem zwei sol- Nachwelt angesichts der zahlreichen vorzüglichen Beobachtungen, die Leeu wenh oek mit seinen unvollkommenen Instrumenten gemacht hat, ihm ihre Anerkennung nicht versagen. Vieles, was er als eigene, neue Entdeckung pries, war vor ihm von anderen schon gesehen worden. Gar man- ches beobachtete er aber zuerst, und wußte es durch vorzügliche Abbildungen der Nachwelt zu überliefern. Er besaß bis an sein Lebensende einen staunenswerten Forschertrieb, untersuchte alles, was er vor sein Mikroskop bringen konnte, allerdings ohne viel nach System oder innerem Zusammenhang der Gegenstände zu fragen. Dabei verstand er es, wahrhaft objektiv und kritisch zu bleiben und sich vor sanguinischen Trugschlüssen zu bewahren. Um die zeitgenössische mikrosko- pische Fachliteratur kümmerte er sich nur ge- legentlich, und zwar meist gezwungen im Inter- esse der Polemik. s- " cfv Fig. lo. Objektseite und Augenseite eines Leeuwenhoek'sclien Mikroskopes mit 2 Linsen nebeneinander. (Nach Uffenbach.) Fig. II. „levende dierkens" aus der Mundhöhle (Speichel) des Menschen; die ersten Abbildungen von Bakterien nach Leeuwenhoek, 1683. eher Mikroskopien von der kleinen Sorte", die er auf Befragen nur für den eigenen Gebrauch be- reitet hatte. Er erklärte, daß seine Linsen mög- lichst dünn und bikonvex seien; die geblasenen Kugeln taugten nichts. „Er hatte auch einige Mikroskope mit doppelten Gläsern, die, ob sie gleich doppelt und inwendig nach ihrer behörigen Distanz, vermuthlich durch eine laminam separiert waren, dennoch nicht viel dicker als die einfachen waren. Ob nun diese wohl gar mühsam zu machen sind, so sind sie doch nicht viel besser, als die einfachen, außer daß sie nur ein weniges, wie Herr Leeuwenhoek selbst gestände, mehr vergrössern." Ob man aus dieser Angabe schließen darf, 1^'e eu w en h oek habe auch Doublels ge- macht, scheint mir fraglich. Auch geblasene Gläser, fährt Ufielmann fort, könne er machen, die aber nicht rund wären. Er zeigte auch seine Maschinen zum Schleifen. Uffenbach nennt die Lee u wen ho ek'schen Mikroskope simpel und schlecht gearbeitet, meist unförmig und das Silber nicht einmal sauber gefeilt. Trotz dieser etwas ungünstigen Kritik wird die Hier werde zum Schlüsse noch eine Abbildung hinzugefügt, in welcher Lee u we n h o ek sich als ersten kennzeichnet, der die Bakterien gesehen und in ihrer Vergrößerung abgezeichnet hat. In einem Brief vom 12. September 1683 bringt er diese erste, zweifellose Abbildung von Bakterien (Fig. 11). Er sagt: (übersetzt) ,, Schon früher habe ich meine Beobachtungen über den Speichel niedergeschrieben; wie ich ge- sehen, sind dieselben in den von Herrn Robert Hooke, Sekretär der Kgl. Gesellschaft im Jahre 1678 herausgegebenen lectures and collections abgedruckt. Seitdem habe ich wieder verschiedene Beobachtungen über meinen Speichel angestellt in der Voraussicht, daß einige der Tierchen, falls sie im Körper verbreitet liegen, zu einer oder anderen Zeit durch die Speichelgefäße in den Mund gebracht werden würden ; trotz aller Be- obachtungen habe ich aber keine Tierchen darin gefunden; ich kann daher nichts anderes darüber besagen , als was ich früher geschrieben habe. Meine Gewohnheit ist, des Morgens die Zähne X. F. \'I. Nr. I Naturwissenschaftliche Wochenschrift. mit Salz abzureiben, dann den Mund mit Wasser auszuspiilen und wenn ich tjegessen habe, die Back-zäiiiic wiederholt mit dem Zahnstocher zu reinigen, sowie mit einem Tuch stark abzureiben, wodurch meine Back- und anderen Zähne so sauber und weiß bleiben, wie sie nur wenige Leute von meinen Jahren besitzen; auch fängt mein Zahn- fleisch , mag ich es auch noch so mit ganz hartem Salz reiben, nicht an zu bluten. Trotzdem sind meine Zähne nicht so rein, daß nicht, wenn ich dieselben mit dem Mikroskop untersuchte. dennoch zwischen einigen der Back- und Vorder- zähne ein wenig weiße Materie von der Dicke eines Mehlanflugs sitzen bleibt oder wächst. Ob- schon ich bei der Untersuchung derselben Eigen- bewegung darin nicht erkennen konnte , glaubte ich doch , daß lebende Tierchen darinnen wären. Ferner habe ich dasselbe Material verschiedene Male mit reinem Regen wasser, in welchem keine Tierchen waren, vermischt, desgleichen mit Speichel aus meinem Mund, nachdem ich denselben von den Luftbläschen befreit hatte, damit letztere keine Bewegung hervorbringen konnten. Mit großer Verwunderung habe ich nun gesehen, daß fast überall in der vorerwähnten Materie viele sehr kleine Tierchen sich befanden , die sich sehr er- götzlich bewegten. Die größte Art war ähnlich der Fig. A. Sie (d. h. diese Art Tierchen) zeigten eine sehr starke und gewandte Bewegung und schössen durch das Wasser oder den Speichel wie ein Hecht durch das Wasser; an Zahl waren diese fast überall nur gering. Die zweite Art hatte die Form von Fig. B. Diese drehten sich häufig herum wie ein Kreisel, und beschrieben ab und zu eine Bahn, wie in C und D angedeutet ist; an Zahl waren sie viel reichlicher. An der dritten Art konnte ich eine Form nicht erkennen, denn das eine Mal erschienen sie länglich rund, das andere Mal vollkommen rund. Sie waren so klein, daß sie nicht größer erschienen als Fig. E und hatten dabei eine so schnelle, gewandte Be- wegung, daß sie in einer Weise durcheinander schwärmten, um auf uns den Eindruck einer großen Anzahl von Mücken und F"licgen zu machen, die wir durcheinander fliegen sehen. Diese letzt- erwähnten (Tierchen) haben auf mich wohl den Eindruck gemacht, daß ich ihre Zahl auf einige Tausende abschätzte in einem mit der erwähnten Materie vermischten Quantum von Wasser oder Speichel, welches nicht größer als ein Sandkorn war, obgleich neue Teile Wasser oder Speichel auf nur einen Teil der zwischen meinen Vorder- oder Backzähnen hervorgeholten Materie kamen. Ferner bestand die Hauptmasse der Materie aus einer übergroßen Menge von Streifchen, in der Länge zwar untereinander sehr verschieden, aber doch von ein und derselben Dicke; die einen krummgebogen, die anderen gerade, wie Fig. F, ungeordnet durcheinander liegend. Da ich nun früher Tierchen von demselben Aussehen im Wasser lebendig gesehen, habe ich mir alle Mühe gegeben, zu erkennen, ob in ihnen Leben war; ich habe aber nicht die geringste Bewegung daran wahrgenommen, die einigermaßen nach Leben aussah" etc. Wann Leeuwenhoek angefangen hat zu mikroskopieren, wissen wir nicht. Seine Beobach- tungen waren der Ausfluß reinster Wißbegier und anfangs gar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Erst im Alter von 41 Jahren fing er an, der Kgl. wissenschaftlichen Gesellschaft zu London seine Mitteilungen zu machen, und setzte dieselben fort bis kurz vor seinem im 91. Lebensjahre erfolgten Tod. Mithin erstreckte sich seine literarische Tätigkeit auf die Zeit eines halben Jahr- hunderts, von 1673 bis 1723. In späteren Jahren wurde Leeuwenhoek auch vielfach als Sachverständiger zur Erstattung von Gutachten in Anspruch genommen. Nach Bezahlungen so- wie äußeren Anerkennungen für seine Leistungen war er nicht aus. Trotzdem wurden ihm zahl- reiche Ehrenbezeugungen in Form von Medaillen, Pokalen etc. zuteil. Auch wurde er besungen von den holländischen Dichtern Poot, Hoogvliet und R a b u s. Hier ein Gedicht von Poot, das sich im VII. Teil von Leeu wenh oek's „Sendbrieven" findet: (übersetzt) „Durch welche Wunder doch allhie die Welt bestehet. Sprach Leeuwenhoek und guckte durch sein Schauglas klar Mit eines Linceus Auge: ,, Kommet her und sehet, Was noch in Finsternis bisher begraben war." — Die Feder mußt ans Werk, und was er hat gefunden. Das bleibt in Ewigkeit, trotzt Schwert und Feuer schier. Schaut ."Mexander aus nach neuen Weltenrunden, Hier findet eine er im allcrkleinsten Tier. Die Briefe wunderbar von dem Geschöpfe sprechen, Das Federn oder Haar, auch Schuppen, Schalen trägt; Es wird der Walfisch, der in nord'schen Wasserflächen, Ein schwimmend Eiland, lebt, wie auch der Krebs zerlegt. Und von dem geh'nden Berg im heißen Mittagslande, Dem großen Elefant, vor dem Held Hannibal Den Tiber weichen sah und sIeigen hoch am Rande, Bis zum Ameisennest zerlegt er's Wcltenall. Im kühnen Fluge selbst der .\dler nimmermehr Empor zum Himmel strebt so sicher und so hoch ; Dem Leeuwenhoek's Verstand fliegt höher noch als er, Des stolzen Adlers Scharfblick übertritTt er noch. Sein Geist erspäht die kleinsten Dinge aller Orten, Die oft das schärfste Aug nicht sieht in ihrem Lauf; Fürst Salomonis Weisheit klingt aus seinen Worten; Manch gord'schen Knoten löst der kluge Denker auf. Er zeigt die Eigenart von Kräutern, Pflanzen, Saaten (Pylhagoras Gericlit), sieht einen ganzen Baum Mit Wurzeln reich versehn, mit Blättern wohlgeraten. Im kleinsten Korn; er fischt aus See und Teichesraum LTnzähl'ge Wundertier'. Was sagt ihr zu dem Weisen? Wer hätte dies geglaubt, eh es sein Aug gesehn ! Und wer wird nach Verdienst des Mannes Scharfsinn preisen, Der überflügelt Rom und Memphis und Athen? Drum, Delft'sche Bürger, preist, so lang ihr weilt auf Erden, Hoch neben dem De Groot den Helden weiser Tat; Preist dieses Buch, das nachspürt dem, das Gott ließ werden. Doch über alles preist den, der's geschaffen hat ! Xaturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. I Kleinere Mitteilungen. R. V o 1 k , Hamburgische Elb-Untersuchung. VIII. Studien über die Einwirkung der Tr ocke n p er i o d e im Sommer 1904 auf die biologischen Verhältnisse der Elbe bei Hamburg. Mit einem Nachtrag über chemische und planktologi. 'sehe Methoden. In: Mitteil, aus dem Naturhist. Museum, Band 13. 1906. S. I — 10 1. Mit 2 Tafeln und i Karte. Die außerordentliche Armut an atmosphärischen Niederschlägen während des Sommers 1904, die in einem großen Teil Mitteleuropas schädigend zur Geltung gekommen ist und in ihrer Einwirkung auf den VVasserstand der Elbe eine monatelange Unterbrechung der Eibschiffahrt oberhalb Ham- burgs veranlaßte, ja sogar auf manchen .Strecken des oberen Elblaufes eine zeitliche Trockenlegung des Strombettes herbeigeführt hat, mußte auch eine gewisse Einwirkung auf das Tier- und Pflanzen- leben der Elbe erwarten lassen. Die hamburgische Eibuntersuchung, die am dortigen Naturhistorischen Museum R. Volk mit einem Stabe von Mitarbeitern begründet hat und die bereits eine Reihe von wichtigen Arbeiten ver- öffentlichte, konnte an diesen Erscheinungen nicht achtlos vorüber gehen, zumal auch Klagen von Eibfischern auftauchten, daß sie durch die schlechte Beschaffenheit des Eibwassers in ihrem Erwerb geschädigt würden. Nach ihrer Ansicht sollte die Einwirkung der Sielwässer der Städte Hamburg, Altona und Wandsbeck in den heißen Sommer- tagen das Erkranken und Absterben ihrer Fänge im „Bünn" der Fahrzeuge veranlaßt haben, wenn sie, von ihren weit unterhalb gelegenen Fang- plätzen aufkommend , die Gegend von Schulau passierten. Das veranlaßte R. Volk, der schon seit einer Reihe von Jahren die biologischen Verhältnisse der Elbe bei Hamburg und die Einwirkung der Sielwässer auf die Organismen des Stromes zum Gegenstand eingehender Studien gemacht hat, im Sommer 1904 bei Schulau das Verhalten der Wasserbewohner bei dem niedrigen Wasserstand unter gebührender Berücksichtigung gewisser che- mischer Eigenschaften des Eibwassers zu studieren. Da die Elbe an dieser Stelle schon in der statt- lichen Breite von fast zwei Kilometern bei wech- selnder Tiefe dahinfließt, so wurden die Organis- men- und Wasserproben an mindestens 3 Stellen des Stromquerschnittes, nämlich innerhalb der beiden flachen Uferzonen und in der Mitte des tiefen Fahrwassers entnommen. Der Schwer- punkt wurde auf eine gründliche qualitative und quantitative Untersuchung des Planktons gelegt. Da diese Stelle, obwohl 17 Kilometer von der Hauptmündung der Siele von Hamburg und Altona entfernt, doch noch als innerhalb der Einwirkung von Abwässern gelegen angesehen werden muß, so wurden an dem oberhalb Hamburg und ober- halb der Trennung von Norder- und Süder-Elbe gelegenen Ort Gauert Vergleichsfänge gemacht, an einer Stelle, bis zu welcher ein Vordringen von Abwässern aus dem Hamburg -Altonaer Sielnetz selbst bei höchstem Hochwasser ausgeschlossen ist. Beide Fangorte liegen etwa 32 Kilometer vonein- ander entfernt. Bei der Ortschaft G a u e r t oberhalb Hamburg ist die Elbe ca. 500 m breit und im Mittel 3 m tief (im Fahrwasser). Die Tiden machen sich nur durch Steigen und Fallen des Wasserstandes, sowie durch rascheres oder langsameres Dahinströmen des Wassers bemerklich. Das Plankton zeigt in seiner Gesamtproduktion regelmäßig verlaufende peri- odische Bewegungen, im Frühling mit der Zu- nahme der Wasserwärme ein allmähliches Ansteigen, im Herbst ein Niedergang der Planktonziffern mit der sinkenden Temperatur. Dieses Phänomen ver- läuft in der oberen Elbe fast mit der Regelmäßig- keit, die wir aus Binnenseen kennen. Diese Er- scheinung ist wohl darauf zurückzuführen, daß die stillen Wasservvinkel zwischen den tausenden von Buhnen, welche zur Regulierung des Eibbettes auf fast 500 km Länge angelegt sind, die wichtigsten Brutstätten für das Plankton abgeben und Teile ihrer Produktion in großer Regelmäßigkeit in das fließende Wasser entsenden. Ganz anders gestalten sich die Verhältnisse bei Schulau unterhalb Hamburg bei einer Strom- breite von fast 2000 m und einer 8 — 10 m tiefen Fahrrinne. Dieses ganze Strombett steht unter der Herrschaft der Gezeiten, die täglich 4 mal das Wasser von Grund aus aufwühlen und durcharbeiten. Die einzelnen Hafenbecken, die biologisch eine ge- wisse Ähnlichkeit mit tieferen Teichen oder Binnen- seen haben, bilden die Brutstätten für das Plankton der unteren Elbe und jede Ebbetide nimmt etwas von dem Planktonbestand dieser Depots mit fort in den freien Strom zur Ergänzung der Abgänge. Bei außergewöhnlich starker Flut ergibt sich zu- weilen ein Überschuß in der Verstärkung der vor- überziehenden Planktonorganismen, deren Herkunft aus den Hafenbecken sich oft noch bis nach Schulau direkt nachweisen läßt, wenn es sich um größere Mengen solcher Organismen handelt, die oberhalb des Hafengebietes nicht oder nur in geringer Zahl angetroffen werden. Das Jahr 1905 war für dieselben in hydro- biologischer Beziehung wieder ,, normal". Die in demselben von R. Volk angestellten Parallelunter- suchungen werden den Ergebnissen von 1904 in der vorliegenden Arbeit zum Vergleich gegenüber gestellt. Die Untersuchungsfahrten fanden in beiden Jahren im September und in der ersten Hälfte des Monats Oktober statt. Die chemische Untersuchung des Eibwassers hat ergeben, daß der Inhalt des Wassers an ge- lösten organischen Stoffen im gesamten Unter- suchungsgebiet in dem wasserarmen Jahr 1904 ein größerer gewesen ist, daß aber eine allgemein stärkere Belastung der Elbe bei Schulau mit ge- löster organischer Substanz nicht vorhanden war. Der durchschnittliche Sauerstoffgehalt ist in beiden Jahren auffallend ähnlich gewesen, und die N. F. \'I. Xr. I Xnt urwissenschaftliche Wochenschrift. Erwartungen, im rrocl 7 ,, 6 ,, o „ „ „ „ ,, I. „ >. 29. ■, 9 ,. 5 .. 32 „ „ „ „ „ II. „ ,. 30- „ 9 .. I .. 20 „ „ „ „ „ I. „ Am 14. Januar findet eine in Deutschland unsichtbare totale Sonnenfinsternis statt, die in Südasien am besten zu beobachten ist. Am Nachmittag des 29. ereignet sich eine in Deutschland gleichfalls unsichtbare, partielle Mondfinsternis. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. I Algol - Minima können beobachtet werden am zo. um 9 Uhr ig Min. abends und am 23. um 6 Uhr 8 Min. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Auch in diesem Jahre gcl.nii^t aus der kürzlich gegründeten Adolf Salomon söhn -Stiftung eine Beihilfe für natur- wissenschaltliche und medizinische Studienzwecke im Betrage von 1000 Mk. zur Verleihung. P.cwerbungsgesuche sind bis zum 15. Februar 1907 an das Kuratorium der genannten Stif- tung, Unter den Linden 4, zu richten. Bücherbesprechungen. Dr. Ludwig Reinhardt, Der INIensch zur Eis- zeit in Europa und seine Kulturentvvick- * lung bis zum Ende der Steinzeit. Mit 185 .\bb. Verlag von Ernst Reinhardt in Mün- chen. 1 906. — Preis 7 Mk. Wer eine Belehrung über den Menschen der „vorgeschichtlichen" Zeit sucht, wird das vorliegende schöne Buch mit großer Teilnahme lesen und studie- ren. Reinhardt behandelt den reizvollen Gegenstand, den er eingehend studiert hat, in zuverlässiger Weise, ohne der Phantasie ungebührlichen Spielraum zu ver- statten. Es ist für den kritisch Veranlagten — d. h. denjenigen, der das, was wir wirklich wissen, zur Kenntnis nehmen will , aber nicht irgend welche Phantastereien zu hören wünscht, — eine große Freude, wenn ihm das Tatsachenmaterial in vernünf- tiger Verknüpfung so geboten wird, wie es in diesem Buch geschieht, dessen Angaben somit als Grundlagen weiterer Forschungen wirklich benutzbar sind. Es ist in elf Abschnitte eingeteilt, deren Aufzählung besser als jede längere Inhaltsangabe uns das überaus reich- haltige Material vor Augen führt. Diese Abschnitte sind: I. Der Mensch zur Tertiärzeit. U. Die Eiszeit und ihre geologischen Wirkungen. III. Der Mensch während der ersten Zwischeneiszeiten. IV. Der Mensch der letzten Zwischeneiszeit. V. Der Mensch der frühen Nacheiszeit. VI. Die Übergangsperiode von der älteren zur jüngeren Steinzeit. VII. Die jüngere Steinzeit und ihre materiellen Kulturerwerbun- gen. VIII. Die Germanen als Träger der megalithi- schen Kultur. IX. Die Entwicklung der geistigen Kultur am Ende der Steinzeit. X. Steinzeitmenschen der Gegenwart. XI. Niederschläge aus alter Zeit in Sitten und Anschauungen der geschichtlichen Europäer. Prof. E. Geyger , Lehrbuch der darstellen- den Geometrie. I.Teil. 321 S. mit 290 Fig. Leipzig, Göschen. 1906. — Preis 8 Mk., geb. 8,60 Mk. Das Werk soll eine Art Fortsetzung der im glei- chen Verlage erschienenen darstellenden Geometrie von Schröder sein. Verf. hält eine möglichst gründ- liche, wissenschaftliche Einsicht in die projektivische Geometrie für die Vorbedingung erfolgreichen Arbei- tens auf dem Gebiete des konstruktiven Zeichnens. Dementsprechend beschäftigt sich der vorliegende Band der Hauptsache nach (Kap. I — III, S. i — -214) mit synthetischer Geometrie und besonders mit den Kegelschnitten. Erst im vierten Kapitel beginnen die zeichnerischen .Anwendungen mit der Behandlung der orthogonalen und schiefen Projektion. Leider ist ge- rade hier die erste Aufgabe (S 218) recht schwer verständlich, die Darstellung unklar und zu kurz, so- wie die Figur zu klein. Wir möchten fürchten, daß der Anfänger schon bei dieser Aufgabe verzagen dürfte, wenn er sich nur nach dem Buche unter- richten wollte. — Im fünften Kapitel werden schließ- lich orthogonale Projektionen von Ebenen und Kör- pern behandelt. Zviinder, Kegel, Kugel, Raumkurven und Durchdringungen obiger drei Flächen werden besprochen. Auch hier kommen in erster Linie die mathematischen Tatsachen und Lehrsätze zur Geltung, die ausgeführten Konstruktionen sind zum Teil (z. B. Fig. 260) in viel zu kleinem Maßstab wiedergegeben. Die Schattenkonstruktionen, Beleurhtungslehre und Zentralperspektive sollen in einem zweiten Bande be- handelt werden. Wir halten es nicht für ausführbar, das Buch der auf dem Titelblatt angegebenen Be- stimmung gemäß auf mittleren technischen Lehr- anstalten, Kunstgewerbeschulen oder gar Fortbildungs- schulen zu benutzen. Dagegen mag es den Lehrern an solchen Schulen Gelegenheit geben zu anregenden Studien über die wissenschaftlichen Grundlagen der darstellenden Geometrie. Kbr. Dr. O. Sackur, Über die Bedeutung der Elektronentheorie für die Chemie. 21 S. Halle a. S., W. Knapp, 1905. — Preis i Mk. Nach einleitenden Bemerkungen über die Elek- tronen (S. 3 — 10) geht die Antrittsvorlesung in all- gemeinen Zügen diejenigen Fragen der Chemie durch, welche durch die Elektronentheorie eine neue Be- leuchtung erfahren haben, vor allem also die Arrhe- nius'sche Theorie der elektrolytischen Dissoziation, den Abegg'schen Versuch der Benutzung der Elektro- affinität als Systematisierungsprinzip, sowie die Speku- lationen in bezug auf das Urelement. Kbr. Literatur. Bezold, Wilh. v. : Gesammelte Abhandlungen aus den Ge- bieten der Meteorologie u. des Erdmagnetismus. In Ge- meinschaft m. A. Coym hrsg. vom Verf. (VIII, 448 S. m. 66 Abbildgn. u. 3 Taf.) Le.t. 8». Braunschweig '06, F. Vieweg & Sohn. — 14 Mk. ; geb. 16 Mk. Drude, Proi. Dr. Paul; Lehrbuch der Optik. 2. erweit. Aufl. (XVI, 538 S. m. HO Abbildgn.) gr. 8". Leipzig '06, S. Hirzel. — 12 Mk. ; geb. 13 Mk. Heun, Prof. Dr. K.arl ; Lehrbuch der Mechanik. I. Tl. Kine- matik m. e. Einleitg. in die elementare Vektorrechng. Mit 94 Fig. im Text. (XVI, 339 S.) Leipzig '06, G. J. Göschen. — Geb. in Leinw. 8 Mk. Jüptner, Prof. Hanns v. : Lehrbuch der chemischen Techno- logie der Energien. II. Bd.: Die ehem. Technologie der mechan. Energie. Explosivstoffe u. Verbrennungsmotoren. (V, 190 S. m. 51 Abbildgn.) gr. S»- Wien '06, F. Deu- ücke. — 5 Mk. Lenard, P. : tjber Kathodenstrahlen. Nobel-Vorlesung. Mit 1 1 Textfig. u. e. angehängten Literaturverzeichnis. (44 S.) gr. 8". Leipzig '06, J. A. Barth. — 1,20 Mk. Sauer, Prof. Dr. A.: Petrographische Wandtafeln. Mikro- skopische Strukturbilder wicht. Gesteinstypen in 12 Taf. Je 98X74,5 cm. Mit Text. (31 S. m. Abbildgn. gr. 8°. Stuttgart '06, K. G. Lutz. — 20 Mk. ; auf Leinwand mit Stäben 38 Mk.; einzelne Taf. 2 Mk. , bezw. 3,50 Mk.: Text allein t Mk. \. F. \'I. Nr. I Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 15 Briefkasten. Frage: „WcU-lic Xorgiinge spielen sich bei der Kntwick- lung der Keigcnl'ruoht (Ficus) ab und in welclier Weise ist ein Insekt und welches dabei beteiligt:" .\. M. in Berlin. Antwort: Betrachtet man die Feige im ersten Stadium ihrer Entwicklung, so erblickt man sie als klcme Knospe (als jungen Sprofi), d. h. als kurzes Stengclende mit daran befind- lichen, sich deckenden kleinen Hochblättern. .Anfangs ist der Scheitel dieser Knospe fast eben, nach und nach aber bildet sich an seinem Rande ein Ringwulst, der die erwähnten Hoch- blätter trägt, während der zentrale Teil des Scheitels sich lang- sam vertieft, so daß sich aus der Knospe schließlich ein engmiin- digcs, birnenrdrmigcs Gehäuse bildet, dessen Ausgang durch die Hochblätter noch beträchtlich beengt und verschränkt wird (siehe unsere Fig. .\). .\n der Innenwand der so entstandenen Urne entspringen, als letzte Verzweigungen des Sprosses, viele Blütenstiele, die zwei Arten Blüten tragen. Männliche oder Pollenblüten (siehe Fig. D) und weibliche oder Fruchtblüten (siehe F'ig. B u. C). Nun kommt es bei manchen Feigenarten vor, daß in ein und derselben FVige verschiedenartig gebaute Fruchtblüten zu finden sind, nämlich solche mit längerem Griffel (Fig. B) und solche mit kürzerem (Fig. C); die letzteren nennt man Gallenblüten, weil sie, wie wir sehen werden, durch die F'eigenwespe in Gallen verwandelt werden können. Einen Feigenbaum, dessen Blütenstand nur Fruchtblüten enthält, be- zeichnet man im engeren Sinne als Ficus (Eßfeigenbaum). Einen solchen, der hingegen an der Mündung seiner Urnen Pollenblüten weiter unten aber größtenteils Gallenblüten hat, mit Caprificus i^Holzfcigenbaum^. Die Feige trägt nicht wie andere Bäume einmal zu be- stimmter Zeit im Jahre Früchte, sondern dies ist dreimal der Fall, sodaß wir bei der Holzfeige erhalten: 1. Vorfeigen, ,,Profichi"; 2. Sommerfeigen, ,,Mammoni" ; 3. Winterfeigen, ,,Mamme". Wie sich die Eßfeige in dieser Beziehung verhält, soll weiter unten erwähnt werden. Durch den kurzen, oft narbenloscn Griffel der Gallen- blüten von der Vorfeige des Caprificus, legt nun die Wespe Blastophaga grossorum Grav. (auch Cynips psenes L., zur Gattung der Chalcidier gehörig) je ein Ei in den Frucht- knoten, wo es zwischen Nucellus und Integument der Samen- anlage zu liegen kommt. Die langgriffligen Blüten sind dem Insekt unzugänglich, /. weil sein Legestachel zu kurz ist und 2. weil es die wohl- ausgebildete Narbe schlecht durchbohren kann. Hat das Tier die Fruchtknoten mit Eiern behaftet, so bilden sich Gallen, in denen sich die bald darauf ausschlüpfenden Wespen- larven bis zum Sommer in gelbe, flügellose Männchen und schwarze, geflügelte Weibchen verwandeln. Die Männchen be- freien sich sofort nach ihrer Metamorphose aus den Gallen, indem sie diese zerbeißen. Die Weibchen dagegen bleiben noch so lange darin, bis sie von den Männchen befruchtet worden sind, worauf auch sie die Gallen verlassen, um sofort durch den engen Ausgang der Urne ins F'reie zu ^cliLii. Hier- bei berühren sie natürlich die bei der Ilolzfeige im -Mündungs- gebiet befindlichen Pollenblüten, und verschleppen ihren Bluten- staub (die F-eige ist protogyn) in die Sommcrieigen oder Mam- moni, in denen sich zu dieser Zeit ausgebildete Fruchtblüten befinden. Wie schwer es den Tieren wird , die Urne zu ver- lassen, geht daraus hervor, daß die Weibchen meist nur unter Verlust ihrer Flügel das Freie gewinnen. Unter solchen Ver- hältnissen müssen sie natürlich mit dem Pollen in engste Be- rührung gelangen. Die iMer, mit denen das Wespenweibchen die Mammoni besetzt, haben sich wiederum in Wespen verwandelt, wenn sich die weiblichen Blüten der Winterfeige oder Mamme fertig ausgebildet haben. Diese werden mit den Pollen der Mammoni befruchtet und mit leiern liclegt, deren Metamorphose erst im nächsten F>ühjahr beendet ist, da die Larven in den (lallenbluten der Mamme überwintern. Dann beginnt der Kreislauf von neuem. Besonders kompliziert wird das Verhältnis der Wespe zur Feige noch dadurch, daß auch der Eßfeigenbaum dreimal jähr- liclj Früchte trägt. Bei ihm unterscheidet man: 1. Vorfeigen, ,,Fiori" ; 2. Sommerfeigen, ,,Pedagnuoli" ; 3. Winterfeigen, ,,Cimaruoli". Wir bringen der Übersichtlichkeit halber folgende Tabelle (^die Pfeile werden später erklärt). Vorfeigen Sommerfeigen Winterfeigen Holzfeige Caprificus Profichi V Mammoni Mamme .>^- •• Eßfeige Ficus riori Pedagnuoli "X^imaruoli Der Eßfeigenbaum besitzt, jedenfalls durch seine lange Kultur, keine männlichen Blüten. Infolgedessen wäre es ihm also un- möglich Samen zu erzeugen , wenn er nicht durch die Pollen der Holzfeige befruchtet würde, und diese Befruchtung wird wieder durch die Feigenwespe besorgt. Die Fiori können nie Samen tragen, denn die sie eventuell aufsuchenden Wespen dritter Generation entstammen den Mamme, die im Frühjahr keine jungen Pollenblüten besitzen (s. Tab. >•). Die Pedagnuoli werden von der ersten Generation der Wespen mit den Pollen der Profichi befruchtet (s. Tab. >■). Die Cimaruoli durch die zweite Generation der Wespe mit dem Blütenstaub der Mammoni (s. Tab. >■). Seit uralter Zeit übte mau die sogenannte Caprifikation, das heißt man pflanzte Holzfeigenbäume zwischen die Kulturen der Eßfeigenbäume, oder man hängte die Profichi und Mammoni in die Krone der letzteren, um ihre Samen zu befruchten. Noch heute wird Caprifikation stellenweise aus alter Gewohn- heit betrieben, weil man glaubt, daß das Fleisch der F'eige dadurch besser werde ; dies ist aber ein Irrtum. Heute hat sie gar keinen Zweck mehr, da man die Feigen jetzt nicht mehr durch Samen , sondern durch Stecklinge fortpflanzt. Neuerdings sind unsere Kenntnisse über das Zusammenleben von Feige und FeigeuAvespe wesentlich gefördert worden durch folgende Arbeiten: H. Graf zu Solms-Laubach, Die Herkunft, Domestikation und Verbreitung des gewöhnlichen Feigenbaums, in Abhandlungen der Königlichen Gesellschaft der Wissen- schaften zu Göttingen, 1882. — Fritz Müller, Caprificus und Feigenbaum, in Kosmos VI (1882) Heft 5, S. 342 ff. — Solms- Laubach , Die Geschlechterdifferenz bei den Feigenbäumen (Botan. Zeitung 1885, Nr. 33 — 36). R. P. Herrn O. M. in Berlin. — Sie fragen wie sich die auf S. 736 und S. 744 gemachten Angaben über den Farben- wechsel der Tiere vereinigen lassen und ob es mit der Theorie der Anpassungsfarben so schlecht bestellt sei, wie es nach der letztgenannten Stelle den Anschein habe. — — Die Frage, auf welche die Antwort S. 736 erteilt wurde, be- zog sich auf den Farbenwechsel nur insoweit , als er durch LichteindrUcke veranlaßt wird. Die .\ntwort ging deshalb, der Anfrage entsprechend , nicht auf den Farbenwechsel infolge von Tastreizen ein. — Daß die Farbe des Laubfrosches unter Einwirkung des Lichtes hell wird , hat ebenso wie die anderen, dort genannten Autoren auch W.Biedermann nachweisen können (vgl. Pflüger's Arch. f. d. ges. Physiologie i6 N'aturwisscnscliaftlirlie W(jchens("lii'ift. X. F. VI. Nr. I Bd. 51, 1892, S. 4S8). In dem Aufsatz auf S. 744 ist dies nicht zum Ausdruck gelangt. Daraus erklärt sich der scheinbare Widerspruch. — Was nun die Wirkung der Um- gebung auf die Hautfarbe der Tiere anbetrifft, so verhalten sich in dieser Beziehung die verschiedenen Tierarten recht verschieden. — Beim Chamäleon wirkt im Gegensatz zum Laubfrosch helles Licht verdunkelnd auf die Hautfarbe ein und deshalb kann auch, wie seit den Untersuchungen von E. Brücke (Denkschr. d. matli.-naturw. Kl. d. Akad. d. Wiss. Wien, Bd. 4, Abt. I, 1852, S. 179—210) bekannt ist, von einer Anpassung der Farbe an die Farbe der Umgebung beim Chamäleon nicht die Rede sein. Immerhinnimmt R. Keller, und wohl mit Recht, an, daß es sich um eine Schutzfärbung handle (Pflüger's .Arch. f. d. ges. Physiologie Bd. 61, 1893, S. 134). — Eine Tatsache ist es jedenfalls, daß ein Chamäleon im Gezweig der Bäume sehr schwer zu finden ist und von dieser Tatsache müssen wir ausgehen. — Bei Sonnen- beleuchtung gleicht das durch die Wirkung der Sonnenstrahlen dunkelgefärbte Chamäleon nach Keller dem nicht von der Sonne beschienenen Geäst. Bei diffusem Tageslicht dagegen mag wohl die grüne Farbe vorteilhafter sein. — Als Tiere, die sich in ihrer Färbung der Farbe der Umgebung vorzüglich anzupassen vermögen, sind die Plattfische zu nennen (vgl. J. T. Cunninghara, The common sole, Plymouth 1890). — Ein großer Irrtum ist es, wenn man annimmt, daß Färbun- gen in allen Fällen nur dann Vorteil gewähren, wenn sie der Farbe der Umgebung entsprechen : — Ich wurde durch Form und Farbe einer Stabheuschrecke auch dann getäuscht, wenn sich die braun gefärbten Tiere auf lebhaft grünen Kräutern befanden. Sie wirken dann auf das Auge wie abgebrochene, zufällig an den Kräutern hängen gebliebene kleine Astchen. — Sehr verwickelt dürften die Verhältnisse beim Laubfrosch liegen, so einfach sie im ersten Augen- blick auch erscheinen mögen. Ich vermute, daß hier den mit unvollkommenem Farbensinn ausgestatteten Beutetieren gegenüber eine Schutz färbe vorliegt, den mit vollkomme- nerem Farbensinn ausgestatteten Feinden gegenüber eine Trutzfarbe. (Über Trutzfarben vgl. man A. R. WaUace, Der Darwinismus, Braunschweig 1891, S. 353 ff.). Nur so lassen sich alle Tatsachen einheitlich erklären. Wer einmal einen Laubfrosch anfaßte und bald darauf sein Auge berührte, wird einen lebhaften Schmerz empfunden haben. Der Laub- frosch besitzt nämlich, seinen Feinden gegenüber, als Schutz- vorrichtung ein scharfes Hautdrüsensekret. — Weiter glaube ich sicher beobachtet zu haben, daß der Laubfro.sch auf dunk- len Blättern sitzend meist hell ist und umgekehrt. Diese Beobachtung würde sehr gut mit den Resultaten der Bieder- m a n n ' sehen Untersuchungen im Einklang stehen. .\lte Blätter pflegen nämlich einerseits dunkelgrün und andererseits glatt zu sein, junge Blätter aber hellgrün und runzelig, oft auch rauh. — Die Gegner der .\npassungstarbentheorie gehen mit Vorliebe von zweifelhaften Fällen aus, anstatt von offenkundi- gen. Zu letzleren gehören z B. die meisten .Spannerraupen, die Krabbenspinnen usw. Die Krabbenspinnen würden zweifel- los verhungern müssen , wenn nicht durch ihre Farbe und Form das Auge ihrer Beute getäuscht würde. Fangnetze spin- nen sie nämlich nicht und in ihren Bewegungen sind sie z. T. äußerst unbeholfen (vgl. Naturw. Wochenschr., N. F. Bd. 4, S. 597). Die Gegner der Anpassungsfarbentheorie heben zur Begründung ihrer Ansicht hervor, daß der Schutz kein voll- kommener sei. Sie sagen : Wenn die Färbung nicht in allen Fällen Schutz gewährt, so nützt sie nichts. Die Schlußfolgerung ist etwa dieselbe, als wenn man sagen wollte : Ein Gewehr nützt als Waffe nichts, weil es versagen kann und weil man vor- beischießen kann. — .\bsolut sichere Schutzeinrichtungen gibt es in der Natur nicht (vgl. A. Weis mann, Vorlesungen über Deszendenztheorie, 2. Aufl., Bd. I, Jena 1904, S. 53'. Durch die natürliche Zuchtwahl kann ein absoluter Schutz auch kaum entstehen. So vorzüglich z. B. der Schutz ist , den die Drüsenhaare der Bärenraupen ihrem Träger gewähren, er be- währt sich nicht in allen Fällen. Der Kuckuck frißt die Bärenraupen. — Ein Kuckuck soll aber doch auch erst gerade des. Weges kommen, .\llen anderen Vögeln gegenüber ist der Schutz jedenfalls ein sicherer und deshalb gewährt er im Kampfe ums Dasein weitgehende Vorteile. — Daß junge Vögel an Insekten, die als Schutzeinrichtung einen schlechten G e s c h m ac k besitzen, erst Erfahrungen sammeln müssen, hat Fritz Müller schon vor vielen Jahren betvorgehoben (vgl. Zoül. Anz. Bd. I , 1878, S. 54 f.). Er hat aber zugleich darauf hingewiesen, daß die betreffende Tierart dennoch von dem schlechten Geschmack Vorteil hat. obgleich einzelne Individuen durch das Probieren der Vögel zugrunde gehen. — Wenn man beobachtet haben will, daß viele Tiere von ihrer Schutzfärbung gar keinen Gebrauch machen, so beruht das, wie ich mich in einigen von mir gut untersuchten Fällen, z. B. an den an Kiefernstämmen lebenden Krabbenspinnen- [Pldlo- (/ro7«7/s-) Arten, überzeugen konnte, auf Täuschung. Individuen, die sich ausnahmsweise an Stellen mit abweichender Färbung befinden, gewahrt man sehr leicht. Individuen, die sich an Stellen befinden, denen sie in der Farbe gleichen, übersieht man leicht. So kann uns das Nichtangepaßlsein, selbst dann, wenn es nur vereinzelt vorkommt, als Regel erscheinen. — Einzelne der zahllosen Fälle, die man als Schutzfärbung oder Mimikry gedeutet hat, sind zweifellos auf ein zufälli- ges Zusammentreffen einer ähnlichen Färbung oder Gestaltung zurückzuführen. Unendlich viele Fälle aber gibt es, die z w e i f e 1- 1 o s als Schutzfarben aufzulassen sind. Unmöglich können wir die Entstehung aller dieser F'älle auf Rechnung des Zufalls setzen. Die außerordentlich häufige Wiederkehr derartiger Fälle nötigt uns unbedingt, nach Ursachen zu suchen. — Die .Annahme, daß die Umgebung die Farbenanpassung unmittelbar bewirkt habe, wie die Neolamarckisten dies annehmen, ist im höchsten Grade unwahrscheinlich, weil bei allen Tieren, die Raubtieren gegenüber irgend eine Waffe oder eine andere Schutzeinrich- tung besitzen , niemals Schutzfarben vorhanden sind , es sei denn, daß sie selbst von lebenden Tieren sich nähren , deren Fang eine Schutzfärbung bedingt. Die einzige Theorie, die den Zufall ausschaltet, ist die Selektionstheorie. Dahl. Herrn Prof C. O. in Schramberg. — Literatur über Konstruktion von Kristallnetzen finden Sie im Jahrgang 1904 der Naturw. Wochenschr. (Bd. 19) Seite 672. Sie erhalten Kristallnetze zum Selbstanfertigen von Kristallmodellen im Verlage von A. Pichler's Witwe u. Sohn, Wien, Margaretcn- platz 2. . Harbort. Herrn A. B. in Staßfurt. — i) Die Sektion Staßfurt der geologischen Karte von Preußen und benachbarten Bundes- staaten I : 2.5000 (herausgegeben von der kgl preuß. geolog. Landesanstalt) ist noch nicht erschienen. 2) Ein geologiscliei Führer durch das gesamte Unstruttal existiert nicht. An .^...... .^ ... . — . ^.... — .,._ ^...,.. -. besten benutzen Sie die Blätter und Erläuterungen der geo- logischen Spezialkarte von Preußen I : 25000. Es kommen die bereits erschienenen Blätter Stößen, Naumburg, Freyburg, Bibra, Wiche, Ziegelroda, Artern, Kindclbrück, Sömmcrda, Gebesee, Tennstedt, Langensalza und Mühlhausen in Betracht, die Sie in jeder Buchhandlung zum Preise von 2 Mk. für das Blatt nebst Erläuterungen erhalten können. Harbort. Herrn A. D. T. in Nantwich (England). — Zum Studium der Pteridophyten werden Sie am besten nehmen: Engler- Prantl's Natürliche Pflanzenfamilien Bd. I, 4 (W. Engelraann in Leipzig). Das Werk enthält sehr viele Abbildungen. Sehr zu empfehlen ist auch R. v. Wettstein's „Handbuch der Syste- matischen Botanik", in welchem die Pteridophyten im II. Bd. die Seiten 50 — lOI einnehmen. In dem erstgenannten Werk umfaßt der Pteridophytcn-Band (I, 4) 800 Seiten und enthält 1722 Einzelbilder in 481 Figuren. Inhalt: Dr. R. J. Petri: A. van Leeuwenhock's Mikroskope. — Kleinere Mitteilungen: R. Volk: Hamburg ische Elb- Untcrsuclmng. — Dr. M a .\ Kaiser: ,,Land- und Seewinde an der deutschen Ustsecküste. — Prof. O. Lehmann: Über flüssige und scheinbar lebende Kristalle. — Himmelserscheinungen im Januar 1907. — Aus dem wissenschaft- lictien Leben. — Bücherbesprechungen: Dr. Ludwig Reinhardt: Der Mensch zur Eiszeit in Europa und seine Kulturentwicklung bis zum Ende der Steinzeit. — Prof. E. Geyger: Lehrbuch der darstellenden Geometrie. — Dr. O. Sackur: Über die Bedeutung der Elektronentheorie für die Chemie. — Literatur: Liste. — Briefkasten. Verantwortlicher Redakteur : Prof. Dr. H. P o t o n i e , Groß-Lichterlelde-West b. Berlin. Druck von Lippert Ä Co. (G. P.'itz'sche Puchdr."), Naumburg a. S. Organ der Deutsehen Gesellschaft für volkstümliche Waturkunde in Berlin. Redaktion: Professor Dr. H. Potoni6 und Professor Dr. F. Koerber in Grofs-Lichterfelde-West bei Berlin. Verlag von Gustav Fischer in Jena. Neue Folge VI. Band; der ganzen Reibe XXII. Band. Sonntag, den 13. Januar 1907. Nr. 2. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Postanstalten, wie bei der Expedition. Der Halbjahrspreis ist M. 4. — . Bringegeld bei der Post 15 Pfg. extra. Inserate: Die zweigespaltene Kolonelzeile 40 Pfg. Kei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt. Beilagen nach Übereinkunft. Inseratenannahme durch die Verlags- handlung. Die Verwendung feiner Gitter in Wissenschaft, Technik und Unterricht. [N.ichdruck verboten,] Von Prof. Dr. Mit 2 Feinste Systeme paralleler Linien spielen als ,, Gitter" oder „Raster" in der Wissenschaft und Technik der Gegenwart eine bedeutende Rolle, ohne daß die besondere Art der Wirkung solcher Liniaturen bis jetzt in weiteren Kreisen hinlänglich bekannt geworden zu sein scheint. Es dürfte daher bei vielen unter unseren Lesern Interesse an einer eindringenderen Betrachtung dieses Hilfsmittels vor- auszusetzen sein und dadurch mögen die im fol- genden gegebenen Ausführungen ihre Rechtferti- gung finden. In der Wissenschaft dienen die „Gitter" zur P>zeugung von Spektren, die gegenüber der pris- matisch erzielbaren Farbenauflösung gewisse Vor- teile darbieten, in der Technik aber hat die Be- nutzung feiner „Raster" eine hochwichtige Um- wälzung bei der Illustration von Druckwerken bewirkt, die jedem Bücherliebhaber während der letztverflossenen 15 Jahre aufgefallen sein wird. Obgleich diese technische Anwendung der Gitter vielleicht einen größeren Interessentenkreis für sich in Anspruch nehmen darf und auch leichter ver- ständlich zu machen ist, wollen wir doch dem Gange der geschichtlichen Entwicklung folgend zunächst die Anwendung der (litter für spektral- analj'tische Zwecke besprechen, müssen dabei aber F. Koerber. Tafeln. etwas weiter ausholen und den geneigten Leser auch eine Weile durch das Ödland der grauen Theorie hindurchführen. Im zweiten Teile sollen dann die Reproduktionsraster behandelt werden und in einem dritten mag weiter gezeigt werden, daß die „Raster" der Technik auch im physikali- schen Unterricht für die Erläuterung wissenschaft- licher Fragen mit Vorteil benutzt werden können. I. Obgleich die Beugung des Lichts, d. h. die Tat- sache, daß das Licht sich nicht unter allen Um- ständen nur geradlinig ausbreitet, bereits in einer 1665 erschienenen Abhandlung von Grimaldi beschrieben war, und obgleich bald danach (1678) H uygens der Pariser Akademie seine vollständig ausgearbeitete Undulationstheorie des Lichts mit- teilte, als deren notwendige Konsequenz die Beugung zu betrachten ist, blieb bekanntlich Newton, der große Entdecker der Gravitation und der farbigen Zusammensetzung des weißen Lichts, ein Gegner der Huygens'schen Wellenlehre. Der Fort- schritt der theoretischen Optik wurde infolge- dessen durch Newtons gewaltige Autorität ein volles Jahrhundert hindurch aufgehalten und erst 1800 kam ^'ouiirr auf die Grimaldi'sche /Eni- Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 2 deckung zurück, in der er eine wichtige Stütze der Wellentheorie erkannt hatte. ^'oung war es auch, der die Wahrnehmung machte, daß die im weißen Licht enthaltenen Spektralfarben bei der seitlichen Ablenkung durch Beugung an einem engen Spalt ebenso ausein- ander treten, wie bei der Brechung im Prisma, so daß ein Spektrum von nun ab auf zwei ganz ver- schiedenen Wegen erzeugt werden konnte. Wir wollen uns das Zustandekommen eines Beugungsspektrums beim Durchgang eines par- allelen Strahlenbündels (oder, in der Sprache der Wellenlehre, einer ebenen Lichtwelle) durch einen Spalt A B (Fig. i) verständlich zu machen suchen. — Da nach dem Huygens'schen Prinzip jedes Fig. I. Kntstelumg der Beugungsspektra. schwingende Ätherteilchen als Ausgangspunkt eines neuen Wellensystems angesehen werden kann, müssen von den zwischen A und B liegenden Punkten aus Lichtstrahlen auch in jeder seitlichen Richtung fortschreitend angenommen werden. Bildet nun ein schräges, paralleles Strahlenbündel, wie das zwischen A D und B E, einen solchen Winkel mit A C, daß der Gangunterschied A F der äußer- sten Strahlen einer Wellenlänge l des vorläufig einfarbig gedachten Lichts gleichkommt, so wer- den die von A und K ausgehenden Strahlen nur eine halbe Wellenlänge Cfangunterschied aufweisen, sich also in entgegengesetzten Schwingungsphasen befinden. Das gleiche gilt aber auch von allen Strahlenpaaren, die von Punkten kommen, welche gleich weit rechts von A, bzw. K gelegen sind. Werden daher die Strahlen dieses ganzen Bündels, etwa durch die Linse unseres Auges, in einem Punkt vereinigt, so müssen sie sich paarweise durch Interferenz aufheben, es herrscht in der Richtung dieser Strahlen Dunkelheit. Ist A F dagegen gleich 3 2 A, SO kann man sich das zwischen A und B durchgehende Strahlenbündel in drei gleiche Teile geteilt denken, von denen sich zwei ebenso, wie die Hälften des vorhin betrachteten Bündels ver- nichten, das letzte Drittel der Strahlen wird jedoch zur Wirkung gelangen und einen hellen Beugungs- streifen ergeben. Der Winkelabstand a dieses ersten seitlichen Helligkeitsmaximums vom senkrecht durch den Spalt gegangenen Strahlenbündel er- AF gibt sich nun aus der Gleichung sin a ^ 3^ 28 AB und man ersieht daraus, daß, falls das Licht aus Farben verschiedener Wellenlänge zusammen- gesetzt ist, jeder Farbe ein anderes u entspricht, so daß die den einzelnen Farben entsprechenden Maxima nebeneinander liegen werden oder ein Spektrum erster Ordnung bilden, dessen violettes Ende dem kleinsten a zugehört, also dem weißen Mittelstreifen (CD) am nächsten liegt. Es ist weiter leicht zu verstehen, daß bei Strahlenbündeln, deren Ablenkungswinkel a noch größere Werte haben, abwechselnd wieder Dunkelheit und licht- schwächere Maxima aufeinander folgen werden, so daß bei Anwendung weißen Lichts jenseits der auf beiden Seiten von C D auftretenden Spektra erster Ordnung noch solche zweiter, dritter usw. Ordnung erscheinen werden, die zwar noch stärkere Farbenzerstreuung aufweisen, aber bald sehr wesent- lich lichtschwächer sind und auch teilweise über- einandergreifen.^) Eine genauere Erforschung der Beugungsspektra erfolgte erst durch Fraunhofer, der dieselben durch Anwendung feiner Gitter an Stelle einzelner Spalte erheblich lichtstärker zu machen lehrte und dadurch in den Stand gesetzt wurde, die Wellen- längen der von ihm im Spektrum des Sonnenlichts entdeckten „fixen Linien" zu bestimmen. Fraun- hofer stellte seine Gitter zuerst aus feinen Drähten her, die er über sorgfältig gearbeitete Mikrometer- schrauben wickelte, später riß er in mit Ruß oder Silber überzogene Glasplatten mittels des Glaser- diamanten und der Teilmaschine feine Linien ein, deren Abstand er bis auf 0,00114 Zoll (0,031 mm) und später sogar bis auf 0,000285 Zoll (0,0077 mm) herabzusetzen vermochte. Je dichter nämlich die einzelnen Lichtspalte liegen, desto breiter werden die Spektra, wie folgende einfache Überlegung zeigt: Das Licht breitet sich hinter den Spalten als Wellenbewegung nach allen Richtungen aus, ') Wegen der Kleinheit der Wellenlängen des Lichts {l liegt zwischen 0,4 und 0,7 |U [i ^ = 0,001 mm]) muß die Spaltbreite s gleichfalls klein sein, damit « beobachtbare Werte annimmt. Für breite Spalte sind die n der ersten Beugungsnia.xima sehr klein und die größeren Ablenkungen entsprechenden Maxima sind bereits zu lichtschwach, um gesehen zu werden: das Licht scheint sich daher alsdann nur geradlinig auszubreiten. \. }•'. \1. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 19 an solchen Stellen jedoch, wo die VVegdifferenzen der von den einzelnen Spalten herkommenden Strahlen gleich einer halben Wellenlänge oder dem ungeraden Vielfachen einer solchen sind , heben sich die Schwingungen durch Interferenz auf, es herrscht Dunkelheit. Dort aber, wo die Weg- dififerenz einem geraden Vielfachen der halben Wellenlänge entspricht, treten Lichtmaxima auf. Der Abstand des ersten seitlichen Lichtmaximums von dem auf geradem Wege durch das Spalten- system gelangten Lichte ist nun, wie die nicht ganz einfache Theorie der Gitter lehrt, gleich , — , wenn d der Abstand des das Licht auf- b fangenden Schirmes vom Gitter, A die Wellenlänge des Lichts und b die Entfernung zweier benach- barter Spaltenmitten ist. Je enger nun das Gitter (oder je kleiner b) ist, desto größer wird dieser Abstand und desto größer werden gleichzeitig auch die den verschiedenen Wellenlängen entsprechen- den Unterschiede dieses Abstandes, welche das Auseinandertreten der Farben in ein Spektrum bewirken. Sind nämlich /j und A., die zwei ver- schiedenen Farben zugehörigen Wellenlängen, so liegt das erste Maximum für die eine Farbe bei ■1 f.;- a:^ ~,„a^^^ u^: "_i_^ (j|g Dispersion für die andere bei zwischen /j und A., im Spektrum erster Ordnung wird daher '\ -~, ist also gleichfalls der Gitter- b ^ konstante b umgekehrt proportional. benutzt werden mußten, wobei ebenso schöne Spektra Zustandekommen. Auf diesem gefügigeren Material gelangte Rutherford bis zu 700 Linien pro Millimeter, den Record aber schlug der kürz- lich verstorbene Amerikaner R o w 1 a n d mit 1 700 Linien pro Millimeter. Rowland ist außerdem der weitere Fortschritt zu danken, daß er die Spiegel- fläche cylindrisch gestaltete und die Linien parallel der Cylinderachse einriß. Diese „Konkavgitter" bilden das Spektrum des auffallenden, parallelen Lichts in ihrer Brennebene ohne Zuhilfenahme von Linsen scharf ab, so daß es auf diese Weise mög- lich wurde, die Intensitätsverteilung im Spektrum ohne jede störende Beeinflussung durch die Ab- sorption brechender Medien zu studieren. Seit einigen Jahren hat man es auch gelernt, diese naturgemäß außerordentlich kostbaren Ori- ginalgitter durch Photographie, oder noch zweck- mäßiger durch mechanische Auflagerung einer Celluloidschicht zu vervielfältigen. Thorp, Ives und neuestens der Amerikaner Wallace haben in der Vervielfältigung ebener Rowland'scher Gitter be- sonders gute Erfolge erzielt und der Preis der jetzt im Handel befindlichen Kopien ') ist ein so niedriger, daß es jeder höheren Lehranstalt möglich ist, dieses ausgezeichnete Demonstrationsmittel zu benutzen. Die feinsten Liniengruppen im Sonnenspektrum werden durch solche Beugungsgitter mit Leichtig- keit aufgelöst. Vor den prismatisch erzeugten Spektren bieten die Beugungsspektra den großen Vorteil, daß die Dispersion den Wellenlängen direkt proportional 45 Fig. 2. Das Bogenlicht-Spcktrum des Silbers, nach einer mit einem Beugungsgitter hergestellten Photographie. (Original veröffentlicht im „Atlas der Emissionsspektren" von Hagenbach und Konen.) P'raunhofer's Gitter waren, wie gesagt, bereits fein genug, um eine große Zahl der dunklen Linien im Sonnenspektrum erkennen zu lassen, wenn das Gitter vor einem Fernrohrobjektiv montiert wurde, das auf einen möglichst scharf eingestellten, schmalen .Spalt im P'ensterladen des verdunkelten Zimmers gerichtet war. Fraunhofer glaubte auch in bezug auf die Feinheit der Gitter an der technisch er- reichbaren Grenze bereits angelangt zu sein ; gleich- wohl wurden seine schon bewundernswerten Lei- stungen in der Folgezeit in Staunen erregendem Grade übertroffen. Glasgitter, die bis 400 Striche auf den Millimeter aufwiesen, wurden später von Nobert zu Barth in Pommern, sowie auch von Wan seh äff in Berlin hergestellt. Besonders fein aber konnten auf Spiegelmetall Gitter eingeritzt werden, die dann freilich mit reflektiertem Licht ist, so daß eine einfache mikrometrische Ausmes- sung genügt, um die Wellenlängen der verschie- denen Linien zu bestimmen. Außerdem bietet das Auftreten mehrerer Spektra mit ungleich starker Zerstreuung die Möglichkeit, ohne einen Wechsel des Apparats das Spektrum je nach Bedarf bei geringerer oder größerer Zerstreuung zu betrachten. Das in Figur 2 in zwei Teilaufnahmen wieder- gegebene Silberspektrum, das nach dem „Atlas der Emissionsspektren" von Hagenbach und Konen reproduziert ist, mag dem Leser eine Probe dessen geben, was die Beugungsgitter zu leisten imstande sind. Dieses Spektrum ist mit einem Rowland- ') Für Deutschland zu beziehen durch F. Schmidt und Hänsch. Berlin S., Prinzessinnenstr. l6. Thorp'sche Gitter er- hält man schon für 13,50 Mk. Nnturwisscnschaftliclic Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 2 sehen Konkavgitter von 20000 Linien pro Zoll (= 2,54 cm) aufgenommen. Der Vorteil des Gitter- spektrums gegenüber einem prismatischen Spek- trum tritt hier dadurch deutlich in die Erschei- nung, daß die unter den Spektren angebrachte, gleichmäßig fortschreitende Skala die Wellenlängen in |t(,(( ohne weiteres abzulesen gestattet (die bei- gedruckten Zahlen geben die Zehner an, während die Einer in der Teilung abzuzählen sind). Der oben genannte Spektralatlas \) enthält 28 Heliogravuren- tafeln, auf denen die Spektra der meisten Elemente in ähnlicher Weise zur Darstellung gebracht sind, so daß ihm die Wellenlängen sämtlicher Spektral- linien unmittelbar entnommen werden können. Eine ganz neue, hochbedeutsame Anwendung feiner Gitter für wissenschaftliche Zwecke stellt sich die Polarisation der Lichtwellen durch solche Gitter zur Aufgabe. — Jedem, der einmal eine Demonstration der berühmten Hertz'schen Versuche über elektrische Wellen gesehen hat, werden die wechselnden Absorptionen besonderen Eindruck gemacht haben, welche jene Wellen an Drahtgittern von etwa 1 cm Zwischenraum je nach def Stellung der Gitter erfahren. Wegen der linearen Gestalt des die elektrischen Wellen er- zeugenden Funkens sind diese Wellen nämlich polarisiert und ein Drahtgitter wirkt auf dieselben daher wie ein Analysator, indem die Wellen ohne Energieverlust hindurchgehen , wenn die Drähte senkrecht zur Funkenstrecke orientiert sind, während bei paralleler Stellung in den Drähten Induktion auftritt und daher die Energie der Strahlung eine Absorption erfährt. Die vollkommene Analogie der an elektrischen Wellen beobachteten Erschei- nungen mit den am Licht seit lange bekannten Eigenschaften gab ja bereits seit einem Jahrzehnt der Maxwell'schen elektromagnetischen Theorie des Lichts eine feste Stütze, aber um diese Auffassung der Natur des Lichts über jeden Zweifel zu er- heben, war es doch wünschenswert, auf Grund der an elektrischen Wellen festgestellten Erscheinungen neue, bisher noch nicht bekannte optische Phäno- mene vorherzusagen. Glaubte man nun auch schon seit längerer Zeit, die Kristalle als eine Art ultramikroskopischer „Raumgitter" ansehen zu sollen, sodaß ihre polari- sierende Wirkung auf Lichtstrahlen ähnlich zu er- klären wäre, wie die der Drahtgitter bei den elek- trischen Wellen, so fehlte doch der direkte Nach- weis der optisch polarisierenden Wirkung feiner Gitter. Rubens war es, der hier einen ent- scheidenden Schritt nach vorwärts tat. Nachdem er an sehr kurzwelligen elektrischen Strahlen dar- getan, daß sich ein dickes Buch denselben gegen- über seiner lamellaren Struktur wegen wie ein Nicol'sches Prisma verhielt, gelang es ihm, in Ge- meinschaft mit Nichols die Kluft, welche die elektrischen Wellen von den Lichtwellen trennte, zu überbrücken. An den durch mehrfache Re- flexion an Fluoritplatten aus der Lichtstrahlung ') Verlag von G. bischer, Jena. Preis 24 Mk. ausgesonderten sog. „Reststrahlen" von 0,024 rnm Wellenlänge konnte Rubens nämlich 1897 gleichfalls Polarisation mit auf Glas hergestellten Silbergittern von 0,005 mm Streifenbreite und ebenso großen Zwischenräumen hervorrufen, wodurch der Nach- weis geliefert war, daß sich diese Wärmestrahlen Metallgiltern gegenüber wie elektromagnetische Wellen verhalten (Wiedem. Annalen, Bd. 60, S. 418). Für sichtbares Licht gelang der Nachweis einer polarisierenden Wirkung submikroskopischer Gitter Prof. F. Braun in Straßburg, der 1904 sogar ein Patent ') zur Herstellung submikroskopischer Gitter zum Zwecke der Polarisation des Lichts erwarb. Durch elektrische Kathodenzerstäubung von einem geraden Drahte aus gewann Braun nämlich eine so enge, gitterartige Anordnung metallischer Teil- chen, daß deutliche Polarisationserscheinungen am gewöhnlichen Lichte durch jene Präparate hervor- gerufen werden konnten. Als Träger solcher polarisierender Gitter können auch organische, mit einer Metallsalzlösung getränkte Gewebe, z. B. ge- wisse Hölzer, benutzt werden. Nach Zersetzung der Salzlösung und Abscheidung des darin ent- haltenen Metalls könnte die Struktur des organi- schen Gewebes zerstört und so ein submikro- skopisches Metallgitter gewonnen werden. Wenn nun auch diese Beobachtungen zu einer praktischen Verwertung , etwa zu einem Ersatz der immer kostspieliger werdenden Kalkspatpolarisatoren durch künstliche Gitterplatten, bis jetzt noch nicht ge- führt haben, so ist das theoretische Interesse, das ihnen zukommt, nicht nur vom physikalischen, sondern auch vom mineralogischen und botanischen Standpunkt aus ein sehr bedeutendes. Vor allem freilich ist damit die elektromagnetische Theorie des Lichts durch ein weiteres „experimentum crucis" gestützt worden. Als eine letzte, wissenschaftliche Anwendung feiner Gitter möge schließlich noch deren Be- nutzung zu photometrischen Zwecken erwähnt werden, wie sie nach dem Vorgange von Wirtz jüngst W i 1 k e n s bei der Vergleichung von Sternhelligkeiten zur Ausführung gebracht hat (Astron. Nachr. Nr. 4124, 25. Okt. 1906). Bringt man vor das Objektiv des zur Messung benutzten Fernrohrs ein Drahtgitter, das vorher einer ge- nauen Ausmessung unterworfen wurde, so ist der Betrag des zurückgehaltenen Lichtbruchteils mathe- matisch genau bestimmt und diese Art der Ab- biendung heller Sterne ist jeder anderen, teil- weisen Bedeckung des Objektivs deshalb entschieden vorzuziehen, weil dabei alle Teile des Objektivs auch für das abgeblendete Gestirn in gleichem Maße zur Bilderzeugung beitragen, so daß ohne weiteres Vergleiche mit weniger hellen, aber ohne das Gitter photographierten Sternen zulässig sind. IL Seit 18S2 haben feine Gitter auch auf einem ganz anderen Gebiete eine hervorragende Bedeutung ') D.-R.-Patent Nr. 161 686. Vgl. auch Drudes .\nnalen der Physik '.905, Bd. 16, S. I und 23S. N. F. VI. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochcnscliritt. äl erlangt, nämlich in der Reproduktionstechnik. IVI e i - senbach war auf den Gedanken gekommen, zum Zwecke der Herstellung von Klischees für Auto- typien eine Linienplatte zur Anwendung zu bringen, die er während der durch die Kamera bewirkten Abbildung eines Diapositivs in zwei zueinander senkrechten Stellungen zwischen Diapositiv und Kamera einschaltete. Anger er und Göschel in Wien modifizierten und vereinfachten dieses Verfahren dann insofern, als sie gleich bei der Originalaufnahme durch eine innerhalb der Kamera vor die Platte gebrachte, auf photographischem Wege erzeugte „Netzplatte" das Negativbild in ein- zelne Punkte auflösten. Immerhin waren diese ersten „Raster" noch unvollkommen genug, nament- lich da ihre durchsichtigen Stellen nicht vollkommen glasklar hergestellt werden konnten. Erst durch Max Levy in Philadelphia wurde seit 1892 dem Bedürfnis nach scharfbegrenzten, in den Linien vollkommen undurchsichsichtigen, dazwischen aber glasklaren Rastern definitiv abgeholfen. Die Be- nutzung guter Raster, die seit 1897 auch in Frank- furt a. M. durch J. C. Haas in tadelloser Qualität hergestellt werden, hat innerhalb des letztvergange- nen Dezenniums eine für jedermann auffällige, voll- kommene Umwälzung der Illustrationstechnik her- vorgerufen. Der Holzschnitt ist, weil kostspieliger, zeitraubender in der Herstellung und unvollkom- mener in der Wiedergabe, aus unseren Zeitschriften und allen Arten illustrierter Werke fast vollständig durch die Autotypie verdrängt worden und es ver- lohnt sich daher wohl, einmal näher auf die Ent- stehung der modernen Abbildungen einzugehen. Was zunächst die Fabrikation der Raster be- trifft, so müssen bei derselben gut polierte Spiegel- glasplatten mit einem Atzgrund überzogen werden, aus welchem dann mittels sorgfältigst gearbeiteter Teilmaschinen eine Liniatur von gleich breiten und äquidistanten Linien ausgehoben wird. Die dadurch freigelegten Stellen des Glases werden dann durch Flußsäure geätzt, die geätzten Furchen werden durch einen Farbstoff vollkommen undurch- sichtig gemacht und nach nochmaliger Politur der Platte werden dann je zwei derselben so zusammen- gekittet, daß sich ihre Linien rechtwinklig durch- schneiden.') Die einzelne Rasterplatte zeigt also die gewöhnlich diagonal verlaufende Liniatur, wie sie vergrößert Figur 3 veranschaulicht und der fertige „Kreuz-Raster" entspricht dem Aussehen der Figur 4. Wir sehen daraus, daß die Linien ebenso breit sind wie die Zwischenräume. Es sind Raster von erheblich verschiedenen Feinheitsgraden im Gebrauch, indem die Linien- zahl zwischen 20 und lOO pro Zentimeter schwankt. Unsere Tafelbeilage , die wir der Gefälligkeit der Rasterfabrik J. C. Haas verdanken, zeigt in prächtiger Weise die Unterschiede in der Wirkung. Die gröbsten Raster werden für Zeitungsillustra- tionen benutzt, die einzelnen Punkte des Bildes sind dem bloßen Auge noch deutlich erkennbar. Bei den feinen Rastern verschwinden die Punkte für die Wahrnehmung mit freiem Auge, sie ver- einigen sich in ihrer Wirkung zu den aufs feinste abschattierten Halbtönen, wie man sie vordem nur durch Lichtdruck oder Heliogravüre herstellen konnte, d. h. durch Reproduktionsmethoden, die Fig. 3. Liniatur einer Rasterplatte (vergr.^ ') Die Preise guter Raster sind naturgemäß entsprechend der präzisen Arbeit recht hoch und .schwanlirr ') Da die inneren und äußeren Tangenten bei Sonnen- beleuchtung nur wenig divergieren, tritt der H.albschatten erst bei größerer Kntfernung vom schattenwerfenden Körper deut- licli in (lio Frsclieinung. Fig. 6. den Grundfarben abzudruckenden Klischees sollten nun eigentlich , da es sich hier um subtraktive Farbenmischung handelt, sämtlich zur Deckung gelangen. Da dies aber praktisch wegen der Feinheit der Raster nicht genau erreichbar ist, geringe \'erschiebungen aber die im Abschnitt III näher zu besprechende Moirestreifung zur Folge haben würden, so ist es nötig, dem Raster für jedes dieser Klischees eine verschiedene Stellung zu geben. Man gebraucht deshalb für den Farben- druck am besten runde Raster, die mit einer Drehvorrichtung versehen sind. Auch die Ives'sche Methode, Stereoskopbilder herzustellen, die ohne Apparat körperlich erschei- nen,^) benötigt besondere Strichraster, ebenso wie Jolly's Verfahren zur Herstellung farbiger Photo- graphien. Da diese Verfahren jedoch praktisch >) Vgl. den Bericht in N. F., Rd. III, dieser Zeitsclirirt, Seite 29. N. F. VI. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 23 noch keine Bedeutung erlangt haben, soll hier auf sie nicht näher eingegangen werden. III. Auch als physikalisches Unterrichtsmittel lassen sich die Rasterplatten gut verwenden. Da diese Benutzung derselben noch nicht sehr verbreitet ist, so mögen hier die wichtigsten Demonstrationen, die man schon mit kleinen Rasterproben ') aus- führen kann, zusammengestellt werden. Zunächst lassen sich die im ersten Abschnitt dieses Aufsatzes besprochenen Beugungserschei- nungen schon an einfachen Strichrasterplatten in sehr schöner Weise demonstrieren. Eine Fahnen- stange erscheint bei passender Haltung des Rasters 5 — 7 mal vervielfältigt und ein schmaler Lichtspalt oder eine in einiger Entfernung stehende Kerzen- flamme gibt prächtige Beugungsspektra. Die suk- zessive Benutzung verschieden feiner Rasterplatten zeigt die Abhängigkeit der Dispersion von der Gitterkonstante und auch durch schräges Durch- blicken läßt sich die Farbenzerstreuung erheblich steigern, so daß es mit den feinsten Rastern sogar schon gelingt, Linienspektra (z. B. von Effektbogen- lampen) oder Absorptionsspektra (Kobaltglas, Blut, Kaliumpermanganat) zu beobachten. Steht ein ver- dunkeltes Zimmer und ein Fernrohr zur Verfügung, dann kann man sogar nach der Fraunhofer'schen Methode die Linien im Sonnenspektrum erkennen. Besonders zweckmäßig ist es, für Spektralbeob- achtungen eine photographische Kopie (Negativ) eines Rasters im reflektierten Lichte bei sehr schräger Incidenz der Strahlen zu benutzen. Sowohl bei subjektiver Beobachtung, als auch bei der Projek- tion der Beugungsbilder eines hell erleuchteten Spalts zeigt sich ferner sehr schön die Überlage- rung der Spektra höherer Ordnung, welche be- wirkt, daß schließlich bei Spektren hoher Ord- nung sogar die Färbung wieder verschwindet. Eine rohe Bestimmung der Wellenlänge des Lichts ist mit Hilfe der Raster gleichfalls möglich, da sich ja, • wenn die Beugungsspektra auf einen Schirm projiziert sind, die Abstände des ersten Violett bzw. Rot von dem ungebeugten Spaltbilde unschwer messen lassen. Nennt man diese Ab- stände a, und aj, dagegen den Abstand des Schir- mes vom Gitter d, so hat man nach der auf S. 19 d/.j , also Aj baj und ebenso /.., ^= . Ein mit dem lOO-Linien- angegebenen Formel a, b a., d' Raster (b = o, i mm ) ausgeführter Versuch ergab z. B. a, = 14 mm, a,^ = 21,5 mm bei d =: 3,15 m, woraus sich als Wellenlängen ergeben Aj = 444 ^iii, ).., ^= 683 .«,«, was ungefähr dem Intervall zwischen den Linien G und B entspricht. Noch einfacher, aber allerdings nur einen IVIittel- wert liefernd ist das folgende Verfahren. Hält 'j Die Firma J. C. Haas, Frankfurt a. M., Zeißelstr. 11 offeriert einen Salz von 5 Rastern in der Größe 6X6 cm mit ■;4 bis 100 Linien pro cm für Unterrichtszwecke zum Preise von .^lk. 30. man einen Raster vor Millimeterpapier, so daß die Rasterstriche einem Liniensystem des Papiers parallel sind, so erscheint dieses Liniensystem im allge- meinen infolge der danebenliegenden Beugungs- bilder verschwommen. Variiert man nun die Distanz des Rasters vom Papier, so wird bei einer gewissen Distanz das Liniensystem des Papiers wieder scharf, weil die seitlichen Beugungsbilder der Linien mit den benachbarten Linien des Papiers zur Deckung kommen. Dies geschieht z. B. bei Rastern mit lOO, 80 und 54 Linien pro cm in Ab- ständen von 17 bzw. 22 und 34 cm vom Papier. Der Winkel a, den die nach dem ersten Beugungs- bild laufenden Strahlen mit dem ungebeugten Strahl bilden, ist daher dadurch bestimmt, daß sein Tan- gens den Wert , bzw. und hat ^ 170 220 340 (vgl. Fig. 6), dieser Tangens ist aber andererseits gleich , oder auch , mit Berücksichtigung der dl gleich oben angegebenen Formel a Es ergibt sich also als ein roher Wert für b" die Fig. 7. Moire-Streifung, durch Rasterplattcn erzeugt. Wellenlänge des am stärksten auf unser Auge ein- wirkenden Lichts aus obigen drei Versuchen , , 0,1 I. A=j^^7^ =0,00059 mm; 2. l 3- •'170 220 10 = o;ooo57 mm; ; 0,00054 mm. 54 • 340 Diese Zahlen liegen zwischen den Wellenlängen der Fraunhofer'schen Linien D und E, entsprechen also dem für das Sehen wirksamsten Teile des Spektrums. Endlich eignen sich die Rasterplatten vortreff- lich zur Demonstration der sog.Moire-Erscheinungen. Legt man zwei zusammengehörige Rasterplatten 24 Naturwissenschaftliche Wociicnschrift. N. F. VI. Nr. 2 so aufeinander, daß die Linien derselben nahezu parallel laufen, so entstehen infolge der in regel- mäßigen Abständen sich wiederholenden Kreuzungen der Striche höchst auffallende Streifensysteme, die den Beschauer namentlich dann in hohem Maße linien nähert, um so weiter rücken die Streifen- systeme auseinander, bis sie schließlich bei ge- nauem Parallelismus völlig verschwinden. U. Behn benutzt diese hohe Empfidlichkeit des Aussehens nahezu parallel sich überdeckender Raster zu feinen Fig. S. Moire-Streifung, durch Rasterplatten erzeugt. 'J Zur Erklärung der Moire-Strcifung. Fig. 9. Moire-Streifung, durch Rasterplallen erzeugt. Überraschen, wenn er von den feinen Rasterstrichen vorher noch nichts bemerkt hatte. Die Abstände der Streifungssysteme wechseln sehr stark bei ge- ringer Drehung der einen Platte gegen die andere; je mehr man sich dem Parallelismus der Raster- Fig. II. Zur Erklärung der Moire-Streifung. Messungen (Berichte der deutschen physik. Gesell- schaft, 1906, Bd. IV, Heft 12). Er konnte z. B. die Ausdehnung einer 300 mm langen Messing- röhre bei Erwärmung um i " durch Vergröße- rung des projizierten Streifenzwischenraums um Xaturwisscnsclniltliclio Woclicnscbrift N. V. L'd. VI, Nr. 1'". Kocrbcr: Die Verwendung l'eincr Gitter in Wissenschaft, TccliniU und Unterricht. rhototypien desselben Relicls, hergestellt mit Hcias-Kastcrn von 20 und 40 Linien pno Centimetcr. Verlag von Gustav Fischer in Jena, N.iUirwisM'nscliat'tlichc Wochenschrift N. 1''. lul. VI. Nr. 2. V. Kocrber; Die Verwendung teiner Gitter in Wissenschaft, Technik und Unterricht. Phütotypien desselben Reliefs, hergestellt mit Haas-Rastern von 60 und So Linien i)ro Ccntimetcr. Veilag von Gustav Fischer in Jena. \. 1'. VI. Nr. NaUuwissenschaft liehe Wochenschrift. 25 300 mm einem Auditorium demonstrieren. Die Figuren 7 bis 9') geben diese Streifensysteme einigermaßen wieder. Am Rande erkennt man, um wieviel jedesmal die beiden diagonal geritzten Platten gegeneinander verdreht waren.-') Es ist eine hübsche Denkaufgabe, Schülern die leichte, rein geometrische und durch die Figuren 10 und 1 1 in größerem Maßstab veranschaulichte Erklärung dieser Streifen selbst finden zu lassen. Auch wird man daran erinnern, daß ähnliche Streifensysteme sich unserem Auge oft darbieten, z. B. wenn man mit der Eisenbahn neben zwei hintereinander stehenden Zäunen einher fährt, deren Latten natürlich auch niemals genau parallel sind. Besonders aber sind alle Moire-Erscheinungen auf solche Kreuzung feiner Liniensysteme zurückzuführen, nur laufen bei diesen die Streifen nicht geradlinig, sondern in unregel- mäßigen Kurven, da den das Moire erzeugenden Geweben die mathematische Regelmäßigkeit und Ebenheit der Raster abgeht. Legt man eine Raster- platte mit der liniierten Seite auf weißes Papier oder Karton, so sieht man besonders im Sonnen- licht in der Regel ebenfalls ein schönes Moire, das durch die Überlagerung des Rasters mit seinem, auf dem stets etwas unebenen Papier entworfenen Schatten zustande kommt. Drückt man nun von oben auf die Rasterplatte, so verschieben sich die Moirelinien bei der leisesten Druckschwankung sehr erheblich und schließlich verschwindet die Zeich- nung bei ganz festem Aufdrücken auf eine ebene Unterlage, da dann die Rasterlinien durchweg mit ihren Schatten zur Deckung kommen. Bekanntlich wird auch das Moire wollener oder seidener Ge- webe dadurch erzeugt, daß zwei Gewebe über- einander gelegt einem starken Druck zwischen heißen Walzen ausgesetzt werden. An den Kreuzungs- punkten der starken Kettenfäden, die nie genau parallel laufen werden, entstehen dann jene Ab- plattungen, die sich in Gestalt welliger Linien zur sog. Wässerung des Moiregewebes zusammensetzen. Die ungewollte Moirebildung bildet übrigens bei der technischen Verwendung der Raster im Drei- farbendruck eine Gefahr, die bei großen Dimen- sionen und sehr feinen Rastern nur durch außer- ordentlich sorgfältiges Arbeiten zu vermeiden ist. Sehr interessante Modifikationen der durch L^berlagerung entstehenden Streifensysteme sind noch zu beobachten, wenn man Rasterplatten mit ungleicher Linienzahl zur Deckung bringt, oder wenn man parallel aufeinandergelegte Diagonal- raster um eine in Deckung gehaltene Kante so dreht, daß die beiden Plattenebencn einen kleinen Winkel miteinander einschließen. Eine weitere interessante Beobachtung kann man an einfachen Rasterplatten noch machen, wenn man eine gleichmäßig helle Mäche, etwa den Himmel, sich auf der liniierten Seite spiegeln läßt. Man sieht alsdann die ganze Platte gleich- mäßig mit breiten dunklen Bändern durchzogen, die von ebenso breiten, helleren Zwischenräumen getrennt sind und den Rasterlinien in der Platten- mitte parallel sind, während sie sich, besonders bei sehr schräger Blickrichtung, nach beiden Seiten hin ein wenig krümmen. Diese Streifen kommen, wie Dr. Gehrcke festgestellt hat, durch die Spiegelung des Rastergitters an der gegenüber- liegenden Fläche der Glasplatte zustande. Denkt man sich das Spiegelbild des Gitters konstruiert, so ist klar, daß für gewisse Blickrichtungen die gespiegelten Linien in die Zwischenräume zwischen die wirklichen Linien fallen, so daß die Menge des gespiegelten Lichtes ein Minimum ist. Für andere Blickrichtungen werden sich dagegen die Liniensysteme genau decken , so daß zwischen ihnen das Spiegelbild des Himmels sichtbar ist, wir also ein Maximum der reflektierten Hellig- keit erhalten. Legt man zur Prüfung dieser Theorie zwei gleiche Rasterplatten mit der nicht liniierten Seite so aneinander, daß die Linien der einen denen der anderen parallel sind, so erblickt man in der Tat ganz entsprechende Streifensysteme beim schrägen Durchblicken, die bei geringer Ver- drehung der Platten ihre Richtung um fast 90" im einen oder anderen Sinne ändern. In den hellen Zwischenräumen treten hier noch deutlicher als bei der Spiegelung an nur einem Liniensystem Spektralfarben auf, die sich durch die verschieden starke Brechung der einzelnen Farben beim Ein- tritt in das Glas erklären. Die Deutlichkeit und Regelmäßigkeit, mit der die erwähnten Streifen im Spiegelbilde des Himmels auftreten, stellt übrigens einen weiteren Beweis für die Güte der Haas-Raster dar. Würden die Platten z. B. nicht gut parallele Oberflächen haben, so würde sich dies durch eine Verzerrung der beschriebenen Erscheinung zu erkennen geben. ') Die Figuren 7 bis 1 1 sind als Xegative gegeben. Beim Versuch zeigt sich also hell und dunkel vertauscht. ') Übrigens legt der mathematisch regelmäßige Verlauf dieser Streifensysteme Zeugnis ab von der überaus exakten Herstellung der Ilaas-Raster, mit ilcnen sie gewonnen wurden, denn jede Unregelmäßigkeit in den Absfänden der Kasterlinien müßte erhebliche Störungen in jenen Streifensystemen zur Folge haben. Eine erstaunliche Fülle überraschender An- wendungen läßt nach dem Gehörten das einfachste geometrische Gebilde, eine Parallelenschar, zu, so- bald der gegenseitige Abstand der Parallelen mit Hilfe exakt arbeitender Maschinen unter das Maß des dem freien Auge unmittelbar Erkennbaren herabgedrückt werden kann. Es mag in hohem Grade unsere Bewunderung menschlichen Scharf sinns verstärken, wenn wir bedenken, mit wie ein- fachen Mitteln einerseits, mit wie feiner Ausführung andererseits all die Erscheinungen hervorgerufen werden, von denen in diesem Aufsatz die Rede war, 26 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. \'l. Nr. 2 Kleinere Mitteilungen. Eine Methode zur Ermittlung der Höhe des Vogelfluges. — Gelegentlich des letzten Ornithologentages zu Breslau wurde u. a. auch die Flughöhe diskutiert, welche die Zugvögel auf ihren Wanderungen innehalten. Diese Frage ist wegen Mangels an ausreichendem und genügend sicherem Beobachtungsmateriale noch immer strittig, indem die Höhenangaben sehr verschieden lauten, sowohl im allgemeinen, als auch in bezug auf die einzelnen Vogelarten. Wenn Höhen bis zu 6000 m angegeben werden, so ist diese Angabe wegen der viel dünneren Luft in jenen Re- gionen doch stark anzuzweifeln ; tatsächlich stellt die Mehrzahl der Ornithologen die Möglichkeit sol- cher Flughöhen im allgemeinen in Abrede. Es dürfte darum nicht ohne Interesse sein, wenn einschlägige Beobachtungen zur Klärung dieser Frage bekannt gegeben werden. Einsender dieser Zeilen hat bei Mondbeobachtungen durch ein stärkeres Fernrohr (88 mm Objektivdurch- messer") nicht selten Gelegenheit , im Frühjahre und Herbste während der Nacht Vögel durch das Gesichtsfeld des Instrumentes über die Mond- scheibe fliegen zu sehen. Je weiter der Vogel vom Beobachter entfernt ist, desto längere Zeit erfordert natürlich der Vorüberfiug und desto ge- nauer kann die Zeitdauer desselben, sowie die Größe des Vogels geschätzt werden; auch kommt in diesem Falle die charakteristische Flugart des Vogels deutlicher zur Erscheinung und somit ein nicht unwesentliches Merkmal zur Erkennung manches Vogels. Einer Notiz aus meinem Beobachtungstagebuche aus dem Frühjahre 1898 sei hier Raum gegeben: ,,In etwa 1/., -stündigen Pausen (8 — lo*^ abends) be- merkte ich 3 Vögel , welche von S nach N vor der Mondscheibe vorbeiflogen. Da sie etwa die Größe von 1 5" hatten und der Mond etwa 30" hoch stand, müssen die Vögel eine beträchtliche Flughöhe gehabt haben. Auch die Fluggeschwin- digkeit muß eine sehr bedeutende sein, da sie in etwa 1^2 — 2 Sek. vor dem Monde vorüberflogen." Ich habe nun versucht, auf Grund dieser Be- obachtung eine Methode zur annähernden Ermittlung der Flughöhe zu gewinnen, wobei ich allerdings von einer Annahme ausgegangen bin, nämlich, daß die Geschwindigkeit des betreffenden Vogels ca. 30 m pro Sekunde betrug, eine Größe, welche der Wirklichkeit wohl ziemlich nahe kommen dürfte. Denn aus dem sprungweisen, bogenförmigen Fluge mit intermittierendem Flügel- schwirren, welches bei der 60 fachen Vergrößerung und bedeutenden Lichtstärke des Instrumentes deutlich zu sehen war, konnte man auf Stieglitze oder verwandte Vögel schließen, für welche eine Geschwindigkeit von 30 m wohl nicht zu hoch bemessen sein wird. Nebenstehende F"igur diene zur Erläuterung meines Verfahrens. Voraussetzung im vorliegen- den Falle ist, daß der Vogel einen senkrechten Durchmesser des Mondes durchfliegt. Die Rech- nung nimmt ihren Ausgang in der Flugstrecke a c, welche bei Annahme von 30 m Geschwindigkeit in I ' ., Sek. 45 m beträgt. Wie aus der Figur ersichtlich, kommt wegen der schiefen Lage der Flugbahn zum Monddurchmesser die Strecke a c dem scheinbaren Monddurchmesser gleich. Man beachte nun das /\, at>c, in welchem ^ a = [_ m B E' = 30" ist, weil die Fluglinie F F' parallel zur Erdoberfläche angenommen werden darf. In dem /\ a b c ermittelt man zunächst b c = 45 m X sin 30" = 22,5 m. Dies ist der scheinbare Monddurchmesser in der Entfernung des Vogels vorn Beobachter. Da der Monddurchmesser rund 30' beträgt, so ist in dem /\ b B c Seite bB = 22,5 m = 2^78 m. Ferner ist ab tg 30' 39 m, und B a = 2578 m 22,5 m tg30* 39 m = 2539 m. Zur Ermittlung der Flughöhe a d dient das Dreieck aBd; es ist nämlich ad = 2539 m . sin 30" = 1269 m. ^) Wie oben erwähnt, schätzte ich die Breite des fliegenden Vogels auf ca. 15", was bei einer Ent- fernung von 2539 m einer Spannweite von 18 cm entspricht, so daß ein Schluß auf stieglitzartige Vögel nicht unberechtigt erscheint. — Wie man von der mutmaßlichen Fluggeschwindigkeit aus- gehen kann — was im vorliegenden Falle ge- schehen — so kann man natürlich auch, wenn die Vogelart erkannt ist, von der bekannten Flügel- spannung und der im Fernrohre geschätzten Winkelgröße dieser Spannung ausgehen, wodurch die Rechnung sich noch vereinfacht. Doch muß auch in diesem Falle die Fluglinie ein senk- rechter Durchmesser oder größere Sehne des Mondes sein, damit die Spannbreite des Vogels nicht verkürzt erscheint. Man wird alsdann. ') Diese Rechnung ist nur nähefungsweise richtig. Ked. N. F. \'I. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 27 wenn die Entfernung des Vogels gefunden ist, wiederum mit Hilfe des /\ a b d die F'lughöhe ermitteln können. Voraussetzung ist dabei aller- dings eine möglichste Sicherheit in der Abschätzung kurzer Zeiträume wie kleiner Winkelgrößen; für letztere hat der mondkundige Beobachter jedoch treffliche Vergleichsobjekte in den sogenannten Mondkratern, deren Grölte leicht zu ermitteln ist. Wenn auch im günstigsten Falle die Ergeb- nisse dieser Höhenberechnungsmethode nur an- nähernde sein werden, so ist es immerhin inter- essant, zu sehen, wie der Mond auch zur Ermitt- lung der Flughöhe nächtlich wandernder Vögel seine Hand bietet. V'ielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, daß auch andere Himmelsbeobachter, namentlich vogelkundige, sich für diese Sache nebenbei interessieren und die oben mitgeteilte Methode auf ihre praktische Verwendbarkeit prüfen. Hermann Kleiner. Eine gefährliche Stachelbeerkrankheit in Deutschland. — Im Jahre 1903 trat zum ersten Male auf deutschem Boden eine Stachelbeerkrank- heit auf, die bisher nur in Nordamerika ihr Un- wesen getrieben hatte, und zwar handelt es sich um die sog. Stachelbeerpest, verursacht durch den Pilz Sphaerotheca mors uvae. .Schon seit langer Zeit schädigte dieser in Amerika die Stachelbeersträucher, überfiel, wenn er diese vollständig zerstört hatte, oftmals auch die Johannisbeeren und brachte oft die Züchter um ihre gesamte Ernte. Ostpreußen, Westpreußen, Posen, Pommern und .Schleswig-Holstein eine große Anzahl von Gärten erobert, besonders längs der Wasserwege. Es ist große Gefahr vorhanden , daß auch die übrigen Teile Deutschlands binnen kurzem von dem Schäd- ling heimgesucht werden. Im ersten Frühjahr überziehen sich die jungen, von dem Pilze befallenen Beeren mit einem weißen, schimmelartigen Fadenwerk (dem Mycel des Pil- zes), das bei vielen, durch Pilze verursachten Krank- heiten auftritt und gemeinhin „Meltau" (englisch mildew) genannt wird. In seiner Anfangsform unterscheidet sich der Schmarotzer kaum von dem schon lange in Europa bekannten, bei weitem we- niger gefährlichen Stachelbeer-Meltau. Nach und nach wird jedoch das Geflecht immer dicker, nimmt gleichzeitig eine graue oder braune Farbe an , so daß in seiner weiteren Entwicklung eine Verwechslung mit dem europäischen Meltau aus geschlossen ist. Die befallenen Früchte verlieren schon im unreifen Zustande ihres fleckigen unappetitlichen Äußeren wegen an Wert und werden schließlich gänzlich ungenießbar. Sphaerotheca mors uvae gehört zur Klasse der Schlauchpilze (Ascomycetes), die in der Regel nach beendigtem Wachstum winzige, nur mit dem Mikroskop wahrnehmbare, Schlauch- oder Sack- ähnliche Gebilde (asci) produzieren, und in diesen meist eiförmige Körperchen , die sog. Sporen, bilden, die bei der Reife ausgeschleudert werden. Diese Sporen werden neben anderen, während des Wachstums gebildeten , den sog. Konidien , die Im Jahre 1900 verschaffte er sich Eingang in Europa, zuerst in Irland, und verbreitete sich schnell über die ganze Insel. Von dort gelangte er — auf welchem Wege ist gänzlich unbekannt — noch in demselben Jahre nach Dänemark, Schweden und Rußland. Von diesen Zentren aus folgten dann Schlag auf Schlag neue Infektionen, und 1903 überschritt der Schädling die deutsche Grenze und verwüstete in der Gegend von Barth (Provinz Pommern) die Stachel- und Johannesbeerkulturen. Seitdem hat der Schmarotzer in den I'rovinzen oft nur '/,„,, mm (tröße besitzen, vom Winde auf weite Entfernungen fortgetragen und keimen, auf einem günstigen Platze angekommen, sofort aus, um mit der Bildung eines Mycels den Entwick- lungsgang wieder von neuem zu beginnen. Das einzige Mittel, um der weiteren Ausbrei- tung des Parasiten zu steuern, besteht darin, alle von dem Pilz befallenen Beeren und Triebspitzen zu verbrennen und durch tiefes Eingraben in die Erde unschädlich zu machen. Um sich dann im Frühjahr vor Neuinfektion zu schützen, bespritzt man am besten die Sträu- 28 Naturwissenschaftliche Wochenschrift N. F. VI. Nr. 2 eher den ganzen Winter über bis zum Austreiben der Rlätter mit einer Lösung von 30—40 g .SchwefelkaHum (Schvvefelleber) in 10 1 Wasser in Pausen von i bis 2 Wochen. Zum gleichen Zwecke wird auch Kupfervitriol- kalkbrühe angewandt, doch ist das erstgenannte Mittel vorzuziehen, da es wirksamer sein soll und sich leichter von den Früchten entfernen läßt. Der Verfasser glaubt, daß hoch und trocken gelegene Gärten sowie Hochstämme dem Pilz schwerer zugänglich sind, doch liegen leider hier- für noch wenig Beobachtungen vor. Daher bittet er alle Besitzer von Stachelbeeren, ihm nähere Mitteilungen hierüber zukommen zu lassen. Ebenso wäre es vom wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Standpunkte wünschenswert, wenn über die Verbreitung in den betreffenden Gegen- den, sowie über die mutmaßliche Herkunft recht eingehend berichtet würde. W. Herter, Assistent am Institut für Landwirtschaft, Bromberg. Über die Herkunft des Salzes im Meer- wasser äußert sich Ferdinand von Richt- hofen (in seinem Vortrag „Das Meer und die Kunde vom Meer", Berlin 1904) in der folgenden Weise.') Tiefgreifend mit Beziehung auf die Entstehungs- geschichte des Erdballs ist die Frage nach der Herkunft der salzigen Flut, welche die Ozeanbecken erfüllt. Scharf geschieden von der Erdfeste, wie von der Atmosphäre, bildet sie eine vielfach unter- brochene, dünne Hülle zwischen beiden. Aus den bekannten Grenzen und den gemessenen Tiefen kann man ihr Volumen berechnen. Es hat sich ergeben, daß, wenn die feste Erde eine glatte und homogene Kugel wäre, das darüber gleichmäßig ausgebreitete Wasser der Meere eine Schicht von ungefähr 2500 Meter Dicke bilden würde. Wenn man ein Kubikmeter dieses Wassers der Ver- dunstung aussetzt, so bleibt eine feste Masse zurück, welche nicht ganz den dreißigsten Teil des Ge- wichtes und, räumlich ausgedrückt, etwa ^os <^^s Wasservolumens betragen würde. Denkt man sich die aus der Lösung der Gesamtmasse des Meer- wassers ausgeschiedenen Stoffe in trockenem Zu- stand auf diese Kugel ausgebreitet , so würden sie eine Schicht von 40 Meter Dicke bilden. Was diese Zahl bedeutet, kommt uns zu klarerem Be- wußtsein, wenn wir bedenken, daß das Gesamt- volumen dieser Schicht ziemlich genau so viel beträgt, daß die über das Meer aufragenden Kon- tinentalmassen von Europa und Nord-Amerika mit allen ihren Gebirgen und Hochländern daraus auf- gebaut werden könnten. Es ist der fünfte Teil aller Festlandsmassen des Erdballs. Und doch sind dabei die Salzmassen nicht mitgerechnet, welche in verschiedenen Zeiten der Erdgeschichte in Schicht- ') Die obige Mitteilung ist durch eine Anfrage aus dem Leserkreise veranlaßt worden. Vgl. Nr. vom 23. XII. 1906 p. 832. gebilden abgelagert worden sind und dort, wo sie zu großen Körpern konzentriert auftreten, durch bergbauliche Gewinnung ein unentbehrliches Exi- stenzmittel des Menschen liefern. Auch sie waren einst im Meerwasser gelöst. Woher kommt das Wasser.- Woher stammen die in ihm gelösten Stoffe r — Diese Fragen sind häufig aufgeworfen worden. Die Antwort bezüg- lich des Wassers schien besondere Schwierigkeit nicht zu bieten. Denn da es spezifisch leichter ist als die Stoffe der festen Erdrinde, und über- dies bei hoher Temperatur in den gasförmigen Zustand übergeht, konnte man es sich als eine schon im Urzustand den schmelzflüssigen Erdball umgebende konzentrische Schicht von Gasen vor- stellen, aus der es bei allmählicher Abkühlung in die flüssige Form übergegangen sei. Manche Spekula- tion über die Art der petrographischen Ausgestal- tung der äußeren Erstarrungsrinde des Planeten ging von dieser Hülle dissoziierter Gase aus, in welcher außer dem gesamten Wasser des Ozeans auch alles später an die Gesteine gebundene und in die Tiefen der erkaltenden Erdrinde eingesunkene Wasser enthalten gewesen sei. In den Salzen des Meeres aber erblickte man den löslichen Anteil des Abraums der Kontinente, wie er von Uranfang an durch den Kreislauf des Wassers dem Ozean stetig zugeführt worden sei. Als reines Wasser- gas entsteigt dieses den Meeren, und nach einem langen Lauf durch die Atmosphäre kehrt es von den Gebirgen, mit gelösten Stoffen beladen, nach dem Meere zurück. Noch begnügt man sich nicht selten damit, den Salzen des Ozeans diesen Ur- sprung zuzuschreiben. Das Experiment zur Prüfung der Stichhaltig- keit dieser Ansicht wird von der Natur selbst im großen vollzogen. Denn es gibt Regionen auf der Erde, wo der angegebene Vorgang sich beinahe rein vollzieht. In den Zentralgebieten der Kon- tinente werden die von dem Regenwasser auf seinem Weg an der Erdoberfläche und durch das innerste Geklüft der Gesteine in Lösung mitge- nommenen Produkte der Zersetzung, gemeinsam mit dem, was durch die Atmosphäre zugeführt wird, in abflußlosen Seen angesammelt und durch Verdunstung konzentriert. Untersucht man die Salze, so entsprechen sie nicht denen des Ozeans. Und wenn wir das Wasser, welches diesem von den Strömen zugeführt wird, analysieren, so finden wir den Hauptbestandteil des Meerwassers, das Kochsalz, in so geringer Menge, daß wir es als einen ausgelaugten Bestandteil der Schichtgebilde betrachten können, der ihnen einst bei ihrem Ab- satz aus dem Meer einverleibt wurde. Es scheint deshalb neues Kochsalz nur in verschwindender Menge, wenn überhaupt, bei den Zersetzungsvor- gängen geschaffen zu werden. Im Meer aber ist seine Rolle außerordentlich groß. Denn von jener 40 Meter dicken Schicht löslicher Stoffe würde es allein über 31 Meter einnehmen, ein Maß, welches wir uns aus der ihm fast genau entsprechenden Höhe des Königlichen Schlosses in Berlin leiclit N. I". \'r. Nr Naturwisscnscliaftliclic Wochenschrift. versinnbildlichen können. In dieser Dicke würile es über die ijanze Erdoberfläche ausgebreitet sein. Um das darin enthaltene Natrium zu liefern, wiire die vollständige Entziehung dieses Elementes aus Erdrindenmassen erforderlich gewesen, welche um mehr als das Dreifache das V^olumen sämtlicher über das Meer aufragender F"estlandsmassen über- träfen, wenn man den mittleren Natriumgehalt aller Gesteine zu 2,38 Prozent an Gewichtsteilen annimmt. Es wird an Gewicht iibertroffen durch das mit ihm verbundene Chlor. Und dieses kann aus den Gebilden der festen Erdoberfläche noch weit weniger hergeleitet werden, da es in der völlig verschwindenden Menge von kaum 0,01 Pro- zent an deren Zusammensetzung teilnimmt. Diese Berechnungen , welche erst durch die Messung der Tiefe der Meere möglich geworden sind, lehren uns die Bedeutung der Rolle des Hauptbestandteils unter den im Meer gelösten Stoffen verstehen. Zugleich ersehen wir, daß jeder der beiden Grundstoffe, aus denen das Kochsalz besteht, in erster Linie das Chlor, durch Massen- haftigkeit des Auftretens der Zusammensetzung der festen Erdrinde ebenso fremd gegenüber steht, wie das Wasser des Meeres den Kontinenten. Fragen wir nach der Ursache dieser Eigenartig- keit ihrer Rolle, so können wir sie nur in der Be- sonderheit des Ursitzes, von dem sie stammen, und in besonderen Vorgängen vermuten, durch welche sie an ihre Stelle gebracht wurden. Den Schlüssel der Erklärung geben uns die mit dem Vulkanismus verbundenen hydrother- mischen Vorgänge, deren von St. Ciaire Deville und Robert Bunsen begonnenes Studium durch die explosiven Emanationen des Vulkans von Marti- nique neue Belebung erfahren hat. Vereinzelt war schon seit 1842 die Ansicht ausgesprochen und wahrscheinlich gemacht worden , daß die hoch- erhitzten und unter hohem Druck befindlichen Massen im Erdinnern mit Gasen in dissoziiertem Zustand beladen sind, welche bei Minderung der Temperatur zu gasförmigen Verbindungen zu- sammentreten und unter den Ursachen der Er- scheinungen des Vulkanismus, wenn auch nicht die einzige, so doch die wesentlichste Rolle spielen. Es kann dabei ebenso die fortschreitende Erkaltung des Erdballs wirksam sein, wie das örtliche, geysir- artige Aufsteigen gasdurchtränkter Massen nach minder erhitzten Tiefen. Die Beobachtung der verschiedenen Art, wie die fremdartigen, aus dem Erdinnern herzuleitenden Stoffe im Gefüge der Erd- rinde und an ihrer Oberfläche auftreten, hat zu der Schlußfolgerung geführt, daß die Äußerungen des Vulkanismus ebenfalls von sehr verschiedener Art sind. Örtliche Druckentlastung oder schuß- artige Öffnung von Kanälen rief Ausströmen gas- erfüllter Lava oder explosive Vorgänge und damit die für eine große Zahl von Vulkanen charakte- ristische Art der Tätigkeit hervor; Klüfte in zer- trümmertem Gestein konnten durch Sublimation gasförmiger Stoffe mit Mineralien und Erzen er- füllt werden : an anderen Stellen fand gewaltsames Eindringen wassergashaltigcn Schmelzflusses in selbstgeschaffene und durch Nachschub stetig er- weiterte Zwischenräume im Gestein statt. In allen Fällen konnten entweichende Gase des Magma in Form von temporären Solfataren oder dauernden Thermen die Oberfläche erreichen und hier den Vorrat von Wasser und aus dem Erdinnern ver- flüchtigten Stoffen vermehren. Daß Chlor und die selteneren Halogene, Fluor, Brom und Jod, aus dem Magma Metalle und andere Elemente, dar- unter besonders Natrium, entführen und nach der Oberfläche bringen, ergibt sich mit Wahrschein- lichkeit aus der Rolle, welche sie heute bei den Ausbrüchen der Vulkane spielen. Der Deduktion aus beobachtbaren Vorgängen der Gegenwart ist ein Halt geboten, ehe sie sich unterfängt, bis zu den Urzuständen der Erdober- fläche zurückzugehen. Es darf indes, wenn die ersten Schlußfolgerungen richtig sind, als wahr- scheinlich gelten, daß vor und bei Beginn der Erstarrung die Entweichung der Gase aus dem Magma und die selektive Entführung einzelner Grundstoffe durch die besonders aktiven Halogene aus den Tiefen nach der Oberfläche, ebenso wie die Gesamtheit der eruptiven und explosiven Er- scheinungen, mit außerordentlicher Heftigkeit und in allgemeiner Verbreitung über die Erdoberfläche stattfanden, so daß in der Tat die frühe Existenz einer mächtigen Hülle von Gasen der Bestandteile des Wassers und deren schließliche Verdichtung unabweisbar ist. Aber auch wenn der Vulkanis- mus und die ihm verbundenen hydrothermischen Vorgänge seit der relativ späten Zeit des nach- weisbaren organischen Lebens nur als schwache Nachwehen der früheren Zustände angenommen werden dürfen, muß doch in absolutem Maß die Gesamtmenge der dabei dem Erdinnern entwichenen Stoffe einen sehr bedeutenden Zuwachs zu dem Urmeer und seinen Salzen geliefert haben und noch fortdauernd liefern. Wir dürfen daher das Wasser der Ozeane, das darin enthaltene Chlor- natrium und andere der damit vorkommenden Stoffe, wie Eduard Suess es im Anschluß an eine geistvolle Betrachtung der Thermen von Karlsbad ausgedrückt und in vielfach neuer Gedankenreihe entwickelt hat, aus einer noch stetig fortdauernden Entgasung des sich abkühlenden Erdkörpers her- leiten. Bücherbesperchungen. Deutsche Südpolar-Expedition 1901 — 1903, IX. Bd., Zoologie I. Bd., Heft 3. Berlin , Georg Reimer, 1906. C. Apstein, Die Salpen, mit Tafel VIII bis X u. 42 Abbildungen im Text, p. 15g — 203.') Es sind wesentlich 3 Punkte, die dieser durch Klarheit und Kürze ausgezeichneten Arbeit ein be- sonderes Interesse verleihen. Einmal scheint es, daß die Salpen uns gegenwärtig in nahezu allen ihren lebenden Arten bekannt geworden sind ; denn weder ') Vgl. auch Naturw. Wochenschr. Bd. V Nr. 47 vom 18. November 1906 p. 751. — Red. 30 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. die sorgfältige Durcharbeitung der selir umfangreichen Ausbeute der Valdivia ■ Expedition noch die Unter- suchung des Materialos der Südpolar- Expedition führten /.u der Auffindung irgend einer neuen Art. Der Verf hat es daher für angezeigt gehalten, alle 22, auf 2 Gattungen sich verteilende Arten zusammenzustellen und durch kurze Diagnosen sowie schematische Zeich- nungen möglichst scharf zu charakterisieren. Eine 23. Art, die von ihren Entdeckern sogar in eine be- sondere Gattung (Stephanosalpa) gestellt wird, konnte wegen der ungenügenden Kenntnis nur angeführt werden. Eine Bestimmungstabelle erhöht noch den praktischen Wert dieser Zusammenstellung. Über das Nervensystem derSalpen war bis dahin in- folge der großen Schwierigkeiten, die sich dem Verfolgen der Nervenbahnen an lebenden und konservierten Tieren entgegenstellten , nur sehr wenig bekannt. Apstein konnte nun an einigen wenigen, mit Osmiumsäure behandelten Individuen von S. zonaria und confoede- rata die Nerven bis an die Muskeln verfolgen und ein getreues Bild von dem Verlauf der vom Gehirn- ganghon ausstrahlenden Nerven geben. Histologische Untersuchungen waren allerdings auch an diesen Exemplaren nicht ausführbar. Die tiergeographischen Verhältnisse zeigten in den Hauptpunkten naturgemäß dieselben Erscheinungen wie bei den Pteropoden. Die Salpen sind Bewohner des warmen Wassers und nur eine einzige Art ist dem polaren Stromgebiet eigentümlich : die antarktische Salpa magelhanica. Auch hier ist also das Süd- polargebiet dem Nordpol gegenüber bevorzugt, wie das aus der ungeheuren Berührungsfläche des ant- arktischen Wassers mit dem Warmwassergebiete ver- ständlich ist. Eine Warmwasserart, Salpa fusiformis, var. echinata dringt , wie Styliola subula unter den Pteropoden, bis zum 64'/,,* s. Er. an den Rand des Eises vor und lebt hier in einem Wasser von — 1,8" C. Von ganz besonderem Interesse ist es aber, daß die antarktische Art (S. magelhanica) nicht auf das antark- tische Gebiet beschränkt ist, sondern durch die Strömun- gen ä(iuatorwärts fortgeführt wird und westlich vom Kap auf hoher See aufgefunden wurde. Offenbar entführt der sog. „Verbindungsstrom", der den süd- äquatorialen Stromzirkel des Atlantischen Ozeans im Süden schließt, die polaren Ionen aus der Gegend des Feuerlandes und von Kap Hörn und führt sie auf die Südwestküste Afrikas zu, wo sie dann im Gebiete des Benguelastromes als polare Einwanderer zwischen den typischen Warmwasserformen erscheinen. Es ist daher in diesem Gebiete ganz besonders auf antarkti- sche Elemente des Planktons zu achten. Endlich be- stätigte sich aufs neue Apsteins, schon vor Jahren (Die Salpen der Plankton-Expedition) ausgesprochene Vermutung , daß das scharenweise Auftreten von ' Planktonorganismen auf See vielfach eine zeitlich und räumlich konstante, Jahr für Jahr wiederkehrende Er- scheinung sei, indem die Südpolar - Expedition am 15. November igoi fast an derselben Stelle (nord- westlich vom Kap im Benguelastrom), an der 3 Jahre vorher am 19. Oktober die Valdivia eine enorme Menge von Salpa flagellifera gefunden hatte, dieselbe Art wiederum in solcher Masse fand, daß die einzel- nen Tiere sich an manchen Orten berührten. Apstein bringt diese regelmäßige „Ansammlung" mit den Strömungsverhältnissen in einen sehr plausiblen Zu- sammenhang. Auf einer Karte sind die wesentlichsten Befunde zur Darstellung gebracht. H. Lehmann. Julius Wiesner, Professor in Wien, Anatomie und Physiologie der Pflanzen. 5. verb. und verm. Aufl. (Wien, 1906, Holder.) IX und 401 S. und 185 Te.xtfig. — Preis 7,80 Mk. Wiesner's allbekanntes Lehrbuch; Anatomie und Physiologie der Pflanzen (als I. Band der Elemente der wissenschaftlichen Botanik) ist in neuer Auflage erschienen. Wer das Buch aus eigenem Gebrauche kennt , wer weiß , welch bewährten und anregenden Führer er an demselben bei Beginn seiner botanischen Studien gefunden hat, der wird sich aufrichtig freuen, dasselbe trotz der Konkurrenz mit jüngeren Lehr- büchern noch immer auf dem Plan und noch dazu neu verjüngt anzutreffen. S Jahre sind seit der letzten Auflage verflossen und eine Fülle neuer Tatsachen, neuer Gesichtspunkte sind zutage gefördert und ge- wonnen worden , mit welchen sich die Neuauflage abzufinden hatte. Es ist immer ein Kriterium dafür, daß die Grundanlage eines Buches von allem .Anfang an richtig gewählt war, wenn es das Neugewonnene leicht zu assimilieren vermag. Wiesner's Lehrbuch hat diesen Verschmelzungsprozeß vollzogen und ein einheitliches Ganzes geschaffen, welches den Grund- satz der ersten Auflage nicht verleugnet: überall nur dasjenige, was von fundamentaler Bedeutung erscheint, in den fortlaufenden Text aufzunehmen. In meister- hafter Weise hat es der Verfasser verstanden, dieser- art die gesicherten Grundlagen von dem zu trennen, was zwar an sich des Interesses wert und geeignet ist, Anregung zu gewähren, aber noch nicht von* all- gemein anerkannter Bedeutung oder wenigstens min- der wichtig erscheint. Durch diese glückliche, oft schwer durchzuführende Anordnung des Stoftes ist das Buch wirklich zu einer Einführung in die ,, Elemente" der Anatomie und Physiologie der Pflanzen geworden, das in jener Darstellungsweise von durchsichtigster Klarheit, die an Wiesner's Schriften so fesselnd her- vortritt , den Studierenden durch den Nachweis der wichtigsten Literatur (welche namentlich in den an- gehängten „Noten" zusammengestellt ist) über den Rahmen des Gebotenen hinausweist und zu selbstän- digem Arbeiten anregt und befähigt. — Nicht nur für den angehenden Botaniker , noch mehr für den Vorgeschrittenen und den Fachmann sind die im An- hange vorgebrachten Bemerkungen des Verfassers von Bedeutung, da sie durch ihren kritischen Charakter anregend wirken und der objektiv gehaltenen Dar- stellungsweise des Ganzen eine interessante persön- liche Note geben, indem an dieser Stelle der Autor seine eigene Anschauung gegenüber der herrschenden, im Texte vorgetragenen zum Ausdrucke bringt. Während der Gesamtumfang des Werkes nur wenig zugenommen hat, ist die Anzahl der Textfiguren um 26 vermehrt worden, ältere, mehr schematische Bilder wurden durch bessere, neue ersetzt. Daß die N. F. VI. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 31 typographische Ausstattung vorzüglich ist, war von dem bekannten Verlage nicht anders zu erwarten. Es ist kein Zweifel : das besprochene Buch , wel- ches {Generationen von Studierenden der naturwissen- schaftlichen Disziplinen an den österreichischen Hoch- schulen ein treuer Wegweiser war, wird auch in seiner neuen (lestalt diese Aufgabe in altbewährter Weise erfüllen. Prof. Dr. L. Linsbauer (Wien). A. Schuck, Zur Kenntnis d er \\' i rbe 1 stürme. Hahnen. (Westindien, Indischer Ozean, Süd- und Nordost- Pacific.) 33 Seiten Text mit 28 Karten. III. Heft der „Beiträge zur Meereskunde". Ham- burg 1906, Selbstverlag des Verf. Verf. bietet in den Tabellen und Karten eine aus den verschiedensten, ihm zugänglichen Publikationen mit vielem Fleiß zusammengetragene Darstellung der hinreichend scharf beobachteten Sturmbahnen der im Titel genannten Meeresteile. Der Stil des Textes leidet zwar an eigenartigen Wendungen, die ihn stellen- weise schwer verständlich machen, doch wird dadurch der Wert der Karten-Darstellungen, für die der See- fahrer dem Verf dankbar sein wird, nicht beeinträchtigt. Kbr. Literatur, Abel, (jch. Med.-R. Dr. Kud. : Bakteriologisches Taschenbuch, enth. die wichtigsten techn. Vorschriften zur bakteriolog. Laboiatoriumsarbeit. 10. .\ufl. (VI, 119 S.i kl. 8". Würz- burg '06, A. Stuber's Verl. — • Geb. in Leinw. u. durchsch. 2 Mk. Blascbke, Reg.-R. Prof. Dr. Ernst: Vorlesungen üb. raathe- malische Statistik (die Lehre v. den statistischen Maßzahlen 1. Mit 17 Te.xtfig. u. 5 Taf. (VIII, 268 S.) Leipzig '06, B. (j. Teubner. — Geb. in Leinw. 7,40 Mk. Burkbardt, Prof. Dr. Heinr. : Funküonentheoretische Vorlesun- gen. 2. Bd. Elliptische Funktionen. 2., durchgeseh. und verb. Aufl. (XVI, 374 S. m. Fig.) gr. 8". Leipzig '06, Veit & Co. — 10 Mk. ; geb. in Leinw. 11 Mk. Küster, F. W. : Lehrbuch der allgemeinen, physikalischen u. theoretischen Chemie. In elementarer Darstellung f. Che- miker, Mediziner, Botaniker, Geologen und Mineralogen. (Zugleich 7. Aufl. des allgemeinen u. physikal. Teiles von Gmelins Handbuch der Chemie. (In etwa 12 Lfgn.) i. Lfg. iS. 1—64 m. Fig.) gr. 8". Heidelberg '06, C. Winter. — 1,60 .\Ik. Leschanowsky, H. : Gemeinverständliche erste Einführung in die höhere Mathematik u. deren Anwendung. (VIII, S5 S. ■"• 34 ^'g-) gr- 8°. Wien '06, C.Fromme (Umschlag '07.1 — 2,50 Mk. Medicus, Prof. Dr. Ludw.: Einleitung in die chemische .Ana- lyse, gr. 8*. Tübingen, H. Laupp. 4. Heft: Kurze Anleitung zu technisch-chemischen -Ana- lysen. Übungsbeispiele zum Gebrauche beim Unterricht in ehem. Laboratorien. 2. verb. u. verm. .Aufl. Mit 29 Abbildgn. (VIII, 121 S.) '06. — 2 Mk. , geb. 2,80 Mk. Müller, Aloys: Elementare Theorie der Entstehung der Ge- zeiten. (111, 87 S. m. 21 Abbildgn.) gr. 8". Leipzig '06, J. A. Barth. — 2,40 Mk. Pauli, Wolfg. : Beziehungen der Kolloidchemie zur Physio- logie. Vorgetragen in der naturwissenschaftl. Hauptsitzg. der 78. Versammig. deutscher Naturforscher und Arzte in Stuttgart am 20. IX. 1906. (35 S.J 8". Leipzig '06, I. A. Barth. — i Mk. Vries, Hugo de: Arten u. Varietäten u. ihre P.ntstehung durch Mutation. An der Universität v. Kalifornien geh. Vorlesgn. Deutsch V. H. Klebahn. (XII, 530 S. m. 53 Abbildungen.) Lex. 8". Berlin 06, Gebr. Borntraeger. — 16 Mk ; geb. .in Leinw. 18 Mk. Briefkasten. Herrn Prof. F. in Brandenburg a. II. — Literatur üiier die l)altischf »ibere Kreide (Senon und Danien) linden Sic, abgesehen von den Ihnen bekannten älteren Ar- beiten von A. Roemer, Schlüther und Hagenow, in den .Ab- handlungen von; Deccke, Einige neue Aufschlüsse im Flötzgebirge Vor- pommerns und allgemeine Charakterisierung der pommerschen Kreideformation. Zeitschr. d. deutsch, geolog. Gesellschaft 1905, Bd. 57, S. II — 26. Elbert und Klose, Kreide und Paleocän auf der Greifswalder Oie. 8. Jahresber. d. geogr. Ges. Greifswald 1904, S. III —139. De ecke. Neue Materialien zur Geologie von Pommern. Mitt. d. naturw. Ver. f. Vorpommern u. Rügen. 33. u. 34. Jahrg. Greifswald, 1903 u. 1904. Ders., Mesozoische Formationen der Provinz Pommern. Greifswald 1894. M a r s s o n , Die Kryozoen der weißen Schreibkreide der Insel Rügen. Paläont. Abhandl. von Dames u. Kayser 1887. Cayeux, Conlribution a l'etude raicroscopique des ter- rains Sediment. Lille 1897. Ders., Ann. Soc. geolog. du Nord. 19. S. 95. Jentzsch, Der vordiluviale Untergrund des norddeutschen Flachlandes. Jahrb. d. kgl. pr. geol. Landesanstalt f. 1899. S. 266 fi'. Lundgreen, i^)efversigt af Sveriges mesoz. bildningar. 1888. Harbort. Herrn Dr. Seh. in Liegnitz. — Ihre Anfr.age um Mitteilung geologischer Literatur über Südamerika läßt sich in der allgemeinen Fassung unmöglich hier beantworten, da der Platz für die zahlreichen Abhandlungen nicht ausreicht. Sie würden am besten angeben , welchen Zweck Sie mit dem Studium der Literatur verfolgen wollen. — Während Nord- amerika durch die geologischen Aufnahmen der verschiedenen Landesuntersuchungen geologisch gut durchforscht und be- schrieben ist, fehlen Spezialuntersuchungen in den meisten südamerikanischen Staaten. Die geologische Literatur dieser Länder ist darum sehr zerstreut in den verschiedensten geo- logischen Zeitschriften aller Länder. Ein recht ausführliches Verzeichnis von Abhandlungen, die sich auf die Geologie Süd- amerikas beziehen, finden Sie in den Arbeiten von C. Burck- hardt: Coupe geologique de la Cordillere entre las Lajas et Curarautia in den Anales del Museo de la Plata 1900 Bd. 111 und Profils geologiques transversaux de la Cordillere Argen- tino-Chilienne, ebenda 19CXJ Bd. II. Außerdem nenne ich Ihnen aus Werken allgemeineren Inhaltes die betr. Kapitel aus Sueß, .Antlitz der Erde; Neu- mayr, Erdgeschichte: sowie die .Abhandlungen von: Darwin, Geologische Beobachtungen über Südamerika , deutsch von V. Carus, Stuttgart 1878; Domeyko, Memoire sur la com- position geologique du Chile, .Annales des mines Ser. IV, t. 14; Karsten, Geologie de l'ancienne Colombie, Bolivienne, Venezuela, Nouvelle Grenada et Ecuador. Mit 8 Tafeln und I Karte. Berbn 1886; Darapsky, Das Departement Taltal (Chile), seine Bodenbildung und Schätze. Berlin 1900; Wolf, Geografia y Geologia del Ecuador. Leipzig 1892; Stelzner, Beiträge zur Geologie und Paläontologie der .Argentinischen Republik. Cassel-Berlin 1885; Behrendsen, Zur Geologie des Ostabhanges der Argentinischen Cordillere, Zeitschr. d. d. geol. Ges. 1891; Steinmann, Beiträge zur Geologie und Paläontologie von Südamerika (Abhandlungen von verschiede- nen .Autoren.) Neues Jahrb. für Geologie und Mineralogie. Beilageband 1 und folgende; Steuer, Argentinische Jura- ablagerungen. Ein Beitrag zur Kenntnis der Geologie und Paläontologie der .Argentinischen Anden. Paläont. .Abhandl. von Dames und Kayser, Bd. VII, 1897; Tornquist, Der Dogger am Espinazitopaß nebst einer Zusammenstellung der jetzigen Kenntnisse von der Argentinischen Juraformation. Ebenda 1898. Handelt es sich um die Geologie nutzbarer Lagerstätten Südamerikas (Chilisalpeter, Erze etc.), so werden Sie am zweckmäßigsten das Kepertorium des Neuen Jahrbuches für Geologie und Mineralogie oder der Zeitschrift für praktiscke Geologie nachschlagen. Harbort. 32 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. - R F. VI. Nr. 2 Herrn Dr. B. in Plauen. — Ein neueres zusammenfassen- des Werk über die Termiten ist J. Desneux „Isoptera, Farn. Termitidae", l'.ruxelles 1904, in P. Wytsman, „Genera Insectorum", Fase. 25, 52 S. 4" mit 2 Taf., Preis 15,90 Kr. Sie linden in dem äußerst linapp gefaßten Buche Bestimmungs- tabellen und Charakterisierung der Gruppen bis zur Gattung, Angaben über die Lebensweise und Verbreitung, ferner eine .Aufzählung der beschriebenen Arten mit Synonymie und An- gaben über deren Verbreitung und — was lür Sie besonders wichtig sein dürfte — überall Angaben über weitere Literatur, alles natürlich in sehr gedrängter Kürze. Dahl. Herrn W. J. in Skuö (Böhmen). — Sie fragen, wel- ches das beste „tierphysiologische Praktikum" sei. — — Mir hat F. Schenck, ,, Physiologisches Praktikum, eine Anleitung für Studierende zum Gelirauch in praktischen Kursen der Physiologie" (Stuttgart 1895, 308 S. mit 153 Abb., Preis 7 Mk.) immer gute Dienste getan. Von .\. Zuntz wird L. Hermann, ,, Leitfaden für das physiologische Praktikum" (Leipzig 1898, 229 S. mit 24 Abb., Preis 6 Mk.)und E. H. Stein, ,, Tierphysiologisches Praktikum für Tierärzte und Landwirte" (Stuttgart 1903) empfohlen (Naturw. Wochenschr., N. F. Bd. 3, S. 192). Das letztere soll mehr die chemischen Methoden, das erstere, ebenso wie das Seh enck' sehe, die physikali- schen und vivisektorischen Schulversuche enthalten, das erstere soll in erster Linie für den Studierenden der Medizin be- stimmt sein. Ein neueres Buch, das ich nur dem Titel nach kenne, ist: R. Fuchs, ,, Physiologisches Praktikum lür Medi- ziner" (Wiesbaden 1906, 261 S. mit 93 .Abb., Preis 6,60 .Mk.). Dahl. Herrn E. K. in Reibersdorf — Ihre Frage, welche Lehr- bücher der Physiologie sich am besten für das Universitäts- studium eignen, ist in dieser /Mlgemeinheit nicht leicht zu be- antworten. — Ich nehme zunächst an, daß sie die Pflanzen- physiologie nicht meinen. Ebenso darf ich wohl annehmen, daß Sie die physiologische Chemie auch nicht im .\uge haben. Aber auch dann bleibt die Frage unbestimmt, da man nicht sieht, ob Sie das Studium der Medizin oder das Studium der Naturwissenschaften und speziell der Zoologie im .Auge haben. Für einen Mediziner kommen natürlich diejenigen Lehrbücher in Frage, welche den Menschen in den Vordergrund stellen: — Ein kleines, von Studierenden der Medizin vielgekauftes Buch ist J. Steiner, ,, Grundriß der Physiologie des Menschen" (9. Aufl., Leipzig 1906, 474 S. mit 70 Fig., Preis 9 Mk.). Etwas umfangreicher und nicht ausschließlich für den Mediziner be- rechnet sind: J. Bernstein, Lehrbuch der Physiologie des tierischen Organismus, im speziellen des Menschen" (2. Aufl., Stuttgart 1900, 696 S. mit 276 Fig., Preis 14 Mk.) und J. Munk, ,, Lehrbuch der Physiologie des Menschen und der Säugetiere" (7. Aufl. von P.Schultz, Berlin 1905, 642 S. mit 153 Fig., Preis 14 Mk.). Ein sehr bekanntes Buch ist L. Landois, „Lehrbuch der Physiologie des Menschen" ( n Aufl. von R. R o s c - mann, Wien 1905, 1127 S. mit I Taf. und 321 Fig., Preis 20 Mk.). In neuerer Zeit ist auch R. Tigerst edt, ,. Lehr- buch der Physiologie des Menschen" (3. .Aufl., Berlin 1905, lOOI S. mit 260 Fig., Preis 24 Mk.) vielfach in Aufnahme gekommen. Ein eingehenderes Werk ist L. Luciani, ,, Physio- logie des Menschen" (bisher erschienen 2 Bände, Jena 190s bis 1906, 1036 S. mit 389 Fig., Preis 24 Mk.). Noch weit um- fassender und mehr für den Spezialisten berechnet ist das ebenfalls im Erscheinen begriftene Handbuch der Physio- logie des Menschen, herausgegeben von W. Nagel. — Nicht speziell für den Mediziner bestimmt ist L. Her- mann, „Lehrbuch der Physiologie" (13. Aufl., Berlin 1905, 763 S. mit 245 Fig., Preis 16 Mk.). — Lehrbücher der allge- meinen Physiologie, d.h. Bücher über Lebenserscheinungen und Lebensbedingungen, sind: M. Verworn, ,, .Allgemeine Physiologie, ein Grundriß der Lehre vom Leben" (4. Aufl., Jena 1903, 652 S. mit 300 Fig., Preis 15 Mk.) und J. Rosen- thal, ,, Lehrbuch der allgemeinen Physiologie" (Leipzig 1901, 616 S. mit 137 Fig., Preis 14,50 Mk,). Dahl. Herrn P. S. in Telgte und Herrn E. M. in Magdeburg. — Frage I : Zur ersten Einführung in die Kenntnis der ein- heimischen Spinnen wird Ihnen meine ,, Analytische Be- arbeitung der Spinnen Norddeutschlands mit einer anatomisch- biologischen Einleitimg" (in: Schrift, d. naturw. Ver. f. Schles- wig-Holstein Bd. 5, Heft I, Kiel 1883, auch separat erschienen, aber vergriffen) trotz mancher Fehler immer noch gute Dienste tun. Sie enthält Bestimmungstabellen einerseits nach Form- merkmalen und andererseits nach Farbenmerkmalen. — Zum weiteren Studium kann ich Ihnen nur ein lateinisch geschrie- benes Werk über ungarische Spinnen: C. Chyzer und L. Kulczynski, ,,Araneae Hungariae" (Budapest! 1891 ■ 97, Preis 30 Mk.) empfehlen. — Dasselbe enthält außerordentlich sorgfältig ausgearbeitete Bestimmungstabellen, die allerdings die Charaktere der Familien als bekannt voraussetzen und auf lithographischen Tafeln die Kopulationsorgane der meisten For- men dargestellt. Da die Spinnenfauna Ungarns mit der Deutsch- lands fast völlig identisch ist, fehlen in demselben verhältnis- mäßig wenige, west- und norddeutsciie Formen. Frage 2: Zum Konservieren der Spinnen ist immer noch Alkohol am meisten zu empfehlen. Man wirft die Tiere zunächst in nicht zu starken .Alkohol (60 — 80"/^), damit der Hinterleib nicht schrumpfe und führt nach einigen Tagen in stärkeren Alkohol über. Die Farben, auch die zarteren, halten sich längere Zeit einigermaßen gut, wenn man die Gläs- chen in einem völlig dunklen Kasten oder in einem Schrank mit Holz (nicht Glas-) türen aufhebt. Die dunklen Zeichnungen, welche bei der Bestimmung am wichtigsten sind, bleiben auch an belichteten Orten sehr lange erhalten. Frage 3 : Für das .Studium der Anatomie und Biologie der Spinnen kann ich nur auf ein Werk von H. C. McCook, ,, American Spiders and their Spinningwork", 3 Vol., Phila- delphia 1889 — 93 hinweisen. Es ist dieses voluminöse Werk zwar keineswegs erschöpfend, aber doch die umfangreichste Zusammenfassung dessen, was — namentlich über die Lebens- weise der Spinnen — bis zum Jahre 1893 bekannt war. Die neueren Arbeiten müssen Sie sich sclion aus den Literatur- berichten in den Zoological Records, aus den Berichten des Archivs für Naturgeschichte oder, wenn Sie nur die Titel wollen, aus den Berichten des Zoologischen Anzeigers zu- sammensuchen. Dahl. Herrn Dr. C. L. — Meerestiere für .Salzwasseraquarien können Ihnen die zoologische Station in Kovigno und die biologische Station auf Helgoland liefern. Dahl. Herrn E. R. in Weimar. — Sie teilen uns mit, daß in der dortigen Großlierzoglichen Fasanerie der Bestand der jungen Tiere in diesem Sommer durch eine Band- wurmseuche bedeutend gelichtet wurde. — Sie haben den Bandwurm als Tatnia infnndihulifonnis Goeze bestimmt und möchten den Zwischenwirt desselben wissen. — — Nach M. Braun (H. G. Bronns, Klassen und Ordnungen des Tier- reichs, Bd. 4 Vermes, Abt. Ib Cestodes, Leipzig 1894 — 1900, S. 1565) ist die Finne dieses, auch beim Haushuhn gemeinen, Bandwurms von Grassi und auch von Rovelli in der Stubenfliege, 3Iiisca domesticit L., gefunden. Als Forscher, die Ihnen auf weitere Fragen über diesen Gegenstand Auskunft geben können, nenne ich Ihnen Herrn Prof. Dr. M. Braun in Königsberg i. Pr. und Herrn Oberstabsarzt Dr. v. Linstow in Göttingen. Dahl. Inhalt: F. Koerbcr: Die Verwendung feiner Gitter in Wissenschaft, Technik und Unterricht. — Kleinere Mitteilungen: Hermann Kleiner: Eine Methode zur Ermittlung der Höhe des Vogelfluges. — W. Herter: Eine gefährliche Stachelbeerkrankhcit in Deutschland. — Ferdinand von Richthofen: Über die Herkunft des Salzes im Meer- wasser. — Bücherbesprechungen: Deutsche Südpolar-Expedition 1901 — 1903. — Julius Wiesner: Anatomie und Physiologie der Pflanzen. — A. Schuck: Zur Kenntnis der Wirbelstürnje. — Literatur: Liste. — Briefkasten. Verantwortlicher Redakteur: Prof. Dr. H. Potonie, Groß-Lichterfclde-West b. Berlin. Druck von Lippert & Co. (G. Pätz'sche Buchdr.), Naumburg a. S. Organ der Deutsehen Gesellschaft für volkstümliche Naturkunde in Berlin. Redaktion: Professor Dr. H. Potoni6 und Professor Dr. F. Koerber in Grofs-Lichterfelde-West bei Berlin. Verlag von Gustav Fischer in Jena. Nene Folge VI. Band; der ganzen Reihe XXII. Band. Sonntag, den 20. Januar 1907. Nr. 3. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Postanstalten, wie bei der Expedition. Der f^ Halbjahrspreis ist M. 4. — . Bringegeld bei der Post 15 Pfg. extra. Inserate: Die zweigespaltene Kolonelzeile 40 Pfg. Bei gröfieren Aufträgen entsprechender Rabatt. Beilagen nach Übereinkunft. Inseratenannahme durch die Verlags- bandlung. Über die Brutpillen und die Fürsorge für die Nachkommenschaft bei den Pillenkäfern. [Nachdruck verboten.^ Mit einer Textfigur. Von Professor H. Kolbe. Einer der hauptsächlichsten Lebenstriebe in der \atur ist bekanntlich die Erhaltung der .-^rt, die sich in der fortgesetzten Zeugung von Nachkommen- schaft und in der Sorge für die Nachkommenschaft äußert. Diese Sorge im weiteren Sinne ist in außerordentlichem Umfange zu einer Fürsorge für die Nachkommenschaft ausgebildet. Abgesehen von den höher stehenden Tieren gibt es speziell unter den Gliederfüßern (.Arthropoden), zu denen die Insekten, Tausendfüßer, Spinnen und Krebse gehören, zahlreiche Arten, welche für die Erhal- tung und das Gedeihen der Brut eine ganz be- sondere Vorsicht und Umsicht entfalten. Zahl- reiche andere Gliederfüßer stehen jedoch auf einer so niedrigen Stufe der Brutpflege, daß sie ihre Eier an ihren VVohnplätzen ohne besondere Vor- sicht einfach fallen lassen, z. B. die Eintagsfliegen (Ephemerideii). Die pflanzenfressenden Insekten legen ihre Eier gewöhnlich an diejenigen Pflanzen, welche gewissermaßen die gesetzmäßige Nahrung der Larven dieser Insekten bilden (Lepidopteren, phytophage Hymenopteren, Hemipteren, Cicaden, Aphiden, Coleopteren, Dipteren etc.). Sie heften die Eier vermittels einer Klebesubstanz, welche aus einer Drüse ihres Hinterleibes hervorkommt, an die Nahrungspflanzen. Hier äußert sich die Fürsorge hauptsächlich in der einfachen Sorge für die Nahrung der Larven. Einen Schritt weiter gehen manche Schmetterlingsmütter, indem sie ihre Eierhäufchen mit wollartigem Stoffe (Woll- haare ihres Hinterleibes) dicht umhüllen (wohl zum Schutze gegen die Kälte oder gegen tierische Feinde), z. B. der Schwammspinner, Üciieria dispar. Manche VVasserinsekten (z. B. Phryganeiden) betten ihre Eier in eine gallertartige Masse und setzen diese im oder am Wasser an Pflanzen, Steine, Holz usw. ab. Manche -Spinnen hängen ihre Eier in dicht gewebten Gespinnstsäckchen auf, z. B. an Pflanzen. Die Eier sind sicher geschützt. Ähnlich verfahren einige Wasserkäfer aus der Familie der Hydro- philiden. Manche Gliederfüßer legen ihre Eier in eine Wiege aus feuchtem Erdstoff, z. B. Schalen- asseln {Glomeris). .Schaben (Blattiden), zu denen die Küchenschabe {Pcriplaneta oricntalis) gehört, legen ihre Eier paketweise (in eine feste Kapsel eingebettet) am Boden an versteckten Orten ab. Die Eierpakete der Gottesanbeterinnen (Mantiden) sind kokonartig und sitzen an Pflanzen. Manche 34 Naturwissenschaftliche Wochenschrift N. F. VI. Nr. 3 Schildläuse (Coccidenj bedecken ihre Eierhäufchen an Pflanzen mit einer wachsartigen Absonderung ihres Körpers. Zahlreiche Heuschrecken (Locustiden, Grylliden, Acridiiden) senken ihre Eier in die Erde oder in Spalten und Risse von Pflanzenstengeln. Die Muttertiere aller vorstehend erwähnten Gliedertiere (von den Vatertieren schon gar nicht zu reden) sehen ihre Jungen niemals; sie sterben gewöhnlich bald nach der Eiablage. Die Jungen sind sich selbst überlassen ; da die Mutter aber ihre Eier an Orte legte, wo die Jungen ihre zusagende Nahrung finden, so war wenigstens für die Hauptsache, die Befriedigung des Nahrungs- bedürfnisses, gesorgt. Von manchen, eben dem Ei entschlüpften Lärvchen weiß man indes, daß sie die zarte Eischale, welche ihnen im Embryonal- zustande als Schutz diente, fressen. So kommen die jüngsten Larven wohl über den ersten Hunger hinweg. Die weitere Nahrung findet sich dann bald. Manchen Gliederfüßern sind jedoch Mutter- freuden vorbehalten; sie sehen ihre Nachkommenschaft. Sie tragen die Eier entweder außen am Körper bei sich oder be- wachen sie am Orte der Ablage, bis die Larven aus ihnen hervorkommen. Die Maulwurfsgrille, welche ihre Brutgänge einige Zoll unter der Ober- fläche des Erdbodens anlegt, setzt ihre Eier in Gestalt eines Haufens von 200 bis 300 Stück in einer eigens dazu hergerichteten Höhle ab und bewacht ihren Eierschatz und hernach die einige Zeit zusammenbleibenden Jungen. Doch kommt es vor, daß manche Mutter ihre Jungen frißt, was allerdings schlecht zu der Fürsorge für die Brut paßt. Anscheinend ist dies aber nur bei den in Gefangenschaft gehaltenen Tieren beobachtet. Auch die Ohrwürmer (Forfic/ila) halten bei ihren Eier- häufchen Wache und bleiben sogar noch schützend bei den zarten jungen Tierchen ihrer Brut. Auch von gewissen Tausendfüßern aus der F'amilie der Geophiliden weiß man (nach Latzel), daß die Muttertiere die Eier und ihre weißlichen Jungen mit iJirem verschlungenen Körper schützend be- decken. Viele Crustaceen (Krebse), manche Spinnen, Bücherskorpione [ChcUfer), einige Wasserwanzen [Diplonyc/iiis) und gewisse Wasserkäfer {S/'erc/u'iis) tragen ihre Eier bis zum Ausschlüpfen der Larven mit sich herum. Die Jungen sitzen dann oft noch einige Zeit am Körper der lebenden Mutter, die ihren Kindern dann vermutlich noch Schutz ge- währt. Von manchen Spinnen weiß man, daß sie ihre Eier, die sie an geschützten Orten (unter Baumrinde, Steinen, liegenden Bäumen usw.) ver- bergen, bewachen. Auf die interessante Brutpflege bei den Wespen und Bienen, namentlich bei den sozial lebenden Gattungen, soll hier nur hingewiesen werden. Außerordentlich hoch entwickelt ist die Brut- pflege bei den am höchsten stehenden sozialen Insekten, nämlich den Ameisen (Formiciden). Hier ist die Fürsorge für die Eier, Larven und Puppen eine so mannigfaltige, daß man staunen muß. Auch sind es nicht die Mütter, welche die Brutpflege ausüben , sondern besonders dazu ausersehene Kinderwärterinnen. Diese sind flügellose, verküm- merte Weibchen, eine Kaste im Ameisenstaat, deren Angehörige die verschiedenartigsten Arbeiten ver- richten. Diejenigen Arbeiterinnen, denen die Kinder- pflege obliegt, tun dies mit dem ihnen angeborenen strengsten Pflichtgefühle. In einem Ameisenbaue herrscht die größte Ordnung, besonders in der wichtigen Sache der Brutpflege, welche hier merk- würdig differenziert und geregelt ist. In besonderen Kammern werden die Eierhäufchen untergebracht. Sobald die jungen Lärvchen aus den Eiern schlüpfen, werden sie von den Kinderwärterinnen in einen anderen Raum gebracht, wo sie gefüttert, gehegt und gepflegt werden, das heißt: sie werden bald hinaufgetragen , wo die wärmende Sonne ihren wohltätigen Einfluß auf die junge Brut ausüben soll; bald werden sie wieder von den eifrigen Wärterinnen an kühle, feuchte Stellen befördert, wenn es nötig erscheint, und umgekehrt. Nach der Verpuppung werden die Jungen in die Puppen- kammer geschleppt; auch die Puppen werden ähn- lich wie die Larven gehegt und behandelt, wie es bei den umsichtigen Ameisen weit und breit Brauch ist, bis aus ihnen die noch ganz weiß- lichen Ameisen hervorkommen. Diese werden bis zur vollständigen Ausbildung gleichfalls noch ge- Ohne näher auf die Mannigfaltigkeit dieses Themas bei den Ameisen einzugehen, will ich nur noch erwähnen, daß auch die im Systeme viel tiefer stehenden Termiten eine sehr differenzierte Brut- pflege haben. In den verschiedenen kleinen Hohl- räumen des Termitenbaues finden sich teils Eier, teils Larven , welche von den als Pflegerinnen fungierenden Arbeitstermiten gefüttert werden. Die Fürsorge für die Nachkommenschaft ist also bei den verschiedenartigsten Gliedertieren außerordentlich mannigfaltig entwickelt. Aber es ist hier nicht der Ort, dieses Gebiet vollständig zu erschöpfen. Nur die Brutpflege einiger Dung- käfer wollen wir uns hier vorfuhren ; wir werden sehen, daß hier die Fürsorge sich wieder in anderer Weise Bahn gebrochen hat. In südlichen Gegenden sieht man oft Pillen- dreher bei der Arbeit. Es sind Dungkäfer aus der P'amilie der Scarabäiden (Lamellicornier), welche Dungstofif mit ihren Vorderfüßen zusammenraft'en und ihn zu einem kugel- oder pillenförmigen Ballen formen. Dieser Ballen ist gewöhnlich für ihre larvenförmigen Nachkommen bestimmt. Ich sage deshalb ,, gewöhnlich", weil manche Beob- achter (Fabre) behaupten, die Käfer fräßen diese Dungballen zuweilen selbst. Jedenfalls wird trotz- dem sehr eifrig für die Nachkommenschaft gesorgt; denn die Zahl der Nachkömmlinge ist ziemlich groß. Die Herstellung der Dungpillen geschieht auf folgende Weise. Der weibliche Käfer sammelt an ehrten, wo pflanzenfressende Säugetiere (Pferde, Maultiere, Rindvieh, Schafe usw.) weiden, frischen N. F. \'I. Nr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 55 Dungstoff und verarbeitet diesen durch Kneten, Pressen und Schaben zu einem kugelförmigen Ge- bilde (Pille). Diese Dungpille bekommt aber noch eine Schutzhülle aus Erdstoffen, welche den feuchten Inhalt \or Verdunstung schützt. Der Trieb zu dieser Handlung ist gewiß so regulär, daß der Käfer es sicher nicht vergißt. Der Käfer befördert die Dungpille durch Rollen in ein Erdloch, besser gesagt in eine zu diesem Zwecke eingerichtete Höhle nahe unter der Erdoberfläche. In die Pille legt der Käfer nur ein Ei, aber nicht in die Tiefe derselben, sondern in eine nachträglich eingelassene Mulde, welche bis nahe an den Dungstoff heran- reicht. Danach umschließt der Käfer das Ei- kämmerchen, in welchem das Ei ruht, mit aufge- tragenem Erdstoff, infolgedessen die bisherige Kuo-el birnförmig wird (Fabre). Der Käfer sorgt auch dafür, daß das Ei durch Zufuhr von Luft lebens- fähig bleibt, denn bei genauer Untersuchung findet man (Fahre), daß ein feiner röhrenförmiger Gang die Eikammer mit der Außenwelt verbindet. Die bekannteste Art der Pillendreher, welche man auch Pillenwälzer nennen kann, ist der heilige Pillendreher [ScarabacHs oder Ateuchus saccr L.), welcher nicht nur in Ägypten, wo er in alter Zeit sehr beachtet wurde (Scarabäen), sondern über- haupt in den Mittelmeerländern zu finden ist. Er verfertigt recht große Dungkugeln. Der französische Naturforscher J. H. Fabre beobachtete diesen Scarabaeiis in seinem interes- santen Treiben häufig in Südfrankreich und ist der Ansicht, daß die Käfer dieser Art die von ihnen hergestellten Dungpillen keineswegs immer für ihre Brut verwenden, sondern sie im Sande verbergen, um sie später selbst zu fressen. Er sah, wie die Käfer die Dungstücke, welche sie mittels ihrer Vorderfüße von der Dungmasse ab- lösen und zwischen die Hinterbeine schieben, mit ihren langen gekrümmten Hinterbeinen ganz grob zu Pillen formen, sie dann rückwärts fortrollen und an geeigneten Stellen in den Sandboden eingraben. Er vermutet, daß die Käfer dieses nur zu dem Zwecke tun, um sie der austrocknenden Tätigkeit der Sonne zu entziehen und sie hernach in Ruhe verzehren zu können. Vgl. Fabre, Souvenirs ento- mologiques, V. vol., p. 32. — Fabre irrt hier viel- leicht; denn es ist bekannt, daß Dungkäfer den rohen Dung eintragen, um ihn für den Bau der Brutpille zu verarbeiten. Vgl. weiter unten. Oskar Neu mann beobachtete den Scara- baeus sacer in Süditalien, in der Dünengegend bei den Ruinen von Paestum, wo diese Käfer im Mai 1905 sehr häufig und in reger Tätigkeit begriffen waren. Unter anderen sah er zwei mit einer Pille beschäftigte Käfer, von denen der eine unter dieser Pille im Sande grub, so daß die Pille mit dem Käfer etwas einsank. Währenddessen saß der andere Käfer oben auf der Pille und hielt diese ununterbrochen mit den Vorderfüßen fest, während er mit den Hinterfüßen sich auf den Boden stemmte. Der erste Käfer, welcher die Pille langsam zum Einsinken in den Sand brachte, kam wiederholt nach einer kurzen Spanne Zeit (etwa nach ^ ^ oder ';'., Minute) seitwärts aus dem Sande unter der Pille hervor und grub von neuem den Sand unter der Kugel fort, bis die Pille tief eingesunken war. (Mündliche Mitteilung.) Zuweilen wird der heilige Pillendreher (wohl das Weibchen) beobachtet, wie er allein eine Pille rollt. Dies ist hierbei im Bilde dargestellt. Der Käfer verfährt dabei folgendermaßen. Er stemmt sich hinterwärts an die Kugel, wobei der Kopf nach unten und die Hinterbeine nach oben ge- richtet sind und die Kugel umfassen. Während er mit den vier vorderen Beinen rückwärts geht, wälzt er die Kugel mit den beiden Hinterbeinen nach hinten fort. Westwood schreibt, daß sich während des Fortrollens noch ein zweiter Käfer an die Pille anklammert und bewegungslos daran haftet, mit derselben während des Fortrollens sich überschlagend und bald oben bald unterhalb sitzend (Proceed. entom. Soc, London 1868, p. XXV). Manche Beobachter sind der Ansicht , daß der zweite Käfer dem die Pille wälzenden Käfer den Besitz der letzteren streitig machen will.') Poujade macht in einem kleinen Aufsatze „Sur la vie et les habitudes des Ateuchus" (Bull. Soc. ent. France. 1885, p. CIX— CXI), welcher haupt- sächlich über den kleineren Scarabaeus semipunctatus handelt, die Mitteilung, daß er einmal mit Inter- esse beobachtet habe, wie die Käfer beim Ein- graben der Brutpille verfahren. Wenn der Käfer einen geeigneten Ort gefunden hat, versucht er die Pille zu vergraben. Er wühlt den Boden mit den Grabzähnen seiner Vorderfüße auf und be- lastet dann sein im Halbkreise gezähntes breites Kopfschild, welches also als Schaufel dient, mit Erdmasse, wendet sich dann um und wirft diese Erdmassen nach hinten, genau so wie ein Erd- arbeiter. Der Beobachter hat den Scarabaeus semi- punctatus in seinem Leben und Treiben wieder- holt beobachtet, aber nicht gesehen, daß zwei In- dividuen zusammen sich mit demselben Balle be- schäftigen, wie das von 5. sacer bekannt ist, aber ') Reisende, welche Dungpillen (auch die nur in Erd- löchern liegenden Dungbirnen) der Pillendreher finden, werden gebeten, dieselben in geringer Zahl für das Königl. Zoologische Museum in Berlin (Invalidenstraße 43) zu sammeln. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 3 er sah wiederholt, daß, wenn ein Käfer seine Pille rollte und nach hinten schob, ein zweiter Käfer sich vor ihn hinstellte und ihm, Auge gegen Auge, folgte. Aber mit einigen kräftigen Stößen suchte der Besitzer den Störenfried zu verjagen, welcher jedoch die Stöße erwiderte. Der Kampf ging dann bald in ein regelmäßiges Boxen über; sie kämpften Brust gegen Brust; zwischendurch wälzten sie sich auf dem Sande, bis der glückliche Sieger seine Pille ergriff und damit fortrollte, wenn diese nicht unterdessen von einem Dritten weggenommen war. Daß der Trieb zur Brutpflege bei den Pillen- drehern mächtig entwickelt ist, ersieht man schon aus den hier geschilderten Vorkommnissen. Das Dichten und Trachten dieser Käfer muß wohl recht intensiv darauf gerichtet sein, da sie jede Gelegenheit wahrnehmen, Dungstoff und sogar fertige Dungpillen sich zu verschaffen. P'ertig sind allerdings die Dungpillen noch nicht, wenn die Käfer diese in ihre Erdhöhlen wälzen. In der Erdhöhle wird der rohe Dungstoff verarbeitet und nach der Eiablage zu einem birnförmigen Gebilde umgewandelt. Scarabaeus laticollis teilt sogar die große Dungpille, welche er in seine Möhle schafft, in dieser in zwei Teile und formt aus jedem Teile eine neue Pille. Beide Brutpillen versieht der Käfer mit einer Eikammer und einem Ei und gibt ihnen hiermit die Birnform (Fabre). Ob der Scarabaeus saccr (wie schon erwähnt) von seinen Dungpillen auch selbst frißt (wie von anderer Seite angenommen wird) oder nicht, das mag hier nicht weiter erörtert werden; jedenfalls frißt der Käfer nach F a b r e ' s anschaulichen Schilde- rungen sicher von der frischen, rohen Dungmasse, wie er sie auf den Viehweiden findet. Fabre beobachtete einmal an einem sehr warmen, schwülen Tage einen dieser Käfer mit Unterbrechungen von morgens 8 Uhr bis abends 8 Uhr. Augenschein- lich hatte der Käfer Dungstoff gefunden, welcher seinem Geschmacke entsprach; denn er unterbrach seine enorme Mahlzeit während dieser I2 Stunden keinen Augenblick; er verharrte in stetigem Ge- nüsse, unbeweglich, an demselben Punkte. Der Appetit schien gar nicht nachzulassen. Der Käfer hörte nicht eher auf zu fressen, als bis der Mist- klumpen ganz verschwunden war. Der Käfer mußte wohl eine sehr gute Verdauung besitzen; denn bald nach dem ersten Bissen formten sich die unverdauten, ausgeschiedenen Rückstände zu einem langen F"aden, der sich unendlich verlängerte, so lange wie die Mahlzeit dauerte. Der Exkrement- faden ist schwarz, ähnlich dem Pechdraht der Schuhmacher. Da der Käfer die Ausscheidung der Exkremente in regelmäßigen Intervallen von 54 Sekunden fortsetzte und jedesmal der Exkrement- faden sich um etwa 4 mm verlängerte, so betrug die ganze Länge des Exkrementfadens 2 m 88 cm. Wie prompt mußte die Verdauungstätigkeit dieses Käfers sein ! Sein Verdauungsapparat arbeitete mit der Regelmäßigkeit eines Chronometers. Das lange P'reßvermögen, der ungeheure Appetit und die Länge des ausgeschiedenen Exkrementfadens muß nach dieser Schilderung in Erstaunen setzen. Einige kleinere Pillendreherarten aus der Ver- wandtschaft der Gattung Scarabaeus finden sich auch in Mittel- bzw. in Süddeutschland. Es sind der Sisyphus Scliaejferi L., sowie zwei Arten der Gattung Gyiimoplcurus. Recht bemerkenswert ist namentlich der Sisyphus. Beide Ehegatten dieser kleinen Pillendreherart sind mit der Herstellung und Fortschaffung ihrer Brutpille beschäftigt. Nach- dem sie ein Stück von passender Größe aus einer zur Verfügung stehenden Dungmasse herausge- schnitten haben, drücken und pressen sie es, bis es kugelförmig wird. Auch dieser kleine, nur reichlich erbsengroße Ball empfängt seine Kugel- form, wie Fabre mitteilt, bevor er von dem Platze, auf dem er geformt wurde, fortgerollt wird. Auch wird die Pille mit der üblichen Schutzhülle aus Erdstoff umgeben, welche den Inhalt vor Ver- dunstung schützt. Nunmehr befördern die beiden kleinen Ehegatten das Produkt ihres Fleißes durch Rollen in eine Erdhöhle. Der weibliche Käfer befindet sich dabei vorn an der Kugel; er stemmt seine langen Hinterbeine dabei auf den Boden, umfaßt die Kugel oberhalb mit den vier Vorder- beinen und zieht sie gleichsam zu sich hin, wäh- rend er rückwärts geht. Dagegen schiebt der männliche Käfer die Kugel von hinten in umge- kehrter Stellung, den Kopf nach unten gerichtet, die vier Vorderbeine auf den Boden gestemmt und mit den hoch gehaltenen Hinterbeinen die Kugel umfassend. Sobald diese in der Erdhöhle (Bruthöhle) untergebracht ist, setzt das Weibchen der Pille die Eikammer ein und legt ein Ei hin- ein, infolgedessen die Pille birnförmig wird. Diese interessante Käferart findet sich außer in Süd- deutschland auch an einigen Orten Thüringens. Gymnoplcurus cant/iarus Er., ein wenig größerer Pillenkäfer, wird noch bei Bingen, Hanau und Mainz, nicht aber weiter nordwärts gefunden; südlich davon findet er sich von Baden durch Bayern, Österreich, Tirol und Mähren; außerdem in Frankreich und Südeuropa bis Kleinasien. Da- gegen kommt der gleichfalls südeuropäische Gyiii- nopleiirus pilularius L. {luopsus Pall.) von Frank- reich durch Süddeutschland (Elsaß, Bayern), die Schweiz und Österreich (Tirol, Steyermark, Nieder- österreich , Böhmen) bis Schlesien (Ustron in Oberschlesien) vor. Im Süden und Osten ver- breitet er sich über das ungeheure Gebiet von der Pyrenäischen Halbinsel durch Italien, Illyrien, .Serbien , Griechenland bis Kleinasien und Süd- rußland, Kaukasien, sowie durch Mittelasien bis Nordchina und Korea. Diese beiden Pillendreher rollen auch in Deutsch- land ihre Pillen ähnlich wie der Sisyphus. Die vorgenannten Pillendreher Deutschlands erscheinen nur als Ausnahmen unter den Dung- käfern Deutschlands; sie finden sich hier nur sehr sporadisch und treten ganz zurück hinter die häufigeren und allgemeiner verbreiteten Gattungen Copris, Oiitlwphagus und Gcoirupes. Die Pillen- N. F. VI. Nr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 37 drehergattunijen Sisr/'//us , GyDiiwpleitrus und Scavabacus stellen höhere Stufen des Fortschritts in der Brutpflege der Dungkäfer dar. Sie stam- men aus dem Süden. Die gewöhnlichen Gattun- gen (Copris, Onthophagus, Geotnipes) tragen müh- sam den Dungstofl' für ihre Brut in einzelnen Brocken, welche sie mit ihren \'orderbeinen halten, in ihre Bruthöhle ein. Die Pillendreher dagegen verarbeiten den von der Dungmasse entnommenen Dungstoff zu einer Kugel (Pille) und rollen diesen Dungstoft' in Kugelform bis zu ihrer Bruthöhle. Dementsprechend ist auch die Beinform der Pillen- dreher zu dem vorgedachten Zwecke besonders ausgebildet, indem die Hinterschienen lang, dünn und gebogen sind, da sie die Dungkugel umfassen und von der Stelle bewegen sollen. Die Hinterbeine stehen also ebenso im Dienste der Brutpflege , wie das breite und vorgezogene Kopfschild, mit dem der Käfer die Erde aufwirft, und die zackigen breiten Schienen der Vorder- beine, mit denen der Käfer sich in die Erde ein- gräbt, um eine Bruthöhle herzustellen. Der Brutpflegetrieb hat es bei diesen Käfern zu einer bedeutenden Höhe gebracht. Wir können ihnen unter den Coleopteren nur noch die Trichter- wickler [Rhynchites, Attelabus, Apoderus u. a.) an die Seite stellen, welche mit großer Geschick- lichkeit mit Hilfe ihres Rüssels aus lebenden Blättern oder Blatteilen dütenförmige Rollen her- stellen, denen sie ein oder einige Eier einfügen, so daß den jungen Larven diese Düte zugleich zur Nahrung und zum Schutze dient. Über diese Trichterwickler haben verschiedene Naturforscher und Entomologen geschrieben, indem sie ihre Untersuchungen und Beobachtungen über diese interessanten Tierchen in mehr oder weniger um- fangreichen Abhandlungen niederlegten. Was mann veröffentlichte eine wertvolle Naturgeschichte des Trichterwicklers, betitelt: „Der Trichterwickler. Eine naturwissen- schaftliche Studie über den Tierinstinkt. Mit einem Anhange über die neueste Biologie und Systematik der RhyuchitcssirXtn und ihrer Ver- wandten (Attelabiden, Rhynchitiden und Nemony- giden)" 266 S. Mit Holzschnitten und Tafeln. Münster, 1884. — Schon früher hatte Debey in seinem wichtigen Werke: ,,Beiträge zur Le- bens- und Entwicklungsgeschichte der Rüsselkäfer aus der Familie der Atte- labiden" (Bonn, 1846) über denselben Käfer bemerkenswerte Beobachtungen veröffentlicht. In diesem Werke ist auch das von Professor Heis an dem Blattschnitte des Trichterwicklers [Khyiichi/es hetulac L.) entdeckte mathematische Problem der Evolventen (Huygens, 1673) und die in der Aufrollung des Blattes erkannte mechani- sche Theorie der konisch abwickelbaren Flächen mitgeteilt. Was mann schreibt dem Trichter- wickler, der es versteht, durch einen geschwunge- nen Schnitt beiderseits in die Blattspreite bis zum Mittelnerv und durch Einrollen des oberen Blatt- abschnittes ein festes Gehäuse für einige Larven herzustellen, den vollkommensten Instinkt und die höchste psychische Begabung unter allen Käfern zu. Die vorstehend erwähnten Beispiele von höchst- entwickeltem Brutpflegetrieb unter den Käfern betreffen Coleopteren , welche zu ganz verschie- denen Familien (Scarabäiden , Curculioniden) ge- hören. Das rechtfertigt den Schluß, daß der Brutpflegetrieb sich in den verschiedenen F"amilien unabhängig ausgebildet hat, nach dem Bedürfnisse der Angehörigen der betrefTenden Gattungen. Auch der phylogenetische Entwicklungsgrad der Familien hat mit dem Grade der Brutpflege nichts zu tun. Denn hoch entwickelter Brutpflegetrieb findet sich ebensogut bei dem im Systeme und in der Phylogenese niedrig stehenden Termiten und auch bei den auf einer tiefen Stufe des Co- leopterenstammes stehenden coprophagen Scarabäiden, wie bei den Ameisen (For- miciden) und Bienen (Apiden), welche zu den im Systeme und in der Phylogenese hoch stehen- den Hymenopteren gehören. Diejenigen Entomo- logen irren, welche annehmen, daß ausgebildeter Brutpflegetrieb eine höhere phylogenetische Stel- lung anzeige. Warum die Brutpflege unter den Insekten nur in gewissen F'amilien eine hohe Ausbildung er- fahren hat, das wäre wert, besonders erforscht zu werden. Kleinere Mitteilungen. Zur mechanischen Erklärung der Schutz- färbung. — Der auf Seite 743 des vorigen Jahrgangs dieser Zeitschrift von Herrn Dr. Wolff gegebene Bericht über neue Beiträge zur mecha- nischen .Auffassung der Schutzfärbung wird bei vielen unserer Leser großes Interesse erregt haben, schien doch noch vor kurzem gerade die Schutz- färbung eine der besten Stützen zu sein für die Lehre der allmählichen Anpassung der Organismen und vom Überleben des Tüchtigsten. Wenn wir nun auch nicht glauben können, daß die in jenem Artikel vorgebrachten Einwendungen gegen die bisherige Auffassung zum gänzlichen Fallenlassen der Anpassungslehre führen werden (denn dazu sind doch z. B. Callima Inachus oder die Gespenst- heuschrecken zu überzeugende Paradigmen), so möchten jene Einwürfe doch immerhin das Gute zur Folge haben, daß wir uns vor einer über- triebenen Inanspruchnahme des Anpassungsprinzips zu hüten suchen werden. Denn zweifellos wird z. B. in manchen neueren, sonst ganz vortrefflichen Schulbüchern in dieser Beziehung des Guten zu viel getan und in mitunter gesuchter Weise alles und jedes nur von dem einen Gesichtspunkte aus „erklärt". Die folgenden Zeilen stellen sich die Aufgabe, 38 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 3 den von Dr. Wolfif am Schlüsse seines Referats ganz kurz angedeuteten Hinweis auf die Leistungs- fähigkeit der Lehren der Farbenphotographie bei der mechanischen Erklärung der Schutzfarben etwas näher auszuführen, wobei Ref. sich auf die bezüg- lichen Angaben in Donaths „Grundlagen der Farbenphotographie" stützt. Es handelt sich also um die Frage: „Läßt sich die Tatsache, daß z. B. Raupen häufig die Farbe der Blätter haben, auf denen sie leben, photo- mechanisch ohne Zuhilfenahme der natürlichen Zuchtwahl erklären?" Die Experimente von Eimer, Roux und Poulton, nach denen in gefärbte Umhüllungen eingewickelte Raupen und Puppen alsbald eine im Sinne der Belichtung erfolgte Farben- änderung aufwiesen, machen eine bejahende Ant- wort auf die obige Frage äußerst wahrscheinlich, und das sogenannte Ausbleichverfahren der Farben- photographie, das namentlich durch Worel und Neuhauß in neuester Zeit zu schönen Erfolgen ge- führt hat, weist uns den Weg, auf dem jene mecha- nische Erklärung zu suchen ist. Nehmen wir einmal an, in der Raupenhaut wären zunächst die verschiedenartigsten, aber lauter unechte Farbstoffe vorhanden, so würde dieselbe in einer grauen Nuance erscheinen müssen , da ja von allen Farbenarten des auffallenden weißen Tageslichts ein gleicher Bruchteil durch Absorp- tion vernichtet wird. Hält sich die Raupe nun ständig zwischen oder unter grünen Blättern auf, so wird das sie treffende Licht vorzugsweise grün sein und diejenigen Hautpigmente, welche grün absorbieren, selbst also komplementär ge- färbt sind, werden die Energie der auftrefTenden grünen Strahlen in chemische Arbeit umwandeln, d. h. diese Pigmente werden zerstört werden, während alle übrigen, die grünen Strahlen nicht absorbieren- den Pigmente erhalten bleiben. Wird aber aus einer Farbenmischung, die alle P'arben enthielt und daher grau erschien, die Komplementärfarbe zu grün (d. h. rot-violett) ausgeblichen, so wird die Gesamtheit der übrig bleibenden Pigmente selbst ein Grün als Mischfarbe ergeben. — Natürlich wird in Wirklichkeit die Raupenhaut nicht aus- schließlich von grünen Strahlen getroffen, sondern diese überwiegen nur in dem Gesamtlicht, das seine bleichende Wirkung ausübt. Immerhin aber wird bei dem beständigen Stoffwechsel und der an- dauernden Neubildung der Pigmente stets das Rot- violett am schnellsten ausbleichen und die Haut- farbe daher grün sein müssen. Wickelt man nun aber die Raupe in anders gefärbte Hüllen ein, so muß alsbald eine Farbenänderung im Sinne der neuen Belichtungsfarbe erfolgen. Daß eine solche photomechanische Wirkung in der Natur tatsächlich eine bedeutsame Rolle spielt, ist wohl als höchst wahrscheinlich anzusehen und viele einfache Mimikry-Erscheinungen dürften darauf zurückführbar sein. Andererseits aber muß für zahlreiche verwickeitere I<"älle, besonders wenn zur Farbennachahmung noch die Form-Mimikry kommt, die Darwinsche Zuchtwahltheorie noch immer als das beste Erklärungsmittel von allen denen an- erkannt werden , die mystischen Vorstellungen, unter was für Namen sie auch in die Wissenschaft eingeführt werden sollen, abhold sind. F. Kbr. A. Pflugk, Über die Akkommodation des Auges der Taube, nebst Bemerkungen über die Akkommodation des Affen (Macacus cynomolgus) und des Menschen. ^) Wiesbaden 1906. Zur Erklärung des physiologischen Vorgangs bei der Akkommodation des Auges der Tiere wird allgemein die Hei mhol tz'sche Theorie heran- gezogen, obwohl die Gültigkeit derselben beim Menschen in der letzten Zeit von einigen Autoren bestritten wird. Die Gegner (Seh oen, Tscher- ning) der Helmhol tz'schen Anschauungen haben zu beweisen versucht, daß die akkommoda- tiven Formveränderungen der Linse nicht auf Entsi)annung der Zonula beruhen (H e 1 m h o 1 1 z), sondern durch vermehrte Zonulaspannung zustande kommen. Das tierische Auge wurde bisher noch nicht an der Hand der von den Gegnern der Helm- holtz'schcn Theorie vorgebrachten Einwände ge- prüft, so daß bisher die P'rage offen blieb, welche Akkommodationstheorie für das Tierauge gültig ist. Die vorliegende Arbeit stellt einen Versuch dar, den Akkommodationsmechanismus der Tiere, insbesondere der Taube auf Grund anatomischer Befunde, wie auch der fixierten Formveränderun- gen der Linse (die eine vom Verfasser ausgearbei- tete Methode ermöglichte) zu ergründen. Alle die bisher angewandten physiologischen Methoden , welche in Messung der P'ormverände- rungen der Linse bestanden und auf umständliche Weise mit den verschiedensten Registrierapparaten durchgeführt werden mußten , wie nicht minder die anatomischen, auf Fixierung des akkommodie- renden Auges beruhenden Methoden haben sich als unzuverlässig erwiesen. Dem Verfasser gelang es durch Anwendung hoher Kältegrade mittels des Kohlensäuregefriermikrotoms von Jung, die Form der Linse in den verschiedensten Stadien von Akkommodationsruhe bis zum Akkommodations- krampf zu erhalten. Zur Erzielung der Akkom- modationsruhe wurde den Tauben eine subkutane Injektion einer Lösung von Curare i "/i, und Atropin 5 % (2 — 3 Teilstriche einer Pravazspritze) gemacht. Zum Vergleich wurden Augen mit Strophantin i % Lösung, welches nach 10 — 15 Min. maximale Miosis und Akkommodationskrampf bei der Taube verursacht, behandelt. Es vergingen bei kleinen Tauben durchschnittlich etwa 6 — 8 Min., bei größeren und beim Macacus 5 — 6 Min. vom Scherenschlag der Dekapitation bis zum ersten Mikrotomschnitt durch das gefrorene Auge. Die Gefriermethode eignet sich nach Ansicht 1906. Demonstriert am XV. intern, med. Kongreß in Lissabon N. F. VI. Nr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 39 des Verf. besonders für das Auge, da die Horn- haut und Linse rein weiß, der Humor aqueus und der Glaskörper aber gänzlich durchsichtig bleiben. Durch Vergleichung der mehreren Tausend sorg- faltig durchgemusterten Schnitte, sowie der 200 photographischen Aufnahmen der verschiedenen Bulbi gelang es dem Verf eine Reihe von Form- veränderungen der Linse zu konstatieren, welche er seinen Schlüssen über den Akkommodations- mechanismus zugrunde legt. Cornea Fig. I. Schema des Akkomodationsapparates der Taube. Cr = Muse. Crampt. Br = Muse. Brücke. Müll = Muse. Müller. Z = Zonula Zinni. L = Ligamentum pectinatum. e = Ringmuskel an der Irisbasis. (Nach Pflugk.) Die anatomischen Verhältnisse des Akkommo- dationsapparates der Tauben weichen von denen des Menschen so ziemlich ab. Die Hornhaut wird mit der Sklera durch eine knöcherne Einlage ver- bunden. Die Hornhaut ist wesentlich dünner als bei den Säugetieren und ist bis in das mittlere Drittel des Pupillengebietes in zwei Lamellen ge- spalten. Die Sklera besteht bei den Vögeln aus einer Knorpelschicht, während sie bei den Säuge- tieren aus dichtem Gewebe zusammengesetzt ist. Bei den Säugetieren (Macacus) bildet die Zonula (Z.j den ganzen Aufhängeapparat der Linse bei der Taube heften sich an dieselbe auch die Ciliarfort- sätze an. Das Ligamentum pectinatum (L.), das im Gegensatz zu dem Lig. pectin. der Säugetiere aus einem Bündel elastischer Fasern besteht, dient mittelbar als Aufhängeband der Linse. Der Muskelapparat ist aus drei Muskelportionen zusammengesetzt! Fig. i),die abweichende Insertionen aufweisen und besonders bei den Raubvögeln scharf gegeneinander sich abgrenzen. Der äußere sog. Crampton'sche Muskel (Cr.) befestigt sich einerseits an die Cornealeiste, andererseits an den vorderen Rand des Sklerotikalringes, der innere Müller'sche Muskel (Müll.) ist länger, gleichfalls mit der Leiste verbunden, befestigt sich aber mit dem anderen Ende an die Choroidea. Der dritte Brück'sche Muskel (Br.) verbindet die Aderhaut mit der Augen- wand. Außer dieser dreifachen Muskelgruppe finden wir in der Iris ein mächtig ausgebreitetes Ring- muskelsystem (c), das aus zwei Faserarten besteht, die sich zwar nicht auffallend anatomisch, aber durch ihre physiologische Funktion wesentlich von- einander unterscheiden, i. Der Sphincter Pupillae wird durch ein engmaschiges Netz von quer- gestreiften Ringmuskelfasern gebildet, die allmäh- lich in 2. die äußere Ringmuskelschicht, welche in der Iriswurzel sich befindet, übergeht. Dieses Muskelbündel an der Irisbasis verrichtet der An- sicht des Verf nach eine ganz selbständige Funk- tion und stellt den eigentlichen Akkommodations- muskel des Taubenauges dar. A C Fig. 2. Die Formveränderungen der Linse bei der Taube. A = Muskelruhe. B = Muskeltonus. C = Modifikations- krampf. (Nach Pflugk.) Die akkommodativen Veränderungen des Tauben- auges bestehen aus zwei Teilen : den Veränderungen der Hornhautperipherie und der Linsenform. Die Abflachung der peripheren Teile der Hornhaut bewirkt der Zug des Crampton'schen und Müller- schen Muskels. Die Formveränderungen der Linse, welche die nach photographischen Originalauf- nahmen gezeichneten schematischen Skizzen (Fig. 2) wiedergeben, geschieht durch den an der Iriswurzel gelegenen Ringmuskel, welcher durch seine Kon- traktion auf Zonula und Ciliarkörper einen Druck ausübt. Dadurch werden die Aufhängebänder der Linse gespannt und nach der Mitte des Augapfels gedrückt. Der kreisförmige Ringmuskel Fig. i c sollte eigentlich in der Richtung der Irisebene wirken, infolge der Aufhängung mittels des Lig. pecti- natum am Müller'schen Muskel mul^ er dem Ge- setz des Parallelogramms der Kräfte folgend bei seiner Kontraktion mittelbar auf die Linse drücken. Gleichzeitig bewirkt die Kontraktion des Müller- schen und Brück'schen Muskels (Pfeilrichtung bei b), daß die Aderhaut mit ihrem Inhalt nach der Horn- haut gezogen wird, wobei der Glaskörper einen Druck auf die äquatorialen Randpartien der Linsen- masse ausübt, so daß der Linsenkern als Lenti- conus posterior in das Glaskörpergewebe hinein- ragt. Das Prinzip der Akkommodation des Tauben- auges, wie wir aus dem Vorangegangenen sehen, besteht also, wie es Schoen und Tscherning für das menschliche Auge angenommen haben, in der An- spannung der Zonula bei der Akkommodation, in- dem die Zusammenziehung der Zirkiilärfasern (c) die Ciliarfortsätze gegen die Zonula drückt. Während aber nach Schoen im menschlichen Auge die Vorder- fläche der Linse einen Lenticonus bei der Akkom- modation zeigt, entsteht im Taubenauge, wie die fixierten P'ormveränderungen der Linse beweisen (Fig. 2 B u. C), ein Lenticonus posterior. Karoline Reis. 40 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 3 Über die Sonnenfleckenspektra sind in den letzten Jahren sehr viele Beobachtungsreihen ver- öffentlicht worden und wir nahmen bereits mehrfach Gelegenheit, auf diese F'orschungen hinzuweisen. Im letzten Oktoberheft des Astrophysical Journal haben nun Haie, Adams und Gale interessante Ver- gleiche dieser an Sonnenflecken beobachteten Ver- änderungen des Spektrums mit künstlich im elek- trischen Lichtbogen erzeugten Spektren der für die Fleckenspektra wichtigsten Metalle (Ti, Cr, Fe, Va, Mn) publiziert. Über 90 '% der in den Sonnen- flecken in irgend einer Weise gegenüber dem nor- malen Sonnenspektrum veränderten Linien zeigten nun ganz gleichartige Änderungen ihres Aussehens, wenn die den Lichtbogen erzeugende Stromstärke von 30 Ampere auf 2 Ampere erniedrigt wurde. Solche Linien jener Metalle dagegen, die in den Flecken unverändert erscheinen, zeigten auch im starken und schwachen Lichtbogen dasselbe Aus- sehen. Da nun mit ziemlicher Sicherheit gesagt werden kann, daß im Lichtbogen bei niedriger Stromstärke auch eine niedrigere Temperatur herrscht, so scheinen sonach die Soimenflecken- spektra in erster Linie auf die niedrigere, in den Fleckenregionen anzutreffende Temperatur zurück- geführt werden zu müssen. Dies stimmt auch mit der Beobachtung von Fleckenlinien im Spektrum roter Sterne gut zusammen. Kbr. Galvanische Ströme, die durch Licht her- vorgerufen werden, sind von Meyer Wilder- mann einem sorgfältigen Studium unterworfen worden (Philos. Transactions, A, \'ol. 206, p. 335 bis 401). Die Tatsache, daß, wenn eine von zwei in Flüssigkeit eintauchenden Metallplatten belichtet wird, eine elektromotorische Kraft auftritt, ist von Becquerel entdeckt worden. Becquerel und Minchin, der in dieser Richtung weitere Versuche anstellte, glaubten die hier durch das Licht be- dingte E. M. K. als ein Oberflächenphänomen an- sehen zu sollen. Demgegenüber glaubt Wilder- mann auf Grund dreijähriger Forschungen zu dem Ergebnis gelangt zu sein, daß die Lichtwirkung eine Klasse galvanischer Elemente ergibt , die ebenso mannigfaltig, aber auch von ebenso festen Gesetzen beherrscht ist, wie die gewöhnlichen, galvanischen Elemente. Auch unter den licht- elektrischen Elementen gibt es ebensowohl um- kehrbare, wie nicht umkehrbare, konstante, wie inkonstante usw., auch ist die lichtelektrische E.M. K. wohl zu unterscheiden von der gleichzeitig auf- tretenden, aber sehr viel schwächeren Thermo- E. M. K. W. stellte ferner fest, daß alle Wellen- längen des Lichts den galvanischen Strom hervor- zurufen imstande sind. Ausführliche Studien über den Verlauf der durch Licht erzeugten E. M. K. wurden durchgeführt an konstanten, in bezug auf das Kation umkehrbaren Zellen (gebildet aus Silber- platten im Licht und Dunkeln, eintauchend in eine Lösung von salpetersaurem Silber) und an kon- stanten, in bezug auf das Anion umkehrbaren Zellen (z. B. mit Chlorsilber bedeckte Silberplatten in einer '/% normalen Kochsalzlösung oder dieselben Verhältnisse mit Ersetzung des Chlor durch Brom). Indem wir für weitere Information auf die Originalabhandlung verweisen, sei nur noch hervor- gehoben, daß die im Maximum zu 109- iO"^Volt bestimmte E. M. K. der lichtelektrischen Zellen der Lichtstärke direkt proportional gefunden wurde. Kbr. Der veränderliche Stern Mira Ceti befindet sich zurzeit in einem Maximum von außergewöhn- licher Helligkeit. Obgleich der vorausberechnete Termin für die größte Helligkeit nach Guthnick erst auf den 20. Dezember fiel, war der wunder- bare Stern bereits am 4. Dezember so hell wie a Arietis, was seit 1779 nicht vorgekommen ist. Unsere Leser werden das allmähliche Schwächer- werden des Sterns leicht mit bloßem Auge ver- folgen können , da das Sternbild des Walfischs noch den Februar liindurch am südwestlichen Abendhimmel sichtbar ist. Näheres über diesen interessanten Stern findet der Leser übrigens in einem Referat über Guthnick's Monographie, das wir im ersten Bande der neuen Folge dieser Zeit- schrift (Seite 202) gebracht haben. Kbr. A. van Leeuwenhoek's Experiment die Drehung der Erde zu zeigen. — Vor kurzem wurde in einer hochberühmten wissenschaftlichen Zeitschrift') in Paris eine sehr interessante Ver- öffentlichung über ein eigentümliches Experiment gemacht, das von jedermann leicht angestellt werden kann. Die Tageszeitungen berichteten darüber, und zwar eines der gelesensten Blätter Berlins. Der Artikel in dem mechanischen Teil der französischen Zeitschrift ist überschrieben: „Über eine eigentümliche Erscheinung der Reibung, Notiz von E. Guyou". Er teilt den Lesern mit, daß Herr de Sainti- gnon, wie der Physiker Herr E. Guyou be- richtet, folgenden Versuch angestellt habe: „Eine Glaskugel, die ungefähr sphärisch und mit Wasser gefüllt ist, in welches man eine ge- gewisse Menge einer festen .Substanz einführt, die in sehr kleine Teilchen zerteilt ist, wird in eine sehr schnelle Umdrehung um einen seiner Durch- messer versetzt, ungefähr 800 Umdrehungen die Minute. Wenn die eingeführte Substanz weniger dicht ist, als das Wasser, versammeln sich ihre Teilchen längs der Achse in Umdrehung. Wenn sie dichter ist, so versammeln sie sich im Um- kreis zweier Parallelen , welche gleichweit vom Äquator abstehen . . . etc. etc. ') Sur un effet singulier du frottement. Note de m. E. Guyou. Paris 1906. Comptes rendus hebdoma- duires des seances de racademie des sciences, par mm. les secietaires perpetuels, tome 142, N. 20 (14 mai 1906). — Gautliier -Villars, impr. libr. des comptes rendus etc. etc. N. F. VI. Nr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 41 Die Teilchen, welche dichter sind als Wasser werden gegen die Wand der Glaskugel gezogen, und wenn sie dieselbe erreicht haben, werden sie dort durch eine Kraft zusammengedrückt, welche senkrecht auf der Umdrehungsachse steht, und in- folgedessen auf den Wandungen schräg etc. etc." Als ich die Beschreibung des Experiments des Herrn de Saintignon las, fiel mir ein, daß das- selbe sehr verwandt ist mit einem Versuch — des A. van Leeuwenhoek, welcher in den Jahren 1632 bis 1723 zuletzt als Privatgelehrter zu Delft in Holland lebte. Es ist vielleicht von Interesse, einen Vergleich zwischen dem Versuch des Herrn de Saintignon und dem vor 210 Jahren von Leeuwen- hoek angestellten Experiment zu geben, was ich mit nachstehendem tun will. Leeuwenhoek beschreibt seinen Versuch in einem Brief an Herrn Nicolaas Witsen, Oberbürger- meister von Amsterdam, ain 10. Juli 1696, zu Delft.') „Wohledler, gestrenger Herr! Vor einigen Jahren, als der Edele Herr Chr. Huyghens von Zuylighem mir die Ehre seines Besuches machte, gerieten unsere Gedanken auf die Bewegungen der Erdkugel. Ich brachte eine Flasche zum Vorschein, die zugerichtet ist, wie die hier abgebildete. Sobald ich die Bewegung der Flasche in's Werk setzte, hatte gesagter Herr ein derartiges Vergnügen darüber, daß ich mich verpflichtet fand, ihm eine so verfertigte Flasche zu verehren, was ihm nicht unangenehm war. Jetzt kommt vergangenes Jahr ein ge- wisser Professor (Hochlehrer) aus einer anderen Gegend zum Besuch und klagte, daß seine Sätze, die er zu Papier gebracht (geschriftstellert) und gemein gemacht hätte, über die Bewegungen der Erdkugel eine solche Bestürzung unter anderen Gelehrten oder vielmehr solchen, welche etwas zu sagen hatten, hervorgerufen hatte, daß seine Behauptung eingezogen werden mußte. Da wir in einem Lande wohnen , wo wir unsere Gedanken über die Bewegung der Erd- kugel freimütig aussprechen können, habe ich öfter an die Klagen gesagten Professors gedacht, und mir endlich vorgenommen, diesen meinen ,, Lehrsatz" aufzuzeichnen, durch welchen ich vor einigen Jahren mich selbst befriedigen wollte, nämlich : wie leicht die tägliche Bewegung der Erdkugel zu begreifen ist, und wieder im Gegen- teil, wie unbegreiflich es ist, daß um so zu sprechen, das ganze All täglich von Osten nach Westen sich umdrehen sollte. Nicht, daß ich mich in einigem Zwist be- fände, und vor allem mit Menschen, die nicht weiter sehen, als ihre Nase lang ist, oder auch mit Leuten, deren Interesse nicht dabei ist, der Bewegung der Erdkugel zuzustimmen. Ich habe vielmehr mir selbst ohne anderen Zweck ge- nügt. Ich ließ in einer Glashütte runde gläserne Flaschen oder Kugeln blasen , von sieben bis acht Daumen Durchmesser oder Achse,*) mit einem kleinen Hals. Diese Kugeln füllte ich mit Wasser, und nahm dann roten Siegellack, der zuvor mit einem Hammer in kleine Stück- chen geschlagen war. Nachdem ich diese Siegel- lackstückchen in die gläserne Kugel getan hatte, nahm ich eine bleierne Kugel, welche durch den Hals der gläsernen Flasche durchging. Nachdem ich diese Kugel in die Glasflasche getan hatte, gab ich derselben mittels des Korkes und des Bindfadens eine solche Stellung, daß sie nur eben über dem Grund der Flasche hing. Ferner machte ich ein Netz Bindfaden oder Bändchen um die gläserne Kugel fest, dessen Enden so lang waren, daß sie einen Fuß über dem Hals der gläsernen Kugel zusammen- liefen. Diese nach oben herausreichenden Enden Bindfaden oder Bändchen drehte ich, während die gläserne Kugel auf dem Tisch oder einem Kissen feststand, vielmal mit den Fingern gründ- lich um. Hierauf hob ich mit der Hand, mit welcher ich das Ende der Bindfaden fest hatte, die gläserne Flasche von dem Kissen auf, womit sie sich rundum drehte. Die Kugel nun, welche in der Glasflasche war, stellte ich mir vor, sei die Erdkugel, und das Wasser in der Glasflasche sei die wasser- artige Luft, worin wir leben, und der in Stücke gestoßene Siegellack in der Kugel seien die Wolken. Wenn nun das Glas in der erzählten Rund- bewegung war, blieb die Kugel mit nur lang- samen Umdrehungen wie still hängen. Aber der Siegellack, der, während das Glas still stand, rund um die Kugel gelegen hatte, nahm beim Umdrehen der Glasflasche rundum gegen das Glas Platz, und verblieb daselbst, von der Kugel so weit entfernt, als es der Hohlraum des Glases zuließ.-) Während das Glas so in einer schnellen Um- drehung ist, lasse ich die Hand, worin ich die Glasflasche in die Höhe halte , wieder fallen, wodurch das Glas auf einem Buch Papier oder Tischtuch oder Kissen, damit es nicht zerbricht, zum Stillstand kommt. Während dieses Niedersetzens des Glases sehen wir, daß die Siegellackteile eine sehr ver- wirrte Bewegung vollführen , und sowie das Siegellack beim Umdrehen des Glases von der Kugel sich abscheidet, so werden nun die Siegel- ') loi ste missive, gesclireven aan den Wel Edelcn Ge- strengen Heere, d'IIr Nicolaas Witsen, President Burgermeester der Stadt Amsterdam, 6. Vervolg der brieven, door A. van I.eeuwenh o eli, Delft 1697. *) Leeuwenhoek gibt hier die Dimensionen seiner Ver- suchsflasche genau an. Herr de Saintignon läßt dies un- bestimmt. -) Dies ist der von de Saintignon geschilderte Zu- stand für diejenigen Teilchen, welche schwerer als Wasser sind. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 3 lackteilchen nacli der Kugel zugestoßen, und zwar so sehr, daß die ganze Kugel von den Siegellackteilchen bedeckt wird. Wie nun durch die Bewegung des Glases die Siegellackteilchen, welche um die Kugel lagen, von der Kugel weggestoßen werden, so bildete ich mir ein, daß die Wolken durch die tägliche Umwendung oder Drehung der Erd- kugel in der Luft aufgehalten werden, und wie beim Stillhalten des Glases alle Siegellackteilchen sich rund um die Kugel lagern und dieselbe zu bedecken kommen, also stellte ich fest würde es zugehen, sobald die Erdkugel stille stehe, und das ganze All um die Erdkugel sich bewegte. Alle die Wolken und auch die Wasserteile und andere schwere Stoffe, worin wir leben, bleiben alsdann nicht in der Luft hängen, sondern stürzen nieder auf die Erdkugel, wo sie in Ruhe Platz finden. Wenn nun die Kugel mit den Siegellack- teilchen umgeben daliegt, und wir alsdann den Kork an dem Bindfaden etwas höher hinauf- schieben, so daß der Kork den Hals des Glases nicht erreichen kann, und nochmals die Kugel auf den Grund des Glases zu liegen kommt, und wir dann den Bindfaden, woran Kork und Kugel fest ist, emsig mit den Fingern umdrehen, dann werden wir sehen, wie das Siegellack von der Kugel abgestoßen wird , die sich alsdann um ihre Achse, um so zu sprechen, dreht. Hier- durch wird uns gezeigt, daß die Bewegung der Erdkugel um ihre Achse die flüssigen Dämpfe mitnimmt und nicht wegstößt. A B C D E F zeigt die gläserne Flasche, wie dieselbe auf einem Kissen still steht, und das Bindfadenende G H fest umgedreht. J bedeutet die Bleikugel, welche an das Bind- fadenende K L D festgemacht ist, wo ein Kanäl- chen hindurchgeht, das in den Kork, der die Glasflasche schließt, gemacht ist. Unten auf dem Grund der Flasche bei A und um die Kugel liegen die kleinen Siegellack- teilchen. Wenn man nun mit der Hand bei H den Bindfaden ein wenig in die Höhe hebt, wodurch die Flasche von dem Kissen aufgehoben wird, so wird sich dieselbe durch den umgedrehten Bindfaden, wie vorliin gesagt ist, sehr eilig rund- um drehen, und die Siegellackteilchen werden sich innen an der Rundung des Glases, wie bei B F anfinden. Indem wir nun das Glas in seinem schnellen Lmlauf plötzlich niedersetzen oder stillhalten, sehen wir, wie mit einem plötzlichen Ruck der Siegellack sich vom Glase trennt, durcheinander sich bewegt und zum Teil um die Kugel sich dreht und dort sich niederlegt. Hierauf schob ich den Kork, mit welchem die Flasche verschlossen ist, aus dem Hals der Flasche und ich schob oder stieß denselben an das Bindfadenende D M N P, an die Stelle, welche hier mit D N O M angezeigt ist, und nahm sodann mit meinen ersten Fingern den Bindfaden bei P und drehte ihn emsig um, nachdem ich zuvor den Bindfaden G H an der Flasche niederhängen ließ. Während des Umdrehens des Bindfadens N P, welchen wir alsdann gerade über das Ende ge- legt haben, wo der erste Bindfaden gewesen ist, und zwar in der Art, daß wir die Kugel nur wenig oder gar nicht in die Höhe heben, können wir sehen, wie die sich umdrehende Kugel die umherliegenden Siegellackteile abstößt. Das sind meine geringen Entdeckungen und Beobachtungen usw. A. van Leeuwenhoek." Eine interessante Abbildung zu diesem Ver- such bringt ebenfalls sein Brief vom lo. Juli 1699, die ich hier folgen lasse. /'oliyO. ttXllÖJ Alibilduns Leeuwenhoek's Versuch die Drehung der Erde zu erläutern. Ein Unterschied zwischen den Experimenten von Leeuwenhoek und de Saintignon liegt darin, daß bei Leeuwenhoek die Umdrehung der Glaskugel nicht genau angegeben ist. Sie wird ohne Zweifel geringer als 800 mal in der Minute betragen haben, wie bei de Saintignon. Man wird wohl kaum durch Drehung eines Bind- fadens zwischen den Fingern der rechten Hand eine solche Geschwindigkeit hervorbringen. Die bleierne Kugel, welche bei Leeuwen- hoek die Erde darstellt, ist selbstverständlich bei dem Experiment des Herrn de Saintignon N. F. VI. Nr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 43 nicht vorhanden. Die Leeuwenhoek' sehen Siegellacktcilchen entsprechen aber den Teilchen, welche dichter sind als Wasser des Herrn de Saintignon. Auch der Umstand, daß diese Teilchen sich bei der Umdrehung der Kugel am Äquator ablegen, stimmen mit der Leeuwen- hoek' sehen Beobachtung überein. Zwischen de Saintignon und Leeuwen- hoek sind 2IO Jahre vergangen. Der Zeitunter- schied zwischen Leeuwe nhoek's Versuch, die Drehung der Erde zu beweisen und Kopernikus, der bekanntlich sein Werk ,,Ü b e r die Um- drehungen der himmlischen Körper" zu Nürberg 1540 erscheinen ließ, beträgt 156 Jahre. Also ist der Zeitunterschied zwischen de Sain- tignon und Leeuwenhoek um 54 Jahre größer, als der zwischen letzterem und Kopernikus. Leeuwenhoek könnte man einen zweiten Kopernikus nennen. Allerdings rief sein Brief, die Umdrehung der Erde zu beweisen, keine solche Achterklärungen und Streitigkeiten in der gelehrten Welt hervor. Zwischen beiden sind über anderthalb Jahr- hundert verflossen. Trotzdem waren die Ansichten über die Erdbewegung zu Leeuwenhoek's Zeiten durchaus nicht sehr aufgeklärt. Es gehörte gewissermaßen eine freiere und selbständigere Stimmung dazu, sich die Erde beweglich vorzu- stellen. Luther und M e 1 a n c h t h o n hatten sich gegen die „neue" Lehre ausgesprochen, und wenn 1822 erst allgemein beschlossen wird, daß alle Werke, in denen von der Drehung der Erde die Rede sei, gedruckt werden könnten, dann darf man nicht erstaunt sein, daß noch Leeuwenhoek ernstlich darum zu tun war, den Beweis für diese Drehung der Erde zu führen. Leeuwenhoek war Mitglied der königlichen wissenschaftlichen Gesellschaft zu London. Die Veröffentlichung von E. Guyou in Paris er- schien in den Berichten der wissenschaftlichen Akademie. Beide Veröffentlichungen sind eigen- tümlich ähnlich, und man kann wirklich darüber erstaunt sein, wie eine so große gelehrte Gesellschaft ein so kleines Experiment nach 210 Jahren wieder- bringt. Leeuwenhoek war, wie dieser Brief be- weist, nicht nur ein gelehrter Mikroskopiker, son- dern seine Gedanken und somit seine Werke er- strecken sich, wie wir sehen, auch auf astrono- misches Gebiet. Dr. Petri, Kaiserl. Geh. Reg.-Rat. Wetter-Monatsübersicht. Während des vergangenen Dezember war das Wetter in Deutschland größtenteils trübe und reich an Niederschlägen. In seinen ersten Tagen dauerte die für die Jahreszeit unge- wöhnliche Wärme des Monats November fort. Bis zum 5. Dezember wurden 10° C noch vielfach erreicht oder etwas überschritten und selbst die in der beistehenden Zeichnung von verschiedenen Orten dargestellten Minimaltemperaturen gingen arn 4. im größten Teile Norddcutschlands nicht unter 6° C herab. Dann trat zunächst eine mäßige, während der zweiten Hälfte des Monats aber eine sehr bedeutende Ab- kühlung ein. Seit dem 21. Dezember herrschte in ganz Deutschland fast ohne Unterbrechung Frost, der im Osten kurz vor dem \\'cilinachtsfcstc, im Westen und Süden bei Jahresschluß am strengsten war. Beispielsweise halten am 22. früh Bromberg und Thorn 20, am 28. Zehlendorf nahe bei Berlin und am 31. Mülhausen i. E. 19" C Kälte. Alle deutschen P'lüsse bedeckten sich mehr und mehr mit Eis , so llmprslur ' ' ' ' I ' ' I ' Bcrlin;p Weftfl-!)u?63u. !^is&r^5ra^%ti im'^zysmUrWi. o -13 10 E et :3 * E SS Mittlerer Werf für Deulschland. fiflonafssurnmein Dezbp (965.1)5.0^.03.02.01. daß seit dem 15. auf der Weichsel, seit dem 21. auf der mittleren Elbe, seit dem 26. auf dem Niederrhein die Schifl'- fahrt eingestellt werden mußte. .^uch dem Schiffsverkehr längs der Küste bereitete starkes Treibeis immer größere Hindernisse. Im Monatsmittel lagen die Temperaturen in Norddeutsch- land ^l' '2 bis 2, in Süddeutschland etwa a'/a Grad unter ihren normalen Werten. An den meisten Tagen war der Himmel mit dichtem Nebelgewölk überzogen, durch das die Sonnen- strahlen auch mittags nicht hindurchzudringen vermochten. Z. B. hatte Berlin im ganzen Monat nicht mehr als 27 Stun- den mit Sonnenschein, während hier in den früheren Dezem- 44 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 3 berraonalen durclischniülich 38 Sonnenscheinstunden ver- zeichnet worden sind. Am Anfange des Monats wurden die meisten Gegenden Deutschlands von Stürmen heimgesucht, unter denen beson- ders das westliche Ostseegebiet stark zu leiden hatte. Dabei fanden überall sehr ergiebige, lange anhaltende Regenfälle statt, die an der Küste von einzelnen Gewittern und häutigen Hagel-, (Iraupel- und Schneeschauern begleitet waren. Vom 5. zum 6. Dezember gingen in einem Teile des westlichen Binnenlandes, z. B. im östlichen Westfalen, in Hannover und Braunschweig, große Sclmeemengen nieder, die jedoch durch wärmere Winde und Regenfälle bald licseitigt wurden. Nach- dem in den folgenden Tagen Schneefälle noch wiederholent- lich mit Regen abgewechselt liatten, blieb seit dem n. De- zember, während erst ganz gelinder Frost lierrschte , der Schnee fast überall in Deutschland auf dem Erdboden liegen und häufte sich dann an vielen Stellen zu bedeutenden Massen an. Vom 19. bis 24. Dezember blieb der größte Teil des Landes von meßbaren Niederschlägen frei. In den Weih- nachtstagen aber stellten sich neue, mit mancherlei Verkehrs- störungen verbundene Schneefälle ein, die sich bis zum Ende des Jahres oftmals wiederholten, so daß die die Saaten vor Kälte schützende Schneedecke in den meisten Gegenden auf l',., bis 2, in höheren Lagen auf 3 Dezimeter Stärke anwuchs. Die Monatssumme der Niederschläge, die in Nordwestdeutsch- land am bedeutendsten, am geringsten östlich der Elbe war, betrug für den Durchschnitt aller berichtenden Stationen 55,6 mm, 7,3 mm mehr, als die gleichen Stationen im Mittel der Dezerabermonate seit Beginn des vorigen Jahrzehntes ergeben haben. In der ersten Hälfte des Monats traten mehrere , autier- ordentlich tiefe Barometerdepressionen teils auf dem Atlanti- schen Ozean, teils auf dem Nordpolarmeere auf und zogen mit stürmischen Winden durch die skandinavischen Länder ins Innere Rußlands. Nachdem sich jedoch seit dem 10. in Ostrußland ein Hochdruckgebiet festgesetzt hatte, schlugen die Depressionen allmählich westlichere Bahnen ein, so daß sie mehr in unsere Nähe gelangten. Um Mitte Dezember rückte das barometrische Maximum, das inzwischen in Nordostrußland 790 mm Höhe überschritten hatte , weit nach Westen vor und breitete über ganz Nord- und Mitteleuropa sehr kalte östliche Winde aus. Am 24. aber erschien auf dem europäischen Nordmeere ein neues tiefes Minimum, das das Hochdruckgebiet nach 1 Istrußland zurückschob und dann langsam ins Innere des westeuropäischen Festlandes einzudringen vermochte, wohin ihm weitere Minima aus Nordwesten nachfolgten. Dr. E. Leß. Bücherbesperchungen. - T. G. Schillings, Der Zauber des Elelescho. Mit 318 Abbild. XIV, 1—496. R. Voigtländer's Verlag in Leipzig, 1906. — Preis 14 Mk. In diesem Buche veröffentlicht der Verfasser der bekannten reichillustrierten Schrift: „Mit Blitzlicht und Büchse", die 1905 erschien, noch eine Menge photograpbischer Original-Tag- und Naclitaufnahmen und anziehende Schilderungen des Tierlebens im britischen und deutschen Ostafrika , das er viermal besucht liat. Die 16 Abteilungen des Buches haben folgende Überschriften : Der Zauber des Elelescho. Von der Maminutzeichuuiig des Diluvialmenschen bis zum Tele- und Blitzlichtbild. Neues über die Tragödie der Kultur. Die „wiedererstehende" Tierwelt. Die deutsche Jagd und der Schutz der Naturdenkmäler. Die einsame Wunderwelt der Nyika. Die Symphonie der Steppe und des Urwaldes. Was mir der Urwald- strom erzählte. Mit den Wanderobo auf der Elefanten- fährte. Nashornjagden. Löwenfang. Von aussterben- den Riesen. Ein verschwindendes Wahrzeichen der Steppe. Steppenlager. Tierphotographie in der Wildnis bei Tag und Nacht. Diese Überschriften zeigen den vielseitigen Inhalt sehr gut an. Elelescho nennen die Neger des Masaigebietes, der hochliegenden steinigen Steppen zwischen dem Kilimandscharo und Viktoriasee, einen Baum und Strauch mit silberartig grauweißen Blättern und wohl- riechenden Blüten, der für diese kriegerischen Hirten denselben ästhetischen Wert hat wie der Eichbaum für den Deutschen. Er gehört zur Familie der Kom- positen , hat den wissenschaftlichen Namen Tarcho- nanthus camphoratus erhalten und ist über alle Hoch- länder des tropischen Afrika verbreitet. Der gewaltige Eindruck, den das Tierleben der Steppe, der Fluß- und Seeufer in der flimmernden Helligkeit des Mittags, beim Untergang der Sonne, in hellen Mondnächten und am frühen Morgen macht, schildert Schillings so anschaulich, daß man ihm mit Spannung folgt. Wie wir im Anschauen der Bilder großer Landschaftsmaler nachgenießen , was der Künstler selbst empfand, als er die Skizze seines schönen Bildes entwarf, so versetzt uns Schillings durch seine Darstellungen in die tief, feinsinnig und verständnisvoll aufgefaßte Schönheit der afrikanischen Tropennatur. Die Beschreibungen massenhaft auftretender großer Säugetiere und Vögel werden inanchmal wiederholt, jedoch wird der Leser fast immer entschädigt durch sinnreiche vergleichende Bemerkungen. Sehr schön sind die Schilderungen der Bewegungen und Stimmen der mitgeführten lebenden Tiere und der ganzen Karawane des Reisenden, wenn sie, gleich einer Kultur- insel in der Wildnis, in der schwülen Mittagshitze und in der stillen Nacht um ihn herum lagert. Wert- voll für reisende Jäger und Zoologen sind die Be- schreibungen der Apparate für Tierphotographie bei Tag und Nacht und die Anweisungen sie erfolgreich zu gebrauchen. Als tief und fein empfindender Naturfreund for- dert Schillings die möglichst weitgehende Erhaltung der Tierwelt in Deutschland und in unseren Kolonien und die Aufbewahrung und Aufstellung aussterbender Tierformen in unseren Museen. Darin stimmen wir ihm vollkommen bei. Die Lichtbilder des Buches veranschaulichen die Formen und Bewegungen großer Säugetiere und Vögel nicht so scharf wie wir sonst in illustrierten Werken zu sehen gewohnt sind, stellen sie dafür aber in voll- kommener Naturtreue dar. Darin gerade besteht ihr hoher Wert. Die W e s t e n d a r p ' sehe , photographierte T a - belle über die Elfen bein massen, die von 1901 — 1905 in Antwerpen, Liverpool und London auf den Markt kamen, ist leider so undeutlich, daß man sie nicht lesen kann. Sie hätte durch Schrift- druck wiedergegeben werden sollen. K. Möbius-Berlin. N. F. \'I. Xr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 45 Regles internationales de la Nomenclature bo- tanique. Adoptees par le Congrcs international de Botanique de Vienne 1905 et publiees au nom de la commission de redaction du congrcs par Jolin Briquet, Rapporteur general. — Inter- national Rules of Botanical nomen- clature. .Adopted by the international botanical congress of Vienna 1905. — Internationale Regeln der botanischen Nomenklatur. -Angenommen vom internationalen botanischen Kon- greß zu Wien 1905. Verlag von Gustav Fischer in Jena. 1906. — Preis 2,50 Mk. Jeder einzelne ohne Ausnahme , der irgendwie näher mit der systematischen Zoologie oder Botanik zu tun hat , ist sich der ungemeinen praktischen AVichtigkeit einer guten, geregelten Nomenklatur be- wußt. Eine solche anzustreben und ihr allgemeinen Eingang zu verschaffen sind schon mannigfache Vor- arbeiten vorhanden. Die wichtigste ist diejenige von Alphonse de Candolle, die er 1S67 im Auftrage des damaligen internationalen Kongresses herausgab. Einen Fortschritt auf dem Wege bedeutet die vorliegende drei- sprachige Schrift. Sollte der einzelne in Nebenpunkten von den Vorschlägen abweichen, so ist zu hoffen, daß er sich im Interesse der Sache ihnen doch im Wesentlichen fügen wird. Die jetzigen Vorschläge stehen ja auf der Basis einer langen und intensiven Entwicklung auf dem Gebiete der botanischen Nomenklatur , so daß so wie so das meiste dem Fachmann geläufig ist. In der Naturw. Wochenschr. sind wir in der Nummer vom 10. Dezbr. 1905 auf die Prinzipien der Nomen- klatur, die bei den Beratungen von 1905 maßgebend gewesen sind, näher eingegangen, so daß wir für Weiteres auf diesen Artikel aus der Feder von Dr. H. Harms verweisen. F. Dr. E. Gehrcke , Die Anwendung der Inter- ferenzen in der Spektroskopie und Rletrologie. Heft 17 der Sammlung „Die Wissenschaft". 160 S. mit 73 Abb. Braunschweig, F. Vieweg & Sohn, 1906. — Preis 5,50 Wk., geb. 6,20 Mk. Ein hochinteressantes Kapitel der Optik ist in diesem Hefte von selten eines namhaften Spezial- forschers in klarer und gründlicher Weise zur Dar- stellung gebracht worden. Nach einer allgemeineren Einleitung, in der die wichtigsten Tatsachen der Wellentheorie erörtert werden, gibt Verf. zunächst eine Beschreibung des Fresnel'schen Interferenzversuchs und schließt daran die an planparallelen Platten zu beobachtenden Interferenzerscheinungen an, die trotz ihrer einfachen Ableitung erst spät die Aufmerksam- keit der Physiker erregt haben und neuestens für die Spektroskopie und Metrologie eine so hervorragende Bedeutung erlangt haben. Im dritten Teil werden dann die auf Beugungserscheinungen beruhenden Spektral- apparate und die neueren Interferenzspektroskope von Perot und Fabry, Michelson, Lummer und Gehrcke ausführlich behandelt. Im nächsten Abschnitt wird eine Auswahl von Resultaten der spektroskopischen Forschung über den Mechanismus des Leuchtens er- örtert, wobei über das Doppler'sche Prinzip, den Stark-Etlekt und den Zeemann-Effekt .Aufschluß ge- geben wird. Endlich handelt ein Schlußteil über Anwendungen der Interferenzen zu physikalischen Messungen und in der Metrologie. Besonders ein- gehend wird hier Michelson's Auswertung des Meter in Wellenlängen der roten Cadmiumlinie besprochen. Auch die erst vor kurzem veröffentlichten, von Gehrcke und Reichenheim ersonnene Methode der Interferenzen planparalleler Platten im kontinuier- lichen Spektrum wird auf den letzten Seiten des Buches erklärt. Ein ausführliches Literaturverzeichnis ist beigegeben. Das Studium des in physikalischen Lehrbüchern meist sehr kurz behandelten Abschnittes der Optik, der hier monographisch behandelt ist, wird jedem, der ernstes Eindringen in den Gegenstand nicht scheut, gewiß einen hohen intellektuellen Genuß bereiten. Kbr. Prof O. Ohmann, Leitfaden der Chemie und Mineralogie. 4. Aufl., 191 S. mit 147 Fig. u. I Spektraltafel. Berlin, Winkelmann u. Söhne. Dieses methodisch mit großem pädagogischen Geschick abgefaßte Büchlein hat sich schon bei den ersten Auflagen eine große Beliebtheit in Lehrer- kreisen erworben. Natürlich hat es der Verf gleich- wohl nicht verabsäumt, für die Neuauflagen alle An- regungen zur Verbesserung nach Möglichkeit zu be- rücksichtigen und neuere, besonders zweckmäßige Versuchsanordnungen einzufügen. In der vorliegenden Auflage sind besonders die neueren physikalisch- chemischen Anschauungen mehr als bisher zur Gel- tung gekommen. Die Theorie der Lösungen , der Molbegriff und die lonenlehre werden in einer dem Verständnis des Schülers anpepaßten Weise ent- wickelt. Die letzten Auflagen des Büchleins sind auch mit einer prächtigen Spektraltafel geschmückt. Jedem , der nach einem kurzen Leitfaden für den mineralogisch -chemischen Unterricht sucht, sei der vorliegende angelegentlich empfohlen. Kbr. W. Miller, Diplom-Ingenieur u. k. Prof. der Industrie- schule Augsburg, Instrumentenkunde für Forschungsreisende. Unter Mitwirkung von Ingen. C. Seidel, K. Prof. d. Industrieschule Nürnberg. Dr. Max Jänecke, Hannover, iqo6. — Preis 4,40 Mk. Das Werk ist aus dem Streben hervorgegangen, ein illustriertes Preisverzeiclinis für Instrumente , wie sie der Forschungsreisende braucht, zu schaffen. Zunächst schildert der Verf die wichtigsten Meß- instrumente sowie deren Anwendung durch Bezeich- nung der Prinzipien der Winkelmessung, der Längen- messungen, der indirekten Messung von Entfernungen, der Höhenmessung, der Wassermessung, der Photo- grammetrie. Die für die Praxis genügenden Formeln sind durch Zahlenbeispiele erläutert. Es werden ferner Angaben gemacht über Aus- rüstung der deutschen Stationen der internationalen Polarforschung, der deutschen Vermessungsschiffe, der 46 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 3 japanischen Beobachtungsschifle, und über die Aus- rüstung an Photographie- und Meßapparaten der PoHzeibehörden in Berlin und Hamburg. Das sehr zvveckdienhche Buch bietet sodann als wesentlichstes Kapitel in demselben eine umfang- reiche Zusammenstellung aller wichtigen, für den Forschungsreisenden in Betracht kommenden In- strumente für astronomische, topographische und geo- graphische Arbeiten , ferner für geologische und meteorologische Zwecke, zur Bestimmung des Erd- magnetismus, für nautische Vermessungen, für Beobach- tungen über Ebbe und Flut, für hydrographische und magnetische Beobachtungen an Bord, für Heilkunde, für landwirtschaftliche Forschungen , für Pflanzen- geographie , für ethnologische, anthropologische und prähistorische Forschungen, und für wissenschaftliche Photographie. Jedes Instrument ist kurz erklärt und abgebildet. Dem Reisenden wird sodann eine Zusammenstellung gegeben, die ihm über alle bei einer Expeditions- ausrüstung in Betracht kommenden kaufmännischen Fragen Auskunft erteilt, durch Angabe der Adressen der Firmen und deren Telegrammschlüssel , durch Angabe der Lieferungsbedingungen, der Frachtkosten und Dampferverbindungen. Ein weiterer Teil des Buches bespricht Eigenheit und Neuheiten der Schal- tungsweisen und Konstruktionen des Systems „Tele- funken" der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m. b. H. , Berlin. Dieser Teil enthält auch einen Kostenanschlag über eine Station für drahtlose Tele- graphie. Das Buch ist sehr empfehlenswert. buch der pharmazeutischen Chemie. I. Bd. Anorganische Chemie. 1. Abllg. : Metalloide. 5. verm. Aufl. Mit zahl- reichen Abbilden, u. I färb. Spektraltaf. (VIII, 528 S.) gr. 8". Braunschweig '06, F. Vieweg & Sohn. — 10 Mk. Schubert, Prof. Dr. Herrn.: Auslese aus meiner Unterrichts- u. Vorlesungspraxis. 3. Bd. (250 S. m. 18 Fig.) kl. 8". Leipzig '06, G. J. 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Dr. Adalti. : Die Groß-Schmetterlinge der Erde. Eine systomat. Bearbeitg. der bis jetzt bekannten Grofl- Schmetterlinge, in Verbindg. m. namhaftesten Fachmännern lirsg. I. Abtlg.: Die Groß-Schmetterlinge des paläarktisch. Faunengebietes. (In ca. 100 Lfgn.) 1. Lfg. (S. I — 12 m. 3 färb. Taf.) 4°. Stuttgart '06, F. Lehmann. — i Mk. Serret, J. A. : Lehrbuch der Differential- u. Integralrechnung. Nach Axel llarnack's Übersetzung. 3. .Aufl. Neu l>earb. V. Geo. Scheffers. I. Kd. Differentialrechnung. (XVI, 624 S. m. 70 Fig.) gr. 8". Leipzig '06, B. G. Teubner. — 12 Mk. ; geb. in Leinw. 13 Mk. Schmidt, Prof. Dr. Jul.; ivurzes Lehrbuch der organischen Chemie. (XXXll, 774 S.) Lex. 8». Stuttgart '06, F. Enke. — 18 Mk. ; geb. in Leinw. 19,60 Mk. Schmidt, Geh. Reg.-R. Prof. Dr. Ernst: Ausführliches Lehr- Briefkasten. Herrn Landrat a. D. G. in Charlottenburg. — Die Frage, ob die Fische hören können, hat man noch in der neuesten Zeit sehr verschieden beantwortet. Ich nenne Ihnen zwei Arbeiten über den Gegenstand, in denen Sie weitere Literatur verzeichnet finden: l) A. Lang, ,,()b die Wassertiere hören?" in: Mitt. naturw. Ges. Winterthur, Heft 4, 1902 (1903) S. 3 bis 55 und G. H. Parker, ,, Hearing and allied senses in fishes", in: Americ. Naturalist Vol. 1903 p. 185 — 204, erstere referiert von W. Seh önic h en, in: Natur und Schule Bd. 3, 1904, S. 413 — 417, letztere von M. Plehn, in: Allg. Fischerei- Zeitung, Jahrg. 30, 1905, S. 62 — 66. — Um die Frage ent- scheiden zu können, muß man vor allen Dingen klar darüber sein, was ,, hören" ist. Wir können die Schwingungen der Saite einer Baßgeige auch mit dem Finger wahrnehmen und ebenso können bei empfindlichen Tieren vielleicht auch Schallwellen im Wasser oder gar in der Luft mittels der Tastnervenendigungen zur Wahrnehmung gelangen, zumal wenn bei ihnen durch Strychninvergiftung die Empfindlichkeit gegen Tasireize bedeutend erhöht ist. — Ein sicherer Nach- weis für das Vorhandensein eines Gehörs auf experimentellem Wege ist bei einem Tier nur dann erbracht, wenn dasselbe auf verschiedene Töne oder Geräusche verscliicden reagiert, wenn es also verschiedene Töne oder Geräusche unterscheiden kann. Dies ist bisher bei den Fischen, soweit ich sehe, noch nicht nachgewiesen. — Als Beispiel eines Nachweises dieser .\rt verweise ich auf eine Beobachtung von H. Henking l)ei Spinnen. Henking ließ eine Fliege neben einem Be- hälter, in welchem sich eine Wolfspinne befand, brummen, und beobachtete, daß sich die Spinne sofort in die Richtung, aus welcher der Ton kam, stürzte (vgl. Naturw. Wochenschr. N. F. Bd. 4, S. 309). Will man einen solchen experimentellen Nachweis führen, so muß man die Bedeutung kennen, welche der Gehörsinn für das Tier hat. — Gewisse Schlüsse auf das Vorhandensein eines Gehörsinnes lassen sich unter Umständen schon aus dem Vorhandensein eines entsprechenden Organes ziehen, vorausgesetzt, daß man sicher ist, das Organ richtig zu deuten. — Gerade beim Gehörorgan macht aber die Deu- tung der einzelnen Teile — schon in der Reihe der Wirbel- tiere — große Schwierigkeiten. — Es kann jetzt wohl als durch Experimente festgestellt gelten — trotz aller Wider- legungsversuche der Gegner, — daß in dem Ohr der Wirbel- tiere neben dem Gehörsinn ein Gleichgewichts- bzw. Richtungs- sinn seinen Sitz hat. Die Bogengänge mit ihren Ampullen sind zweifellos als Sitz des Gleichgewichtssinnes zu deuten, die Schnecke ebenso zweifellos als Sitz des Gehörsinnes. Aber bei den anderen Teilen ist die Deutung noch unsicher. Wenn den Fischen also auch eine Schnecke fehlt, so ist da- mit noch nicht erwiesen, daß sie kein Gehör besitzen. — Eine dritte Seite, der obigen Frage näher zu treten, ist die ethologische. Wir kennen Fische, die nicht stumm sind, son- dern Töne hervorbringen und einen wohlentwickclten Stimm- apparat liesitzen (vgl. K. Möbius, Balistes aculeatus, ein trommelnder Fisch, in: Sitzungsber. .\k. Wiss. Berlin, Jahrg. 1889, S. 999 ff.). Oft sind es nur die Männchen, welche die Töne hervorbringen (z. B. Cynoscion reyalis) und es kann als sicher gelten, daß es sich hier um Locktöne handelt. Das Gehörorgan dieser stimmbegabten Fische kennt man leider noch nicht und deshalb sind Schlüsse, auf morphologischer Grundlage, von diesen auf stumme Fische noch nicht möglich. — Zu nennen sind noch die Erwägungen und Tatsachen, welche man gegen das Hören der Fische vorgebracht hat. Vom rein theoretischen Standpunkte aus hat T. Beer be- hauptet, daß das Hören für Wassertiere bedeutungslos sei. Dagegen hat sich V. Hensen mit Recht gewandt. Der Ge- liörsinn leistet sehr viel mehr als der feinste Tastsinn , selbst wenn dieser Schallwellen zur Wahrnehmung bringt, und es ist N. F. VI. Nr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 47 sehr wohl denkbar, daß der Gehörsinn, daü die Unterscheidung verschiedener Geräusche auch den Wassertieren, ihren Feinden gegenüber, große Vorlcile gewährt. — A. Kreidl hat mit Fischen im ilenediktiner-Stiit Kremsmünster, die seit langer Zeit mit einer Glocke zur F"ütlerung gerutcn werden, Versuche gemacht. F.s ergab sich, daß die Fische durch vier verschie- dene Sinneseindrücke angelockt werden: l) Die Erschütterun- gen des Bodens, die der Fischer durch seine Tritte verursacht. 2) Das sichtbare Erscheinen des Fischers am Kande des Teiches. 3) Das Hineinwerfen des Futters und 4) das Glocken- lauten. — Die F'ische kamen aber auch herbei, wenn der vierte Sinnesreiz, der Glockenton ausblieb. Sie kamen nicht heroei, wenn die drei ersten ausgeschaltet wurden und nur mit der Glocke geläutet wurde. — Durch diese Versuche ist erwiesen, daß der Glockenton beim Herbeilocken der Fische in Verbindung mit den drei anderen Sinnesreizen gar keine Rolle spielt. Eigentlich war das schon zu erwarten, da be- kanntlich Tiine sehr stark abgeschwächt aus der Luft ins \N'asser eindringen. — Daß die Fische nicht hören können ist durch die Versuche nicht bewiesen. Wollte man mit den Fischen in Kremsmünster einen solchen Nachweis erbringen, so müßte man erst durch wochen- oder monatelange Gewöhnung j die beiden ersten Reize ausschalten, indem man, ohne sich den Fischen zu zeigen, jedesmal erst mit der Glocke läutet und dann das Futter vorwirft. Nach Wochen oder Monaten haben die Fische vielleicht begriften, daß nach dem Läuten immer das Füttern folgt. Geistig stehen nämlich die Fische erwiesenermaßen nicht sehr hoch (vgl. K. M ü b i us , in: Sehr, d. naturw. Ver. f. Schi. -Holstein Bd. i, 1873, S. 121). Dahl. Herrn stud. rer. nat. C. L. in Rendsburg. — Sie fragen, wie sich die Wissenschaft zu der Angabe von dem nächt- lichen Wandern der Aale in Erbsenfelder stelle. — — i'ber diese Frage gibt Ihnen B. Benecke in seinem Buche „F'ische, Fischerei und Fischzucht in (;>st- und Westpreußen" (Königsberg 1881 , S. 174 ff.) die gewünschte ,\uskuntt. Benecke fragt ganz richtig, warum diejenigen, die daran glauben , daß die .\ale der Erbsen wegen sogar das Wasser verlassen, nicht Erbsen an die Angeln stecken. — Für uns ist die Frage nur noch die, wie eine solche Fabel entstehen und sich bis in die Gegenwart erhalten konnte. Sie ündet sich schon liei .Mbcrtus Magnus (Tierbuch, 1545) und kehrt, obgleich sie schon 1666 von L. Baldner energisch be- stritten wurde, bis in die Gegenwart wieder. — Benecke meint, daß vielleicht einmal Aaldiebe auf der Flucht einzelne Aale in einem Erbsenfelde verloren haben. — Mir erscheint diese Erklärung zu gesucht und ich möchte die Entstehung dieses Volksglaubens darauf zurückführen, daß Aale verdor- benes Wasser gelegentlich, wenn die Ufer hinieichend flach sind, verlassen. Von zuverlässiger Seite ist mir das bestimmt versichert worden und wenn L. Spallanzani (Opere, Milano 1821) es bestreitet, so waren in dem von ihm angezogenen Falle vielleicht nicht alle Bedingungen für eine solche Aus- wanderung gegeben. Ich selbst war in meiner Kindheit ein- mal Zeuge, daß in einem moorigen Gewässer neben der Ost- see in Holstein (Dahmer Moor) Aale gefangen wurden, indem — nach einem lange anhaltenden Frost — im F'rühling Löcher in die Eisdecke geschlagen und Büschel von rauhem t>bsenstroh hineingesteckt wurden. Am nächsten Morgen konnten die Aale mit dem Erbsenstroh aufs Eis gezogen werden. Dahl. An mehrere Leser. — Von verschiedenen Seiten wer- den Literaturangaben über die Biologie in der Schule ge- wünscht. Ein Leser bittet sogar um Angabe der gesamten einschlägigen Literatur. Alles oder auch nur das Wich- tigere im Briefkasten zu bringen , ist ausgeschlossen. In be- schränktem Umfange aber gehe ich auf die Hauptgesichts- punkte und auf deren erstes Auftreten in der Literatur ein. Auf weiteres wird der Leser dann in den zitierten Arbeiten verwiesen. — Die Grundlagen für die moderne Auffassung des biologischen Unterrichts gab C. G. Salzmann schon am Ende des 18. Jahrhunderts („Ameisenbüchlein", in: Re- clam's Universalbibliothek Nr. 2450, S. <;5 ff.). An Rousseau lehnt sich Salzmann insofern an, daß er durch geeignete Fragen das Kind anleitet, selbst zu finden (vgl. J. j. Rous- seau, ,,Emil oder über die Erziehung", in: Reclam's Uni- versalbibliothek Nr. 901—8). Salz mann hält das lebende Tier für das geeignetste Objekt, um die verschiedenen Geistes- kräfte des Kindes zu wecken und zu üben : Die Beobachtungs- gabe wird dadurch geübt, daß das Kind die verschiedenen Eigenschalten des Tieres sich zum Bewußtsein bringt, das Gedächtnis dadurch , daß es die Namen der Organe behält, der Verstand dadurch, daß es einerseits über die Funktion (,,. Absicht") der Organe nachdenkt und andererseits die Organe mit denen anderer Tiere vergleicht (Salzmann a. a. O. S. 60). Weitergeführt ist die Salzman n'sche Methode besonders durch Elementarlehrer, weil gerade derjenige Teil der Biologie, welcher für den Unterricht in der Schule besonders geeignet ist, erst in neuester Zeit (im Anschluß an Darwin) zur Wissenschaft erhobt ist. Vorher war die Gefahr, dabei der Teleologie zu verfallen, zu groß. So haben wir es uns wohl zu erklären, daß die Biologie in höheren Schulen immer ein .Stiefkind blieb. Nur bedeutende Forscher waren vor Darwin imstande, bei der physiologischen Betrachtungsweise stets die wissenschaftliche Basis festzuhalten (vgl. C. Bergmann und R. Leuckart, „Anatomisch-physiologische Übersicht des Tier- reichs", Stuttgart 1852). Durch die Selektionstheorie ist jetzt die Teleologie völlig ersetzt und deshalb hat sich in neuester Zeit die Aufmerksamkeit auch der Lehrer an höheren Schulen wieder dieser für den Unterricht wichtigsten Seite der Biologie zugewendet (biozentrische Methode). Das Verdienst, die S al zma nn'sche Methode zuerst in das moderne Gewand gekleidet zu haben, gebührt F. Junge (,,Der Dorfteich als Lebensgemeinschaft", Kiel 1885, 2. Aufl. iSgi). Als neu kommt bei Junge der von K. Möbius aufgestellte Begriff der Lebensgemeinschaft hinzu. Bei seiner Bekämpfung Lüben's (vgl. A. LUben, ,, Leitfaden zu einem methodischen Unterricht in der Naturgeschichte", Halle 18321, der die Kennt- nis des Systems zu sehr in den Vordergrund stellte, verfiel Junge allerdings in ein entgegengesetztes E.xtrem. Darin liegt es begründet, daß die Junge 'sehe Methode bei den meisten Lehrern an höheren Schulen keinen Beifall fand. — Im letzten \iertel des vorigen Jahrhunderts zog der biologische Schulunterricht die Aufmerksamkeit zahlreicher Schulmänner auf sich. Eine vorzügliche Zusammenfassung der Literatur bis zum Jahre 1893, ™tt vielen neuen Gesichtspunkten, gibt C. Matzdorff (,,Über lebende Anschauungsmittel im natur- wissenschaftlichen Unterricht", Programm des Lessinggymna- siums 1893 Nr. 62). Er bespricht die Bedeutung der E.Nkur- sionen und der Schulgärten für den Unterricht und gibt Rat- schläge, wie man den Schwierigkeiten, mit denen der Lehrer in der Großstadt zu kämpfen hat, entgegentritt, wie weit lebende Objekte im Schulzimmer vorgezeigt werden können usw. Zum ersten Male finden wir bei ihm auch mit Nach- druck hervorgehoben, wie wichtig Exkursionen für den Stu- dierenden auf der Universität sind (a. a. O. S. 1 1 , man vgl. auch Naturw. Wochenschr. N. F. Bd. 5 S. 808 (f.). -Als sehr bedeutenden Fortschritt muß man die erste Ausgabe von O. Schmeil's Lehrbuch der Zoologie (Stuttgart 1898 — 99) be- zeichnen. Da von S c h m e i 1 bei der physiologisch-ethologischen Behandlungsweise das System nicht vernachlässigt wurde, fanden seine Bücher auch bei Lehrern höherer Schulen Beifall. Bestimmungstabellen, wie sie namentlich J. L e u n i s in seinen Schulbüchern gab, fallen bei Seh m eil allerdings ganz fort und auch den ausdrücklichen Hinweis auf das Schöne und Gesetzmäßige in der organischen Welt von selten des Lehrers schätzt er weniger hoch als einige seiner Vorgänger. Es geht das namentlich aus seiner Schrift „Über die Reformbestre- bungen auf dem Gebiete des naturgeschichtlichen Unterrichts" (4. .Aufl., Stuttgart 1900, S. 41 ff.) hervor. — Auf der Natur- forscher-Versammlung in Hamburg ward im Anschluß an einen Vortrag von ¥ r. Ahlborn von zahlreichen Biologen Deutsch- lands die Forderung gestellt, daß die Biologie allgemein wieder in die Oberklassen der höheren Schulen eingeführt werde (,,Über die gegenwärtige Lage des biologischen Unter- richts an höheren Schulen", Jena 1901). Die TJiesen, welche aufgestellt wurden, wurden von zahlreichen Gebildeten und Gelehrten Deutschlands unterschrieben. Es wird in ihnen hervorgehoben, daß der biologische Unterricht die Beobach- tung schärfe, die Begrifl'sbildung übe, die Beziehungen der Oi'ganismen zueinander und zum Menschen klarlege, die Funktion der Organe am menschlichen Körper beleuchte, das 48 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 3 Empfinden des Schönen fördere und die Liebe zur Natur wecke. In zahlreichen Einzelheiten wird man freilich den Darlegungen der verschiedenen Redner, die das Wort er- griffen, nicht allgemein beipflichten. So hebt Chun wieder- holt hervor, daß speziell die Darwin'sche Theorie im Unterrichte nicht fehlen dürfe. Bei denen, die zugegen waren, fand er darin freilich keinen Widerspruch. Die Mehrzahl der Biologen aber scheint doch der Ansicht zu sein, daß speziell die Selektionsthcorie noch zu viele wissenschaftliche Gegner hat und daß deshalb nur der Deszendenzgedanke für die Schule reif ist (vgl. Naturw. Wochcnschr. .\. F. Bd. 2, 1902, S. 85 ff. und Biolog. Centralbl. Bd. 26, 1906, S. i ff.J. — Die Literatur der letzten Jahre finden wir außerordentlich sorgfidlig zu- sammengestellt von C. Matzdorff (in: C. Rethwisch's lahresberichten über das höhere Schulwesen), ich greife des- halb nur einzelnes heraus. — Ich selbst hob hervor — teils im Anschluß an früliere Autoren — , daß man in erster Linie das Interesse des Kindes wecken sollte und deshalb vom lebenden Tier ausgehen müsse. Dem Gedächtnis dürfe man nichts einprägen, was man nicht physiologisch-ethologisch den Kindern erklären könne und deshalb müsse der Unter- richt stets von Exkursionen ausgehen. Der Lehrer müsse überall bei dem Sciniler Sinn für das Schöne in der Natur zu wecken suchen. Das Winterhalbjahr sei in erster Linie darauf zu verwenden die Einzelbeobaclitungen in ein System zu bringen (vgl. Naturw. Wochenschr. X. F. Bd. 2, .S. 85 ff. und Bd. 3, S. 769 ff.j. — Vielfach wurde in neuerer Zeit die Ansicht vertreten, daß man beim Schulunter) icht vom Niederen zum Höheren fortschreiten solle. A. Tenckhoff will sogar mit den Protozoen beginnen (65. Jahresber. d. k. G. Theodo- rianum zu Paderborn, l88g). C. Matzdorff nennt diese Ansicht vom didaktischen Standpunkte aus eine ,, sonderbare" (Programm a. a. O. S, 24; vgl. auch K. Kraepclin, in; Monatsschr. f. höhere Schulen, Jahrg. 4, 1905, S. 33). — Auch abgesehen vom didaktischen Standpunkte birgt ein sol- cher Gang eine große Gefalir in sich. Nachdem der Des- zendenzgedanke den Unterricht beherrscht, wird der Schüler glauben, daß die höheren Tiere tatsächlich von Tieren, wie es die jetzt lebenden niederen Tiere sind, abstammen, daß der Mensch vom Affen abstamme usw. , während doch die gemeinschaftlichen Vorfahren immer von den jetzt leben- den weit verschieden waren (Naturw. Wochenschr. N. F. Bd. 5, S. 47). — Auf die Organismen der Heimat als geeignetsten Gegenstand des Unterrichts hatten aus didaktischen Gründen schon A. Lüben u.a. hingewiesen. Conwentz hel)t neuer- dings mit Recht hervor, daß durch das Vertrautwerden mit der heimischen Natur auch die Liebe zur Heimat mehr ge- weckt werde (,,Die Heimatkunde in der Schule", 2. Aufl., Berlin 1906). — Über den Begriff der Lebensgemeinschaft im Unterricht haben neuerdings geschrieben: K. Möbius (in: Natur u. Schule, Bd. 5, 1904, S. 289 f), C. Matzdorff (in: Zool. Jahrbüchern Suppl. 8, 1905, S. 6l7ff. mit ausgedehnten Literaturangaben) und K. Kracpelin (a. a. O. S. 31 ff.). — Über das zu erreichende Ziel des Schulunterrichts schrieb R. Hertwig (in: Natur u. Schule Bd. 3, 1904, S. 481 ff.). — Über das Plankton als Gegenstand des Unterrichts schrieb O.Zacharias (in: Arch. f. Hydrobiologien. Planktonkunde Bd. I, igo6, S. I ff.). — Über zoologische .Schulsammlungen schrieb R. v. Hanstein (in: Naturw. Rundschau Jahrg. 21, 1906, Nr. 38). — Über Schulausflüge schrieb B. Landsberg (in: Natur u. Schule Bd. 2, 1903, S. 151 ff, man vgl. auch Naturw. Wochenschr. N. F. Bd. 5 S. 823 fl'.). — Über die Verteilung des Stoffs auf die verschiedenen Klassen ist sehr viel geschrieben worden (vgl. z. B. F. Mühlberg, ,, Zweck und Umfang des Unterrichts in der Naturgeschichte", Leipzig 1903, B. Landsberg, in: Natur u. Schule Bd. 3, 1904, S. 548fr., A. Gutzmer, Reformvorschläge für den mathe- matischen und naturwissenschaltlichen Unterricht, Leipzig 1906 usw.). Dahl. Frl. B. in Berlin. — l) Bietet sich einem jungen Mäd- clien nach Absolvierung einer 10 klassigen höheren Mädchen- schule Gelegenheit, sich in staatlichen Instituten in der Chemie weiter auszubilden? — 2) Könnte es auf diesem Wege eine gesicherte Lebensstellung erwerben? — 3) Welche Aussichten hätte solch ein junges Mädchen im Apothekerberufe? Zu l) Nach Absolvierung einer loklassigen höheren Mädchenschule werden Sie als Hörerin an der Universität ein- geschrieben und können dort natürlich auch chemisch arbeiten. Ob Sie das Verbandsexamen ablegen dürfen, hängt von dem betreffenden Professor ab, da z. Zt. hierüber noch keine Be- stimmungen existieren. Zu 2) Eine g esicherte Lebensstellung dadurch zu er- langen, erscheint mir höchst zweifelhaft, zumal bei der Über- produktion an Chemikern. Gewisse Chemikerinnenschulcn, wo die Damen in kurzer Zeit angeblich für die Zuckerbranclie ausgebildet werden, stellen zwar die Aussichten als gut hin. Ich würde persönlich aber entschieden abraten. Zu 3) Zur Apothekerlaufbahn ist das Primanerzeugnis erforderlich. Da Sie jedenfalls des Latein ermangeln, dürfte Ihre Vorbildung nicht genügen. Grundsätzlich ist den Damen der Beruf nicht verschlossen, z. Zt. giVjt es aber nach meinen Erkundigungen nur 2 otler 3 Damen darin. Da im Apothekerberufe jetzt ziemlicher Gehilfenmangel herrscht, werden die Chefs vielleicht hier und da in kleinen Orten, nach denen sich keine männlichen Fachgenossen melden, in ihrer Not auch Damen engagieren. Lb. Herrn Prof. V. in M. — l) Literatur über Herstellung, Anwendung etc. von Thermit finden Sie nur sehr verstreut in chemischen und technischen Fachzeitschriften. Ich nenne Ihnen ,, Chemikerzeitung", ,, Zeitschrift für angewandte Chemie", ,, Stahl und Eisen", auch das Vereinsblatt des Vereins deut- scher Ingenieure. Im übrigen verweise ich auf eine dem- nächst in den Spalten der ,, Naturwissenschaftlichen Wochen- schrift" erscheinende Abhandlung über .Aluminothermische \'crfahren. 2) Die gesamte Geschichte der Chemie ist in dem bekannten Werke von H. Kopp, ,.Die Geschichte der Chemie" sehr ausführlich, dann auch von E. v. Meyer in seiner ,,(jcschichte der Chemie" behandelt. Ferner seien noch als bemerkenswert genannt: A. L a d e n b u r g, Vorträge über die Entwicklungsgeschichte der Chemie von Lavoisier bis zur Gegenwart. 1902. 3. Aufl. A. Wilhelmy, Gescliichte der Chemie im 19. Jahrhundert. 1902. H. Kopp, ,,Die Entwicklung der Chemie in der neueren Zeit". 1873. Laßwitz, ,, Geschichte der Atomistik vom Mittelalter bis Newton". Lb. Herrn Dr. T. in C. — Sehr ausführliche Zahlenangaben über Viskosität und spezifische Zähigkeit der verschiedensten Flüssigkeiten, sowie sehr eingehende Literaturangaben finden Sic in Landolt-Börnstein, Physikalisch-chemische Tabellen. Lb. Herrn E. P. in Bremen. — Über die Verwendung unge- dämpfter Schwingungen in der drahtlosen Telegraphie finden Sie Angaben z. B. in Poske's Zeitschrift für den physik. und ehem. Unterricht, 19. Jahrg. Heft 6 (November 1906), S. 380. Mehr Einzelheiten finden Sie vielleicht in der elektrotechni- schen Zeitschrift. — Über die Prinzipien der Wellentelegraphie bringen wir demnächst einen größeren Aufsatz aus der Feder von Dr. Eichhorn. Herrn H. C. in H. — Das übersandte „Brotkörbchen" ist ein Pilz : (_'yathus Olla. Inhalt: H. Kolbe: Über die Brutpillen und die Fürsorge für die Nachkommenschaft bei den Pillenkäfern. — Kleinere Mitteilungen: Zur mechanischen Erklärung der Schutzfärbung. — .'\. Pflug k: Über die Akkommodation des Auges der Taube. — Haie, Adams und Gale: Sonnenfleckenspektra. — Meyer Wildermann: Galvanische Ströme, die durch Licht hervorgerufen werden. — Mira Ceti. — Dr. Petri: .'\. van l.eeuwenhoek's Experiment die Drehung der Erde zu zeigen. — Wetter-Monatsübersicht. — Bücherbesprechungen: T. G. Schillings: Der Zauber des Elelescho. — Regles internationales de la Nomenclature botanique. — Dr. E. Gehrcke: Die Anwendung der Interferenzen. — Prof. O. Ohmann; Leitfaden der Chemie und Mineralogie. — W. Miller: Instrumentenkunde für Forschungsreisende. — Literatur: Liste. — Briefkasten. Verantwortlicher Redakteur: Prof. Dr. H. Potonie, Groß-Lichterfelde-West b. Berlin. Druck von Lip]iert & Co. (G. Pätz'sche Buchdr.), Naumburg a. S. Organ der Deutsehen Gesellschaft für volkstümliche Naturkunde in Berlin. Redaktion: Professor Dr. H. Potoni6 und Professor Dr. F. Koerber in Grofs-Lichterfelde-West bei Berlin. Verlag von Gustav Fischer in Jena. Nene Folge VI. Band; der ganzen Reihe XXII. Band. Sonntag, den 27. Januar 1907. Nr. 4. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen f- und Postanstalten, wie bei der Expedition. Der '»^ Halbjahrspreis ist M. 4. — . Bringegeld bei der Post 15 Pfg. extra. Inserate : Die zweigespallene Kolonclzeile 40 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt. Beilagen nach Übereinkunft. Inseratenannahme durch die Verlags- handlung. Die moderne drahtlose Telegraphie. Nach einem Demonstrationsvortrag [Nachdruck verboten.! ^°° Dr. phil. Meine Damen und Herren ! Ich habe die Ehre, heute vor Ihnen über einen Gegenstand zu sprechen, der durch seine glänzende und rapide Entwicklung anhaltend das öffentliche Interesse wachhält, näm- lich über die moderne drahtlose Telegraphie ver- mittels elektrischer Wellen. Die langjährigen, praktischen Erfahrungen, welche ich als Leiter der großen Ostseeversuchsstationen für Professer Braun-Siemens und Halske erwarb, haben mich besonders intim mit dem neuen Ver- kehrsmittel, ja wir dürfen wohl sagen — Kultur- mittel — vertraut werden lassen, so daß ich Ihnen aus eigener Anschauung berichten kann. Die Grundzüge der drahtlosen Telegraphie lassen sich am anschaulichsten an Hand einer Skizze ihres historischen Entwicklungsganges ver- folgen. Den meisten ist bereits bekannt, daß die drahtlose Telegraphie mit Hertz'schen Wellen ope- riert, d. h. daß die Arbeiten eines der größten Physiker aller Zeiten, nämlich die klassischen Unter- suchungen von Professor Heinrich Hertz über die .Ausbreitung der elektrischen Kraft das Fundament bilden, auf dem in praxi aufgebaut worden ist. Hertz verifizierte experimentell eine geniale Theo- rie der großen englischen Forscher Farad ay G. Eichhorn. und Maxwell, die sogenannte elektromagnetische Lichttheorie, welche in einheitlicher Weise alle Strahlungserscheinungen umfaßt. Dieselbe sagt kurz folgendes aus : Strahlen des Lichts, strahlende Wärme, Strahlen elektrischer Kraft müssen quali- tativ durchaus gleichartige Phänomene sein, sämt- lich beruhend auf elektro-magnetischen Oszilla- tionen in dem alles durchdringenden Weltäther, in dem sie sich mit der gleichen, enormen, aber endlichen Geschwindigkeit von 300000 km in der .Sekunde ausbreiten. Der Unterschied der diffe- renten Erscheinungsformen liegt nur in der Ver- schiedenheit der Wellenlängen begründet. Für die sehr schnellen Lichtschwingungen mit entsprechend kleinen Wellenlängen von nur einigen zehntausend- stel Millimeter hat der menschliche Körper ein Organ zur direkten Wahrnehmung, nämlich das Auge. Für den Nachweis der großen elektrischen Wellen bis zu Hunderten und Tausenden von Metern Länge, wie solche in 'der drahtlosen Tele- graphie verwendet werden, ist man auf indirekte Methoden, nämlich auf die Benutzung von In- strumenten angewiesen. Hertz erbrachte Mitte der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts den der Theorie damals noch 50 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 4 fehlenden Beweis, indem er auch mit elektrischen Wellen von einigen Metern Länge die sämtlichen in der Optik wohlbekannten Experimente der Re- flexion, Brechung, Beugung und Polarisation aus- führte, sowie die enorme Fortpflanzungsgeschwindig- keit direkt maß. — Die Methode von Hertz basierte aber auf der Verwendung so delikater Hilfsmittel, daß die neue Entdeckung zunächst von selbst in den Grenzen des physikalischen Laboratoriums festgehalten wurde. — Hertz selbst hat, wie aus Äußerungen von ihm hervorgeht, nicht im ent- ferntesten daran gedacht, daß dieses neue Geistes- kind sich jemals auf die dornenvollen Pfade der rauhen Außenwelt hinauswagen dürfte. Es fehlte hauptsächlich ein praktisch einfacher Indikator für elektrische Wellen, der auch von Laien leicht zu handhaben gewesen wäre. Diesem Ubelstande wurde im Jahre 1890 abgeholfen durch eine Entdeckung des Franzosen Branly. Branly fand, daß fein zerteiltes Metall, also mehr oder weniger grobes Metallpulver, in einen schwachen elektrischen Strom eingeschaltet, dem Mießen desselben einen unüber- windlichen Widerstand entgegensetzt. Wird nun aber das Metallpulver elektrisch bestrahlt, so sinkt der Widerstand sofort auf einen relativ kleinen Wert; der Strom kann fließen, und man hat so ein Reagens, einen Indikator für das Vorhanden- sein elektrischer Wellen im Räume. Aus dieser Entdeckung ist die Seele der drahtlosen Tele- graphie hervorgegangen, nämlich der Kohärer, auf den später noch näher eingegangen wird. Erst fünf Jahre später, 1895, gibt Professor Popoff von der Militärakademie in Kronstadt eine Vorrichtung bekannt, mit welcher er luftelektrische Entladungen automatisch registrierte und zwar eben vermittels eines Kohärers, der mit dem einen Pol an einen Blitzableiter, mit dem anderen Pol an Erde gelegt war. Zum Aufschreiben der luftelek- trischen Impulse war der Kohärer mit einem Relais- Morse-Schreiber und Klopfer elektrisch geschaltet. Im Prinzip die gleichen .Anordnungen als Empfänger und einen Hertz'schen Oszillator als Sender ver- wendete dann endlich im Jahre 1896 Marconi, und zwar geschah es diesmal mit der bewußten Absicht, eine Telegraphie ohne metallische Leiter auszubilden. Man kann nicht genug die zielbewußte unermüdliche Ausdauer und experimentale Ge- schicklichkeit Marconi's bewundern, aber die histo- rischen Tatsachen beweisen, daß es absolut ver- fehlt ist, ihn als den Erfinder der drahtlosen Tele- graphie zu bezeichnen. Auf die Ehre dieses Titels hätte einzig und allein Professor Hertz Anspruch. Marconi, der nur das Bekannte praktisch aus- gestaltet hat, begann seine Versuche zunächst auf dem Landgute seines Vaters bei Bologna. Später tatkräftig unterstützt von dem verdienstvollen Chef des englischen Telegraphenwesens, Sir William Preece, konnte er seine Arbeiten in immer größerem Stile in England fortführen, so daß Mar- coni schließlich tatsächlich als erster über viele Kilometer drahtlos telegraphiert hat. — Allein bei 25 — 30 km schien die Grenze gesteckt zu sein. über die Marconi mit seinen Anordnungen nicht hinauskam. In Deutschland leisteten Professor Slaby, der den Versuchen Marconi's in England beigewohnt hatte, in Gemeinschaft mit Ingenieur Graf Arco sehr wertvolle Pionierdienste aber sie förderten keine prinzipiell neuen Momente zutage. Hier setzen nun die Arbeiten von Professor Braun (Straßburg) ein und seinem klaren, streng wissenschaftlichen Vorgehen sind allein die enormen Fortschritte der jüngsten Zeit zu danken. Auf der von Professor Braun durch Einführung seiner so- genannten gekoppelten Systeme neugeschaffenen Basis wird heute in der ganzen Welt, auch von Marconi, die moderne drahtlose Telegraphie aus- geübt. — Das ist in großen Zügen eine Übersicht des interessanten Gebietes. Beim Eingehen auf Einzelheiten ergibt sich zunächst die Frage: Wie erzeugt man überhaupt schnelle elektromagnetische Schwingungen, wie sie für die drahtlose Tele- graphie erforderlich sind, und auf welchem Mecha- nismus beruhen solche? Wenn man ein Pendel aus der Ruhelage hebt und dann losläßt, so schwingt es hin und her und zwar für alle Ewigkeit, wenn nicht Reibungen an der Luft und an der Aufhängestelle zu überwinden wären, welche die Energie allmählich verzehren. Wohl jeder wird sich schon Rechenschaft gegeben haben von der unaufhörlich stattfindenden Ver- wandlung der Energieform. Geht die Pendellinse durch den tiefsten Punkt, so hat man maximale Bewegung, d. h. die Energie nur in kinetischer Form. Über diesen Punkt hinaus nimmt die Ge- schwindigkeit allmählich ab, bis sie in der höchsten Lage der Pendellinse Null geworden ist. Die Energie an sich ist natürlich unverändert; aber sie hat eine andere Form angenommen, nämlich die Energie der erhöhten Lage oder wie man sagt, die poten- tielle Energieform. Dieses gleiche Phänomen beobachtet man auch an den wohlbekannten Schallschwingungen. Es ist bekannt, daß die Schallwellen in der Luft ihren .Sitz haben, und aus einer regelmäßigen Aufein- anderfolge von Verdichtung's- und Verdünnungs- stößen derselben bestehen. Die Luftteilchen pen- deln dabei hin und her, und man erkennt, wie an jeder Stelle eine periodisch wechselnde Bewegung (kinetische Energieform) verbunden mit einem periodisch wechselnden Druck (potentielle Energie- form) herrscht. Bei den Schallwellen ist die Be- wegungsrichtung der Teilchen und die Fortpflan- zungsrichtung der Energie die gleiche. Solche Schwingungen nennt man longitudinale Schwin- gungen. Bei den elektrischen Wellen hat man es aber nicht mit solchen, sondern mit Transversal-Schwin- gungen zu tun, für welche zwar auch prinzipiell gleiche Gesetze gelten, die aber wiederum ihre Eigentümlichkeiten haben. Transversal-Schwingungen sind nur möglich in einem Medium, in dem alle Teilchen mit elastischen Kräften aufeinander wirken. Wird ein Teilchen N. V. VI Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 51 aus seiner Ruhelage verschoben und dann los- gelassen, so vollführt es Schwingungen um seine Gleichgewichtslage, und sukzessive werden nun auch alle folgenden Teilchen zu gleichen Schwin- gungen angeregt. So pflanzt sich also hier die Energie in der Richtung der Verbindungslinie der Teilchen fort, während diese selbst senkrecht dazu Schwingungen um die Ruhelage vollführen. In der Zeit ( 1 ), in welcher ein Teilchen eine voll- standige Schwingung vollführt, hat sich die Be- wegung um eine ganz bestimmte Strecke fort- gepflanzt; diese Strecke nennen wir eine Wellen- länge (A). In der Zeiteinheit würde sich also die Bewegung fortgepflanzt haben um eine Strecke, gleich dem Quotienten aus Wellenlänge und Schwin- gungszeit. Dieser Quotient ist aber gleich der Fortpflanzungsgeschwindigkeit (V), welche man ja als den Weg in der Zeiteinheit definiert. Aus dieser Relation ergibt sich, daß die Wellenlänge gleich ist dem Produkt aus Schwingungsdauer und Fortpflanzungsgeschwindigkeit. Sind also die beiden letzteren Größen bekannt, so läßt sich die Wellen- länge berechnen, und das ist auch für die draht- lose Telegraphie von grundlegender Bedeutung. (> =V; ;. = T.V.) Hat man es nun wirklich auch im Weltäther, in dem sich ja die elektromagnetischen Phäno- mene abspielen sollen, mit wellenartigen Vorgängen zu tun, so kann dies wieder nichts anderes sein, als ein periodisch wechselnder Druck, beziehungs- weise eine Spannung, verbunden mit einer peri- odisch wechselnden Bewegung. So ist es in der Tat, und man nennt den Zustand der Spannung, die eine bestimmte Größe und Richtung hat, und deshalb durch die sogenannten elektrischen Spannungs- kurven dargestellt werden kann, den elektrischen Zustand, während man den Zustand der Bewegung als den magnetischen Zustand bezeichnet. Hinsichtlich des magnetischen Zustandes, auf den es wesentlich in der drahtlosen Telegraphie ankommt, sei an einen bekannten Versuch (Fig. i) erinnert. Ein langer, stromführender Draht ist durch eine Papierfläche hindurchgesteckt, aufweiche man Eisenfeilspäne geschüttet hat. Durch Klopfen hilft man nach, daß die Reibung überwunden wer- den kann, und nun sieht man die eigentümliche Erscheinung, daß sich die Feilspäne in konzen- trischen Ringen um den stromführenden Leiter gruppieren. Diese Ringe bilden die sogenannten magnetischen Kraftlinien. Man scheint es da mit einer Art Rotation oder Torsion diskreter Ätherteilchen zu tun zu haben, und die magnetische Kraftlinie entpuppt sich als nichts anderes als die Achse, um welche diese Rotationen stattfinden. Man schaut bei einem solchen Magnetfeld gleichsam in das Getriebe eines ungeheuren Räderwerkes, das im Äther seinen Sitz hat. Wird durch Hemmungen oder Beschleuni- gungen die Rotation eine ungleichmäßige, so muß sich dies durch Spannungen kundgeben. Analog nun, wie bei den Schallwellen aus den Beziehungen von Druck respektive Spannung und Bewegung, so kaiui man hier aus den Beziehungen des elek- trischen und magnetischen Zustandes die Gesetze eines periodisch wechselnden Ätherzustandes her- leiten. Diese beiden zusammengehörigen Phäno- mene erzeugen das, was man eine elektromagne- tische Schwingung, eine elektromagnetische Welle nennt. Rein rechnerisch läßt sich so ermitteln, was schon als von Hertz experimentell gefunden erwähnt war, daß sich nämlich ein solches elektro- magnetisches Wechselfeld mit Lichtgeschwindig- keit, d. h. mit 300000 km per Sekunde, ausbreitet. Wie man nun elektrische Schwingungen er- zeugte, das war in der Physik längst vor Hertz bekannt. Helm hol tz sprach sich bereits im Jahre 1847 bestimmt dahin aus, daß wir es bei der Entladung einer Leydener Flasche durch einen kurzen Schließungsbügel mit einem Hin- und Her- wallen der Elektrizität zwischen dem inneren und äußeren Belag der Flasche zu tun haben müßten. Die Entladung einer solchen Leydener Flasche ist ja wohl allgemein bekannt. Der glänzende Funke, welcher dabei auftritt, ist also nach der eben ent- wickelten Anschauung nicht der einmalige Aus- gleich der positiven und negativen Elektrizität der beiden Flaschenbeläge, sondern er bildet vielmehr einen Teil der Strombahn, auf der die Elektrizität hin und her pendelt. Fig. I. Es sei zur Analogie auf das Verhalten einer bewegten Flüssigkeit in einer U-förmigen Röhre hingewiesen. Hebt man die Flüssigkeit auf der einen Seite, und erzeugt so einen gewissen Druck oder Spannungszustand (entsprechend dem Span- nungszustand der geladenen Leydener Flasche vor der Entladung), und läßt man dann die Flüssigkeits- säule fallen (entsprechend dem Moment des Ein- setzens des elektrischen Entladungsfunkens), so zeigt sich, daß dieselbe nicht gerade bis zur Ruhelage zurücksinkt, sondern über dieselbe hinausschießt, hin und her pendelt, bis erst allmählich die Gleich- gewichtslage wieder erreicht wird und zwar wie Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 4 beim Pendel infolge von Energieverlusten. Ganz analog pendelt also auch die Elektrizität in dem Leydener F"laschenkreis auf und nieder. Vollständig aufgeklärt wurde aber der elek- trische Sachverhalt erst rein theoretisch und zwar durch Sir William Thomson in England und Gustav Kirch off in Deutschland. Es ergab sich da, daß vor allem eine ganz be- stimmte Bedingung erfüllt werden muß, wenn über- haupt Oszillationen möglich sein sollen. Es muß nämlich der Widerstand der Entladungsbahn sehr niedrig gehalten sein, jedenfalls darf er eine be- stimmte Grenze nicht überschreiten, die gegeben ist durch folgende sehr einfache Beziehung. Es muß der Widerstand kleiner sein als die doppelte Quadratwurzel aus dem Quotienten von zwei Größen, die man mit L (Zähler des Quotienten) und C (Nenner) bezeichnet I W < 2 /¥)■ Es losen Telegraphie die Schwingungsdauer respektive Wellenlänge ffeststellt. Es ist nämlich die Schwingungsdauer (T) pro- portional dem geometrischen Mittel von L und C. T ^ 2 7i| LC; 7r = 3,i4i59 ist ohne weiteres einzusehen, daß man diese Größen in einer bestimmten Maßeinheit angeben kann. Man bildet also den eben erwähnten Ausdruck und erhält so einen bestimmten Wert für den Wider- stand in Olmi ausgedrückt. Dieser Widerstands- wert bildet dann die Grenze, unterhalb welcher überhaupt nur Oszillationen möglich sind. Was die Bedeutungen dieser beiden Größen angeht, so sind dieselben ebenfalls leicht verständlich. C nennt man die elektrische ,,Capazität" und definiert sie etwa als das F"assungsvermögen einer Leydener Flasche für Elektrizität bei einer bestimmten Span- nung, analog wie das Fassungsvermögen einer ge- wöhnlichen F'lasche für eine Flüssigkeit bei einem bestimmten Druck. Die andere Größe L ist die für elektrische Schwingungen eigentlich charakte- ristische Größe; sie hängt ab von der Form des Leiters, d. h. von der Bahn, auf der sich die Elek- trizität bewegt. Mit einem recht ungeschickten Ausdruck bezeichnet man in der Wissenschaft diese Größe heute noch als ,, Selbstinduktion"; sie ist nichts anderes als eine Maßgröße für die Träg- heitswirkung des geschilderten rotatorischen Magnet- feldes. Jeder hat schon die Trägheit der Materie an sich selbst erfahren, wenn er sich in einem dahineilenden Wagen befand, dessen Geschwindig- keit oder Bewegungsrichtung plötzlich verändert wurde. Es fällt da unserem Körper gar nicht ein, diese Änderungen ä tempo mitzumachen und die Insassen des Wagens fliegen meist recht unsanft durcheinander. Eine solche Trägheit, ein solches Beharrungsvermögen zeigt auch die Elektrizität; ja, die Physiker sehen heute den Sachverhalt in einem gewissen umgekehrten Sinne an, sie sind heute vollständig überzeugt, daß die altbekannte und doch so rätselhafte Trägheit der Massen eine elektromagnetische Erscheinung ist wie die soge- nannte Selbstinduktion. Aus der Theorie ergibt sich nun noch eine weitere wichtige Beziehung, die angeführt werden muß, um zu erkennen, wie man in der draht- Kennt man also diese beiden Konstanten, und man kann sie sowohl rechnerisch als experimentell sehr genau ermitteln, so erhält man den Wert für die Schwingungsdauer, welchen man nun nur noch mit dem Wert der großen Fortpflanzungsgeschwin- digkeit zu multiplizieren braucht, um die Wellen- länge zu kennen. Ergäbe sich beispielsweise die Schwingungsdauer zu einer millionstel Sekunde, dann beträgt die Wellenlänge 300 Meter. Das ist so eine der in der drahtlosen Telegraphie ge- bräuchlichsten Wellenlängen. So ergibt sich also, daß die auf den ersten Blick etwas geheimnisvoll anmutende Manipulation, die Länge der unsicht- baren Wellen zu ermitteln, in Wirklichkeit nichts weniger wie Hexerei ist. Die Schwingungen eines Leidener Flaschen- kreises kann man auf verschiedene Weise kon- statieren. Eine einfache Methode für den Physiker be- steht darin, den zeitlichen Verlauf der Spannungen während der Entladungen zu verfolgen. Verfasser hat vor Jahren an der Universität für sich viele solcher Aufnahmen gemacht und zwar mittels des sogenannten Helmholtz-Pendels , respektive eines Fig. 2. verbesserten Modells, welches nach den Angaben seines hochverehrten Lehrers , Herrn Professor Kleiner, hergestellt war. Auf einer horizontalen Geraden (Fig. 2) sind kleine Zeitteilchen markiert, wie sie durch das Helmholtz-Pendel messend ver- folgt werden, während auf Senkrechten die zuge- hörigen Spannungen aufgetragen sind. Man er- kennt den oszillierenden Verlauf derselben. Hier soll gleich auf etwas aufmerksam gemacht werden. Es kann nämlich die Ruhelage entweder erst nach einer größeren Anzahl von Schwingungen erreicht werden , wie es bei dieser Aufnahme der Fall war, oder schon nach einer sehr kleinen Anzahl oft von nur i bis 2 Schwingungen. Im ersten Pralle spricht man von einer schwach gedämpften, im letzteren Falle von einer stark gedämpften Welle, und das ist ein sehr wichtiger Punkt für den Praktiker in der drahtlosen Telegraphie. Die oszillatorische P^ntladung eines Leydener Flaschenkreises gibt aber noch nicht so ohne weiteres die Möglichkeit, drahtlos zu telegraphieren. N. F. VI. Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 53 Der Grund ist leicht einzusehen, wenn man die Wirkung einer lose in der Hand gehaltenen Stimm- gabel etwas näher ins Auge faßt. Beim .-Xnschlagen nehmen die Zinken sehr viel Energie auf; trotz- dem muß man die Gabel schon sehr nahe ans Ohr bringen, um nur einen äußerst schwachen Ton wahrzunehmen. Es liegt dies daran, daß die Zinken in jedem Moment gegeneinander schwingen, weshalb die Wirkung nach außen aufgehoben wird. Analog verhält es sich mit dem elektrischen Schwingungskreis. Für jeden Punkt desselben gibt es einen symmetrisch gelegenen Punkt, durch den die gleiche Elektrizitätsmenge zu gleicher Zeit nach entgegengesetzter Richtung fließt. Eine Wirkung nach außen kann also auch hier nicht vorhanden sein. Die Energie muß aber an die Umgebung ab- gegeben werden, wenn sie an entfernten Stellen im Räume zur Wirkung gebracht werden soll, und gerade das leisten die spezifischen Anordnungen von Hertz, die kurz aus folgendem bestehen. Die Sekundärpole eines in bekannter Weise be- tätigten Induktoriums verbindet man mit einem Draht, der durch eine I'unkenstrecke unterbrochen ist. An beiden Seiten kann man zur Vergröße- rung der Kapazität des Systems metallische Platten anhängen, doch ist dies nicht unbedingt erforder- lich. Sobald der Entladungsfunke in der Funken- strecke auftritt, wallt wieder die Elektrizität in der beschriebenen Weise hin und her. Was nun aber während des zeitlichen Verlaufs des Schwingungs- phänomens hier geschieht, das zeigt die folgende Figur 3. Man erblickt die beiden Kugeln der Fig. 3- Funkenstrecke, welche durch die Elektrizitätsquelle entgegengesetztes Vorzeichen haben. Es bilden sich die früher angedeuteten elektrischen Spannungs- kurven , welche sich immer weiter ausbreiten. Jetzt wird plötzlich die Elektrizitätsquelle für einen Moment abgeschaltet. Was geschieht ^ Das elek- trische F"eld in direkter Nähe der Kugeln ver- schwindet, nicht so aber die Feldlinien, welche sich schon ziemlich weit vom Leiter entfernt haben. Der geschilderte elektromagnetische Mechanismus des Äthers ist in Betrieb und kann nicht einfach überall wie durch einen Ruck zum Stillstand ge- bracht werden. Die am weitesten entfernten F'eld- linien breiten sich deshalb weiter aus, und sie können dies nur so tun, daß sie sich als geschlossene Spannungskurven abschnüren. Die ursprüngliche Energie wird so vermindert um die Energie der abgeschnürten Teile, und diese ist nichts anderes als die Energie der Strahlung, die mit Lichtge- schwindigkeit den Raum durchsetzt. Denkt man sich den Vorgang gleichzeitig nach allen Rich- tungen stattfindend, so gelangt man zu der Vor- stellung, daß die elektrischen Druckspannungen sich in Kugelschalen, d. h. nach allen Seiten gleich- förmig ausbreiten. Marconi's Anordnungen waren nun schließ- lich die folgenden : Ein Draht wurde hoch in die Luft geführt (Luftdraht oder Antenne) und unten mit dem einen Pol einer Funkenstrecke ver- bunden, deren anderer Pol in Verbindung mit der Erde gebracht wurde. Das System wird wieder geladen von den Sekundärpolen eines Induktors aus. Eine vergleichende Betrachtung läßt nun ohne weiteres erkennen, daß diese Marconi'sche Anordnung vollständig identisch ist mit einem senkrecht gestellten Hertz'schen Oszillator, dessen eine Hälfte durch den Luftdraht, dessen andere Hälfte durch die Erdverbindung ersetzt ist. Mar- co n i selbst hatte zwar andere, irrtümliche Vor- stellungen darüber, und diese haben lange Zeit die Entwicklung gehemmt, bis der Sachverhalt durch deutsche Professoren wieder klargestellt wurde. Der eigentliche Grund aber, weshalb Marconi mit seinem Sender nicht über etwa 25 — 30 km telegraphieren konnte, ergibt sich aus einer einfachen Betrachtung der Energieverhält- nisse. Die zu entwickelnde Energie hängt ab von zwei Faktoren, nämlich von der Kapazität und der Spannung. Die elektrische Kapazität eines solchen einfachen Drahtes ist sehr gering, und es sind uns auch zur Vergrößerung derselben sowohl aus theo- retischen wie praktischen Gründen enge Grenzen gezogen. Was die Spannung angeht, so wächst solche allerdings mit größer werdenden Funken- strecken; allein gleichzeitig wächst auch deren Widerstand, der aber bekanntlich möglichst niedrig gehalten werden soll. Also auch mit diesem zweiten Energiefaktor kann man nicht nach Belieben ope- rieren. Hieraus ergibt sich, daß in einem solchen einfachen Marconi-Sender nur wenig Energie vor- handen ist, und dieses Wenige wird sofort aus- gestrahlt. Wir haben es hier mit energieschwachen und stark gedämpften Schwingungen zu tun, quasi mit schwachen kurzen elektrischen Tonstößen, die nicht in große Entfernungen dringen können. Ehe über die weitere Ausbildung des Senders zu berichten ist, soll auch noch das Schema der ursprünglichen Empfangsanordnungen Marconi's kurz angedeutet werden. Da ist zunächst der wesentlichste Bestandteil, der Kohärer. Zwischen 54 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 4 zwei Metallelektroden befindet sich in einem kleinen Zwischenraum das Metallpulver. Das Ganze ist in ein isolierendes Röhrchen aus Glas oder Ebonit eingeschlossen und liegt (mit den Elektroden metal- lisch angeschlossen) in einem schwachen, elek- trischen Stromkreis. Obwohl also anscheinend eine vollständig geschlossene metallische Bahn vorhanden ist, fließt dennoch kein Strom. Es liegt dies daran, daß fein zerteiltes Metall stets an der Oberfläche oxydiert ist, und das Oxyd unterbricht den Strom. Wird nun aber das Metallpulver elektrisch bestrahlt (es genügt z. ß., wenn in der Nähe des Kohärers ein elektrischer Funke erregt wird), so geht eine Veränderung vor. Die Metallteilchen geraten in einen besseren metallischen Zusammenhang, wahr- scheinlich durch mikroskopisch kleine Fünkchen, die zwischen ihnen übergehen, es bildet sich ge- wissermaßen eine metallische Brücke, und der Strom fließt. Dadurch betätigt sich nun in der üblichen Weise, wie bei der gewöhnlichen Tele- graphie, ein Relais, welches einen stärkeren Strom- kreis anschließt, und in diesem liegt ein Morse- schreiber. Wird also der Kohärer erregt, so be- ginnt der Morse zu schreiben, aber er hört auch nicht wieder auf zu schreiben, d. h. es erscheint auf dem Morsepapierstreifen ein kontinuierlicher Strich. Hiermit ist uns aber nicht gedient, viel- mehr soll der Kohärer resp. der Morse immer wieder neue Impulse und diese in ihrer zeitlichen Dauer registrieren. Um dies zu erreichen, ist parallel zum Morse ein Klopfer geschaltet, d. h. eine Vorrichtung wie bei jeder elektrischen Klingel. Dieser Klopfer wird mit dem Morse gleichzeitig erregt und erschüttert sanft den Kohärer. Die Metallteilchen des letzteren fallen auseinander, die Brücke ist zerstört und so der ursprüngliche Zu- stand wieder hergestellt, in welchem der Kohärer für neue Bestrahlung empfänglich ist. Jetzt hat man folgenden Vorgang: Für einen kurzen elek- trischen Impuls erhält man auf dem Morse einen Punkt, für eine länger anhaltende Bestrahlung eine zusammenhängende Reihe von Punkten, d. h. einen Strich. So können wir also auch drahtlos nach dem Morsealphabet telegraphieren, welches ja be- kanntlich ein Kombinationssystem aus Punkten und Strichen ist. Noch ein Wort über die Empfindlichkeit des Kohärers. Der Kohärer ist häufig als das elek- trische Auge bezeichnet worden. Das darf man jedoch nur in übertragenem Sinne auffassen, denn seine Funktion und diejenige unseres Sehorgans haben nicht das mindeste miteinander zu tun. Und was die Empfindlichkeit angeht, so übertrifft die- jenige des Kohärers noch solche unserer aller- delikatesten Galvanometer; im Vergleich dazu ist unser Auge ein ganz grober Apparat. Es erübrigt noch zu bemerken, daß der Kohärer mit seinem einen Pol mit dem Luftdraht, mit dem anderen Pol mit der Erde verbunden wurde. Kehren wir nunmehr zum Sender zurück. Als vorhin auf das Experiment mit der lose gehaltenen Stimmgabel hingewiesen wurde, hat ohne Zweifel mancher den Gedanken gehabt, ja warum setzt man denn nicht einfach die Stimmgabel auf einen Resonanzboden? Die Betreffenden würden in der Tat die moderne drahtlose Telegraphie im Prinzip erfunden haben, und es erscheint auch alles sehr leicht, wenn man nachher den Entwicklungsgang überschaut. Aber meistens gibt es vorher, wenn die Einsicht noch nicht allgemein gereift ist, nur einen einzigen, der den Augenblick ergreift, und das ist der rechte Mann. Dieser rechte Mann war eben Professor Braun. Er sagte sich: Wir haben ja in dem geschlossenen Kreis einer Leydener F"lasche oder eines Systems von Leydener Flaschen die beste Möglichkeit, lang anhaltende Schwin- gungen zu erzeugen und große Energiemengen wie in einem Energiereservoir aufzuspeichern. Damit die Energie auch ausgestrahlt werde, müssen wir diesen geschlossenen Kreis dann mit einem offenen Hertz'schen Oszillator koppeln. Betrachten wir noch einmal die akustischen Vorgänge. Lose in der Hand gehalten, gibt die Stimmgabel fast keinen Ton ab; sie tönt jedoch sofort, wenn man sie auf eine beliebige Unterlage, z. B. auf einen Tisch aufsetzt; allein das Maximum der Tonabgabe erzielt man erst dann, wenn diese Unterlage, dieser Resonanzboden genau den gleichen Eigenton hat wie die Stimmgabel. Der Stimmgabel entspricht der geschlossene Schwingungskreis, dem Resonanz- boden der Luftdraht. Damit letzterer in voll- kommener Resonanz zum Schwingungskreis sei, muß er eben eine ganz bestimmte Eigenschwingung und deshalb eine ganz bestimmte Länge haben. Selbstredend wird in diesem Falle vollkom- mener Resonanz die Energie am schnellsten ab- gegeben ; aber es macht uns keine Schwierigkeit, dieselbe nach Bedarf nachzuliefern. So entstanden Braun's gekoppelte Systeme. Braun unter- schied dabei zwischen einer direkten und indirekten oder induktiven Schaltung. Im ersten Falle sind die Ansätze des offenen Systems direkt metallisch, d. h. galvanisch an den primären Kreis ange- schlossen ; im zweiten Falle wird das offene System induktiv erregt wie in einem Transformator. Prin- zipiell existiert übrigens kein Unterschied zwischen beiden Schaltungen, und mathematisch läßt sich die eine aus der anderen ableiten. Marconi benutzt für den einen Ansatz des offenen Systems eine möglichst gute P>dverbin- dung. Abgesehen davon, daß dadurch ganz un- nötigerweise die atmosphärischen Entladungen ein- geführt werden, entspricht dies auch nicht den besten theoretischen Erfordernissen. Dieser zweite Ansatz d. h. dieses den Luftdraht gewissermaßen ausbalanzierende elektrische Gegengewicht muß vielmehr, wie die Theorie zeigt, eine ganz be- stimmte Oberfläche haben. Man benutzt deshalb am besten zu dem Zwecke große, gegen Erde isolierte Metallflächen. Über die Schwingungsvorgänge in diesen ge- koppelten Systemen, sowie über viele andere wich- tige Einzelheiten begannen jetzt erst die schwie- rigen Arbeiten der theoretischen Physiker, unter N. 1'. \'I. Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 55 denen an erster Stelle Professor M. VV i e n (Danzig) und Professor P.Drude (Berlin) zu nennen sind. Ks würde über den Rahmen dieses populären .Aufsatzes hinausgehen, wenn darüber berichtet werden sollte ; doch sei wenigstens auf einen wich- tigen Gesichtspunkt hingewiesen, der sich auf die Koppelung bezieht. Man denke sich zwei Pendel, die mit einem horizontal ausgespannten elastischen Draht starr verbunden sind. Da zeigt sich nun ein ganz wesentlicher Unterschied, ob die Pendel nahe beieinander sind, d. h. daß der elastische Zu- sammenhang ein sehr fester ist, oder ob sie weiter voneinander hängen d. h. daß der elastische Zu- sammenhang ein sehr loser ist. Regt man im ersteren Falle das eine Pendel zu Schwingungen an, so gerät auch fast augefiblicklich das zweite Pendel in Bewegung; das ganze System kommt schnell nach ein paar heftigen Schwingungen zur Ruhe. Ganz anders ist die Wirkung im zweiten Falle; jetzt macht das zweite Pendel zwar nur sehr schwache aber lange anhaltende Schwingungen. Die beiden P'älle repräsentieren uns die feste und die lose Koppelung. Ganz analog wie diese sym- pathischen Pendel verhalten sich nun auch die gekoppelten elektrischen Systeme, bei denen man nur einen einzigen bestimmten Empfänger, nämlich einen solchen, der auf genau den gleichen Eigen- ton gestimmt ist, alle anderen bleiben stumm. Es sei hier hingewiesen auf zwei bekannte Versuche der akustischen und der elektrischen Resonanz, im ersteren Falle zwei abgestimmte Stimmgabeln auf Resonanzböden, im zweiten F'alle zwei Leydener Flaschenkreise (Lodge- Flaschen) (Fig. 4), die sich durch Verschiebung des Drahtes B genau aufein- ander abgleichen lassen. F l o Fig. Fig. S- die zwischen ihnen wirkenden Kräfte ruhig als solche elastischen Zusammenhänge ansprechen kann. Macht man die Koppelung ziemlich fest, so wird die Energie des primären Kreises fast augenblick- lich auf den Luftdraht übertragen und von diesem sofort ausgestrahlt. Der Effekt ist derjenige einer gewaltigen Explosion. Wir operieren da mit Leistungen bis zu Hunderten und Tausenden von Pferdekräften, so daß es gar nicht so wunderbar i"t, daß wir selbst über den Ozean elektrisch hin- übc: donnern. Diese Kanonenschüsse haben aber einen c;'oßen Nachteil, sie erregen nämlich jeden beliebigen Empfänger. Ganz anders verhält es sich bei der losen Koppelung. Jetzt wird die potentielle Energie des primären Kreide i nur sukzessive, gewissermaßen löft'ehveise auf den Luftdraht übertragen, und wir sorgen noch in besonderer Weise dafür, daß sie von ihm nur langsam ausgestrahlt wird. Jetzt er- zeugen wir einen zwar nur schwachen, aber lange anhaltenden Ton, und wir können ein wichtiges Problem damit lösen, nämlich das der Abstimmung. Der reine, schwache, lang hinhallende Ton erregt Nur dem einen System wird mechanische, be- ziehungsweise elektrische Energie zugeführt, und trotzdem gerät auch das neutrale zweite System in heftige Pulsationen, was sich bei der resonieren- den Stimmgabel durch lautes Tönen, bei dem resonierenden Leydener Flaschenkreis durch heftige elektrische Funkenbildung zu erkennen gibt. Be- dingung für diese interessante Erscheinung ist der absolute Isochronismus der Schwingungen der sich beeinflussenden Systeme. Verstimmt man nämlich nunmehr das eine gegen das andere, so bemerkt man, daß die Resonanzwirkung sowohl bei den akus- tischen wie bei den elektrischen Systemen ausbleibt. Ebenso wie der Sender, so wurde natürlich auch der Empfänger entsprechend den modernen Errungenschaften umgestaltet. Auch hierüber muß von weiteren Beschreibungen an dieser Stelle Ab- stand genommen werden, jedoch sei erwähnt, daß speziell der Empfänger zu einem sehr schwach gedämpften und deshalb höchst resonanzfähigen System ausgebildet werden konnte. Gegen den hoch entwickelten Empfänger steht der Sender noch weit zurück. Der hauptsächlichste Grund 56 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 4 dafür ist der, daß wir leider immer noch im pri- mären Kreis des Senders die leidige Funkenstrecke nicht entbehren können, welche viel Energie kon- sumiert und die Schwingungen stark dämpft. Was man trotzdem in punkto Abstimmung durch Anwendung von loser Koppelung erreichen kann, das soll nunmehr durch Vorführung der Modelle für drahtlose Telegraphie, welche typisch für unsere modernen Anordnungen sind (Fig. 5), gezeigt werden. (Es wurde nun im Vortrag mit je zwei Sen- dern und zwei Empfängern die Ausbildung der Ab- stimmung und vermittels derselben die drahtlose Mehrfachtelegraphie experimentell demonstriert. Die zwei Sender gaben gleichzeitig eine Anzahl unter sich verschiedener Telegramme und jeder der beiden Empfänger klapperte ganz unbeeinflußt nur das für ihn bestimmte Telegramm herunter. Die Morsestreifen zeigten keinen einzigen falschen Punkt oder Strich; die Selektion war eine ab- solut vollkommene. Ich füge hinzu, daß wir heute bei den großen Stationen gleichzeitig ohne Störung mit differenten Wellenlängen arbeiten können, die sich nur um einige Prozente der Schwingungszahl unterscheiden.) Es ist klar, daß die Möglichkeit einer so scharfen Abstimmung es mit sich bringt, daß man es in der Hand hat, sich auf irgendwelche wirksame Schwingungen einzustellen, d. h. daß man fremde Telegramme abfangen kann. Denn wer Ohren hat, der hört, wer Augen hat, der sieht, und wer die erforderlichen Schwingungskreise und einen Detektor für elektrische Wellen besitzt, der bringt eben diese zu seiner Wahrnehmung. Das liegt in der Wesenheit der drahtlosen Telegraphie be- gründet, ist aber ohne Zweifel ihr großer Nachteil im Vergleich zur Draht- oder Kabeltelegraphie, die nur bestimmte Punkte miteinander verknüpft. Dieser Nachteil läßt sich wesentlich dadurch ab- schwächen, daß man nicht nach dem gewöhnlichen Morsealphabet, sondern nach einem vereinbarten Code telegraphiert, wie es z. B. im russisch-japa- nischen Kriege geschah, wo die deutschen ,,Tele- funken"- Apparate eine bedeutende Rolle gespielt haben. (Schluß folgt.) Kleinere Mitteilungen. Gehirn und Kultur. — Auf Grund möglichst einwandfreier Beobachtungen konnte bewiesen wer- den, daß bei Personen, die ihre Mitmenschen durch geistige Fähigkeiten überragten, in der Regel auch das Gehirngewicht den Durchschnitt mehr oder minder übertraf Darüber, wie sich in dieser Be- ziehung die auf niedriger Kulturstufe stehenden Rassen zu den hochkultivierten Zweigen des Men- schengeschlechts verhalten, ist jedoch noch recht wenig bekannt. Es darf angenommen werden, daß allgemein einem geringeren Gehirngewicht eine niedrige Entwicklungsstufe entspricht; dies be- kräftigen die Ergebnisse von Wägungen der Ge- hirne nordamerikanischer Neger, welche Dr. Georg Buschan in seiner jüngst erschienenen Schrift „Gehirn und Kultur" *) mitteilt. Während bei den Negern (42) ein Gewicht bis 1200 g in 9,2% der Fälle, von 1200 — 1300 g in 22,6 "„, von 1300 bis 1400 g in 31,8%, von 1400 — 1500 g in 22,8 "/„ und von mehr als 1500 g nur in 13,6% der Fälle vorkam, betrug das Gehirngewicht von Europäern (448) bis 1200 g in 3,2 %, 1200—1300 g in 16,3 »'0, 1300— 1400 g in 32,3%, 1400— 1500 g in 29,0%, mehr als 1500 g in 19,9% der Fälle.-) Weitere Vergleiche sind durch Feststellungen des Schädel- binnenraumes ermöglicht , der unter normalen Umständen mit der Masse des Gehirns im Ver- hältnis steht. Werden Buschmänner und Hotten- totten, sowie Australneger, als Repräsentanten der am weitesten zurückgebliebenen Rassen ausgewählt, so führt eine Gegenüberstellung mit Europäern (Deutschen) hinsichtlich der Schädel- kapazität zu folgendem Resultate. Schädelkapazität ccm HoUentotten- Buschmännner (49) Australneger (95) Deutsche (387) bis 1200 1201 — 13CO 1301 — 1400 1401— 1500 über 1500 50i9 "io 32,6 „ 16,5 „ 45i2 % 26,3 11 23il 1, 5.4 1. 8,3 "/o '7,o „ 23,2 „ 25,1 ,. 26,4 „ Verlag von J. F. Bergmann in Wiesbaden (1906). Nach Marchand , Über das Gehirngewicht des Men- schen. Abhandl. d. math.-phys. Kl. d. k. Sachs. Ges. d.Wissensch. 1902. (Zit. bei Buschan.) Bemerkenswert ist der große Schädelbinnen- raum bei den Chinesen; er beträgt bei bloß 35,4 "j^, der von Buschan angeführten 108 Individuen bis 1400 ccm, bei 31,5 "/o MOi — 1500 ccm, bei den übrigen mehr als 1500 ccm; es wird der mehrere Jahrtausende lang, wenn auch langsamen aber doch kontinuierlich anhaltenden Züchtung der Zivilisation zugeschrieben, daß das Gehirnvolumen und dem- entsprechend auch der Schädelbinnenraum der Chinesen zugenommen haben. In ähnlicher Weise ist innerhalb einer und der- selben Rasse der Schädelbinnenraum bei gebildeten Personen und bei Städtern größer als bei unge- bildeten Leuten und bei der Landbevölkerung. Wenn die Berechnung des Binnenraumes nicht möglich ist, so ergibt der Horizontalumfang des Schädels schon ein ziemlich zuverlässiges Anzeichen für die Größe der Kapazität, die als Maßstab der intellektuellen Fähigkeiten angenommen wird; hier- bei findet Buschan, „daß Männer, welche geistig besonders hoch stehen, einen größeren Horizontal- umfang des Kopfes besitzen als die Gebildeten, und diese wiederum einen höheren als die übrige N. F. VI. Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 57 Masse des X^olkes", was die WahrscheinHchkeit nahelegt, ,,daß der Kopfumfang primitiver Völker kleiner ausfallen muß als beim Europäer". Als Beispiel wird der Horizontalumfang des Kopfes bei Deutschen und bei Australnegern angegeben; es resultiert : bei den Australn. bei den Deutschen (in llorizontalumlang (201) (429) in Prozenten bis 490 min 26,9 9,2 von 491—500 mm 22,4 1 1,1 ,, 501 — 510 „ 19,9 iS,3 , 511—520 „ 12,=; 20,1 „ 521—530 „ 11,0 iS,3 „ 531—540 .. 5-0 14.4 „ 541-550 .. 1,9 S.5 „ 551—560 „ 0,4 1,8 Für die endgültige Entscheidung der Frage, ob Breit- oder Langköpfe ein größeres Gehirn be- sitzen, mangeln zureichende Grundlagen. Morselli konnte keinen Einfluß der Schädelform auf das Hirngewicht konstatieren ; Ranke fand, daß die Breitköpfe im Durchschnitt eine bedeutendere Schädelkapazität besitzen als die Langköpfe; sie betrug bei modernen Schädeln aus Bayern: Lang- köpfe 1386 ccm, Mittelköpfe 1442 ccm, Breitköpfe 1463 ccm. Auch Matiegka gelangte zu ähnlichen Ergebnissen. Buschan vertritt die Ansicht, es sei ausgeschlossen, „daß irgendwie die Rasse, insofern sie lang- oder kurzköpfig ist, bei dem Auftreten schwererer Gehirne eine ausschlaggebende Rolle spielen solle"; er neigt vielmehr zu der Annahme, daß ,, stärkere Inanspruchnahme des Gehirns eine Vermehrung seiner spezifischen Elemente zur Folge hat." Wie bei anderen Organen, die an Masse zu- nehmen, wenn an ihre Tätigkeit erhöhte Anforde- rungen gestellt werden, sei das beim Gehirn ebenso der Fall. Buschan gelangt zu dem Schluß, daß solchermaßen durch Übung vergrößerte Gehirne vererbbar sind und daß die im Laufe der Zeit statt- gefundene Zunahme des Gehirnvolumens als eine Folge der fortschreitenden Kultur zu deuten ist. Hierbei muß jedoch berücksichtigt werden, daß eine angestrengte geistige Tätigkeit meist erst in einer Lebensperiode beginnt, da das Wachstum des Gehirns nur noch unbedeutend oder aber be- reits abgeschlossen ist. Man kann hingegen Dr. L. W'oltmann zustimmen, wenn er sagt, das sub- stantielle Wachstum ist beim Gehirn „viel mehr als bei allen anderen Organen eine primäre, von der Übung unabhängige spontane Selbstgestaltung, von welcher die Funktion nicht getrennt werden kann. Eine solche physiologische Eigenart schließt auch eine Erwerbung von Eigenschaften aus".'j Wenn in einer kulturell hochdifferenzierten Ge- sellschaft die (jehirne größer sind als in einer weniger entwickelten, so ist damit keineswegs die Auffassung gerechtfertigt, die Kultur sei der ur- sächliche Faktor; sondern „dies hat seine Ursache in Keimvariationen und Auslese und darauf beruhen- der erblicher Steigerung von Gehirnvariationen. Diese Gehirne sind es, welche die Kultur schaffen und erhöhen." (Woltmann.) Interesse beansprucht Buschan's Darstellung der Zunahme der Geisteskrankheiten infolge fortschrei- tender Kultur; er vertritt einen durchaus pessi- mistischen Standpunkt und meint, „daß wir der Degeneration in die Arme getrieben werden. Einen objektiven Anhalt dafür bietet uns die stetige Zu- nahme der Geisteskrankheiten, die sich überall dort, wo sich die Segnungen der Kultur geltend machen, bald in höherem, bald in geringerem Grade bemerkbar macht." Für mehrere Staaten wird eine Statistik der Geisteskrankheiten beige- bracht, wonach von 1875 bis 1900 auf je zehn- tausend Einwohner die folgende Zahl Geisteskranker kam. England Irland Preußen ') 187s 1880 26,6 27,6 21,9 24,6 5.7 7,6 1885 1890 1895 1900 29,2 29.9 ? 33.1 29,7 34,4 46,6 10,0 11,7 14,2 16,9 Die britische Enquete über die Entartungsfrage hat wohl recht betrübende Zustände in einzelnen Bevölkerungsschichten zutage gefördert, aber sie war zugleich ein Beweis dafür, daß eine allgemeine und fortschreitendeDegeneration nicht zu befürchten steht, daß keineswegs die Kultur an sich, sondern Begleiterscheinungen, die nicht notwendig mit ihr verbunden sein müßten, für die Entartung eines Teils des Volkes verantwortlich sind.-) Fehlinger. ') Zugrundegelegt ist die Zahl der in den öffentlichen Irrenanstalten Preußens verpflegten Personen. -) Report of the Inter-Departmental Conimittee on Phy- sical Deterioration. London 1904. 3 Bände. Über die Reduktion der Augen bei einer Planarie macht E. Enslin einige höchst bemer- kenswerte Angaben in seiner Arbeit „Dendrocoe- lum cavaticum Fries." Die sorgfältige Unter- suchung des Verfassers, welche die Anatomie und Histologie des genannten Plattwurms in gleichem Maße wie seine Biologie, Verbreitung und syste- matische Stellung berücksichtigt, ist im 62. Jahres- hefte des Vereins für vaterl. Naturk. in Württem- berg ') zweifellos an gebührender Stelle abgedruckt — alljährlich bringen ja diese Hefte viel Vortreff- liches — , doch scheinen mir seine Ergebnisse über den Modus der Reduktion der Augen die Beach- tung eines noch größeren Leserkreises zu ver- dienen. Dendrocoelum cavaticum ist eine augenlose Planarie. Man darf sie jedoch nicht als völlig ') Politisch-anthrop. Revue, 5. Jahrg., S. 407. ') Stuttgart 1906, S. 306 — 360, 1 Tafel. 58 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 4 blind bezeichnen, sondern wenn schon alle Plana- rien lichtscheu sind, so ist unsere Art ein ausge- sprochenes Dunkeltier, dessen eigentlicher Wohn- ort höchstwahrscheinlich die unterirdischen Bäche des schwäbischen Jura sind. Die in der Wahl ihrer Wohnorte zum Ausdruck gelangende Licht- feindlichkeit der augenlosen Tiere erklärt sich offenbar daraus, daß bei ihnen ebenso wie bei anderen Planarien die ganze Haut lichtempfindlich sein dürfte. IVIan kennt unsere Art aus den Quellen, in welchen jene Bäche ans Tageslicht gelangen, man kennt sie ferner aus den lichtlosen Tiefen einiger Alpenseen und, wenn's wahr ist, aus einigen Brunnen in — Europa! Ihre infolge gänzlichen Pigmentmangels weiße Farbe und die Augenlosigkeit stempeln sie zu einem typischen Höhlentier, wie sie auch fast stets zusammen mit in gleicherweise charakterisierten Höhlenschnecken und -Krebsen vorkommt. Der Verfasser stellt fest, daß von den Augen bei Dendrocoelum cavaticum keine Spur zu finden ist. Er nimmt gewiß mit Recht an, daß die augenlose Form durch Rückbildung aus der ihr nahestehenden, mit Augen ausgerüsteten, häufigen Art Dendrocoelum lacteum entstanden ist, und zwar gründet sich diese Annahme auf den gelegent- lichen Fund einer höchst interessanten Z wisch en- f or m. Allerdings wollen auch schon Forel und du Plessis im Genfersee Übergänge zwischen beiden Formen gefunden haben, die durch kleinere Augen ausgezeichnet sein sollten. Aber diese ohne ge- naue Maße mitgeteilten Angaben scheinen das volle Vertrauen nicht zu verdienen, zumal nach den Ermittlungen des Verfassers die Rückbildung der Augen keineswegs durch einfaches Kleiner- werden erfolgt. Die Natur schlägt hier vielmehr einen ganz anderen, sonst noch nicht bekann- ten W e s ein. Fig. I. Schnitt durcli das Auge von Dendrocoelum lacteum (zeigt die Sinneszellen, von einem Pignientbecher umhüllt). Nach Enslin. Jeder Kenner der Planarien weiß, daß sich bei allen Arten häufig ein Nebenauge findet, das aus dem ursprünglichen durch Abspaltung ent- standen zu denken ist. Das Nebenauge besteht gleich dem Hauptauge (Fig. i) aus einer Anzahl Sinneszellen und einem umhüllenden Pigment- becher, doch ist es kleiner und die Zahl der Sinneszellen ist vermindert. Mag man diesen Teilungsvorgang als Mißbildung oder als etwas Physiologisches ansehen, sein häufiges Vorkommen gibt uns den Schlüssel zum Verständnis der vom Verfasser entdeckten Zwischenform. Bei dieser sah man nämlich mit der Lupe an- stelle der Augen eine Anzahl feinster schwarzer Pünktchen, etwa zwanzig auf jeder Seite. Im Mikrotomschnitt ließ sich unter dem Mikroskop Fig. 2. Schnitt durch das Augenareal der Z wi s c Ii e n f or m (zeigt mehrere kleine Augen I, 11, HI anstelle eines großen; e Epithel). Nach Enslin. erkennen , daß diese Pünktchen Augen sind (Fig. 2 I, II, III). An jedem sind Sinneszellen und Pigmentbecher, die integrierenden Bestandteile des Plattwurmauges, zu erkennen. Doch ist ihre Größe sehr wechselnd, ebenso ihre Entfernung vom Epithel (e). Die Zähl der Sinneszellen ist gleich- falls eine wechselnde, sie schwankt zwischen eins — dem häufigsten Falle — und vier. Die Öff- nung des Pigmentbechers wurde nicht wie bei den meisten Planarien nach vorn-außen , sondern fast stets nach hinten gerichtet gefunden. An dieser Öffnung gehen die Sinneszellen, ganz ähn- lich wie beim normalen Auge, in Nervenfasern über. Hinsichtlich ihres feineren Baues sind die Sinneszellen viel weniger differenziert als im nor- malen Auge. Übrigens sollen sich im ganzen Gebiete dieser Augen viele zerstreute Pigmentkörn- chen und Pigmentklümpchen finden. ,,Wenn wir nun versuchen, den im vorher- gehenden geschilderten Befund zu deuten, so ist es wohl zweifellos, daß wir hier ein Zwischenglied zwischen den blinden und den mit zwei höher entwickelten Augen versehenen Dendrocoelen vor uns haben." Die Teilung der Augen bei den mit normalen Augen versehenen Planarien ist ., offenbar der Hebel gewesen , an welchem bei Dendrocoelum cavaticum die Rückbildung der Augen ansetzte. Ein Auge, in welchem einmal die Tendenz zur Teilung vorhanden ist, wird sich auch leicht mehr als einmal teilen. Auf diese Weise erfolgt dann eine immer weiter gehende Isolierung der das Auge zusammensetzenden Teile, und bei dem von mir beschriebenen Tiere haben wir eine solche schon sehr weit gediehene Umformung vor uns. . . . Von hier bis zum völligen Zugrundegehen des Auges ist dann nur noch ein Schritt : und auch N. F. VI. Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 59 dieser Schritt ist bei dem von mir untersucliteii Tiere schon getan. Die im Augenareal liegenden Pigmentkörner, die stellenweise noch in kleinen Haufen angeordnet sind, stellen offenbar die letzten Reste von Augen dar. Wenn sich erst das Pig- ment auflöst, so hat auch die Sehzelle ihren Wert verloren; denn bei der Planaria ist bekanntlich die ganze Oberfläche des Tieres lichtempfindlich. Eine einzelne Sehzelle hat infolgedessen nur Sinn, wenn sie von einer Pigmentzelle umgeben ist." Dr. V. Franz (Helgoland). Opfermut einer Grasmückenmutter. — Ich bin in meinem Garten bei Berlin und rupfe im Vorbeigehen eine trockene Spitze von einer kleinen Blautanne, die dadurch erschüttert wird. Im selben Moment fällt etwas vor meinen Füßen nieder, ein kleines graues Tier, das die sonderbarsten Kapriolen macht. Ich erkenne die kleine Grasmücke „Mönch". Sie liegt auf dem Rücken, dicht vor meinen Füßen, und schlägt und zittert mit den Flügeln, sie springt auf, läuft einen halben Meter vor und fällt auf die Seite, versucht aufzufliegen und fällt wieder auf den Rücken und so fort eine längere Zeit. Der Vogel hatte in der Blautanne ein Nest mit fünf fast flüggen Jungen. Er wollte mich, indem er sich verwundet stellte, anlocken zu seiner Vorfolgung, um mich vom Nest wegzulocken. Bei diesem Vogel hatte ich diese Beobachtung noch nicht gemacht. Wohl bei Wildenten und beim kleinen Regenpfeifer (Strandläufer). Was für eine unendlich lange Reihe von Überlegung gehört dazu, daß ein Tier wahrnimmt und sich merkt, daß Feinde eher die verwundeten, nicht flugfähigen Tiere verfolgen, daß es sich daraufhin mit Bewußtsein krankstellt, um den Feind zu täuschen und daß es schließlich begreift, daß die Entfernung des Feindes vom Nest die Rettung der Jungen bedeutet. Harro Magnussen. Im Anschluß an diese Mitteilung möchte ich mir erlauben, daraufhinzuweisen, daß schein- bare Zeichen eines hochentwickelten Verstandes bei Vögeln ganz außerordentlich häufig vorkommen. Bei näherer Untersuchung aber erweisen sich die scheinbaren Verstandeshandlungen meist als In- stinkthandlungen. Ich erinnere nur an den Nest- bau, der sich den gegebenen Verhältnissen meist in äußerst vollkommener Weise anpaßt. Da aber die jungen Vögel gleich das erste Nest kaum weniger vollkommen bauen als die alten, da ferner oft nur das eine Geschlecht den Bau besorgt, kann von einem Erlernen gar nicht die Rede sein. Der Anblick des Nestes kann dem jungen Vogel un- möglich genügen, um es später ebenso herstellen zu können: Man denke nur an das eigentümliche, innen ausgemauerte Nest der Singdrossel. Wie sollte wohl der junge Vogel, während er in dem Neste heranwächst, in dem Mörtel die Zusammensetzung aus Teilchen morschen Holzes erkennen können, wenn sie sogar dem Menschen lange Zeit unbekannt blieb. — Das Vortäuschen der P^lugunfähigkeit beim Nest ist unter den Vögeln ebenso verbreitet wie das Sichtotstellen unter den Insekten. Wir müssen wohl annehmen, daß dieser Instinkt bei früheren Generationen entstanden ist, indem anfangs die Aufmerksamkeit der Feinde durch ein ungeschicktes Abfliegen in einem geringen Maße vom Neste abgelenkt wurde, daß das un- geschickte Abfliegen sich vererbte und immer mehr vervollkommnete, da immer diejenigen Jungen am meisten Aussicht hatten den Feinden zu entgehen und zur Fortpflanzung zu gelangen, deren Mutter am ungeschicktesten abflog und Flugunfähigkeit vortäuschte. Das, was wir heute an den Vögeln so sehr bewundern , entstand also wohl durch natürliche Zuchtwahl im Laufe vieler Generationen. Ich kann hier nicht näher auf den Gegenstand eingehen. Weiteres findet man in meinem kleinen Buche „Die lungenatmenden Wirbeltiere Schleswig- Holsteins" (Kiel 1906) S. 5 7 ff. Erwähnen möchte ich noch, daß schon Naumann die Sorge der alten Mönch-Grasmücken um die Jungen hervor- hebt. Er sagt: „Dann sieht man die Alten sich oft im Grase hinwälzen, um dadurch die Aufmerk- samkeit von den Jungen abzuziehen" (vgl. Nau- mann, Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas, neue Ausgabe, Bd. 2, S. 158). Dahl. Himmelserscheinungen im Februar 1907. Stellung der Planeten: Merkur ist in der zweiten Hälfte des Monats abends bis '/, Stunden lang im W sicht- bar. Venus kann morgens 2 bis i ','2 Stunden lang gesehen werden. Mars ist gleichfalls morgens etwa 3'., Stunden lang im Skorpion zu sehen. Jupiter steht in den Zwillingen und kann daher noch fast die ganze Nacht hindurch beobachtet werden. Saturn wird Mitte des Monats in den Strahlen der Sonne unsichtbar. Sternbedeckungen: .^m 23. wird der Stern ^ Gemino- rum für Berlin um 8 Uhr 32,4 Min. M.E.Z. abends durch den Mond bedeckt. Er tritt um 9 Uhr 50,2 Min. wieder am West- rande hervor. Am 25. findet um 6 Uhr 38,1 Min. abends eine Bedeckung von d Cancri statt, die um 7 Uhr 45,1 Min. beendigt ist. Verfinsterungen der Jupitertrabanten: .■\m 5. um II Uhr 40 Min. 37 Sek. M.E.Z. ab. Austr. d. II. Trab. „ 6. „ 10 „ 56 „ 45 „ „ „ „ „ I. „ „ ]o. „ 8 „ 24 „ 54 „ „ „ „ „ IV. „ ., 'S- .. 7 ,> 21 „ 13 „ „ „ „ „ I. „ „ 22. „ 9 „ 16 „ 49 „ „ „ „ „ 1. „ Algol -Minima finden statt am 9. um 11 Uhr 3 Min. abends und am 12. um 7 Uhr 52 Min. Das Zodiakallicht kann im Februar am westlichen Abcnd- himmel leicht gesehen werden. Bücherbesprechungen. Die Gartengestaltung der Neuzeit. Von Kgl. Garteninspektor Willy Lange unter !\Iitwirkung für den Architekturgarten von Regierungsbau- meister Otto Stahn. Mit 269 Abbildungen und 8 farbigen Tafeln sowie zwei Plänen. J. J. Weber in Leipzig, 1907. — Preis gebunden 12 Mk. „Die landschaftliche Schönheit eines Fleckes be- ruht großenteils auf der Mannigfaltigkeit der auf ihm sich beisammenfindenden natürlichen Gegenstände, 6o Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 4 und sodann darauf, daß diese sich rein aussondern, zeigt, gehört fast ganz der Natur : sie selbst hat deutlich hervortreten und doch in passender Verbin- wenig dazu getan; und andererseits kann sie gegen düng und Abwechslung sich darstellen. Diese beiden die Ungunst der Natur sehr wenig ausrichten, und Bedingungen sind es, denen die schöne Gartenkunst wo. ihr diese nicht vor- sondern entgegenarbeitet, sind Bauernfrarten. nachhilft: jedoch ist sie ihres Stoffes lange nicht so sehr Meister, wie die Baukunst des ihrigen, und daher ihre Wirkung beschränkt. Das Schöne, was sie vor- ihre Leistungen gering. — Sofern also die Pflanzen- welt, welche ohne Vermittelung der Kunst sich überall zum ästhetischen Genuß anbietet, Objekt der Kunst N. F. VI. Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 6i ist, geliört sie hauptsäclilich der Landschaüsinalerei an." — Das ist das Urteil Seh ope ii h aue r 's über die Gartenkunst seiner Zeit ; und wenn wir heute uns ein Urteil bilden sollen über das, was man uns in der Mehrzahl der Gärten als Werke der Gartenkunst vorluhrt, so müssen wir im ^roßcn und "anzen dem erreichen , wie wir eine Verschiedenheit der natür- lichen l.andschaftscharaktere besitzen." Mit den Augen des Künstlers die Natur zu schauen , dem „Willen in der Natur" zu folgen und ihr Wesen zu erfassen, um das Geschaute zu gestalten und zu veranschau- lichen als — im wahren Sinne des Wortes — leben- Pflanzcngenosscnscliaft der Düne (Bot. Garten zu Dablem bei Berlin). Philosophen zustimmen. Die bildenden Künstler und die Naturforscher verzichten in ihrer Mehrzahl wohl gerne auf den Reiz jener Gebilde, die lediglich „for- mal" und nicht „inhaltlich" die Natur zum Vorbild nehmen ; und sie suchen lieber ästhetischen Genuß in der freien Natur, wie in dem Durchwandern einer mit schlechten Bildern vollgepfropften Kunst- ausstellung. — ■ Und doch ahnt Schopenhauer schon das Werden einer neuen Gartenkunst, wenn er vom englischen Garten im Gegensatz zum französi- schen sagt: „In jenem nämlich wird der Wille der Natur, wie er sich in Baum, Strauch, Berg und Ge- wässern objektiviert, zu möglichst reinem Ausdruck dieser seiner Ideen, also seines eigenen Wesens , ge- bracht." Hier sind also die Forderungen, die Schopenhauer an ein Kunstwerk stellt — Ver- anschaulichung der platonischen Idee der Objekte — im wesentlichen verwirklicht ; nur die .Mannigfaltigkeit tehlt, denn der englische Garten bringt lediglich die Idee der „Auenlandschaft" zur Darstellung. Die Natur aber bietet dem Künstler eine unerschöpfliche Fülle von Objekten , und es setzt uns in Erstaunen, daß Schopenhauer, einmal so weit gelangt, nicht den kleinen Schritt weiter wagt und für den Garten- künstler die gleichen landschaftlichen Motive wie für den Maler beansprucht. Diesen Schritt zu tun — fast ein Jahrhundert nach der Drucklegung der „Welt als Wille und Vorstellung" — unternimmt der Verfasser eines vor kurzem er- schienenen, eigenartigen und anregenden Werkes über Gartenkunst — Willy Lange. „Immer ist der Garten ein umzäuntes Stück der Landschatt, in der er liegt. Aus ihr entnehmen wir also die Gestaltungs- motive und werden so eine Verschiedenheit der Gärten Architeivtouiseher Rahmen. 62 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 4 diges Bild — als Garten, das ist die Aufgabe des Gartenkünstlers. Der Grund, weshalb die Maler und Kunstschrift- steiler , die sich in neuerer Zeit so eifrig mit den Problemen der Gartenkunst beschäftigen , nicht auf den von Lange ausgesprochenen Gedanken gekom- men sind, liegt lediglich daran, daß ihnen die Kennt- nis der gärtnerischen Praxis, die Kenntnis des Mate- rials und die damit verbundene Einsicht in die Lehren der Naturwissenschaften fehlte. Und daraus resultiert dann ihre Neigung , wieder zum geometrischen und architektonischen Garten zurückzukehren ; sie begehen also denselben Fehler, den sie an den Kunstgewerb- lern der alten Schule rügten : daß sie ihrem Material nicht gerecht würden ; denn „jeder Stoff muß nach seinem Willen, d. h. der ihm eingeborenen Eigenart, gestaltet werden. Nur wo die Form der Ausdruck des Inhaltes ist, wird uns heute nach einer wirklichen Renaissance des Kunstsinnes, die Gestaltung zum Stil." — Das Material aber, die Mittel des Gartenkünstlers sind lebendige Organismen, die in ihrer Entwicklung und ihren Eigentümlichkeiten mit dem Interesse des Forschers studiert sein wollen; und erst dann, wenn man innerlich überzeugt ist, es mit Lebewesen zu tun zu haben, wird man es als Unnatur und als unkünst- lerisch empfinden, mit ihnen wie mit toten Objekten umzuspringen. Das tut man aber, wenn man keine Rücksicht auf die Lebensbedingungen der Pflanzen nimmt, wenn man gewaltsam trennt und vereinigt, wo die Natur das Gegenteil will; einerlei, ob das im sogenannten Naturgarten geschieht, oder ob man „will- kürlich bunte Blumenkringel in geometrischen Um- rissen" pflanzt. Für den Gartenkünstler der Neuzeit genügt es nicht mehr, daß er mit der Kultur der einzelnen Pflanzen vertraut ist , sondern er muß sich die Er- rungenschaften der wissenschaftlichen Pflanzenökologie zunutze machen , muß die Pflanzengenossenschaften in der Natur kennen lernen, da in Zukunft sein Ma- terial nicht mehr die isolierte Pflanze ist, sondern der Pflanzenbestand, durch den eine Landschaft ihren Charakter erhält. Wir haben im neuen botanischen Garten zu Berlin die beste Gelegenheit, künstlich geschaftene Pflanzen- genossenschaften kennen zu lernen, die lediglich nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten zusammengestellt wurden, indem man die Bodenverhältnisse und die Flora der Düne (s. Abbild.),') des Erlenbruches, des Moores usw. nachahmte. Diese .Anlagen beanspruchen vor allem ein großes didaktisches Interesse ; denn abgesehen davon, daß der Lernende sich rasch eine Vorstellung von einer bestimmten Pflanzengenossenschaft machen kann, ist nicht zu verkennen , daß trotz des kleinen Raumes, der den einzelnen Florengebieten zugemessen wurde, für den, der zu schauen vermag, der Stimmungs- gehalt der Originallandschaften in ihnen zum Aus- druck gelangt. — Um diesen Stimmungsgehalt einer Landschaft zu erkennen , muß man allerdings bis zu ') Die Abbildiuigeu wurden als Illiistrationsproben aus dem Lange'schen Werke vom Verlage freundlichst zur Ver- fügung gestellt. einem gewissen Grade künstlerisch empfinden können und um das Angeschaute zu gestalten , muß man ein Künstler sein. — Welcher Mittel bedient sich nun der Gartenkünstler, um seine Anschauung, die „Idee" der darzustellenden Landschaft zum Ausdruck zu bringen und dem Beschauer zu offenbaren? Eine bloße Wiederholung der Natur, wie im botanischen Garten, ist keine künstlerische Tat, obwohl künstle- rischer Takt auch hier die wissenschaftliche Beobach- tung unterstützen kann. „Kunst ist Steigerung der Natur zur Idee hinan", sagt Lange, und wenn wir die Natur, die uns um- gibt, künstlerisch steigern wollen, müssen wir ver- suchen , dasjenige Pflanzenmaterial zu benutzen , das uns, gegenüber den einheimischen, oft unscheinbaren Pflanzen, das Wesen der Art oder Gattung besser zur Anschauung bringt; mit anderen Worten: man ver- wende , neben Zuchtformen einheimischer Pflanzen, ausländische Repräsentanten der gleichen Genossen- schaft , die dem Garten als Motiv dienen sollen. — Ein Blick auf die reichhaltigen, vom Autor in Tabellen- form gelieferten Beispiele für Pflanzen der einzelnen tlenossenschaften lehrt uns, welch' eine Mannigfaltig- keit in der Gartengestaltung erreicht werden kann, wie ein einziges Motiv zu variieren ist und ein wie großer Spielraum dem Künstler für seine Phantasie gelassen wird , selbst wenn er allen Gärten einer Villenkolonie den Charakter der ursprünglichen Land- schaft erhalten will. Daß die Dominante, besonders in bezug auf die Farbengebung, durch die Landschaft selbst gegeben ist, erleichtert dem Künstler die Kom- position, sofern er überhaupt ein Organ für das Em- pfinden von Farbenharmonien besitzt. Man könnte allerdings einwenden, daß der Satz von der „Steigerung der Natur" in der Allgemeinheit, wie ihn der Verfasser für die Pflanzentypen aufstellt, nicht anerkannt werden muß. Denn es ist denkbar, daß ein Künstler oder Naturfreund den im Sinne Lange's geschaffenen Garten nicht mit Notwendigkeit als eine Steigerung der ihm lieb gewordenen heimatlichen Landschaft empfindet, obwohl er diesen Garten, ohne Beziehung zur Landschaft, ästhetisch würdigen und als Kunstwerk genießen kann. Interessant ist jedenfalls eine Bemerkung Alexander von Humboldt 's, die durch die Lange'schen Gedanken eine beson- dere Bedeutung im gegenwärtigen Augenblick gewinnt und die ich hier in Erinnerung bringen möchte : „Durch den geheimnisvollen Zusammenhang aller organischen Gestaltung (und unbewußt liegt in uns das Gefühl der Notwendigkeit dieses Zusammenhangs) erscheinen unserer Phantasie jene exotischen Formen wie erhöht und veredelt aus denen , die unsere Kindheit umgaben." Im übrigen kann es nicht meine Aufgabe sein, die ästhetischen Anschauungen des Autors zu disku- tieren ; inwieweit es z. B. berechtigt ist, in den bilden- den Künsten — und zu diesen gehört ja die neue Gartenkunst — neben der Darstellung der Idee noch Gedanken zum Ausdruck zu bringen , wie es Lange unter Berufung auf K 1 i n g e r, B ö c k 1 i n u.a. will, — das zu entscheiden , ist Sache der Künstler und Ästhetiker. N. F. VI. Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 63 Was ich hier vor allem betonen möchte, ist die erfreuliche Tatsache, daß ein Künstler Beziehungen sucht zwischen den Naturwissenschaften, insbesondere der Botanik, und seiner Kunst: wie in den ältesten Zeiten die Nützlichkeit und Schädlichkeit für den Menschen das Einteilungsprinzip für die Pllanzen bil- dete ; wie dann später der Wunsch , Ordnung in die Fülle der Arten zu bringen , zur Aufstellung künst- licher Systeme führte, und in dem Versuch eines natürlichen Systems das Bedürfnis nach Aufklärung der Verwandtschaftsverhältnisse seinen Ausdruck fin- det ; wie endlich das Verlangen, die Beziehung der rtianzen zu ihren Standorten kennen zu leinen, neue Disziplinen — Pflanzengeographie und -ükologie — entstehen ließ: so entwickelte sich aus dem ,,Urgarten", dem Nutz- und Arzneipflanzengarten der Kunstgarten, der seine höchste Blüte in den geometrischen und architektonischen Gärten des iS. Jahrhunderts erlebte. Dann kam der alte englische Garten, in welchem das „Zurück zur Natur" seinen künstlerischen Widerhall findet und schließlich, parallel der Entwicklung der Pflanzenökologie, der neue Garten, gestaltet nach den Grundsätzen der Pflanzenphysiognomik, d. i. „die Lehre von der Beziehung der Pflanze zu ihrem Standort, wie er sich äußert in ihrer Gestalt". Ob die einzelnen Entwicklungsetappen der syste- matischen Botanik und der Gartenkunst in einem ur- sächlichen Zusammenhang stehen, oder ob das allge- meine Kulturniveau in den einzelnen Phasen gleicher- maßen zum Ausdruck gelangt, wird schwer zu ent- scheiden sein. Immerhin bleibt es ein geistvoller Versuch, auch bei einer historischen Betrachtung der Gartenkunst nach Analogien in der Geschichte der Botanik zu suchen, und wie fruchtbar dieser Gedanke für die Neugestaltung der Gartenkunst, wie Lange sie sich vorstellt, werden kann, lehrt der ganze Inhalt dieses schön geschriebenen und reich ausgestatteten Buches. Dr. W. Wächter. nis noch besondere Bec|uemlichkeiten. Es wird sicherlich weiten Kreisen eine sehr willkommene Gabe sein. F. Kbr. Prof. L. Ambronn, Sternverzeichnis, enthal- tend alle Sterne bis zur 6,5. Größe, für das Jahr 1900. Berlin, J. Springer, 1907. — Preis geb. IG Mk. An großen Stern katalogen, die auch für die tele- skopischen Sterne genaue Positionen angeben, ist in der Gegenwart kein Mangel mehr. Diese kostbaren Werke sind aber natürlich nur Fachastronomen zu- gänglich und für SpezialStudien bestimmt. Das Be- dürfnis nach einem handlichen, nach Rektaszensionen geordneten Verzeichnis, das nur die dem freien Auge sichtbaren Sterne enthält und außer den genauen Positionen auch Angaben über Bezeichnung, Hellig- keit, Präzession, Eigenbewegung, Duplizität usw. ent- hält, wird sicherlich von Liebhabern der Sternkunde ebenso, wie von Fachgelehrten gefühlt. Es ist eine sehr dankenswerte Mühe, der sich die Gattin und der Sohn des Herausgebers unterzogen haben, indem sie für 7796 Sterne die nötigen Reduktionsrechnungen vornahmen und die oben angegebenen Nachweisungen hinzufügten. Da die Epoche 1900 der Gegenwart noch sehr nahe liegt, bietet das vorliegende Verzeich- Literatur. Classen, Geh. Reg.-R. Dir. Prof. Dr. A. : Handbuch der an.ilytischen Chemie. 1. Tl. Handbuch der ijualitaüven ehem. Analyse anorgan. u. organ. Verbindgn. 6. umgearb. verm. Aufl. Mit i (färb.) Spektraltaf. (XllI, 341 S.) gr. 8». Stuttgart '06, F. Enke. — 8 Mk. ; geb. in Leinw. 9 Mk. Credner, Prof. Dir. Geh. Bergr. Dr. Herrn.: Elemente der Geologie. 10., unveränd. Aufl. (XVIII, 802 S. m. 624 Ab- bildgn.) gr. 8°. Leipzig '06, W. Engelmann. — 15 Mk. Czuber, Prof. Eman.: Vorlesungen üb. Differential- u. Integral- rechnung. II. (Schluß-) Bd. 2., sorgfältig durchgeseh. Aufl. (VIII, 532 S. m. 87 Fig.) gr. 8». Leipzig '06, B. G. Teub- ner. — Geb. in Leinw. 12 Mk. Durfege, H.: Elemente der Theorie der Funktionen e. kom- plexen veränderlichen Gröfie. In 5. Aufl. neu bearb. von Ludw. Maurer. (X, 398 S. m. 41 Fig.) gr. 8°. Leipzig 06, B. G. Teubner. — 9 Mk. ; geb. in Leinw. 10 Mk. Eggenberger, Dr. Jobs.: Beiträge zur Darstellung des Ber- noullischen Theorems der Gammafunktion u. des Laplace- schen Integrals. 2. .\ufl. (79 S.) gr. 8". Jena '06, G. Fischer. — 2,50 Mk. Hammarsten, ehem. Prof. Olof: Lehrbuch der physiologi- schen Chemie. 6. völlig umgearb. Aufl. Mit I Spektraltaf. (VIII, 836 S.) Lex. 8". Wiesbaden '07, J. F. Bergmann. — 19,60 Mk. ; geb. 21,60 Mk. Nernst, Prof. Dir. Dr. Walth. : Theoretische Chemie vom Standpunkte der Avogadroschen Regel u. der Thermo- dynamik. S- Aufl. I. Hälfte. (S. I — 430 m. 32 Abbildgn.) Lex. 8». Stuttgart '06, F. Enke. — 10 Mk. Oels, Prof. Dr Walt. :■ Pflanzenphysiologische Versuche, f. d. Schule zusammengestellt. 2. vcrb. u. verm. .Aufl. (XIV, 117 S. ra. 87 Abbildgn.) gr. S". Braunschweig '07, F. Vieweg & Sohn. — 3 Mk. ; geb. 4 Mk. Penck, Albr. : Beobachtung als Grundlage der Geographie. Abschiedsworte an meine Wiener Schüler u. .Antrittsvorlesg. an der Universität Berlin. (63 S.) gr. 8°. Berlin '06, Gebr. Bornträeger. — 1 ,60 Mk. Pohle, Prof. Dr. Jos.: Die Sternenwelten u. ihre Bewohner. Zugleich als erste Einführg. in die moderne Astronomie. 5., aufs neue verb. u. ergänzte Aufl. Mit I Karte, 4 färb, u. 12 schwarzen Tat., sowie 31 Abbildgn. im Text. (XII, 508 S.) gr. 8». Köln '06, T. P. Bachem. — 8 Mk. ; geb. 10 Mk. Walther, Prof. Jobs. : Geologische Heimatskunde v. Thürin- gen. 3. ergänzte Aufl. Mit 120 Leitfossilien in 142 Fig., XVI Profilen im Texte u. e. geolog. Übersichtskarte. (X, 253 S.) 8". Jena '06, Gustav F'ischer (Umschlag '07.) — 3,50 Mk. : geb. 4 Mk. Briefkasten. Herrn V. L. in Pola. — Daß man zur Bezeichnung der Kraft meist den Buchstaben p gebraucht, mag wohl mit dem englischen ,, power" zusammenhängen. Für die Last wählt man dann q, weil es der folgende Buchstabe im Alphabet ist. Herrn F. — Durch freundliche Vermittlung von Herrn Geb. Regierungsrat Prof. Dr. L. Wittmack erhalten wir als Antwort auf Ihre Frage: ,,In welcher Weise findet die Urti- cacee Böhmeria nivea (Ramie oder Chinagras) bei der Her- stellung der GlühstrUmpfe für Gasglühlicht Verwendung?" die folgende Antwort über die Hauptübcrlegenheit des Ramie- strumpfes in seiner Formbeständigkeit der Flamme gegenüber: „Man kann einen Baumwollkörper noch so sorgfältig impräg- nieren und abbrennen, er wird immer nach mehreren Stunden Brenndauer anfangen sich gegen die Spitze zu verjüngen, in- dem der Mantel sich einwärts gegen den, den Körper halten- den, Magnesiastift einzieht. Dadurch wird aber der Glüh- körper zum größten Teil aus der heißesten Flammenzone ge- 64 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 4 zogen, und ein bedeutender Liclitverlust ist die Folge. Ist ein Kiimiekörper aber sorgfältig behandelt, so ist sein Aschen- gerüst fast indifferent den Flammeneinwirkungen gegenüber ; und bis über looo Stunden Brenndauer ist die Lichtabnahme nachgewiesenermaßen nur geringfügig. Einen zweiten , aber weniger bedeutenden Vorteil des Ramiekörpers bildet der Umstand, daß er im imprägnierten, flachen Zustand gegen Staub etc. lange nicht so empfindlich ist, auch sich in diesem Zustand, ohne Schaden zu nehmen, länger aufbewahren läßt, als der Baumwollkörper. Aus diesen Gründen hat auch in der deutschen Glühstrumpf-lnduslrie der Ramiekörper seinen Vorgänger, den Baumwollstrumpf, fast verdrängt, und nur für spezielle Beleuchtungsarten oder auf besondere Bestellung werden momentan noch Baumwollkörper geliefert." Deutsche Gasglühlicht- Aktiengesellschaft (Auergesellschaft). Herrn G. B. in Tübingen. — Die Dreiteilung eines be- liebigen Winkels mit Lineal und Zirkel ist nicht möglich. Dagegen sind mit Benutzung anderer Hilfsmittel eine Anzahl Losungen gegeben worden, über die Sie in Adler, Theorie der geom. Konstr. (Leipzig, Göschen, 9 Mk.) näheres finden. Wir werdem demnächst ein originelles Instrument zur Trisek- tion eines Winkels abbilden. Herrn Schuldirektor B. in B. — L Über die Entstehung von Haarballen im Magen von Pflanzenfressern finden Sie Auskunft in der Naturw. Wochenschr. vom 15. April 1906 p. 246, Anmerkung 2. — 2. Das übersandte Gestein ist ein durch Eisenoxydhydrat verkitteter Kies. Eisenhaltiges Wasser schlug zwischen den einzelnen Kiesgeschieben die Eisen- verbindung nieder. Herrn F. in S. (Ostpreußen). — Über Roburit (vom latein. robur = die Kraft) gibt der Erfinder desselben Dr. Karl Roth (Frankfurt a. M.) neuerdings in der Frankfurter Zeitung u. a. die folgende Auskunft : ,, Augeregt durch die Tatsache, daß früher durch die Be- nutzung des Schießpulvers und des Dynamits im bergbau- lichen Betrieb alljährlich eine große Anzahl von Menschen- leben der Eigenschaft dieser Substanzen , schlagende Wetter zu zünden, zum Opfer fiel, begann ich, mich im Jahre 18S4 zu Berlin, wo ich auf Antrag des Königlichen Polizeipräsi- diums als Sachverständiger für Chemie vereidet worden war, mit Versuchen zu befassen, die darauf gerichtet waren, dem gefahrlichen Verhalten der genannten Sprengmittel wirksam zu begegnen. Aus dieser langwierigen, in mehr als einer Hinsicht dornenvollen Untersuchung ging als Ergebnis der Sprengstoff Roburit hervor. Die praktische Erprobung meiner Laboratoriumserzeugnisse hatte mein Freund , der jetzt noch in Jena lebende pensionierte .\rtilleriehauptmann und ehe- malige Unterdirektor des Königlichen Feuerwerks-Laboratoriums in Spandau, übernommen, ein ebenso hervorragender Spreng- techniker wie aufopferungsfähiger und erfolgreicher Förderer meiner von ihm in die Praxis des Bergbaues getragenen che- mischen Arbeit. Wenn ich behaupte, daß sich in dem aus meiner Hand hervorgegangenen Sprengstoff mit der Eigenschaft, schlagende Wetter nicht zu zünden, ein absolut passives Verhalten gegen alle nur immer denkliaren mechanischen Einwirkungen wie Stoß, Schlag und Reibung paarte, und daß er nur unter dem Einfluß eines Detonators zur Explosion zu veranlassen war, so spreche ich damit nicht ein eigenes Urteil aus , sondern das der ersten Sachkenner nicht nur Deutschlands, sondern des gesamten Kontinents.'^ Roburit besteht einerseits aus in weiten Grenzen ver- schiebbaren Gewichtsverhältnissen Dinitrobenzol, Dinitrochlor- benzol oder Nitrochlornaphthalinen, gegebenenfalls unter Zu- satz von Schwefel , und andererseits aus Ammoniumnitrat als Sauerstoffträger. Herrn M. B. in Leipzig. — Leider kann ich keine Geologie von Sachsen empfehlen, in welcher Sie Fund. Ortsangaben nachlesen könnten. Es gibt eine von einem Chemnitzer Lehrer, Pelz, verfaßte, vor einem Jahre erschienene Geologie von Sachsen, diese ist aber nur ein dürftiger Auszug aus den Erläuterungen der sächsischen geologischen Landes- untersuchung. Vorläufig ist immer noch der alte Frenzel (für Mineralien) maßgebend. C. G. Da ich selbst den Luzerner Gletschergarten seif vielen Jahren kenne und auch seine Entwicklung in der letzten Zeit verfolgt habe, so möchte ich mir erlauben, zu den Notizen der Herren Dr. .Andree und Dr. Gothan im Briefkasten der Nrn. 44 u. 47 v. |. folgendes zu bemerken : Unleugbar hat Dr. G. darin Recht, daß es vorzuziehen wäre, wenn der eigentliche Gletschergarten losgelöst von allem Beiwerk als ein höchst interessantes Naturdenkmal von dem Kanton oder der Stadt Luzern übernommen, gepflegt und umsonst gezeigt würde. Indessen hat es damit in der Schweiz wie bei uns leider noch gute Wege. Die meisten ,, Naturdenkmäler" werden in kürze- ster Frist zerstört, wenn sich nicht ein Privatmann ihrer aus irgend welchen Gründen annimmt. Der Gletschergarten würde ohne private Initiative dasselbe Schicksal gehabt haben. Das Grundstück war nämlich, wenn ich recht unterrichtet bin, ursprünglich als Baugrundstück ausersehen und hatte bei seiner Nachbarschaft neben dem berühmtesten Kunstdenkmal Luzerns und seiner schönen landschaftlichen Lage entschieden einen hohen, jetzt noch sehr gestiegenen Wert. Erst bei den Abräumungsarbeiten wurde man auf die Gletschertöpfe auf- merksam ; und wenn sich nun damals nicht der Besitzer ent- schlossen hätte, unter Verzicht auf die Bebauung und mit Auf- wand nicht unerheblicher Mittel, die Gletschertöpfe freizulegen und zu erhalten, so würden wir überhaupt nichts mehr davon sehen. Soviel ich weiß, hat er bei seinem Unternehmen kei- nerlei Unterstützung gehabt; und es ist daher entschieden be- rechtigt, wenn er sich für sein in dem Garten steckendes Kapital durch Erhebung von Eintrittsgebühren entschädigt. Was die Nebendinge (Museum, Labyrinth, Gletschcrmühle) be- trift't, so scheint mir die letztere ganz instruktiv ju sein; und auch das Museum bietet einiges Interessante (z. B. das Schweizer Relief). Daß allerdings das Labyrinth zusammen mit dem Museum und der künstlichen Gletschermühle den Haupt- anziehungspunkt für das große Publikum bildet, das ist leider eine Tatsache. Sie scheint mir aber nur zu zeigen , daß das Publikum wenig Verständnis für Naturdenkmäler und wenig Geschmack besitzt. Dem Besitzer des Gletschergartens wird man aber wohl keineu Vorwurf daraus machen können, daß er, um zu seiner berechtigten lünnahme zu kommen, das Pu- blikum so beurteilt, wie es wirklich ist. Ich hielt mich für verpflichtet Ihnen Umstände ins rechte Licht zu setzen, weil ich von seifen des Herrn Be- sitzers schon zweimal auf meinen mit einer großen Zahl hiesiger StuiUerender in der Schweiz unternommenen Unterrichts- reisen stets das liebenswürdigste Entgegenkommen erfahren habe und für sämtliche Teilnehmer ohne weiteres freien Ein- tritt bewilligt bekam. Auch das scheint mir zu zeigen , daß der Besitzer durchaus nicht bestrebt ist, sich auf Kosten der wirklichen Interessenten zu bereichern. Heidelberg in Baden. Wilhelm Salomon. Inhalt: Dr. phil. G. Eichhorn: Die moderne drahtlose Telegraphie. — Kleinere Mitteilungen: Dr. Georg Buschan: Gehirn und Kultur. — E. Enslin: Über die Reduktion der Augen bei einer l'hnuiric. — Harro Magnussen: Opfermut einer Grasmückenmutter. — Himmelserscheinungen im Februar 1907. — Bücherbesprechungen: \V. Lange: Die Gartengestaltung der Neuzeit. — Prof. L. Ambronn: Sternverzeichnis. — Literatur: Liste. — Briefkasten. Verantwortlicher Redakteur: Prof. Dr. H. Potonie, Groß-Lichterfelde-Wesl b. Berlin. Druck von Lippert & Co. (G. Pätz'sche Buchdr.), Naumburg a. S. Organ der Deutsehen Gesellschaft für volkstümliche Naturkunde in Berlin. Redaktion: Professor Dr. H. Potoni6 und Professor Dr. F. Koerber in Grofs-Lichterfelde-West bei Berlin. Verlag von Gustav Fischer in Jena. Nene Folge VI. Band; der ganzen Reibe XXll. Band. Sonntag, den 3. Februar 1907. Nr. 5. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Postanstalten, wie bei der Expedition. Der Halbjahrspreis ist M. 4. — . Bringegeld bei der Post 15 Pfg. extra. Inserate: Die zweigespallene Kolonelzeile 40 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt. Beilagen nach Übereinkunft. Inseratenannahme durch die Verlags- bandlung. [Nachdruck verboten.] Die moderne drahtlose Telegraphie. Nach einem Demonstrationsvortrag von Dr. phil. G. Eichhorn in Zürich. (.Schluß.) Nachdem nunmehr die der drahtlosen Tele- graphie zugrunde liegenden Prinzipien auseinander- gesetzt und demonstriert sind, wollen wir jetzt auch noch technische Ausführungen von Apparaten und Maschinen, sowie einige Stationen im Bilde betrachten. (Es wurden nun eine größere Anzahl Projektionen vorgeführt, welche eine Vorstellung gaben von der technischen Vollkommenheit der modernen Apparatur und der Stationseinrichtungen, sowie hinwiesen auf die verschiedenen Anwendungs- gebiete.) Wir lassen einige dieser Bilder hier folgen. In Fig. 6 und 9 erblicken wir das Innere einer Station und besonders in der letztern ist die ganze Apparatur deutlich zu erkennen und zwar rechts zum Senden und links zum hlmpfangen. An der Wand sind zwei Induktorien montiert, deren pri- märer Gleichstromkreis hier noch vermittels eines Quecksilberturbinenunterbrechers geöffnet und ge- schlossen wird. In neuesten Anlagen wird meistens primär nicht ein solcher unterbrochener Gleich- strom, sondern Wechselstrom verwendet und zwar unter Benutzung der sogenannten Resonanzinduk- toren, um die langsamen Schwingungen im In- duktor vorteilhaft auszunutzen. Die Selbstinduktion der sekundären Windungen des Induktors, welche in diesem Falle aus möglichst dickem Drahte her- gestellt sind, um den Ohm'schen Widerstand sehr klein zu machen , und die Kapazität der sie be- lastenden Leydener Flaschen veranlassen langsame Schwingungen von einer bestimmten Periode, und zwar wird diese so bemessen, daß sie überein- stimmt mit der Periode des primären Wechsel- stromes. In solchen Resonanzinduktoren wallen jetzt die Elektriziiätsmengen hin und her mit immer größer werdenden Potentialamplituden, bis endlich die Funkenstrecke des primären Schwin- gungskreises durch einen kräftigen Funken, der die wirksamen Schwingungen des letztern einleitet, durchschlagen wird; im nächsten Moment ist dann die Potentialamplitude wieder gesunken und die Funkenstrecke kann, wie es sein muß, wieder voll- ständig nichtleitend werden. Es wird ferner heute nicht mehr eine einfache, sondern eine sogenannte unterteilte Funkenstrecke angewendet, d. h. eine .Anzahl von Funkenstrecken, die in besonderer Weise nach Angabe von Prof Braun in Serie ge- schaltet sind, wodurch es ermöglicht wurde, be- liebige Spannungen ökonomisch auszutiützen. Diese Funkenstrecke, sowie der primäre Senderschwin- 66 Natuiwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 5 gungskreis (Induktionsspule und Leydener Flaschen- system) sind in der Illustration unter den Induk- torien zu sehen. Der Lufidralit wird von außen eingeführt und bald an den Sender, bald an den Empfänger gelegt. Von dem letztern erblickt man auf den Tischen die sämtlichen Anordnungen mit Schwingungskreisen. Direkt neben dem Sender ist ein tmpfangsapparat mit Schloemilch's elektro- lytischem Detektor und Telephon zum Abhören der Morsezeichen aufgestellt und daneben zwei Empfangsapparate mit Kohärer und Morseschreiber, der in der üblichen Weise auf dem Papierstreifen die Zeichen registriert. Illustration Fig. 7 zeigt das Äußere einer Station. Zwischen zwei hohen Masten ist oben isoliert ein Drahtseil ausgespannt, an dem viele Kupferdrähte, von denen jeder in besonderer Weise verseilt ist, befestigt sind. Unten werden die Drähte zusammengefaßt und zum Anschluß an die Schwin- gungskreise in das Stationshaus eingeführt. Mit einem solchen Luftgebilde wird die Entwicklung einer außerordentlich großen Schwingungsenergie erzielt. In ähnlicher Weise geschieht die Anordnung des Luftleitergebildes auf Schiffen (Fig. 8). Die heutzutage außerordentlich weitverbreitete Anwen- dung der drahtlosen Telegraphie im Lotsendienst sowie in der Handels- und Kriegsmarine ist allgemein bekannt. Besonders interessant sind ferner die fahrbaren Stationen Fig. 10, welche von der Luft- schifferabteilung der deutschen Armee mitgeführt werden. Die Apparatur ist auf technisch vorzüg- lich durchgebildeten und leicht beweglichen Wagen montiert, die den schnellsten Kavalleriebewegungen auch außerhalb der guten Hauptstraßen folgen können. Die Kraftquelle besteht aus einem Benzinmotor nebst Zu- behör und einer Dynamo- maschine, die bei 120 Volt bis 20 Ampere leistet, also ca. 2,5 KW, alles auf einem be- sondern Wagen montiert. Un- sere Illustration zeigt den Apparatekarren und sind alle früher erwähnten Anordnungen deutlich zu erkennen. Es wird sowohl der ge- wöhnliche Empfänger mit Kohärer und Morseschreiber benutzt, wie auch besonders auf große Entfernungen der Empfänger mit Schloemilch- detektor und Telephon, welche Anwendung uns Fig. 1 1 vor Augen führt. Der ganze Zug setzt sich zusammen aus einem Offizier , einem Unteroffizier, fünf Soldaten und den Fahrern. Der Luftdraht wird durch Ballons oder Drachen in die Höhe geführt. Fig. 7. N. F. VI. \r. 5 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 67 Die modernste Station für drahtlose Tele- graph i e , die auch wegen ihrer erstmaligen Benutzung zu drahtloser T e 1 e - p h o n i e in letzter Zeit viel von sich reden machte, ist die von der „Telefunken"- Gesellschaft Berlin jüngst errichtete Riesenstation Nauen, ca. 40 km von den Berliner Geschäfts- räumen der Gesellschaft entfernt. Die folgenden Abbildungen mögen eine Anschauung \^on den muster- haften Einrichtungen geben. Figur 12 zeigt den Raum, in dem die elektrische Schwingungsenergie erzeugt wird. Als Stromquelle dient ein Wechselstromdynamo. Der Maschinenstrom wird zunächst von den vorne sicht- baren Hochspannungstrans- Fig. 8. big. 9. 68 Naturwissenschaftliche Wociienschrift. N. F. VI. Nr. 5 formatoren auf looooo Volt transformiert. Die hochgespannten, sekundären Wechsel- ströme laden die gewaltigen Leidener Flaschenbatterien, die zusammen mit der Selbstinduktionsspule (große, kreisförmige, parallel geschaltete Metallröhren von er- heblichem Querschnitt) den elektrischen Schwingungskreis bilden, der sich durch die große vorne sichtbare ringförmige Funkenstrecke in mächtigen Funkenbändern entladen kann. Mit dem primären Schwingungskreis ist in der üblichen Weise das strahlende, offene Luftleitergebilde gekoppelt, das in Nauen zum erstenmal in einer ganz neuen, wirksamen Form ausgeführt wurde; sein Träger ist ein nadeiförmiger, loo m hoher, eiserner Turm, der in Figur 13 ab- gebildet ist. Die Gitterträger vereinigen sich unten am Fuße zu einer einzigen Stahlkugel, die den bedeutenden Turm- druck auf ein Betonfundament überträgt. Der Turm ist gegen Hochspannung isoliert und wird in senkrechter Stellung gehalten durch drei Stahltrossen, die in 75 m Höhe angreifen und an beiden Enden iso- liert sind. Das Luftleitergebilde selbst besteht aus einer größeren Anzahl von in besonderer Weise ver- seilten Drähten, die von der Spitze nach abwärts Fiß ausge.'^pannt sind und eine Fläche von etwa 60000 Quadratmeter bedecken. Das elektrische Gegen- gewicht ist um den Turm herum eingegraben und A *i ■I.. I \. F. VI. Nr. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 69 Fig. 12 1 11 \ m^ i|» .4. t»;* ^1 to IF" V Fig. 14. Fig. 13. 70 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 5 beide Gebilde sind durch den Turm elektrisch miteinander verbunden. Es ergeben sich durch diese neue Anordnung besonders dadurch wesent- liche Vorteile, daß die Drähte der Erde benach- bart sind; auf diese Weise resultiert infolge der wesentlich gesteigerten Kapazität die Möglichkeit der Erzeugung einer bedeutend größeren Schwin- gungsenergie und sehr langer Wellen. Das Telegraphieren geschieht in einem von dem Senderraum entfernt gelegenen Empfänger- raum, in dem man von dem krachenden Geräusch der Funkenentladungen nichts vernehmen kann. Die folgende Abbildung, Figur 14, veranschaulicht die Empfangsanordnungen. Von oben wird der Anschlußdraht des Luftleitergebildes eingeführt, das durch den an der Wand sichtbaren Hebel bald mit dem Sender, bald mit dem Empfänger verbunden werden kann. Auf dem Tisch sind außer dem Morsetaster die früher beschriebenen Em- pfangseinrichtungen deutlich erkennbar. Die maximale Reichweite de Station Nauen beträgt ca. 3000 km und sie versorgt bereits regel- mäßig auf über 2500 km die atlantischen Dampfer mit Zeitungsdepeschen. Der tägliche Verkehr der Station geschieht mit einer Gegenstation bei Peters- burg ca. 1400 km über Land. Besondere Bedeutung hat .Station Nauen wie schon erwähnt in den letzten Wochen bekommen durch erstmaligen Verkehr mit den Berliner Ge- schäftsräumen der Telefunken- Gesellschaft ver- mittels drahtloser Telephon! e. Die Vor- führung geschah in Gegenwart des Staatssekretärs Sydow und war ermöglicht durch die inzwischen erfolgte Entdeckung ungedämpfter elektrischer Schwingungen von genügender Frequenz. Wie früher auseinandergesetzt, bildet bei der bisherigen Funkentelegraphie der elektrische F'unke nur das Mittel zum Auslösen der Schwingungen und zwar nur ein sehr schlechtes Mittel. Erstens wird in der Funkenstrecke viel Energie verschleu- dert, die sich zwecklos in Wärme und Licht ver- wandelt, dann aber, und das ist ihr Hauptnachteil, erlaubt sie nur die Erzeugung stark gedämpfter Wellenzüge. Als Ideal schwebte daher allen Pio- nieren auf dem Gebiete der drahtlosen Telegraphie die Beseitigung der Funkenstrecke und die Er- zeugung ungedämpfter Schwingungen vor. Man mußte in der Lage sein, einen elektrischen Ton in Stärke und Höhe wie einen akustischen Ton dauernd aufreciit zu halten. Der nächstliegende Gedanke war natürlich, zu diesem Zwecke Wechsel- strommaschinen zu verwenden; allein die voll- kommenste Technik konnte die Periodenzahl auch nicht annähernd auf die erforderliche Höhe bringen, wie z. B. die sogenannten Hochfrequenzmaschinen von Tesla dargetan haben. Im Jahre 1899 er- folgte aber eine neue Anregung auf diesem Ge- biete, indem der englische Physiker D u dd el 1 die eigentümliche Tatsache konstatierte, daß unter ge- wis•^en Bedingungen, wenn man an die beiden Kohlenelektroden einer Bogenlampe einen Schlie- ßungskreis mit Ka()azität und Selbstinduktion an- legt, der durch Gleichstrom gespeiste Lichtbogen ertönt, und dabei in dem angeschlossenen Schlie- ßungskreis ein ungedämpfter Wechselstrom auftritt von der Frequenz des Tones. Eingehende ex- perimentelle und theoretische Untersuchungen von Simon und Reich brachten dann zwar die Er- klärung dieses Phänomens ungedämpfter Schwin- gungen, allein in ihren Experimenten waren doch noch nicht die beiden Übelstände beseitigt, welche eine praktische Verwendung behinderten, nämlich die auch hier noch sich ergebende ungenügende Frequenz und geringe Intensität der Schwingungen. Simon hat dann zwar in einer neueren Arbeit die Theorie formuliert und die Wege gewiesen, wie man diese Hindernisse überwinden müsse. In- zwischen hatte sich ein anderer Experimentator, der schon mehrfach Proben seiner originellen Ein- fälle gegeben hatte, nämlich der besonders durch sein ingeniöses magnetisches Telegraphon be- kannte dänische Ingenieur Po ulsen an praktische Studien des Duddell'schen Phänomens gemacht. So glückte ihm eines Tages in Übereinstimmung mit der Simon'schen Theorie eine rapide Steige- rung der Frequenz und Intensität, indem er den Lichtbogen in verschiedene Gase, besonders Wasser- stoff, brachte; eine weitere Besserung ergab die Benutzung von Kupfer als Anode und Kohle als Kathode, sowie die Abkühlung der Anode. Auf diese Weise gelang es Po ulsen, zum erstenmal mit ungedämpften Wellen über größere Strecken drahtlos zu telegraphieren. Gleichzeitig aber war mit dieser Entdeckung auch die drahtlose Tele- phon ie ermöglicht. Denn jetzt brauchte man, wie es jeder Fachmann schon vor Jahren voraus- gesagt hat, nur in der bekannten Weise durch Überlagerung von Mikrophonströmen den Licht- bogen zum Singen und Sprechen zu bringen, um den ausgesandten elektrischen Wellen die mensch- liche Sprache aufzuprägen. Das Prinzip ist das- selbe wie bei der schon sehr alten Methode einer drahtlosen Telephonie vermittels der Lichtschwan- kungen und einer darauf reagierenden Selenzelle. An der Empfangsstation für elektrische Wellen wird jetzt an Stelle der Selenzelle ein mit dem Luftdraht verbundener elektrolytischer Schloemilch- Wellendetektor benutzt, der auf die feinsten In- tensitätsschwankungen der elektrischen Strahlungen reagiert und seine resultierenden Stromschwan- kungen in dem mit ihm verbundenen Telephon wieder in die Sprachlaute umzusetzen gestattet. Mit den bisherigen Mitteln dürfte die Reichweite dieser modernen drahtlosen Telephonie etwa 100 km betragen. Heutzutage spielt auf vielen praktischen Ge- bieten die Wissenschaft eine führende Rolle, aber auf keinem anderen Gebiete war ein so geschlosse- nes Vorgehen von Wissenschaft und Technik er- forderlich, wie auf dem Gebiete der drahtlosen Telegraphie. Auf diese Weise hat sie in der kurzen Zeit ihres Bestehens Enormes geleistet. Unermüdliche und opferfreudige Arbeit ist auf beiden Seiten erforderlich gewesen; aber die Schaffenden fühlen sich belohnt, wenn ihr Mühen wie hier nicht vergebens gewesen ist. N. F. \'I. Nr. s Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 71 Kleinere Mitteilungen, Pyrodinium bahamense n. g. n. sp., die Leucht-Peridinee des „Feuersees" von Nassau, Bahamas. Von L. Plate. (Archiv für Protisten- kunde, VII. Band, 1906.) Die Insel New Providence im Bahama- Archipel bietet dem Naturforscher eine seltene Sehenswürdig- keit in dem sogenannten ,, Feuersee", der von der Hauptstadt Nassau aus leicht zu Wagen in y.. Stunde zu erreichen ist. Er ist ein kleiner, wolil '/., qkm großer See, ,,\Vaterloo- oder Firelake" genannt, der durch einen schmalen, '., km langen Kanal mit dem freien Meere verbunden ist, so daß er stets frisches Seewasser empfäigt. Seine Ufer sind mit dichtem Mangrovegebüsch bewachsen, zwisciien dessen Wurzeln ein reiches Tier- und Pflanzenleben sich abspielt. Am Abend und bei Nacht erglänzt der einsame See in herrlichem Meeresleuchten, wenn der Wasserspiegel irgendwie bewegt wird, ein ganz schwaches und kurzes Nachtleuchten an seine Stelle treten zu lassen. Die Ursache des Leuchtens ist wahrscheinlicli in Oxydationsvor- gängen an Oltröpfchen zu suchen, die in beträcht- licher Anzahl am Hinterende von Pyrodinium er- kennbar sind. Wie bei anderen, schon bekannten Leucht-Peridineen das Aufblitzen durch äußere Reize au>;gelöst werden kann, so auch in unserem Falle. Durch mechanische, thermische und che- mische Reize werden die Pyrodinien zu kurzem Aufblitzen gebracht, jedoch kann diese Erschei- nung sicher auch spontan erfolgen. Die neue Dinoflagellate ist dem bekannten Peridinium ziemlich ähnlich. Der kugelige, im Durchmesser etwa '20 n^^i starke Körper ist von einer vorderen und hinteren Schale umgeben, die ungefähr die gleiche Größe haben und durch ein schmales Gürtelband zusammengehalten werden. Die Vorderschale läuft in einen kurzen Aufsatz, den Apex, aus, der beim Schwimmen nach vorn Fi?. I. Fig. 2. Fig. Fig. I. Pyrodinium bahamense (schematisiert nach Plate). Von unten (ap = Apex, qg := Qiiergeißel, lg = Längsgeißel, fm = Flügfimembran). Fig. 2. Pyrodinium bahamense, .■\nsicht von oben (schcm. nach Plate). '■'g- 3- Pyrodinium baliamense, optischer Schnitt (schcm. nach Plate). (ft = Fclttröpfchen, nu = Kern, öl = Ültröpfchen, clir = Chromatophorea, nb ^ Ncbcnkorper, vac = Valiuole.) sei es durch Ruderschläge, durch den Strudel, den rasch schwimmende Fische erregen, oder sonst eine Ursache. Das. Leuchten kann so stark wer- den, daß der Beschauer deutlich seine Uhr zu er- kennen vermag. Meist ist dies schöne Schauspiel das ganze Jahr über zu beobachten. Nur nach anhaltenden Regenfällen, die den Salzgehalt des Sees beträchtlicii herabsetzen und dadurch die Leucht-Peridineen massenhaft zum Absterben bringen, schwächt das Leuchten stark ab oder setzt sogar ganz aus. Der Erreger dieses Meeresleuchtens ist eine kleine Dinoflagellate, Pyrodinium bahamense, die, mit dem Pianktonnetz gesammelt und in ein Glas mit Salzwasser gebracht, noch tagelang lebt und sich am hellsten Teile der Wasseroberfläche in dichten Scharen zusammendrängt. In größeren Mengen unter das Mikroskop gebracht, kann man an dem Flagellat ein plötzliches, unvermitteltes Aul leuchten beob- achten, das jedoch nur eine Sekunde anhält, um ge''ichtet ist. Das Gürtelband umspannt den Körper annähernd äquatorial und wird jederseits von einer dünnen Ringfalte begleitet, die durch Rippen ge- stützt ist. Die beiden Schalenhälfien werden von je 2 Reihen von Platten zusammengesetzt, die sich um die Pole des Körpers gruppieren und die von- einander durch Leisten getrennt werden. Diese Schalenplatten sind von in Reihen angeordneten Poren durchbrochen. Am Apex erheben sich I bis 3 Stacheln, von denen aus zwei dünne Häut- chen bis zur Ringmembran ziehen. Am hinteren Pole steht gleichfalls ein Stachel , an dem drei nach vorn ziehende Flügelmembranen ihren Ur- sprung nehmen. Die Querfurche ist von 8 lang- gestreckten, schmalen Platten ausgekleidet. In ihr befindet sich die bandförmige Ouergeißel, die mit ihren Enden in der Geißelspalte wurzelt und durch ihre undulierenden Bewegungen das Pyrodinium in Rotation versetzt. In der mit dem Plasmaleib in Verbindung stehenden Geißelplatte nimmt auch 72 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 5 die freischwingende Längsgeißel ihren Ursprung, die weit aus dem Körper hervortritt und das Vor- wärtsschwimmen des Pyrodiniums bewirkt. Bei Reizen wird diese Längsgeißel in den schützenden Trichter zurückgezogen, den die Flügelmembranen der Hinterschale um die Geißelspalte bilden. Das vom Panzer eingeschlossene Protoplasma zeigt feine .Strukturen. Nach außen hin wird es von einer doppelt konturierten Membran begrenzt. Innerhalb des Protoplasmaleibes finden wir in radiärer Anordnung die Chromatophoren (Farb- stoffträger), die die Form von Bändern und Stäben haben und von kräftigen Protoplasmasträngen, die in gleicher Richtung verlaufen, gestützt werden. Weiter nach innen ist das Plasma feinkörnig und schließt den „Nebenkörper" ein, ein Gebilde un- bekannter Funktion. Dieser im Hinterende der Zelle liegende Nebenkörper lehnt sich oft dicht an den ansehnlichen, wurstförmig gestalteten Kern an, der die Mitte der Zelle einnimmt und in den zahlreiche homogene Körnchen eingebettet sind. Dazu kommen noch als Plasmaeinschlüsse die L^etttröpfchen, die in verschiedener Größe und An- zahl meist zwischen den Chromatophoren liegen. Wichtig für das Zustandekommen der Leucht- erscheinung sind wahrscheinlich die glänzenden, kugeligen Öltropfen, die um den Nebenkörper und zwischen den Chromatophoren des Hinterendes verteilt liegen. In der vorderen Zellhälfte läßt sich eine große Vakuole nachweisen. W. Effenberger-Jena. Ein eigentümlicher ,, kernloser Apfel", der durch die beifolgenden Abbildungen in der Außen- ansicht (Fig. i) sowie im Vertikal- und Horizontal- durchschnitt (Fig. 2 u. 3) in '/^ natürlicher Größe ver- (Fig. i), ja, von der einen Seite gesehen (Fig. 2), eine Verbreiterung nach dem Kelche zu, ferner besonders stark entwickelte Wülste sowohl an der Stielseite wie auch am Kelche. Leider ließ sich, da nicht bekannt war, von welchem Baume der Apfel stammte, bei der abnormen Gestalt der Frucht nicht mehr feststellen, welcher Sorte sie angehörte (wahrscheinlich war es einer der eng- lischen Küchenäpfel). Noch merkwürdiger als von außen stellte sich die Frucht im Durchschnitt dar. Es zeigte sich, daß im ,, Kerngehäuse" die Zwischen- wände, welche bei normalen Früchten die ein- zelnen ,, Samenfächer" voneinander trennen (Fig. 4), vollkommen fehlten, wälirend im übrigen ein perga- mentartiges Endokarp wie sonst vorhanden war.') Kerne oder unentwickelte Samenanlagen fanden sich im Innern der so entstandenen Höhlung nicht vor. Zur Entstehung dieses eigenartigen Kerngehäuses gab jedenfalls ein bereits abnorm gebauter und verwachsener l^Vuchtknoten Veranlassung. Daß trotz des Mangels befruchtungsfähiger Samenanlagen ein Wachstum von Fruclitknotenwand und Blüten- boden zu einer Frucht von normalerGrößestattfinden kann, zeigte Müller -Thurgau (Landw. Jahrb. d. Schweiz 1898); er erklärt die F"ruchtbildung in solchen Fällen damit, daß bereits der Reiz des in den Fruchtknoten eindringenden Pollenschlauches genüge, um jenen nicht allein lebensfähig zu er- halten, sondern auch zu weiterem \\'achstum an- zuregen. Während aber bei den von ihm genannten Sorten (Apfel Sonderkern, Lebrun's Butterbirne) der Mangel an Samenanlagen eine erbliche Eigen- schaft der Sorte ist, handelt es sich bei der uns vorliegenden Frucht offenbar um ein abnorm ent- wickeltes Exemplar einer sonst kernhaltigen Sorte. Es wäre zweifellos von Interesse, festzustellen, ob solche oder ähnliche Abnormitäten unter den '"■^^ -•^ '-ir- n Fig Fig. 2. Fig- 3- Fig. 4. anschaulicht wird, fand sich unter der diesjährigen Ernte eines hiesigen Obstgartens. Die äui3ere Ge- stalt des Apfels ist von vornherein auffallend : während sich Apfelfrüchte im allgemeinen nach dem Kelche zu etwas verjüngen und nach der Stielseite hin abrunden, zeigte dieses Exemplar — abgesehen von der auch sonst nicht gerade seltenen, ungleich starken Ausbildung der beiden Hälften — mehr parallel verlaufende Seitenflächen Früchten der Kulturvarietäten unserer Kernobst- bäume auch von anderer Seite bereits beobachtet worden sind. F. Herse (Geisenheim a. Rh.). ') Die auf Fig. 2 sichtbaren aufgerissenen Stellen dieser Wandungen, sog. ,, Wollstreifen", au denen die sklerencliyma- tisclie Schicht von parenchymatischen Zellwucherungen durch- brochen ist, kann man häufig beobachten (vgl. Sorauer, Hdb. d. Pfl.kr., M, S. 324J. N. F. VI. Nr. 5 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 73 Apparat zur Drei-, Fünf- und Siebenteilung eines Winkels. — Im Anschluß an den Artikel in Nr. 25, N. F. Bd. III p. 394 unserer Zeitschrift, bringen wir nachstehend einen Apparat, der eine Drei-, l'~ünf- und Siebenteilung eines Winkels er- möglicht und wahrsclieinlich noch nicht bekannt ist.') Ebenso ließe sich beweisen, daß auch -^ BMC = ^ CMD = -3 DME = -') EMF = -=5: EMG = -^GMH ist. Bilden diese 7 Winkel den Winkel a, so muß jeder von ihnen, da sie einander gleich sind, gleich «'7 sein. Bilden 5 dieser Winkel den Winkel a, so muß jeder also auch gleich 05 sein. Bilden 3 dieser Winkel den jr Winkel «, so muß jeder gleich a/3 sein. Johannes Habermann, Teltow. Es ist: MA' = MB' = MC = MD' = ME' = MF' = MG' = MH' ^ ,\'J = B' I = B'K = CK = C'L = D'L = D'X = E'N = E'O = F'O = F'P == G'P = G'Q = H'Q = JR = KR = KS = LS = LT = NT = NU = OU = OV = PV = PW = QW. Das Prinzip des Apparates beruht darauf, daß die Punkte R, S, T, U, V, W in den Rillen B'B, C'C, D'D, h.'E, F'F, G'G, den geradlinigen Verlänge- rungen von MB', MC, MD', ME', MF', MG', ent- langgleiten und daß in jeder Stellung des Apparates die Winkel bei M einander gleich bleiben. Soll ein Winkel, a, in sieben gleiche Teile ge- teilt werden, so stellt man den Apparat auf die Größe des zu teilenden Winkels ein, indem man MA auf den einen, MH auf den anderen Schenkel von ö legt. Dann ist -'J AMB = '/, -4 a. Will man a in fünf gleiche Teile teilen , so muß der Apparat so weit ausgezogen werden, daß MA und MF die Schenkel von a sind. Dann ist -a AMB = ',,, -4 a. Bei der Dreiteilung des Winkels « muß der Apparatwinkel AMD auf« eingestellt werden. Dann ist -? AMB = i/g -a: a. Beweis : -^ AMB = -4 JB'B ^ JB'B = ^ KB'B ^ KB'B = ^ BMC -=? A'MB = -=4 BMC. ') Die hübsche Idee des Herrn Habermann dürfte unsere Leser interessieren, wenngleich dem Apparat eine praktische Bedeutung kaum zuzusprechen sein wird. Die genaue Aus- führung des im Prinzip einfachen Apparats dürfte doch einen ziemlich hohen Preis desselben bedingen, so daß derselbe mit bereits von anderer Seite ersonnenen, in der mechanischen .Ausführung einfaclieren .Apparaten nicht wird konkurrieren können. Red. Magnetische Verbindungen aus unmagnetischen Elemen- ten. • — Unter den Manganver- bindungen hatten sich bisher das Borid und das Antimonid als magnetisch erwiesen und man hatte gefunden, daß diese Körper sogar durch einen starken rema- nenten Magnetismus ausgezeichnet sind. Prof Wedekind in Tübingen hat nun, wie er mitteilt,') eine Reihe weiterer Manganverbin- dungen auf Ferromagnetismus untersucht. Hier zeigte sich, daß das von Heusler seinerzeit als magnetisch bezeichnete Manganarsenid keine mag- netischen Eigenschaften besitzt. Doch klärte sich dieser Widerspruch bald auf. Es gibt nämlich außer dieser Verbindung von As noch eine zweite, die der Form Mn.^As entspricht, die aus der ersteren durch Erhitzen entsteht und tatsächlich magnetisch ist. Phosphormangan, welches Wedekind durch Einwirkung von flüssigem Mangan auf roten Phos- phor erhielt, erwies sich als magnetisch, ebenso das Phosphormangan, das aus gelbem Phosphor und wasserfreiem Manganchlorür dargestellt wurde. Auch hier findet sich ein Widerspruch mit den Angaben Heusler's, was auf die Existenz mehrerer Phosphorverbindungen desMangans hinweist. Ferner kam Mangancarbid zur Untersuchung. Das auf aluminothermischem Wege gewonnene Produkt ist zwar stark magnetisch, enthält aber Aluminium. Im elektrischen Ofen -) gewann Wedekind aus Manganoxyduloxyd und Zuckerkohle ein Carbid, das sich vom Hufeisenmagnet anziehen ließ. Das Silicid war unmagnetisch. Eine interessante Ver- bindung ist das Manganwismutit, wahrscheinlich von der Form MnBi. Diese zeigte sich als stark magnetisch, obgleich das Wismut stark diamagne- tische Eigenschaft besitzt. Seine Reindarstellung war schwierig. Ferner gelang es Wedekind und Veit, Mangan durch Stickstoff zu magnetisieren. Hierzu wird das Metall im Knallgasgebläse erhitzt und als Stickstofflieferant Ammoniak benutzt. So entsteht das ebenso stark wie Antimonid magne- tische Mangannitrid. Dagegen zeigten die Nitride ') Chem. Ztg. 1906. 76. 920. 2) Siehe auch die vom Ref. demnächst orschemende Originalabhandlung über den elektrischen Ofen. 74 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 5 MngNj und Ma^N, keinen merklichen Ferromagne- tismus. Da sich Mangan auch im 0-strom magneti- sieren läßt, darf man annehmen, daß die hohen Temperaturen hierbei von wesentlicher Bedeutung sind. Andere Manganverbindungen, deren Magnetis- mus sich nicht ohne weiteres nachweisen läßt, sind das Selenid, das Tellurid und das Sulfid. Schließ- lich konnte auch an dem Manganjodür, also einem festen Salz des Mangans, Ferromagnetismus nach- gewiesen werden. VViedemann u. a. wiesen be- reits auf den Magnetismus von Eisen-, Kobalt- und Nickelsalzen hin. Aus den magnetischen Untersuchungen der betr. Verbindungen ist noch hervorzuheben, daß das reine, kompakte Antimonid von der Formel MnSb eine größere Permeabilität besitzt, als das Borid. Auch fand Wedekind, daß die magnetischen Eigenschaften der Manganverbindungen etwa der Größenordnung derjenigen des Eisens entsprechen. Aus seinen Versuchen schließt Wedekind, daß die hohen Temperaturen nicht im Sinne einer Energiezufuhr, sondern chemisch wirken, so zwar, daß die magnetisch stabilen Verbindungen ge- bildet werden, die zugleich den höchsten Mangan- gehalt aufweisen. Lb. Vereinswesen. Deutsche Gesellschaft für volkstümliche Naturkunde (E. V.). — Nach der durch die Satzungen vorgeschriebenen sommerlichen Ruhe- pause nahm die Gesellschaft am Freitag, den 12. Oktober, mit einer Besichtigung der allge- meinen photographischen Ausstellung in den Räumen des Abgeordnetenhauses ihre Arbeit wieder auf. Am Tage darauf, am Sonnabend, den 13. Oktober, hielt im großen Hörsaal VI der Kgl. Landwirtschaftlichen Hochschule Herr Dr. Scheffer einen Vortrag iiber das Thema: „Einiges aus der wissenschaftlichen Photograph ie". Am Montag, den 29. Oktober, sprach an dem gleichen Orte Herr Dr. C. Thesin g iaber: ,,D i e Infusionstierchen, ihren Bau und ihr Leben". . Der Name Infusionstierchen oder Infusorien, so führte der Vortragende aus, ist ein Sammel- name, unter dem man früher eine große Zahl sehr verschiedenartiger und einander fremder Or- ganismen zusammenfaßte, verstand man doch darunter alle diejenigen Lebewesen, welche sich in sogenannten Infusionen, in Wasseraufgüssen auf Heu, trockenem Laub oder Pfefferkörnern nach kürzerer oder längerer Zeit, wie man glaubte, durch Urzeugung einzustellen pflegten. So kam es, daß man nicht nur alle möglichen Arten von Urtierchen, sondern selbst höhere, vielzellige Tiere, Rotatorien und andere als Infusorien zu bezeichnen pflegte. Erst allmählich klärten sich die An- schauungen und der Begriff der Infusionstierchen wurde mehr und mehr eingeengt und erhielt eine festere Umgrenzung. Bis in die neueste Zeit aber faßte man immer noch zwei große und in ihrem Bau recht abweichende Abteilungen des großen Protozoenreiches als Infusorien zu einer Einheit zusammen, die Wimperinfusorien einerseits und die Geißelinfusorien oder Flagellaten auf der an- deren Seite. Jetzt hat man aber auch diese letzte Gruppe von den Infusorien abgetrennt und sie zu einer selbständigen Klasse, den Mastigophoren, gemacht. Der Name Infusorien dagegen ist ledig- lich auf die Wimperinfusorien oder Ciliaten be- schränkt, und nur diese sind es daher auch , mit denen wir uns etwas näher vertraut machen wollen. Der erste Forscher, dem wir nachweislich die ersten sicheren Beschreibungen von ciliaten Infu- sorien verdanken, ist Antonius van Leeuwenhoek. Seine ersten Mitteilungen datieren bereits aus dem Jahre 1676, und seine Angaben sind so vollstän- dige , daß wir einige Arten danach zu erkennen vermögen. So war, um nur ein Beispiel zu nennen, Leeuwenhoek bereits die farbenschöne, im End- darme von Fröschen lebende Opalina bekannt. Bei der Unvollkommenhcit der technischen Hilfs- mittel war den Forschern dieser frülien Periode natürlich noch ein tieferer Einblick in die feineren Organisationsverhältnisse dieser winzigen Lebe- wesen versagt. Als den eigentlichen Begründer der wissen- schaftlichen Infusorienforschung können wir daher erst Christian Gottfried Ehrenberg bezeichnen, dessen Tätigkeit in den Anfang des verflossenen Jahrhunderts fällt, verdanken wir doch diesem aus- gezeichneten Beobachter nicht nur zahlreiche zu- verlässige Angaben über Leben, Ernährung und Fortpflanzung der Infusorien, sondern auch gute Beschreibungen und ausgezeichnete Abbildungen der verschiedensten Arten. Freilich aucii manche Irrtümer liefen noch mit unter. So faßte Ehren- berg die Infusorien noch mit den mikroskopischen Rädertierchen zusammen, ja hielt sie überhaupt für den höheren , vielzelligen Tieren im wesent- lichen gleichwertige Organismen, denen nicht nur wie jenen männliche und weibliche Geschlechts- organe, sondern auch ein mit Drüsen ausgestatteter Darmapparat, ein Nervensystem etc. zukommen sollte. Erst den Untersuchungen Dujardiii's, v. Sie- bold's und Kölliker's war der Nachweis vorbe- halten, daß die Wimperinfusorien einzellige Organis- men sind, daß ihnen im Gegensatz zu den höheren, vielzelligen Lebewesen nur der Wert einer ein- fachen Zelle zukommt. Daß sich diese Erkennt- nis nur sehr langsame Anerkennung zu verschaffen vermochte und anfangs heftig befehdet wurde, darf nicht Wunder nehmen. In der Tat hat bei den Ciliaten die einzelne Zelle eine solche Höhe der Organisation, eine solche Komplikation ihres Baues erreicht, daß kein Unbefangener sie als An- gehörige der einzelligen Urtierchen ansprechen würde. Die Bezeichnung Urtierchen für die Protozoen N. F. VI. Nr. 5 Naturvvisseiiscliaftliche Wochenschrift. 75 und besonders für die Wimperinfiisorien ist daher aucli im höchsten Grade irreleitend, denn ursprüng- Uche Organismen haben wir in den Einzellern ebensowenig vor uns als in den Wirbeltieren oder Insekten. Diese wie jene tragen vielmehr unver- kennbar das Zeichen an sich . daß ilne Art eine lange historische Entwicklung durchgemacht haben müsse. Hätte man früher einen so genauen Ein- blick in den Bau dieser kleinen Geschöpfe gehabt wie heutzutage, so wäre man sicherlich auch nie auf die Idee gekommen, diese- hochorganisierten Tiere könnten einer Urzeugung ihr Dasein ver- danken. Was das Vorkommen der Ciliaten betrifft, so finden wir sie in großer Zahl als Bewohner des süßen Wasser und der Meere und endlich noch als Parasiten auf und in dem Körper anderer Tiere. Das wichtigste Charakteristikum der ganzen Klasse ist in ihren Fortbewegungsorganellen, den Cilien oder Wimpern gegeben. Es sind dieses feinste Härchen, Differenzierungen des Protoplas- mas, die durch ihre schlagende Bewegung nicht nur zur Ortsveränderung dienen, sondern auch in der Regel die Aufgabe haben, Nahrungskörperchen heranzustrudeln. Je nach der Verteilung des Wimperbesatzes auf der Körperoberfläche der Ciliaten teilt man sie ein in Holotriche, Heterotriche, Hypotriche, Peritriche und Suktorien. An der Hand von Wandtafeln und Diapositiven gab der Vortragende dann eine genauere Beschrei- bung der einzelnen Ordnungen und ihrer wichtig- sten Vertreter, um sich dann der feineren Organi- sation eines ciliaten Infusoriums zuzuwenden. Als Beispiel wurde ein Angehöriger der holotrichen Infusorien, Paramaecium, gewählt, und gezeigt, zu welch' weitgehender Differenzierung das Proto- plasma einer einfachen Zelle befähigt. Dann wandte sich Vortragender den interessanten Kern- verhältnissen, den verschiedenen Arten der F"ort- pflanzung und der Konjugation etc. zu. Den Schluß des Abends bildete eine kurze Vorführung der wichtigsten parasitisch lebenden Ciliaten und ihrer Lebensweise. Im Anschluß an den Vortrag fand die dies- jährige ordentliche Hauptversammlung statt. Der I. Vorsitzende, Herr Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Kny, erteilte zunächst das Wort dem I. Schrififüiirer, Oberlehrer Dr. Greif, zur Erstattung des Jahres- berichts. Unter Hinweis auf den Umstand, daß genau vor I2 Jahren an demselben Monats- und Wochentage die Gründung der Gesellschaft statt- gefunden, führt letzterer aus, daß diese auch in dem verflossenen Geschäftsjahre getreu ihren hohen und edlen Zielen in gewohnter Ruhe und Sicher- heit ihren Arbeiten obgelegen habe. Es haben in dem genannten Zeitraum stattgefunden i6 Einzel- vorträge, 1 1 Exkursionen und Besichtigungen, sowie 3 sechs.stündige V'ortragscyklen, insgesamt also 45 Einzeltagungen. Alle öffentlichen Veranstaltungen erfreuten sich einer überaus regen Teilnahme. Auch seitens des im Jahre 1903 in die Erscheinung ge- tretenen Stettiner Zwcigvercins wurde in dem Jahre 1905 eine recht ersprießliche Tätigkeit entfaltet. Unter den dortselbst abgehaltenen 9 Vor- trägen bildete dem Bericht des dortigen Vor- sitzenden zufolge der seitens des Stammvereins zur Verfügung gestellte Vortrag des Herrn Dr. Lohöfer: ,, Herstellung und Verwendung der Kunstseide" einen Glanzpunkt. Auch 3 Exkursionen zur Erweiterung der Kenntnis der heimischen Flora und Fauna wurden vom Stettiner Verein unter- nommen. Der Schriftführer gibt der Hoffnung Ausdruck, daß vielleicht im Laufe des nächsten Sommers bei der in Aussicht genommenen Be- sichtigung der Vulkanwerft Gelegenheit gegeben sei, den Stettiner Freunden die Hand zu drücken. Mit Worten herzlichen Dankes an alle, die an der Arbeit des verflossenen Geschäftsjahres unmittel- bar oder mittelbar beteiligt gewesen sind, schließt der Schriftführer seine Ausführungen. Nachdem noch der I. Vorsitzende der Verstorbenen des Jahres 1 905 gedacht und die Versammlung sich zur Ehrung ihres Andenkens erhoben hatte, erhält das Wort der I. Schatzmeister, Herr Konsul Seifert. Aus seinem Bericht ergibt sich, daß der Kassenbestand am I. Januar 1905 Mk. 2021,72 betrug. Die Ein- nahmen während des Jahres beliefen sich auf Mk. 2925,60, die Ausgaben auf Mk. 3322,94, so daß das Jahr 1905 mit einem Kassenbestand von Mk. 1624,38 abschloß. Die Rechnungen sind durch die beiden Kassenrevisoren geprüft und in Ord- nung befunden worden. Herr Kammergerichtsrat Hauchecorne hat in der letzten Vorstandssitzung den Antrag einge- bracht, die Zustimmung der Hauptversammlung dafür einzuholen, daß in den § 12 der Satzungen nach dem ersten Absatz folgender neue Absatz eingeschaltet werde: „Die einmal geschehene und vom Vorstand zur Eintragung angemeldete Be- stellung eines Vorstandsmitgliedes bleibt so lange in Kraft, bis von einer Hauptversammlung eine Änderung beschlossen und dies zum Register an- gemeldet ist." Der Antrag wird einstimmig an- genommen. Dem Vorstand wird Entlastung erteilt. Der Ausschuß wird in der früheren Zusammensetzung neu bestellt und durch Zuwahl der Herren Hofrat Prof Dr. Penck und Dr. Eduard Hahn ergänzt. Als Kassenprüfer werden wiederum berufen die Herren Kaufmann Gravenstein und Rentier Martiny, als Stellvertreter Herr Geh. Sanitäts- rat Dr. Ulrich. Der Vorsitzende schließt hierauf die Hauptver- sammlung und bittet die Ausschußmitglieder zurück- zubleiben, um in Gemäßheit des § 12 der Satzungen die Neuwahl des engeren Vorstandes vorzunehmen. In der sich anschließenden Ausschußsitzung werden sämtliche seitherigen Vorstandsmitglieder wiedergewählt mit Ausnahme des nach Greifswald berufenen bisherigen II. Vorsitzenden, Herrn Prof. Dr. Jaekel. Neu gewählt in den Vorstand wird Herr Prof Dr. Rathgen. Die Vorstandsämter 76 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 5 werden in folgender Weise verteilt: I. Vorsitzender: Herr Geh. Reg.Rat Prof. Dr. Kny; II. Vorsitzen- der: Herr Geh. Bergrat Prof. Dr. Wahnschaffe; III. Vorsitzender : Herr Prof. Dr. L. P 1 a t e ; I. Schrift- führer: Herr Oberlehrer Dr. W. Greif; II. Schrift- führer; Herr Prof Dr. Rathgen; I. Schatzmeister: Herr Konsul R. Seifert; II. Schatzmeister: Herr Prof. Dr. Börnstein; I. Beisitzer: Herr kgl. Landes- geologe Prof Dr. Potonie; II. Beisitzer: Herr Kammergerichtsrat Hauchecorne. Die Vortragskommission wird gebildet aus den drei Vorsitzenden und dem I. Schriftführer. I. A. : Prof. Dr. W. Greif, I. Schriftführer. Berlin SO i6, Köpenickerstraße 142. Bücherbesprechungen. Meyer's Grofses Konversations -Lexikon. Ein Nachschlagebuch des allgemeinen Wissens. 6., gänzl. neubearb. u. verm. Aufl. 15. Bd. Öhmichen bis Plakatschriften. Leipzig u. Wien, Bibliographi- sches Institut, igo6. — Preis geb. 10 Mk. Der vorliegende Band 1 5 enthält wieder, abgesehen von Textabbildungen, zahlreiche (meist Doppel-)Tafeln, die sich mit Naturwissenschaftlichem beschäftigen, so die Tafeln : Ohr des Menschen, Orchideen (2 Tafeln), Orientalische Fauna , Geolog. Karte von Österreich- Ungarn, ferner eine ethnograph. Karte von Ö.-U., mehrere Tafeln Palmen u. Pantherkatzen, Papageien, Pappel (2 Tafeln), Paradiesvögel, Pfahlbauten (2 T.), Pferd (7 T.j, Pfirsiche u. Aprikosen, Erdkarte (drei- fache Tafelgröße) mit Angabe der Verbreitung der wichtigsten Pflanzengruppen, Pflanzenkrankheiten (2 T.), Pflanzenzelle (2 T.), Pflaumen, Phänologische Karte des Frühlingseinzuges in Mitteleuropa, Porträts von Philosophen (deutschen) u. Physikern (4 T.) , Pilze (5 T. ). Auch für die Geographie ist wieder reichlich gesorgt durch gute Karten (außer kleinen im Text) von Oldenburg, Österreich-Ungarn, Ostindien, Ost- u. Westpreußen, Ozeanien, Palästina, Persien, Peru und den anderen Staaten des nördl. Süd-Amerika. Von Paris ist eine Stadtkarte und eine mit der Umgebung vorhanden. — Mehr kann man wohl nicht verlangen von einem Werk, das ein Nachschlagebuch des all- gemeinen Wissens sein will. Wenn es dabei ein so großes Gewicht auf die Naturwissenschaften legt, so verdient das alle Anerkennung in Ansehung dessen, daß bei unserem gegenwärtigem Zustande die Schule durchaus noch nicht die zeitgemäßere Form gefunden hat. Um so mehr ist daher das Bedürfnis verbreitet, sich elementar über Naturgeschichtliches orientieren zu können, wobei Meyer's Konversations- Lexikon treft'liche Dienste zu leisten imstande ist. tiker , Examens - Kandidaten usw. etwas sehr Brauch- bares. Der Umstand, daß das vorliegende Büchlein bereits die dritte Auflage erlebt, beweist wohl am besten , daß es seiner ganzen Anlage nach wohlge- lungen ist. Die Formeln sind nicht einfach anein- andergereiht, sondern textlich soweit erläutert, daß ihr Verständnis keinerlei Schwierigkeit bereitet. Bei den meisten Formeln ist auch die Herleitung kurz an- gedeutet, auch historische Anmerkungen sind einge- streut. Die Dimensionen der physikalischen Maß- einheiten werden durchweg angegeben. Kbr. Prof G. Mahler, P h y s i k a 1 i s c h e F o r ni e 1 s a m m - lung. 3., verb. Auflage. 182 Seiten mit 65 Fig. Leipzig, G. J. Göschen. — Preis geb. 80 Pf. Eine Zusammenstellung der physikalischen For- meln in Taschenbuchformat ist gewiß für viele Prak- Wissenschaftliche Ergebnisse der deutschen Tiefsee-Expedition auf dem Dampfer „Valdivia" 1898 — i8gg. Im Auftrage des Reichsamtes des Innern herausgegeben von Carl Chun, Leiter der Expedition. (Jena, G. Fischer.) V. Band, 2. und 3. Lieferung. Mit den beiden umfangreichen Arbeiten, welche diese Lieferungen füllen, ist der V. Band vollständig geworden. Er ent- hält außer der schon besprochenen Arbeit über die „Anatomie des Palaeopneustes niasicus" von J. Wagner noch die folgenden Arbeiten, welche ebenfalls das reiche, von der Expedition heimgebrachte Seeigel-Material behandeln. Ludwig Döderlein (Straßburg i. E.) : Die Echinoiden der deutschen Ti efsee - Expe - dition. Mit Tafel 9 — 50 und 46 Abbild, im Text. An 62 verschiedenen Stationen waren Seeigel er- beutet worden, die sich auf 71 Arten verteilen. 23 davon waren bisher nicht bekannt und werden von Döderlein als nova species beschrieben, ein gewiß außerordentlich hoher Prozentsatz an neuen Arten, zumal auch noch 8 neue Gattungen dafür aufgestellt werden mußten. Am interessantesten war die vor der Südküste des Kaplandes getroft'ene Seeigelfauna, die ein höchst merkwürdiges Gepräge zeigt. Einige Arten sind Charakterformen für dies Gebiet ; sie sind auf Südafrika beschränkt und haben auch keine nahen Verwandten in anderen Meeresteilen. Eine andere Gruppe von Arten ist zwar auf Südafrika beschränkt, hat aber in anderen Meeren sehr nahe Verwandte. Eine dritte Gruppe von Arten endlich ist nicht auf das Kapgebiet beschränkt , sie lassen sich von Arten aus anderen Meeresgebieten nicht spezifisch trennen. Die Seeigelfauna des Kapgebietes ist also aus endemi- schen , indopazifischen , atlantischen und subantarkti- schen Formen höchst merkwürdig zusammengesetzt; sie ist also eine ausgesprochene Mischfauna. Aus dem antarktischen Gebiet liegt in dem neuen Schizaster antarcticus eine höchst wichtige Art vor, weil sie dem atlantischen Seh. fragilis sehr nahe steht, vielleicht nur eine Varietät desselben ist. Sollte sich diese Auffassung nach Untersuchung eines späteren, reicheren Materiales als richtig erweisen, so haben wir hier das erste Beispiel einer bipolaren Art unter den Echinoiden gefunden. Eine äußerst interessante Ausbeute an Seeigeln lieferten auch die Fänge aus den größeren Tiefen N. F. VI. Nr. 5 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. n von über looo m bei Sumatra und an der Ostküste von Afrika. Ein besonderes Kapitel der D ö d e r 1 e i n ' sehen Arbeit handelt von dem Wert der Pedicellarien, der den Seeigeln eigenen Greiffüßchen, für 'die systema- tische Verwendung, wobei die verschiedenen Typen der Pedicellarien abgebildet werden. Döderlein sagt dazu, daß die lediglich nach den Merkmalen der Pedicellarien aufgestellten Gattungen von M o r t e n s e n ohne Zweifel sicherer erkennbar und besser vonein- ander abgegrenzt sind als die nur nach Merkmalen der Schale aufgestellten Gattungen anderer Autoren. Weiterhin äußert sich der Verfasser über die Ver- wandtschaftsverhältnisse der Echinoidengruppen und entwirft auf Grund seiner eigenen zahlreichen Arbeiten über Echinodermen ein vollständiges System der Echinoiden. Die zahlreichen der Arbeit beigegebenen Tafeln sind Lichtdrucktafeln, ausschließlich nach vom Ver- fasser selbst aufgenommenen Photographien. Walter Schurig (Leipzig): Anatomie der Echinothuriden. Mit Tafel 51 — 54 und 22 Ab- bildungen im Text. Die Echinothuriden sind eine eigenartige , höchst merkwiirdig organisierte Gruppe der Seeigel, deren Schale, wie die der Holothurien, biegsam ist. Im Jahre 1863 fand S. P. Wood ward in der Kreide spärliche Reste eines Echinoderms mit solch bieg- samer Schale, die sich aus dachziegelartig deckenden Täfelchen aufbaute. Er glaubte eine längst ausge- storbene Tiergattung vor sich zu haben und nannte sie Echinoihiiria ßoiis. Aber schon im Jahre 1867 konnte der Breslauer Zoologe E. Grube einen aus den chinesischen Gewässern stammenden Seeigel be- schreiben (Asihenosoina rarii/m), welcher eine glatte Gestalt und biegsame Schale hatte und der fossilen Echinothuria floris sehr nahe stand. Später brachten verschiedene Expeditionen ein größeres Material aus dieser Gruppe, so die „C h a 1 1 e n g e r" - E x p e d i t i o n, P. und F. Sarasin, Fürst Albert von Monaco und namentlich die ,,Danish Ingolf Expedi- tion 1902", worauf Mortensen schon ein ganzes System der Echinothuriden begründen konnte. Die deutsche Tiefsee-Expedition war so glücklich, aus dieser kleinen Gruppe 10 Arten zu erbeuten, von denen 5 von Döderlein in der vorigen Arbeit als neu beschrieben und benannt wurden. Sc hur ig liefert nun in der vorliegenden Arbeit eine eingehende anatomische und histologische Unter- suchung dieser weichschaligen Seeigel, namentlich an den Arten Phormosoma indicimn Död. , Hygrosoma iii-tlüopicum Död. und Spereosoma hiseriatum Död. \'on den Echinothuriden steht die Gattung Phormosoma durch die innere Anatomie den übrigen Echinoideen am nächsten und zwar besonders den Diadematiden und sie ist als die höchststehende Gattung unter den Echinothuriden zu betrachten. IX. Band, 2. Lieferung. Job. Thiele (Berlin): Archaeomenia prisca n o v. gen. nov. spec. Mit Tafel 28. Thiele hatte schon in einer früheren Arbeit im 3. Band dieses Werkes eine Proneomenia valdiviat von der afrikanischen Ostküste beschrieben und da- durch die kleine Gruppe der Urmollusken Soleno- gastres, die bisher nur 6 Arten überhaupt umfaßte, durch eine siebente vermehrt. Nun kann er eine achte Art aus dieser Gruppe beschreiben, für welche er zugleich eine neue Gattung aufstellen muß, weil eine wohlentwickelte mehrreihige Radula vorhanden ist. Die Gattung Archaeomenia unterscheidet sich ferner von den übrigen Gattungen durch die dünne Cuticula mit den charakteristischen Kalkgebilden, das P'ehlen besonderer Speicheldrüsen , die Anwesenheit eines zungenförmigen Kopulationsorganes und zweier Penisstacheln, die mit wohlentwickelten, schlauchförmi- gen Drüsen in Verbindung stehen und schließlich durch die Kiemenhaltung in der hinteren Höhlung. Die sechs Exemplare der neuen Archaeomenia prisca sind bis 12 mm lang bei einem Durchmesser von 2 — 2,5 mm. Sie stammen von Südafrika und wurden am südlichen Teil der Agulhasbank in einer Tiefe von 564 m erbeutet. J o h. Thiele (Berlin) : Über die Cli i t o n e n der deutschen Tiefsee- Expedition. Mit Tafel 29. Die Zahl der von der deutschen Tiefsee-Expedi- tion erbeuteten Placophorenarten ist nicht groß; sie betrug nur 8 und davon beschreibt Thiele 4 Arten als neu. Die Käferschnecken oder Chitonen sind hauptsächlich Bewohner der Flachsee und der Bran- dungszonc und so war es erklärlich, daß eine Tiefsee- Expedition kein bedeutendes Material davon zutage fördern würde. Die größte Tiefe, aus der die Chitonen stammen, war 660 m. Nur eine Art Lepidopleurus niasicus stammt aus wärmeren Teilen der Erde, alle übrigen entstammen dem kälteren Meer zwischen dem 33." und dem 55." s. Br. Bemerkenswert ist noch, daß alle von der Tiefsee-Expedition gefundenen Arten zu den phyletisch niedersten F\imilien der Placophoren, den Lepidopleuriden, Callochitoniden und Ischno- chitoniden gehören, während die höheren Familien keine Vertreter hatten. II. Band, II. Teil, 2. Lieferung: G. Karsten (Bonn) :DasPhytoplanktondesAtlantischen Ozeans nach dem Material der deutschen Tiefsee-Expedition 1898 — 1899. Mit 15 Taf. Diese Arbeit ist eine F'ortsetzung der schon be- sprochenen Arbeit über das Plankton des antarktischen Meeres und behandelt das Planktonmaterial der Sta- tionen von Hamburg ab über Viktoria, Kapstadt, Port Elisabeth und zurück nach Kapstadt, also den Fahrt- abschnitt durch den Atlantischen Ozean und den Abstecher in den Agulhasstrom. In dieser zweiten Arbeit Karsten's wird die systematische Bearbeitung des Materiales an treibenden Pflanzen und eine sta- tistische Zusammenstellung ihrer Verteilung auf die verschiedenen Fangstationen gegeben. Verfasser ver- sucht hier, für die formenreiche .Vrt Ceratium tripos eine auf dem Körperumriß fußende, systematische Einordnung aller bisher beobachteter Formen dieser in allen Meeren vorkommenden Peridinee durchzu- führen, ein bei der verwirrenden Mannigfaltigkeit dei 78 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 5 Arten dieses Formenbereiches sehr wichtiges Unter- nehmen. Karsten stellt zunächst diejenigen Punkte fest, welche einer lediglich individuellen Variation ent- sprechen und trennt sie scharf von den Merkmalen, die zur Begründung bequemer Arten, Unterarten und Varietäten geeignet sind. Da ist z. B. die Länge des Apikalhornes ein rein individuelles Merkmal , es kann daher zur genaueren Charakterisierung von Arten und Formen nicht verwendet werden. Dagegen ist die Form des eigentlichen Körpers, die Winkel, unter denen die verschiedenen Hörner von ihm aus- gehen, ihr geradliniger oder gekrümmter Verlauf wie ihre Umrißformen von größerer Beständigkeit. Diese Merkmale sind daher für systematische Unterscheidun- gen von Bedeutung. Die Vergleichung der Resultate der Tiefsee-Expe- dition mit den Ergebnissen anderer Expeditionen, welche das gleiche Gebiet berührt haben , sowie mit den aus der Antarktis und dem Indischen Ozean ge- wonnenen Beobachtungen will Karsten in einer dritten Arbeit bringen, über die dann hier wieder ausführlicher zu referieren sein wird. F. Römer. P. Groth, Physikalische Kristallographie und Einleitung in die kristallographische Kenntnis der wichtigsten Substanzen. Vierte, neubearbeitete Auflage. Mit 750 Abbildungen im Text und 3 Buntdrucktafeln. 8". VIII u. S20 S. Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann. 1905. — Preis 19 Mk. Ein ausgezeichnetes, elementares Lehrbuch der Kristallographie liegt hier in vierter Auflage vor, das seit seinem ersten Erscheinen für das Studium dieser Wissenschaft von hervorragender Bedeutung gewesen ist und diesen Ruhm auch behalten wird. In der dritten Auflage war es unter Wahrung des Grund- planes tiefgehend umgearbeitet worden ; bei der neuen Auflage hat sich so weitgreifende Änderung nicht notwendig erwiesen, aber die Fortschritte der Wissen- schaft sind in möglichster Vollständigkeit berücksich- tigt. Von der Erkenntnis ausgehend, daß die Gestalt des Kristalls ein Ausfluß seiner physikalischen Natur ist, werden die physikalischen Eigenschaften im enge- ren Sinne, wie bisher, vor den geometrischen behan- delt , aber es wird eine neue Systematik angewandt, durch die eine Klarstellung der Gesetze der Abhängig- keit der Eigenschaften der Kristalle von der Richtung im stetigen Fortschreiten vom Einfachen zum Kom- plizierten ermöglicht wird. Demgemäß ist die Be- handlung des Stoffes in dem Werke nunmehr fol- gende : I. Abteilung: Allgemeine physikalische Kristallo- graphie — die (physikalischen) Eigenschaften der Kristalle. Ein Einleitung orientiert über den Begriff homogen, amorph, Kristall, gliedert die physikalischen Eigen- schaften in skalare, vektorielle und bivektorielle und verweist auf die Symmetrie als Grundlage ihres S)- stems. Mit den bivektoriellen Eigenschaften vt)n höherer Symmetrie (Ellipsoideigenschaften) wird be- gonnen. Sie umfassen die optischen , thermischen, magnetischen und elektrischen Eigenschaften , von denen auf die ersteren der Hauptteil der Darstellung entfällt. Die homogenen Deformationen werden an- geschlossen. Unter den bivektoriellen Eigenschaften von nie- derer Symmetrie handelt es sich um Kohäsion (Spalt- barkeit) und Elastizitätseigenschaften. Unter die vektoriellen Eigenschaften fallen polare Pyro- und Piezoelektrizität, Härte und Gleitung, Auf- lösung und Wachstum, Kristallstruktur, Rationalitäts- und Zonengesetz, Symmetrie. Die Abschnitte über homogene Deformation, Ko- häsion, Auflösung und Wachstum wurden umgearbeitet. Es wird auffallen , daß auch die Kapitel über das Rationalitäts- und Zonengesetz und über die Art der Symmetrieeigenschaften , entgegen der früheren Dar- stellung, zu den eigentlichen physikalischen Eigen- schaften gezogen worden sind; allein die Gesetze folgen unmittelbar aus den auf die physikalischen Eigenschaften gegründeten Anschauungen über die Kristallstruktur und sind sonach mit einem gewissen Rechte nicht mehr als Erfahrungsgesetze behandelt worden. Bei kristallographischen Polyedern , für die das Rationalitätsgesetz gilt , sind ferner nur gewisse Symmetriearten (nämlich 31) möglich; darum sind die Symmetriegesetze der Kristalle mit jenem Gesetz eng verknüpft. Die Harmonie Verhältnisse der Kri- stalle, die z. B. Viola in seiner Kristallographie neuer- dings bei der Betrachtung und Einteilung dieser Ge- bilde in den Vordergrund gestellt hat, werden von (iroth nicht erwähnt. Die II. Abteilung bringt die spezielle physikali- sche Kristallographie oder die systematische Beschrei- bung der (geometrischen Eigenschaften der) Kristalle in ihrer Verteilung auf 32 Kristallklassen in 7 Kristall- systemen. Die Strukturverhältnisse und die Frage der richtigen Aufstellung der Kristalle finden hier Berück- sichtigung. Unter den Beispielen werden die pseudo- symmetrischen (mimetischen) Kristalle und die mit Drehungsvermögen besonders beachtet. Der Ver- gleichungstabelle der Systematik , Nomenklatur und Bezeichnung der Kristallformen von Miller, Weiß, Naumann und Levy ist eine tabellarische Darstellung der Beziehungen zwischen den kubischen hexakisok- taedrischen (holoedrischen) und ditrigonal-skalenoedri- schen (rhomboedrisch - hemiedrischen) Formen neu angeschlossen, um darzulegen, daß für die rhomboe- drischen Körper nur die auf die Kanten des Grund- rhomboeders bezogenen Miller'schen Symbole rationell seien. In der III. Abteilung werden wieder die Unter- suchungsmethoden vorgeführt. Der graphischen Be- rechnung nach den Methoden von Fedorow , Wulff und Penfield ist ein neues Kapitel gewidmet worden. Neue Apparate werden tunlichst berücksichtigt. Ein Anhang bringt ein Verzeichnis von Lieferanten und der von ihnen zu beziehenden Instrumente, Mo- delle, Präparate u. dgl., die im Texte vorgekommen sind. Das (hoth'sche Buch kann nicht genug empfohlen N. F. VI. Nr. 5 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 79 werden. Gerade durcli seine elementar gehaltene, klare und treffende Darstellung ist es ein vorzüglicher Leitfaden für die Einführung in das ganze Gebiet der Kristallographie. Scheibe. Lebesgue, Lecjons sur les series trigono- m c t r i q u e s. Paris, Gauthier-Villars. i qo6. i 28 S. — Prix 3,50 fr. Aus der unter der Leitung von Borel veröffent- lichten Kollektion von Monographien über die Funk- tionentheorie liegt hier ein Heft über die trigonome- trischen Reihen vor. Unter Weglassung der Elemente werden in 5 Kapiteln die Pjestimmung der Koeffi- zienten der trigonometrischen Reihen , die eine ge- gebene Funktion darstellen, behandelt; dann die ele- mentare Theorie der Fourier'schen Reihen, konver- gente und beliebige Fourier'sche Reihen, endlich beliebige trigonometrische Reihen. A. S. Annuaire pour l'an 1907, public par le bureau des longitudes. Avec des notices scientifiques. 682 -|- 219 pages. Paris, Gauthier - Villars. — Prix 1,50 fr. Die dem reichen astronomischen Kalendarium mit ausführlichen Ephemeriden veränderlicher Sterne bei- gegebene Tabellensammlung enthält in diesem Jahre vorzugsweise geographisch - statistische Angaben über alle Länder der Erde, natürlich mit besonderer Be- rücksichtigung Frankreichs. Als wissenschaftliche Bei- gaben finden wir einen bedeutsamen Artikel von Bouquet de la Grye über den Durchmesser der Venus, in welchem die Abplattung dieses Planeten gleich ^\^ bestimmt wird, ferner einen Bericht des- selben Verfassers über die 15. Konferenz der inter- nationalen, geodätischen Assoziation und als Haupt- beitrag von 146 Seiten Umfang eine reich illustrierte, umfassende „Geschichte der Ideen und Untersuchungen über die Sonne" aus der Feder des durch seine wichtigen Beiträge zur spektrographischen Erforschung unseres Zentralgestirns berühmt gewordenen Astro- nomen Deslandres. Besonders die neuesten, hier erläuterten spektroheliographischen Resultate werden allseitig in hohem Maße interessieren. Kbr. Prof. Dr. Winkelmann, Handbuch der Physik. 2. Aufl. I. Bd. I. Hälfte: Allgemeine Physik. 544 Seiten mit 164 Abb. — Preis 17 Mk. — III. Bd. 2. Hälfte: Wärme. 641 S. mit 97 Abb. — Preis 20 Mk. Leipzig 1906, J. A. Barth. Die allgemeine Physik des rüstig fortschreitenden Winkelmann'schen Handbuches stammt vollständig aus der Feder von F. Auerbach. Sie bringt nach einleitenden Erörterungen über die Grundbegriffe und deren Messung ein sehr ausführliche Tabellen ent- haltendes Kapitel über Dichte, dann die Potential- theorie S. 179 — 210) und die Mechanik. Nach den allgemeinen Gesetzen der Statik und Dynamik werden in besonderen Kapiteln in diesem Halbbande behan- delt Fall und Wurf, Pendel, Kreisel, Gravitation und Elastizität. Die Wärmelehre liegt mit dem Erscheinen der zweiten Hälfte des dritten Bandes nunmehr abge- schlossen vor. Als Autoren haben an diesem zweiten Teil hauptsächlich Winkelmann (Thermometrie, Aus- dehnung, spezifische Wäime) und Graetz (Strahlung, Leitung, Mechanische Wärmetheorie, Dampfspannungen und Verflüssigung der Gase) mitgearbeitet. Die kinetische Gastheorie ist von G. Jaeger dargestellt worden. Außerordentlich ausführlich ist das über Dampfspannungen gewonnene Beobachtungsmaterial mitgeteilt, wie denn überhaupt dieser Band wieder neben den wichtigsten theoretischen Entwicklungen eine sonst wohl nirgends zu findende Fülle von Be- obachtungsergebnissen enthält, die vielfach auch in der Gestalt graphischer Darstellungen gegeben sind. Immerhin hat es den Ref wunderbar berührt, daß über das Crookes'sche Radiometer und die Versuche, dasselbe zu erklären, so gut wie nichts in diesem um- fassenden Handbuch der Physik zu finden ist. Kbr. Literatur. Ambronn. J. , ti. K. Ambronn : .Slernverzeichnis , cnlh. alle Sterne bis zur 6,5. Größe f. d. J. igoo. Bearb. auf Grund der genauen Kataloge. Mit e. erläut. Vorwort versehen u. hrsg. V. Prof. Dr. L. Ambronn. (XI, 183 S. m. 2 Tab.) Lex. 8°. Berlin '07, J. Springer. — Geb. in Leinw. 10 Mk. u. durchsch. 12 Mk. Bruhns, Prof. W. : Die nutzbaren Mineralien u. Gebirgsarten im Deutschen Reiche. Auf Grundlage des gleichnam. v. Dechenschen Werkes neu bearb. Unter Mitwirkg. v. Prof. 11. Biicking. Mit e. (färb.) geolog. Karte. (XIX, 859 S.) gr. 8". Berlin '06, G. Reimer. - 16 Mk. ; geb. 18,50 Mk. Chelius, Dr. C. : Geologische Übersichtskarte des Odenwaldes. Nach den Aufnahmen der hess. u. bad. geolog. Landes- anstalten zusammengestellt und bearb. I : 250000. 2. Aufl. 40X29 cm. F.irbdr. Gießen '06, E. Roth. — 60 Pf. Christensen, Carl: Index Filicum sive enumeralio omnium generum specierumque Filicum et Hydropleridura ab anno 1753 ad annum 1905 descriptorum, adjectis synonymis prin- cipalibus, area geographica etc. (LX, 744 S.) gr. 8°. Kopenhagen '06, H. Hagerup. — 45 Mk. Gmelin und Kraut's Handbuch der anorganischen Chemie. Unter Mitwirkg. hervorrag. Fachgenossen hrsg. von Prof. C. Friedheim. 7. gänzlich umgearb. Aufl. II. Bd. I. Abtlg. Kalium, Rubidium. Cäsium, Lithium, Natrium. Bearb. von Priv.-Doz. Dr. Fritz Ephraim. (XXVI! , 512 S.) gr. 8°. Heidelberg '06, C. Winter, Verl. — 20 Mk.; geb. in Halb- frz. 23 Mk. Briefkasten, Herrn E. in O. — Sie wollen wissen , ob die .Angaben im .Artikel „Moose'' im 14. Bande von Meyer's Großem Kon- versations-Lexikon richtig sind, da sie dieselben z. T. in Wider- spruch mit dem finden, was sie in einem Werk über diese Pflanzengruppe gelesen haben. — In dem Artikel „Moose" der im Erscheinen begriffenen sechsten Auflage sind mir ver- schiedene Unrichtigkeiten und Schiefheiten aufgefallen. Was zunäclist die Zahl der Moose anbelangt, so wird sie in der vierten .\uflage (der betreffende Band ist von 1888 datiert) auf „über 3800 Arten" bezifi'ert. In der fünften Auflage heißt es „über 4000 Arten" und nach der neuen Auflage sind die Moose „in weit über 4000 Arten" verbreitet. Das ist eiiie höchst ungenügende Art der Berichterstattung. Schon m laeger und Sauerbeck's Adumbratio (1871-1875) sind über 7742 Arten allein von Laubmoosen aulgeführt. Die erste Ausgabe des Index Bryologicus von Paris vom Jahre 1894 beziffert in der Vorrede die Arten auf etwa 12000 Arten und die eben vollendete zweite Auflage, welche nur die bis zum Jahre 8o Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 5 1900 beschriebenen Arten berücksichtigt, enthält über 14000 bekannte Arten. Wohlgemerkt sind das alles nur Laubmoose, während die Zahl 4000 im Lexikon auch noch die Leber- moose einschließen soll. Sie ist also so falsch wie möglicli. — Der Artikel teilt die Moose in Leber- und Laubmoose ein, was der bis vor wenigen Jahren allgemein üblichen Einteilung entspricht. Es hätte aber erwähnt werden sollen, daß die Sphagnales und Andreaeales sicli sehr weit von den eigent- lichen Laubmoosen entlerncn und neuerdings als gleichbe- rechtigte Hauptabteilungen der Moose meiir und mehr in Auf- nahme kommen. Die kleistokarpen Laubmoose, die auch P. V. Brotherus in den „Natürlichen Pflanzenfamilien" von Engler-Prantl nach S. C>. Lindberg's Vorgang mit Recht als selbständige .\bteilung beseitigt halte, sind im Artikel ,, Moose" leider bestehen geblieben. — Ich finde ferner den Satz: ,,Der Versuch Fleischer's (,,Die Musci der Flora von Buitenzorg", Leiden 1904 ff. ), die Bryineen in ein lediglich auf die Be- schaffenheit des l'eristoms begründetes natürliches System zu bringen , hat bisher wenig Anklang gefunden". Dieser Satz ist in zweifacher Hinsicht unrichtig. Fleischer hat sein System, das sich sofort die größte Beachtung der Bryologen erzwungen hat, nicht ,, lediglich" auf die Beschaffenheit des Peristoms begründet. Der Verfasser des Artikels ,, Moose" stützt seine Behauptung vermutlich darauf, daß Fleischer's wissenschaft- liche Benennungen von Hauptgruppen der Moose sich auf die Beschaffenheit des Peristoms beziehen. Wenn der .Autor sich aber über das Fleischer'sche System etwas genauer unter- richtet hätte, so würde er seme Behauptung nicht aufgestellt haben. Nach Fleischer reagiert der vegetative Teil der Moos- pflanze auf Einwirkungen der Umgebung weit leichter und stärker, als das Spnrogon samt Peristom und nach dieser sehr leicht beweisbaren Auffassung ist die Bevorrechtung des stabileren Peristoms gegenüber dem variableren übrigen Moos- körper bei der Systematik der Moose berechtigt. Sie ,, ledig- lich" nach der Beschaffenheit des Peristoms einzuteilen, ist aber F^leischer gar nicht eingefallen. Daß sein System bisher wenig Anklang gefunden habe, ist die zweite Behauptung in dem zitierten Satze, von deren Unrichtigkeit sich der Verfasser durch Anfragen bei hervorragenden Spezialforschern der Bryologie (z. B. Brotherus, Goebel, Schiffner, Warnstorf usw.] sehr leicht hätte überzeugen können. Übrigens hat Professor Engler das Fleischer'sche System auch in seinen Syllabus auf- genommen und damit ein weit besseres Verständnis für die l^edeutung des Systems bekundet. Während es in den früheren Auflagen von den Bryineen sachlich hieß ,,Sie zerfallen in . . ", worauf die Abteilungen der Bryineen folgten, heißt es in der neuen Auflage nicht mehr ganz sachlich, sondern mehr persönlich: ,,Wir unter- scheiden" (Wer sind wir?), worauf die alte Einteilung in akro- karpe und pleurokarpe Moose folgt, die nach einem drasti- schen .Ausspruche Goebel's ungefähr der Einteilung der Pflan- zen in ,, Bäume , Sträucher und Kräuter" entspricht, und die besonders von Fleischer in ihrer ganzen Unwissenschafllichkeit nachgewiesen wurde. — In den Literafurangaben am Schlüsse des Artikels fehlen hervorragende Bryologen , wie Brotherus, der Bearbeiter der Laubmoose in ,, Engler-Prantl", Milde, Schifl"- ner, Warnstorf usw. vollständig; auch Haberlandt's schöne anatomisch-physiologisclie Untersuchungen sind nicht erwähnt, während für die Aufzählung zweier belangloser Kompilationen als „kürzerer, populärer Schrillen" Raum ist, was nicht ge- billigt werden kann. In der vierten Auflage waren Namen wie Hoffmeister, Kny, Lorentz usw. wenigstens genannt. In der „Zentralzeitung für Optik und Mechanik" vom 1 5. Sep- tember finde ich eine Kritik des Artikels „Mikroskop" im gleichen Bande des Lexikons vom Prof. Dr. Strehl. Es kann eben jeder F'orscher nur die Artikel seines engeren Gebietes auf ihre Richtigkeit prüfen, während er sich im übrigen auf die Artikel des Lexikons verlassen muß. Der „Große Meyer" ist längst nicht mehr ein bloßes Konversationsbuch lür Laien , sondern wird mit Recht auch vom wissenschaftlichen Arbeiter häufig zu Rate gezogen. Es scheint mir daher gegenüber den sonst berechtigten großen Lobsprüchen auf das Werk, denen man allenthalben begegnet, doch eine wissenschaftliche Pflicht zu sein, auch auf Mängel hinzuweisen, wie sie der Spezialforscher findet. Der Verlag des Meyer'schen Lexikons ist es seinem ausgezeichneten Rufe schuldig, auf unbedingte Zuverlässigkeit seiner Artikel zu achten. Leopold Loeske. Berlin. Herrn L. — Apogamie und Parthenogenesis im Pflanzenleben. — Die vegetative, ungeschlechtliche Fortpflanzung ist fast durch das ganze Pflanzenreich verbreitet und es entbehren solcher nur wenige Pflanzen. Sie tritt uns entgegen durch die Sprossung (Hefe), Aus- läufer (Erdbeere), Rhizome (Liliengewächse), Knollen (Kar- toftel), Brulzwiebel (Zwiebelarten), Brutknospen (Steinbrechart) etc. etc. Die vegetative Vermehrung liefert jedes Jahr und zwar sofort kräftige . blühreife und fruchtende Individuen, während Keimlinge, die aus Samen hervorgehen, oft mehrere Jahre gebrauchen, um diesen Zustand zu erreichen. Diese vegetativen Sprosse stehen an Stelle von Seitensprossen. Nun werden auch Brutknospen häufig auf Blättern angetroffen, wie auf Begonienblättern und insbesondere auf Farnblättern. Aus diesen entstehen bald junge, bewurzelte Pflänzchen, die dann selbständig weiter zu wachsen vermögen. Diese Art Fortpfl.anzung durch .Adventivsprossungen kommt nun auch durch Bildung von Adventivknospen in Samen- anlagen vor. Straßburger's Untersuchungen über diesen inter- essanten Fall lehrten uns, daß hier vegetative (ungeschlecht- liche) Adventivkeime vorliegen. Die befruchtete Eizelle kann sich neben diesen Keimen im Embryosack entwickeln. Hier hängt nun die Bildung dieser sog. Adventivkeime in dem Samen mit vielen Embryonen noch insofern von der Befruch- tung ab, als sie nur nach vorhergegangener Bestäubung er- folgt. Bei der neuholländischen Euphorbiacee Coelebogyne ilicifolia aber, die nur in weiblichen Exem])laren in unseren Gewächshäusern kultiviert wird, auch bei anderen Pflanzen nach Trcub's und Losty's Mitteilungen, entstehen die Adventiv- keime auch ohne die Anregung der Bestäubung. Hier haben wir es also mit Fällen von Geschlechtsverlust zu tun und dieses nennt man Apogamie. Bei ihrem verschiedenartigen Vorkommen und Auftreten werden z. B. bei Pteris cretica überhaupt keine weiblichen Geschlechtsorgane mehr gebildet, die junge Farnpflanze geht vielmehr durch vegetative Sprossung genau aus dtnjenigen Stellen an der Samenanlage hervor, wo die weiblichen Ge- schlechtsorgane stehen mußten. Mit der .Apogamie eng verwandt ist die Parthenogenesis, d. h. die Entwicklung einer Eizelle ohne vorhergegangene llefruchtung. Wohl ist dieser Vorgang seltener und sicher fest- gestellt nur bei Chara crinata, einem Armleuchtergewächs, einer Alge, welche oft in Form von über fußhohen submersen Wiesen in Teichen und Bächen vegetiert. Diese Pflanze ist nur in weiblichen Exemplaren im nördlichen Europa verbreitet (männliche sind nur an einigen Stellen in Südeuropa und Asien bekannt) und ohne Befruchtung entwickeln sich aus den normal aussehenden Früchten junge Pflanzen. Auch einige Algenpilze (Saproiegnia) und W.isserfarnarten weisen Purthenogenesis auf. Festgestellt wurde sie auch bei Anten- naria al])ina (Korbblütler), bei Alchemilla (Rosengewächs). Bei letzteren ist nämlich eine Befruchtung wegen der völligen Degeneration des Pollens ausgeschlossen und führt die Eizelle bereits in der geschlossenen Blütenknospe die ersten embryo- nalen Teilungen aus. Es steht fest, daß wassercnlziehende Losungen, wie Magnesiumchlorid, Zucker, Harnstoff, parlheno- genetische Entwiclilung veranlassen können. Dr. M. Inhalt: Dr. phil. G. Eichhorn: Die moderne drahtlose Telegraphie. (Schluß.) — Kleinere Mitteilungen: L. Plate: Pyrodinium bahamense n. g. n. sp., die Leucht-Peridinee des „Feuersees" von Nassau, Bahamas. — F. Hers e: Ein eigentümlicher „kernloser Apfel". — Job. Hab ermann: Apparat zur Drei-, Fünf- und Siehenteilung eines Winkels. — Wedekind: Magnetische Verbindungen aus unmagnetischen Elementen. — Vereinswesen. — Bücherbesprechungen: Meyer's Großes Konversations-Lexikon. — Prof. G. Mahler: Physikalische Formelsammlung. — F. Römer: Wissen- schaftliche Ergebnisse der deutschen Tiefsee-Expedition auf dein Dampfer ,,Valdivia" 1898 — 1899. — P. Groth: Physikalische Kristallographie. — Lebesgue: Lei;ons sur les series trigonometriques. — Annuaire pour l'an 1907. — Prof. Dr. Winkelmann: Handbuch der Physik. — Litteratur: Liste. — B lief kästen. Verantwortlicher Redakteur: Prof. Dr. H. Potonie, Grofi-Lichterfelde-West b. Berlin. Druck von Lippert & Co. (G. Pätz'sche Buchdr.), Naumburg a. S. &, ..'j^tii^^f^^d Organ der Deutsehen Gesellschaft für volkstümliche Naturkunde in Berlin. Redaktion: Professor Dr. H. Potoni^ und Professor Dr. F. Koerber in Grofs-Lichterfelde-West bei Berlin. Verlag von Gustav Fischer in Jena. Nene Folge VI. Band; der ganzen Reibe XXII. Band. Sonntag, den 10. Februar 1907. Nr. 6. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Postanstalten, wie bei der Expedition. Der Halbjahrspreis ist M. 4. — . Bringegeld bei der Post 15 Pfg. extra. Inserate: Die zweigespaltene Kolonelzeile 40 Pfg. Bei gröfieren Aufträgen entsprechender Rabatt. Beilagen nach Übereinkunft. Inseratenannahme durch die Verlags- bandlung. Über den Gehalt verschiedener Spektralbezirke an physiologisch wirksamer Energie. ') Vortrag in der med.-naturw. Gesellschalt zu Jena am 15. Dezember 1905. [Nachdruck verboten.] Von Prof. E. Hertel, I. Assistent d. Universit.-Augcnlilinik. In einer eingehenden Arbeit") auf vergleichend physiologischer Basis habe ich vor ca. 2 Jahren nachzuweisen versucht, daß Strahlen von einer Wellenlänge von 2S0 fift auflebende Organismen — Pflanzen wie Tiere, angefangen von den niedersten Protisten bis zu den VVirbeltiercn — eine gleich- mäßige Wirkung ausüben, und zwar durch direkte Beeinflussung des Plasmas der jeweilig bestrahlten Zellen. Durch die zugeführte strahlende Energie wird in den Zellen das energetische Gleichgewicht gestört, es wird dadurch ein Reiz auf die Zellen ausgeübt, der je nach der Funktion der Zellen natürlich verschieden beantwortet wird. Ist die auftreffende Strahlungsintensität zu hoch, so wird die Funktion der Zelle beeinträchtigt, eventuell dauernd gelähmt, die Zelle stirbt ab, ganz ähnlich wie wir ja auch durch andere Reize z. B. Zufüh- rung von Wärme die funktionsfördernde Wirkung dieses Reizes bei genügender Steigerung desselben in Lähmung übergehen sehen. Es gelang mir der Nachweis, daß bei dem Zustandekommen dieser Reizwirkung jedenfalls der Einfluß der Strahlen auf die Lagerung des Sauer- stoffs in den Zellen eine sehr wichtige Rolle spielt. Die Strahlen spalten ihn aus den leicht desoxydablen Verbindungen des Plasmas ab, so daß er seiner- seits wieder je nach IVIöglichkeit Verbindungen eingehen kann. F'indet er gewissermaßen ihm konforme Moleküle, so kann ein 0.\ydalionsprozeß resultieren , ist keine Gelegenheit zu einer einzu- gehenden Verbindung für den Sauerstofl" vorhanden, so kann das Resultat der Abspaltung als Reduk- tion in Ersciieinung treten. Die Strahlen aber wirken gewissermaßen nur als Katalysator. Bei genügend starker Intensität der Strahlen kann diese Reizwirkung sehr schnell, ja momentan eintreten, bei geringer Intensität be- obachtet man ein Latenzstadium der Wir- kung, so daß die Reizwirkung erst auftritt, auch wenn die Reizursache schon längst beseitigt ist, ein Vorgang, der verständlich erscheint, wenn man bedenkt, daß auch nach Entfernung der reiz- ') Ist auch erschienen in der Zeitschrift 1. physikal. und diätet. Therapie Bd. .\. Heft I. Zeitschrift für Allgemeine Physiologie 1904, Bd. 82 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 6 auslösenden Ursache — der Strahlen — , doch die durch die Sauerstoffumlagerung hervorgerufene Störung- bleibt. Zunächst woiil molekular, braucht diese durchaus nicht Veränderungen hervorzu- bringen , welche für uns sogleich wahrnehmbar sind. Allmählich aber wird sich die Störung — genügend intensive Einwirkung vorausgesetzt — immer mehr gellend machen und schließlich zur Zerstörung der beireffenden Zellen führen, wo- durch dann weitere Reizmomente auf die Um- gebung gegeben sein dürften. Mit dem Nachweis der Gleichmäßigkeit dieser durch die Bestrahlung ausgelösten Reizwirkung auf die jeweilig bestrahlten Zellen fiel nach meiner Ansicht die Annahme einer Ausnahmestellung, die man bisher dem Lichtreiz gegenüber anderen Reizqualitäten deshalb einzuräumen geneigt war, weil seine Wirkung sich nicht auf alle lebendigen Zellen zu erstrecken schien, sondern gewisser- maßen eine Auswahl in seiner Einwirkung auf die Zellen getroffen wurde. Nach meinen Beobach- tungen aber wird der durch die Strahlen von 280 ^lu ausgelöste Reiz gerade so wie z. B. chemische oder thermische Reize von allen Geweben aufge- nommen , er ist also durchaus den übrigen Reiz- arten an die Seite zu stellen. Ob sich nun diese zunächst für Strahlen von 280 fifi festgelegte Reizwirkung auch durch Strah- len aus anderen Spektralbezirken in gleicher Weise auslösen ließ, war Gegenstand weiterer umfang- reicher Untersuchungen ') , die die Unterlage der heutigen Ausführungen bilden sollen. Frühere Experimentatoren, die sich damit be- schäftigen, irgend eine von Strahlen aus verschie- denen Spektralgebieten auf lebende Organismen ausgeübte Wirkung zu untersuchen — ich erinnere z. B. an die zahlreichen .'\rbeiten über die bakterien- tötende Wirkung des Lichtes, oder über den Ein- fluß desselben auf den Assimilationsprozeß der Pflanzen — verfuhren dabei so, daß sie entweder durch Filter mehr oder weniger rein monochro- matische Strahlen auf die Organismen wirken ließen , oder dieselben in spektral zerlegtes Licht brachten und dann die Wirkung in den einzelnen Spektralbereichcn beobachteten. Eventuell konsta- tierte Verschiedenheiten in dieser Wirkung wurden dann auf die Verschiedenheit der Wellenlängen der verwandten Strahlengebiete bezogen. Dieser Schluß aus derartigen Untersuchungen dürfte aber zum mindesten übereilt , für viele Fälle sogar direkt falsch sein. Denn es fehlt in allen Arbeiten voll- ständig die Berücksichtigung der enor- men Verschiedenheiten der Gesamt- intensität der Strahlung in den einzel- nen Spektralgebieten. Von dieser Gesamt- intensitäi ist naturgemäß die physiologisch wirk- same Energie nur ein mehr oder weniger großer Teil, gerade so, wie ja auch z. B. die chemische ') Zeitschrift für Allgemeine Physiologie 19Ö5, Bd. V, Heft I und 4. Energie. Es ist also unbedingt notwendig, daß man diese Intensität der Gesamtstrahlen in Rech- nung zieht. Denn nehmen wir z. B. an, daß ein Wellenlängengebict A stärkere Wirkungen auf ein lebendes Objekt ausübt als ein Wellenlängen- gebiet B. so könnte der erzielte Effekt doch erst dann auf die andersartige Wellenbeschaffenheit von A bezogen werden, wenn man weiß, daß die insgesamt aufgewendete Energie von Haus aus in A und B dieselbe war. Weiß man aber über letztere nichts, so könnte die beobachtete Differenz in der Wirkung auf das lebende Objekt sehr wohl ein- fach eine Folge der etwa vorhandenen Intensitäts- differenz sein. Ich habe deshalb bei jedem der auf ihre physiologische Wirkung zu untersuchen- den Wellengebiete zunächst die Gesamtenergie bestimmt und eventuell mit der zu vergleichenden Wellenlänge egalisiert und erst dann die durch diese bekannte Strahlung hervorgebrachte Reaktion der Organismen geprüft und verglichen. Von dieser gemessenen Gesamtenergie der ein- zelnen zum Experimentieren benutzten Spektral- gebiete kommt aber offenbar nur das zur physio- logischen Wirkung, was in die bestrahlten Orga- nismen einzudringen vermag. Denn die Umsetzung der strahlenden Energie in physiologische Energie erfolgt natürlich innerhalb der Organismen, die Wirkung ist demnach nicht nur abhängig von der Intensität der Strahlen, sondern auch von der Auf- nahmegröi3e der Strahlen durch den Organismus. Wir können uns also über den relativen Gehalt der Spektralbezirke an physio- logischer Energie auch erst dann äußern, wenn wir die relative Absorption der zu vergleichenden Spektrallinien durch die Organismen festgestellt haben. Von diesen Gesichtspunkten aus dürfte der Gang meiner L'ntersuchungen leicht verständlich erscheinen. Zunächst habe ich alle zum Experi- mentieren verwendeten Strahlenbezirke ihrer Ge- samtintensität nach ausgemessen. Ich bediente mich dabei der thermoelektrischen Methode, wobei ich an einem äulSerst empfindlichen Du Bois-Rubens- schen Kugelpanzergalvanometer die Größe des Thermostromes, welcher durch die in Wärme um- gesetzte strahlende Energie hervorgebracht wurde, feststellte. Als Quelle für die Gewinnung der ein- zelnen Spektrallinien benutzte ich die Funken- spektra verschiedener Metalle; nur für einige be- sonders intensive Linien von blauen und gelben Strahlen zog ich eine Dermolampe mit gekühlten Eisenelektroden heran. Die Funkenspektra der Metalle boten den Vorzug einer leichten und reinen Darstellung der Spektrallinien, die sich auch wegen ihrer charakteristischen Lage immer wieder schnell auffinden ließen. Durch Variation der primären Stromstärke, der Funkenlänge und Zwischenschal- tung einer oder mehrerer Leydener Flaschen von bekannter Größe ev^ mit oder ohne eine Induk- tionsspule in den sekundären Stromkreis ließ sich die Intensität der einzelnen Strahlenbezirke bequem verändern. N. F. VI. Nr. 6 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 83 Die Ausmessungen ließen bald erkennen, daß die einzelnen Linien in den verschiedenen Spektren eine sehr dilTerente CTesamtcnergie haben. Um nun meine Untersuchungen ph)-siologischer Art nicht gar zu sehr zu komplizieren, habe ich verschiedene besonders charakteristische und inten- sive [Jnien in gewissen Welienlängenabständen, die sich etwa um 50 tia bewegten, aus verschie- denen Spektren ausgewählt und nur mit diesen physiologische Experimente angestellt. Ein Rück auf die Tabelle i, die die gefundenen Werte ent- hält, dürfte aber beweisen, daß auch hier noch reichen, so daß es mir gelang, alle Wellenlängen- bezirke in gewünschter Weise ihrer Intensität nach zu egalisieren. Die Anordnung der physiologischen Experi- mente war nun so, daß ich dieselben Apparate, namentlich auch dieselbe Of)tik zur Bestrahlung der Organismen benutzte, die ich bei der Aus- messung der Energie verwandt hatte. Es wurde nur die Thermosäule mit den zu bestrahlenden Objekten vertauscht. Dadurch bekam ich mit großer Gleichmäßig- keit Aufschluß über die am Orte der zu beob- r a li e 1 1 e I. Ausschläge des Galvanometers. 2 Amp., 2 Amp., Induktions- Induktions- Induktions- Wellenlänge in na I Leyd. 2 Leyd. . 4 Amp,, 2 Flaschen spule 2 Amp,, spule 2 Amp., spule 4 Amp. Flasche Flaschen I Flasche 2 Flaschen 2 Flaschen Zmk 210 4,5 10 15 2,5 6 Kadmium 232 16 33 48 9 19 — ., 274 ■0,5 20 42 5 — — Magnesium 280 120 230 510 (mit 6 Amp, II 00) 74 200 — Zink 334 9 24 34 {mit 6 Amp. 47I 6,5 15 20 Magnesium 383 10 29 55 17 48 65 „ 448 9 30 50 — 18 35 Zink 468 6 IS 25 4 9 13 Magnesium 516 5 19 35 8 23 30 Zink 636 5 n 20 3,5 6 — Kadmium 650 7 14 34 7 10 — Tabelle 2. Abtötungszeit der Bakterien. Ausschläge des Galvano- 2,5 4-6 9-II 15—16 30 — 35 47-50 65-70 120 490 — 510 1050— 1 100 meters 210 uu 15" 10" — 232 „ „ 280 „ z 60- 3' 35" 10" 40" 21" 7" ^11 ^ 334 „ ;2 383 „ g 440 ., ? 448 „ — — 5' n, 2 Stdn. noch lebend 50-70" 8' 3'_ — 2—3 Stdn. — 516 „ -^ n. I Stde. — — — — — 558 „ — — — — noch lebend — — — 5—6 Stdn. n. 4 Stdn. recht erhebliche Differenzen in den einzelnen Wellen- längenbereichen sich fanden. Namentlich ragte die Magnesiumlinie von 280 f^iu an Energie bedeutend heraus, und es gelang nicht, durch irgendwelche Verstärkung in den anderen Bezirken ähnliche Energiehöhen zu erreichen. Ich habe daher die Intensität der Strahlung von 280 iiu durch Filter abgeschwächt. Dabei leisteten mir die ultraviolett- durchlässigen Gläser von Zschimmer sehr gute Dienste; ich konnte durch geeignete Wahl der Filterdicke, eventuell auch durch Kombination dieser mit dünnen Filtern aus gewöhnlichem Glas schließ- lich jede gewollte Abstufung der 280 /(/(-Linie er- achtenden physiologischen Wirkungen vorhandene Gesamtenergie der jeweilig benutzten Strahlung. Ich konnte also alle die komplizierten Korrektionen, welche durch die für alle Wellenlängen ja ver- schiedenen Reflex- und Absorptionsverhältnisse be- dingt waren, unterlassen, denn die Messung der Strahlen in physikalischer Hinsicht wie die Beob- achtung ihrer physiologischen Wirkung fanden ja erst statt, nachdem die Strahlen beide Male die- selben Medien passiert halten. Die Bestrahlung wurde stets unter gleichzeitiger Beobachtung mit dem Mikroskop vorgenommen. Die Organismen wurden in geeigneter Weise auf 84 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 6 den Mikroskopobjekttisch in feuchten Kammern aufgestellt, durch geeignete Kondensoren die Strahlen von unten her auf sie geleitet unter gleichzeitiger Beobachtung von oben bei beliebiger Vergrößerung. Es war so eine genaue Registrierung des Eintritts der Wirkung und ihres Verlaufs möglich.') Tabelle 3. Versuche an Paramäcien die Abtötung — also den leicht und sicher zu re- gistrierenden Endeffekt einer starken Reizwirkung registriert. Die Tabelle 2 bezieht sich auf Bac- terium coli commune. In der obersten Hori- zontalreihe finden sich die Zahlen für die bei den Versuchen verwendeten Intensitäten der einzelnen Aus- 1 schläge des Galvano- '- 4-6 9-u 15 — 16 3°— 35 47—50 65—70 120 490 — 510 IIOO meters 1 210 fi/i Merkbare Schnell ! Klucht- eintreten- beweg.; de Kreis- 1 nach 15" bewegun- noch leb. gen ; nach 30" tot 232 „ Deutliche Flucht- und Kreisbewe- gung ; nach Schnell Tot nach eintreten- IK, — 20" de Kreis- bewe- Sofort. Kreis-' bewcgung ; tot nach lo" 40 - 60" tot gung ; n. 1 30" tot 280 ,, Wirkung? Nach einiger Nach i'/j Schnelle Fast sofort Schnelles Zeil Flucht — 3' tot Kreisbe- tot Zerfließen c und Hin- und wegung ; 'S Herlaumeln ; tot nach "^ n. 2—4' tot 30" iS 334 n Wirkung? Flucht zu Nach 12' Schraubige u. ex, sehen; n.' noch le- rotierende w 2—3' Ge-j bend Bewegungen; sichtsfeldj nach 14' tot OJ leer; nachj 10' noch '; leb. 1 383 „ Flucht zu Nach 20' noch, Flucht si- & sehen ; Wirkung öfter lebend eher zu sehen; n. j 32' noch fraglich lebend 440 » Aus Strahlfeld nach 45 ' vertrieben ; tot nach 2 — 4 Stunden 448 „ Nach 20' N. l'/j Sldn. keine a. Strahlfeld Wirkung vertrieben, doch lebend 516 „ Keine Wirkung 558 „ 1 Tot n. 6 Stdn. Tot nach n. 2 Stdn. a. 4 — 6 Stdn. Strahlfeld Ich kann mich im Rahmen dieses Vortrags natürlich nicht auf die vielen interessanten Einzel- heiten der zahlreichen Experimente einlassen, ich möchte nur an der Hand einiger Tabellen sum- marisch auf das in allen Versuchsresultaten wieder- kehrende Gemeinsame in der Wirkungsweise der Strahlen hinweisen. Allgemein interessieren dürfte die Wirkung auf Bakterien. Ich möchte da Ihre Aufmerksamkeit auf eine Tabelle lenken, welche ') Ausführliche Beschreibung der Versuchsanordnung u. eine Skizze von d. Aufstellung d. Apparate u. der benutzten .Spektrallinien siehe Zeilschrift für allgemeine Phvsiologie. Bd. 4, Heft I u. Bd. 5, Heft I. Strahlen, die erste Vertikalreihe enthält die Wellen- längen. Die übrigen Vertikalreihen bringen die Zeiten der Bestrahlung, die nötig waren, um die Bakterien abzutöten. Aus den Zahlen ergibt sich zunächst, daß die Stärke der Wirkung der Strahlen von gleicher Wellenlänge direkt abhängig ist von der thermo- elektrisch gemessenen Gesamtintensi- tät in diesem Bezirk. Betrachtet man dann die Tabelle in vertikaler Anordnung, so ergibt sich ohne weiteres, daß die Abtölung in immer längerer Zeit erfolgte, je größer die Wellenlänge der Be- zirke wurde, und zwar machten sich schon Diffe- \. F. VI. Nr. 6 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 85 renzeii von etwa 50 ftii bemerkbar. Es -will das also besagen, daß d i e \V i r k u n g s g r ö ß c um so kleiner war, je weiter wir nach dem lang- welligen Teile des Spektrums hinkamen. Daß das nicht nur für Bakterien gilt, sondern nähme nach dem 1 ä n g e r \v e 1 1 i g e 11 Teil zu. Der Eintritt dieser Reizwirkung war bei den Bak- terien schwerer zu sehen, leichter bei den Para- mäcien, die durch die Strahlen zur Lokomotion — z. B. zum Verlassen von Nährmaterial oder auch Tabelle 4. Versuche an Rotatorien. Aus- schläge des Galvano- 2.5 4-6 9-u 15-16 30—35 47—50 65 — 70 120 490 — 510 1050 — IIOO meters 210 Ufl Wirkung r Zucken Sofort kontra- Lebhafte dau- manchmal lehh. zu- hiert ; n. 20 ernde Kon- nach 20" sammen, — 30" kuge- traktion ; tot Zuckung erholen sich und fliehen lig, einige nach 30" dauernd still, andere erho- len sich wie-: der unvüllk. 232 „ Schnell kon- Kontraktion, Kontrak- Kugel. Kon- trahiert, doch machen 30" tion, leben traktion ; n. meist wieder exponiert, 2' trotz 20" 15—20" tot erholt und später unvoll- lang. Ex- geflohen kommene Be- position ; wegungen Bewegung unvoUk. 1 280 „ Wirkung? Kontrabieren Kontraktion, Heft. Kon- N. 30" Nach 15—20" Sofort tot sich, dehnen wiederholte traktion ; ' tot tot _ sich aber Öffnung und nach I — u während der Schließung 1,5' tot '^ E.xposition "cl wieder und fliehen X 334 „ Kontraktion, Lcbh. Kon- Nach 5' viele ■- aber meist trakt., Deh- tot ■0 erst nach Ex- nung und 1 u position von oft Flucht ; 20" n. 5' noch t; • lebend 1 3S3 „ Wirkung .' Schnelle Kon- Kontrakt, traktion ; n. kugelig. 5' noch le- tot nach bend 4 (>■ 440 .. Sammeln sich außerhalb des Strahlfeldes an; ist Flucht un- möglich, tot nach 4 — 5 Stdn. 448 „ Keine Kon- traktions- 1 wirkung 516 ., Keine Wirkung 558 „ Aufler Flucht aus d, Strahl- Tot nach 6 Stdn., 1 feld n. 5 Stdn. keine wesentli che Änderung a. Strahl- zu erkennen ; nach 8 Stdn. in bestrahlten feld nach Tropfen meh r tot als ii n Kont 'oUtropfen 2— 3Stdn. auch für andere Organismen z. B. auch für I n - fusorien und Würmer, dürfte sich aus den Tabellen 3 u. 4 ergeben. Aus diesen sehen wir, daß auch bei Paramäcien und Rotatorien die Abtötungszeit durch die Strahlen um so größer wurde, je länger die Wellenlänge der Strahlen war. Aber nicht nur der Endeffekt der Strahlen- wirkung, sondern auch der Beginn der Reiz - erscheinung zeigten eine deutliche Ab- von kleinen Luftbläschen, um die sie sich anzu- häufen pflegen — veranlaßt wurden. Noch ein- deutiger war vielleicht gerade der erste Eintritt der sichtbaren Reizwirkung bei den Rotatorien zu sehen, welche die Reizung mit lebhafter Kontrak- tion beantworteten. Die Tabellen 3 u. 4 lehren, daß sowohl die Lokomotion als auch die Kontraktion nach um so längerer Strahlzeit eintrat, je größer die Wellenlängen der verwandten Strahlen waren. 86 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 6 Noch deutlicher treten diese Unterschiede wohl hervor, wenn man die Größenwerte der Gesamt- enerj^ie der einzelnen Spektralgebiete zusammen- stellt, welche nötig waren, um überhaupt eine Reiz- wirkung auszulösen, also gewissermaßen durch einen Vergleich der Schwellenwerte an Strahlungs- energie, die von den Organismen als Reiz empfunden wurden. Ich habe in den beistehenden Kurven I und II die hierher gehörigen Kurven registriert. Kurve I. Paramäcien. Ausschläge ä Galvdnom. 2.5. 4-6. 9-11, 15-16. '30-35. 47-50. 1 65-70. 120 490 -510 1050 558^.1 418 „ ,. 3S3 .. „ ^ y" 334 „ „ ^ y 280 ,. .. ^ ■^ 232 .. .. 210 .. ., ---' "^ Kurve II. Rotatorien. Ausschläge d Galvanom 2.5. 4-6. 9-11. 15-16. 130-35. U7-5O. '$5-70 120, 490 -510. 1050. 1 558/n.. 440 .. .. y 383 ,. „ 334 „ „ 280 „ „ "^ 232 ., „ / 210 .. „ y / Beide Kurven haben einen sehr ähnlichen, über- aus charakteristischen Verlauf, wir sehen bei beiden, daß die Werte der aufgewendeten Gesamtenergie außerordentlich zunehmen, je weiter man in den längerwelligen Teil des Spektrums hineinkommt. Damit haben wir das Verhältnis der Wirkung der Bestrahlung zu der Intensität der auftrefifenden Strahlen aus verschiedenen Wellenlängengebieten genauer skizziert. Ich gehe jetzt dazu über, die Experimente zu besprechen, welche sich mit der Auf- nahme der Strahlen von bekannter Wellenlänge und bekannter Intensität durch die Organismen beschäftigten. Die Versuche, die niir über diese Frage Klarheit bringen sollten, haben mir viel Mühe gemacht. Denn es genügt nicht, nach den in der Physik üblichen Methoden etwa die Intensi- tät mit und ohne Vorschalten des Objektes, das auf seine Absorptionsgröße untersucht werden soll, zu messen. Man würde an den gefundenen Diffe- renzen allerdings den Verlust an Gesamtenergie feststellen und damit auch den an physiologischer Energie, welche ja, wie schon auseinandergesetzt, eine F"unktion der Gesamtenergie sein muß. Es kommt aber bei diesen Messungen die Differenz nicht nur durch die Absorption der Strahlen durch die Objekte, sondern auch durch die Reflexion und Refraktion zustande — Faktoren, über deren Größe man bei lebenden Organismen so gut wie gar nichts aussagen kann. Zudem dürfte es sehr schwer sein, lebendes Gewebe unter physiologisch unveränderten Bedingungen in geeignet dünnen Schichten so zu placieren, daß die Messungen in oben angedeuteter Weise überhaupt ausgeführt werden können. Ich versuchte daher, mir auf andere Weise Klarheit über die Absorptionsgröße der Zellen für Strahlen verschiedener Wellenlänge zu verschaffen. Bekanntlich haben wir für viele Körper in der Eigenschaft zu fluoreszieren, ein gutes Erkennungs- zeichen dafür, daß diese Körper auf sie fallende Strahlen absorbiert haben; denn um das Fluoreszenz- licht ausstrahlen zu können, muß der Körper die ihn treffende Strahlung aufnehmen und dieselbe zu der — meist längerwelligen — Fluoreszenzlicht gebenden Strahlung umarbeiten. Ich habe nun versucht, diese Fluoreszenz festzustellen und zwar an der Haut der menschlichen Hand und der Cor- nea der Kaninchen, Geweben, bei denen ich durch 1050. I Bestrahlung ebenfalls eine deutliche Reizreaktion hatte hervorbringen können. Man kann sich un- schwer davon überzeugen, daß ultraviolette Strahlen aus den verschiedensten Spektralteilen, die man mit einer Quarzlinse auf die Gewebe zentriert, deutliche Fluoreszenz geben. Von den zu diesen Versuchen benutzten und auf gleiche Gesamtintensi- tät gestimmten Strahlenbezirken zeigte entschieden die von der Wellenlänge 232 ,«// die stärksten, von 383 /<(( die schwächsten Fluoreszenzerscheinungen, während die Unterschiede zwischen den anderen, namentlich zwischen 232 ,«,« und 280 /<,/(, nicht so deutlich zu erkennen waren. Beleuchtet man die Gewebe mit spektralem Licht von 448 ^i).i, so ist die Fluoreszenz ohne weiteres nicht zu sehen, so daß man vielleicht annehmen möchte, es sei gar keine vorhanden. Man kann sich aber davon über- zeugen, daß in der Tat auch Strahlen von 448 iiu an der Haut und an der Cornea F'luoreszenz her- vorzurufen imstande sind. Zum Nachweis verfuhr ich in folgender Weise: Im Dunkelzimmer ent- wirft man auf eine Kaninchencornea das Spalt- bildchen einer Linie von 448 ,«,« (Magnesiumlinie) mit Hilfe einer Konvexlinse unter sorgfältiger Ab- haltung aller übrigen diffusen Strahlen. Betrachtet man jetzt das Bildchen auf der Cornea durch ein gelbgrünes Glas, welches spektral untersucht alles Blau, damit also auch die Strahlen von 448 f.i(.i, sicher absorbiert, so verschwindet natürlich das helle Bildchen. Nach kurzer Zeit der Dunkelad- aptation erkennt man aber ein leichtes Aufleuchten der Cornea in grünlichem Licht. Es kann das nur Fluoreszenzlicht sein, da das direkt strahlende Licht von 448 HU vollkommen durch das Glas ab- sorbiert wird. In ähnlicher Weise gelingt es auch, schwache Fluoreszenz der Haut bei 448 ;«,« zu konstatieren. Da nun bei allen diesen Versuchen N. F. VI. Nr. 6 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 87 die zur Bestrahlung benutzten Intensitäten gleich waren, andererseits aber die Fluoreszenz nach dem längerwelligen Teil zu bedeutend abnahm, so war damit der Beweis gebracht, daß jedenfalls die be- strahlten Gewebe einen Teil der auffallenden Strahlen absorbiert hatten und zwar von den kurzwelligen mehr als von den langwelligen. Ich habe aber namentlich mit Rücksicht auf den naheliegenden Einwand, daß die beobachtete Fluoreszenz noch keinen sicheren Aufschluß geben könnte über die Menge der ev. aufgenommenen physiologischen Energie, noch eine weitere Ver- suchsreihe angestellt. Ich habe schon früher ge- zeigt, daß man mit Bakterienkulturen im hängen- den Tropfen, welchen man in kleine Ouarzkämmer- chen bringt, ein geeignetes Reagenz hat, durch lebendes Gewebe hindurch die physiologische Wir- kung von Strahlen festzustellen. Ich brachte nun solche Kämmerchen hinter die Cornea eines Kanin- chens und ließ Strahlen von verschiedener Wellen- länge, aber gleicher Intensität einwirken. Die kurz- welligen Linien 232 au und 280 .»,« erschöpften ihre Wirkung ganz an der Cornea. Sie veranlaßten dort namentlich bei länger dauernder Bestrahlung mit dem Mikroskop leicht nachweisbare Verände- rungen ganz gleicher Art, wie die schon früher beschriebenen, die Bakterien ließen sie aber un- versehrt. Von den Strahlen von 383 fi/.i passierten dagegen die Cornea so viel, daß auch auf die Bakterien sicher eine Wirkung ausgeübt wurde; dieselben waren nach ca. 60 Minuten abgetötet, gleichzeitig waren aber auch Veränderungen an der Hornhaut vorhanden. Es hatte also hier an der Hornhaut zwar auch eine Absorption von physio- logischer Energie stattgefunden, aber nicht in dem- selben Maße wie bei den noch kürzerwelligen Strahlen. Daß auch die Strahlen von 448 /(." ab- gehalten wurden, ging daraus hervor, daß die Bak- terien viel langsamer getötet wurden hinter der Cornea als ohne Cornea. Daß dieser Verlust an Energie nicht etwa nur auf Reflexion und Re- fraktion zu beziehen war, sondern daß auch Ab- sorption stattgefunden haben mußte, ging aus den schon geschilderten UntersuchungenüberdieFluores- zenz hervor. Jedenfalls aber war diese Aufnahme der Strahlung durch die Cornea bei 448 ii/i eine außerordentlich viel geringere als bei 383 ,(/.», oder gar bei den noch kürzerwelligen 280 /(/( und 232 fiu, wo ja die gesamte physiologische Energie an der Hornhaut verbraucht wurde. Man kann also aus den beiden angestellten Versuchsreihen jedenfalls so viel schließen, daß die Absorption der strahlenden Energie durch lebendes Ge- webe um so geringer ist, je länger die Wellen der verwendeten Strahlen sind. Dadurch ist aber auch erklärlich, warum die physiologische Wirkung der einzelnen Spektral- bezirke auch bei gleicher Gesamtintensität verschie- den stark, und zwar ihre Stärke der Wellenlänge umgekehrt proportional ist. Denn von der mit zunehmender VVellenlänge in immer geringerem Maße aufgenommenen Gesamtenergie wird eine immer kleiner werdende Wirkung hervorgebracht werden, oder mit anderen Worten, die Wirkung vonstrahlenderEnergieaufOrganismen ist vor allen Dingen abhängig von dem Absorptionsvermögen der Organismen für diese Strahlen. Dafür konnte ich durch Experimente an, pigmentierten Geweben weitere wichtige Anhaltspunkte gewinnen.') Bei Versuchen, die ich an Cephalopoden anstellte, um den Einfluß der Lichtstrahlen auf die Chromatophoren zu studieren, konnte ich bei jungen Loligo- Exem- plaren eine deutliche Differenz in der Schnelligkeit der Ausbreitung der verschiedenfarbigen Chromato- phoren und der dadurcli bedingten Färbung kon- statieren je nach der VVellenlänge der Strahlen- gebiete, die nach Ausmessung und Gleichstimmung ihrerGesamtintensität auf die Tiere gerichtet wurden. Es zuckten in ganz eindeutiger Weise auf die blauen Strahlen von 440 (//( zunächst die gelben und auf die gelben Strahlen von 558 /(,(( zunächst die violettroten Zellen auf Am deutlichsten ließ sich das zeigen am Rande des Mantelschulpes, auch am Kopf zwischen den Augen war die Erschei- nung ganz charakteristisch. Diese Stellen, nament- lich die Seitenpartien des Mantelschulpes wurden unter blauem Licht zunächst fast rein gelb; die zwar vorhandenen, aber doch im Verhältnis zu den gelben hier in der Minderzahl sich findenden violett- roten Zellen breiteten sich erst viel später und auch dann deutlich träger aus: die Zusammen- ziehungsphase überwog die der Ausbreitung, während bei den gelben Zellen gerade das Umgekehrte der Fall war. Wurden nun die entsprechenden Stellen an anderen Tieren, oder noch besser am selben Tier auf der anderen Seite mit gelben Strahlen belichtet, so traten gerade die relativ spärlich vor- handenen violettroten Zellen in lebhafte Aktion, die gelben ließen geraume Zeit auf sich warten. Es trat also die vorhin vorherrschende Gelbfärbung jetzt, namentlich anfangs, ganz zurück und erreichte auch später nicht den Grad wie unter der Blau- strahlung. Die Applikation von ultravioletten Strahlen von 280 ^lfl rief sofort eine lebhafte öxpansion der Chromatophoren hervor, ohne irgend etwas von dem skizzierten Unterschied je nach der Färbung des Pigmentes erkennen zu lassen. Ich versuchte nun mit Engelmann'sMikro- spektrometer die Absorption der Zellen fest- zustellen und fand als Durchschnittswerte von vielen Messungen folgende Zahlen. Für die rotvioleiten Zellen begann die Absorption bei 60 fi, erreichte ihren Höhepunkt bei 55 ,« und klang allmählich ab, so daß bei 48 ,« etwa die beiden Farbentöne vollkommen gleich waren. Bei den gelben Zellen lag das Maximum der Absorption etwa bei 46 /ii, die Absorption begann schon bei 50 fi und ging bis 38 ^1. Entwarf ich schließlich das u. v. Spek- lieft I. ') Zeitschrift für allgemeine Pliysiologie, 190Ö. Band 6, Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 6 trum auf eine Uranglasplatte und brachte die aus- gespannten Zellen in die Strahlen hinein, so wurde das u. V. Licht sowohl von den gelben als von den violettroten Zellen in ganz gleicher Weise ausge- löscht, namentlich waren Strahlen von der Wellen- länge 280 ^lu nicht imstande, auch bei hoher Intensität die Zellen zu passieren. Es geht aus diesen Angaben deutlich hervor, daß die untersuchten Pigmentzellen auf sie fallen- des Licht in ganz verschiedener Weise absorbierten; während u. v. Strahlen von ihnen gleichmäßig aus- gelöscht wurden, lagen die Absorptionsmaxima im sichtbaren Teile des Spektrums für die Zellen je nach ihrer Färbung nicht unwesentlich auseinander. Daraus ergibt sich nun unmittelbar auch die Erklärung für die verschiedenartige Reaktion dieser Zellen auf die bei unseren Experimenten benutzten Strahlensorten. Die von allen Zellen voll- kommen aufgenommenen Strahlen von 280 ,<(/« brachten sehr schnell ein Auf- zucken der Chromat ophore n hervor, ohne daß irgend ein Unterschied nach ihrer Färbung zu erkennen gewesen wäre. Dagegen lagen die benutzten blauen Strahlen von 440 /(/t am nächsten dem Absorptionsmaximum der gelben Zellen bei etwa 46o/(/(, diese nahmen also die blauen Strahlen am schnellsten und stärksten auf und wurden daher von ihnen auch am schnellsten erregt. Aus demselben Grunde war bei den gelben Strahlen zuerst die Bewegung in den violettroten Zellen zu sehen, deren Ab- sorptionsmaximum bei etwa 5 50/(/( lag, also sehr nahe der Wellenlänge der ver- wendeten gelben Strahlung von 558 fifi kam. Bei Bestrahlung von Larven von Triton taeniatus konnte ich schon nach wenige Minuten langer Einwirkung der Strahlen ebenfalls eine Be- wegung der schwarzen resp. schwarzbraunen Pig- mentzellen konstatieren.') Doch war hier eine elektive Wirkung der Strahlen auf die Pigment- zellen wie bei Loligo nicht zu konstatieren : im Gegenteil, ea resultierte sowohl durch die Ein- wirkung von u. v. Strahlen (280 (tu), als durch blaue (440 ///() und gelbe (558 /(//) Strahlen von gleicher Intensität eine gleichartige zentripetale Bewegung des Pigments, die nach etwa einer Viertelstunde zu einer vollständigen Ballung desselben führte; bei Verstärkung der Intensität der Strahlung steigerte sich bei allen drei Strahlenarten die Schnelligkeit der Pigmentwanderung. Es dürfte das darin seinen Grund haben, daß die Tritonzellen schwarzes oder schwarzbraunes Pigment führen, das eben alle bei den Experimenten verwendeten Strahlen gleichmäßig absorbierte und so zur gleich- mäßigen Wirkung veranlaßte. Auf weitere Experimente an pigmentierten Ge- weben kann ich hier der beschränkten Zeit halber ') Zeitschrift f. allgemeine Physiologie 1906. Bd. 6, Heft 1. nicht weiter eingehen; nur ganz kurz erwähnen möchte ich noch den Unterschied in der Reaktion auf Lichtstrahlen bei pigmentiertem und nicht- pigmentiertem Nervengewebe; Strahlen, die nicht pigmentiertes Nervengewebe nicht zu erregen ver- mochten, riefen bei pigmentiertem Nervengewebe eine deutliche Reizwirkung hervor. Das Pigment diente hier wegen seiner hohen Absorption der Strahlen als Reizaufnahmestation; von dieser aus wurde die Umarbeitung der strahlenden Energie in physiologisch wirksame besorgt und ihre Reiz- wirkung auf das Nervengewebe weitergegeben. Auch meine Versuche über eine gewissermaßen künstliche Pigmentierung (biologische Sensi- bilisierung) will ich nur streifen. In Anlehnung an die bekannten, zuerst von Tappeiner und Raab gemachten Beobachtungen, daß man Organismen durch Zusatz von einer Reihe von Stoffen für Strahlen empfindlich machen kann, welche ohne diese Präparierung keine oder keine merkliche Wirkung auf dieselben Organismen auszuüben im- stande sind, habe ich eine Reihe von Versuchen angestellt mit Bakterien, Infusorien, ferner glatten Muskeln, künstlich befruchteten Seeigeleiern usw. Das Gemeinsame aller dieser Versuche war stets, daß alle Objekte einmal bestrahlt wurden mit Strahlen, die sicher innerhalb der .'\bsorption des Zusatzstoffes lagen, ferner mit Strahlen, die sicher außerhalb dieser Absorption lagen, und zwar aus Wellenlängengebieten, deren Aufnahme durch die Organismen nach den soeben gegebenen Ausein- andersetzungen als sehr hoch erkannt war (280 /' 280 Tot in 70--90" Nach '/a Stunde unverändert Tot in 60 — 70" Nach Y> Stunde unverändert Desgl. Unverändert nach 30' Tot in 60" Tot nach 2 — 3' In '/j Stunde ohne AnderungiDesgl. Tot nach 2' B. Paramäcien. Keine Änderung in '1 Stunde Tot nach 3' Unverändert nach 15' Keine Änderung nach 30' Unverändert nach 30' Tot nach ^o — 60" jln V4 Stunde unverändert 'Desgl. Tot nach 2' Ich komme damit zum Schluß. Es dürfte sich aus unserer Betrachtung ergeben, daß alle Strahlen in gleicher Weise auf die Or- ganismen einwirken können: es ist ganz allgemein die Zuführung der strahlen- den Energie an sich, welche bei den be- strahl ten Zellen in bestimmter Intensi- tät den physiologisch wirksamen Reiz hervorruft. Eine Funktion der Wellen- länge ist der Gehalt an physiologisch wirksamer Energie in den verschiedenen Strahlengebieten nur, weil er natürlich einmal in bestimmtem Abhängigkeits- verhältnis stehtvonder in den einzelnen Spektralbezirken sehr variierenden Ge- samtintensität der Strahlung, und zwei- tens vor allem, weil die Aufnahmemög- lichkeit der Strahlen durch die Orga- nismen umgekehrt proportional der Wellenlänge ist. Daher sehen wir für gewöhnlich große Diffe- renzen in der Wirkung der einzelnen Spektralbezirke auftreten. Kurzwellige Bezirke, wie z. B. 280 /(//, die überall fast gleich stark absorbiert werden, üben auf alle Organismen schnell eine sichtbare Reizwir- kung aus. Wenn wir diese bei einwirkendem Tages- licht nicht sehen, so liegt das an der zu geringen Intensität der Strahlen, die unter der Reizschwelle bleibt; bei höherer Intensität der Strahlung, z. B. im Sonnenlicht oder bei starkem elektrischem Licht, tritt diese Wirkung deutlich zutage. Daß auch die langwelligen Strahlen auf den Ge- erregt wird, womit ja für uns die Sichtbarkeit dieser Strahlen zusammenhängt. Damit soll aber nicht gesagt sein, daß die Netzhaut für kurzwellige Strahlen etwa unempfindlich ist. Für gewöhnlich allerdings hört die Erregung derselben auf bei Strahlungen von ca. 396 — 383 »,(( ; Strahlen, die noch kürzerwellig sind, üben keinen Reiz auf die Netzhaut eines gesunden Auges aus, werden also auch nicht gesehen. Es ist aber nun durch eine ganze Reihe von Arbeiten dargetan, daß diese kurz- welligen Strahlen unter gewöhnlichen Bedingungen überhaupt nicht zur Netzhaut kommen, weil sie von den brechenden Medien, namentlich von der Linse absorbiert werden. Verschafft man ihnen durch Wegnahme der Linse den Zugang zur Netz- haut, dann wirken sie auch auf dieselbe ein. Und zwar kann man das einmal nachweisen dadurch, daß bei linsenlosen Individuen die Grenze der Sichtbarkeit der Strahlen bedeutend weiter hinaus- gerückt ist bis 344///(, ja bis 313//,«, ferner durch anatomische Veränderungen, die man in den Netz- häuten von linsenlosen Kaninchen nach Bestrahlung mit kurzwelligen Strahlen konstatieren konnte (Birch-Hirschfeld). Es ist also auch die Reaktion der Netzhaut auf die Lichtstrahlen ein Beweis dafür, daß die physiologische Reizwirkung der Strahlen nicht eo ipso an bestimmte Wellenlängengebiete geknüpft ist, sondern allen Wellenlängen zukommt, sofern nur die Möglichkeit gegeben ist, daß die Strahlen aufgenommen werden in einer Menge, die der Reizschwelle entspricht. 90 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 6 Kleinere Mitteilungen. Die Germanen in Frankreich. — Dr.Ludwig W o 1 1 m a n n hat eingehende Studien gepflegt über den Einfluß der germanischen Einwanderung auf die Kultur Frankreichs, deren kürzlich veröffent- lichte Ergebnisse ') Beachtung verdienen. Aus- gehend von allgemeinen Erwägungen über die Grundfrage der historischen Rassetheorie ") , die europäischen Menschenrassen, die Verteilung der anthropologischen Merkmale in Frankreich, sowie über Rasse und Charakter der Gallier, behandelt Woltmaiin die Rolle der Germanen in der fran- zösischen Geschichte und Kultur des Mittelalters, die Anthropologie der französischen Stände und Genies, sowie die Bedeutung der Germanen für die Ausbreitung der Kultur im allgemeinen. Wie in den übrigen Ländern Europas, so können auch in Frankreich drei Rassentypen unterschieden werden: die hochgewachsene, blonde und lang- köpfige germanische Rasse hauptsächlich im äußer- sten Norden; die kleine, brünette und breitköpfige alpine Rasse im Zentrum , in den Alpen und im Nordosten, wo sie mit dem germanischen Volks- bestandteil die verschiedenartigsten Kreuzungen eingeht; die ebenfalls kleine und brünette, jedoch langköpfige mittelländische Rasse im Südwesten, die sich von da teilweise nach Norden und Osten erstreckt. Vertreter aller drei Typen waren schon vor Jahrtausenden in Frankreich ansässig, aber ihr gegenseitiges Stärkeverhältnis und ihre regionale Verteilung haben sich geändert. — ■ Von den Galliern oder Kelten meint der Verfasser, daß sie „ursprünglich die Gestalt und Farben des nordi- schen Menschen gehabt haben", wobei er sich auf die Zeugnisse griechischer und römischer Schrift- steller beruft; das kann kaum zutreffen, denn die physischen Charaktermerkmale der Kymren und Iren, jener Kelten, die sich in den entlegenen Strichen Wales' und Irlands verhältnismäßig rein erhielten , weichen von denen der Engländer, Friesen und anderer germanischer Völker ganz erheblich ab: hingegen ist es nicht zu bezweifeln, daß Germanen sehr frühzeitig über den Rhein wanderten und die Bevölkerung des nördlichen Gallien zu Cäsars Zeit in der Mehrheit germani- scher Abstammung war. Die Niederlassung der Germanen in Gallien seit dem Eroberungszug des Ariovist wird an der Hand geschichtlicher Quellen geschildert. Jahrhunderte hindurch veränderten diese Einwanderungen wohl die Zusammensetzung der Bevölkerung, die Einwanderer selbst paßten sich aber schnell und leicht an, sie wurden ,, Römer", und erst als das X'ordringen in geschlossener Stammesorganisation erfolgte, blieben ger- manische Sprache, Recht und Sitte aufrecht er- halten, so daß unter der Herrschaft der Franken Gallien tatsächlich ein deutsches Land war. „Wenn ') „Die Germanen in Frankreich". Mit 6o Bildnissen berühmter Franzosen. Jena, 1907. 2) Vgl. Naturw. Wocbenschr. N. F. Bd. 3., S. 22 1 — 222. auch die Franken Herren des ganzen Reiches wurden, so blieb doch bis ins späte Mittelalter ein Gegensatz zwischen dem mehr germanischen Norden und dem mehr römischen Süden bestehen. Erst seit dem dreizehnten Jahrhunderte bahnte sich ein Ausgleich an" und nun erst vollzog sich die Rassenmischung in größerem Umfange. Es wird die Einwirkung germanischen und römischen Wesens auf die Institutionen und die Gestaltung der gesellschaftlichen Schichtung während des Mittefalters veranschaulicht, woraus sich ergibt, daß in soziologischer Hinsicht der Gegensatz zwischen Germanen und Gallo-Römern kein abso- luter gewesen ist. „Die Verteilung der Germanen geschah über alle Stände; verhältnismäßig am stärksten waren sie im Adel vertreten, weniger im Bürgerstand, aber auch in der „roture" fehlten sie keineswegs. Vor der Einwanderung der Goten, Burgunder und Franken waren zahlreiche Germanen als Kolonen angesiedelt worden; jene brachten aber auch Sklaven eigener Rasse mit, und dann ist es gewiß, daß nicht selten Gemein- freie in den Stand der Hörigen herabgesunken sind." Daher kann man die französische Revo- lution keineswegs einen Aufstand der Kelten gegen die Germanen nennen. — Den Einfluß der einge- wanderten Germanen auf die französische Sprache, Literatur und Kunst, wie auf die ganze kulturelle Entwicklung des Landes, bringt Woltmann deut- lich zum Ausdruck. Nicht nur im Adel, der lange die Führerschaft des französischen Volkes innehatte, lassen sich die Körpermerkmale der nordischen Rasse häufiger feststellen als im Durchschnitt der Gesamtbevölke- rung, sondern auch, was von spezieller Wichtig- keit ist, bei den hervorragenden Männern. Der Verfasser suchte über die physische Erschei- nung von 250 berühmten Franzosen Klarheit zu schaffen , zu welchem Zwecke er das vorhandene biographische Material , die Gemäldesammlungen etc. benutzte. Wenn dabei wohl manches im Un- klaren blieb, so ergibt sich dennoch das bemer- kenswerte Resultat, daß von diesen Persönlichkeiten 84 eine hohe Gestalt besaßen, 34 mittelgroß und 24 untermittelgroß oder klein waren; in den an- deren Fällen war nichts festzustellen, doch wird auf den LTmstand hingewiesen, daß Biographen eher geneigt sind, die kleine als die große Gestalt berühmter Männer hervorzuheben. Über die Schädelform existieren nur wenige unmittelbare Zeugnisse; schmale und lange Gesichtsform fand Woltmann bei der Mehrzahl der Bildnisse und er glaubt deshalb mit großer Sicherheit annehmen zu können, daß zu diesen (jesichtern auch eben- solche Schädel gehören. Die Hautfarbe ist meist hell angegeben , die Haarfarbe war bei 1 30 hell, bei 46 mischfarben und bei 20 schwarz; von 218 Personen zeigten 160 helle, 52 braune und 6 misch- farbene Augen. Schließlich soll noch einiges über die Rassen- entartung der französischen Nation angeführt wer- den. „Der Verfall der römischen Macht und N. F. VI. Nr. 6 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 91 Kultur in Gallien und das VViedererwachen des politischen und geistigen Lebens, nachdem die eingewanderten tiermanen neue soziale und ideelle Voraussetzungen einer höheren Kultur geschaffen", sagt Weltmann, „beweist auf das deutlichste, daß ein in seinem innersten Mark entartetes und her- untergekommenes V^olk nicht wieder aus sich selbst heraus sich verjüngen kann, sondern daß zur nationalen Wiedergeburt bisher kulturell ge- schonte Rasse erforderlich ist". Nun scheinen aber in Frankreich Anzeichen einer neuerlichen Entartung vorhanden zu sein. In diesem Zusam- metihang wird auf den Rassenwechsel verwiesen, der sich seit dem Mittelalter vollzog und die Ver- drängung der Langköpfe durch die Breitköpfe zur Folge hat; er macht sich am meisten dort geltend, wo die Germanen nicht als bäuerliche Bevölkerung angesiedelt sind. Leider wird bei diesem wich- tigen Gegenstand über die Zurückdrängung der nordischen Rasse zu wenig Beweismaterial beige- bracht. Als Ursachen der erwähnten Erscheinung werden angeführt : Die Abwanderung der Besten des V'olkes in überseeische Länder, eine Eigenart, welche für die Germanen charakteristisch genannt werden muß; ferner die Migration in die Städte, wo die Bedingungen für die Fortpflanzung des blonden Elements sich ungünstig gestalten , end- lich die Kriege (negative Auslese) und das Cölibat der katholischen Geistlichen. „Alle diese Vor- gänge trugen dazu bei, in den dolichocephalen Schichten große Lücken hervorzurufen, in welche die in den niederen Ständen vorherrschenden brachycephalen Elemente einrückten. Noch be- günstigt wird dieser Rassenwechsel durch sexuale Auslese. Es scheint, als ob die Brünetten sexuell aktiver sind als die Blonden und dadurch ein Übergewicht erlangen. Mit der Annahme, daß der Anteil der Brünetten an der Gesamtbevölke- rung wächst und ihrer höheren sexuellen Aktivität — die bei den farbigen Rassen unstreitig be- steht — kann freilich die Tatsache des zurück- gehenden Kinderreichtums in FVankreich schwer vereinbart werden." Das Zweikindersystem wird entschieden verurteilt, weil damit „die Möglichkeit der Genieproduktion" eine Verringerung erfährt und ein Mangel an natürlicher Auslese entsteht, denn die Eltern suchen auch die schwächlichsten Kinder emporzubringen und „wenige Generationen genügen, um auf diese Weise durch stärkere Er- haltung der Schwachen eine Herabsetzung der Konstitution herbeizuführen." Fehlinger. Uranidenzüge. — Im Juli 1906 beobachtete ich an der Laguna de Dofia Anacleta, in der Cartago - Region in Costarica, Schmetterlings- züge in einer Massigkeit wie die der Distelfalier- züge von 1879 in Europa, aber die Schmetterlinge gehörten einer Spezies der Uraniden an : Urania fulgens. Dieses schöne Insekt ist hier zwar recht häufig und öfter habe ich in Zeit von ein paar Stunden Tausende davon alle nach einer Richtung fliegen sehen, doch war dies das erste Mal, daß ich sie in einer Dichtigkeit wie die ärgsten von jenen berühmten Distelfalterzügen beobachten konnte. Der Zug dauerte in derselben Dichtigkeit von 9' ._, bis 2 Uhr, die Hugrichtung war von SSW nach NNO. Bemerkenswert ist, daß nahe Vki der Tiere zu der Rhopalocereiigattung Timetes gehörten und zwar bei weitem der größte Teil zu T. Chiron, der in Form den Uraniden sehr ähnlich ist, dieselbe Größe hat und — wenigstens in den Zügen — denselben Flug und dieselbe Geschwindig- keit. Um etwa 2 Uhr fing die Dichtigkeit des Zuges an abzunehmen und zu gleicher Zeit sah man ein- zelne Uraniden in nordwestlicher Richtung quer durch den Schwärm fliegen ; nach und nach änderte sich die Richtung nach N und NW, welch letztere beibehalten blieb, bis der Zug, der immer lichter wurde, um etwa 3^0 Uhr ziemlich aufhörte; zu- letzt flogen sie schon ganz zerstreut, kaum noch eine Richtung innehaltend, und nicht mehr mit derselben Schnelligkeit, schon etwas nach rechts und links flatternd. Bemerkenswert ist, daß in dem Maße, wie der Schwärm lichter wurde, T. Chiron verhältnismäßig häufiger wurde, wasdarauf schließen läßt, daß hauptsächlich bloß die Uraniden an Menge abnahmen. Welches die Ausdehnung des Zuges war, kann ich nicht sagen, doch weiß ich, daß er in jener ganzen Gegend gleichmäßig war. Wenn die Eingeborenen Interesse an der Natur hätten, wäre es vielleicht dort möglich gewesen, einen Aufschluß über die Bildung und das Aufhören des Zuges zu bekommen. In der Richtung, von wel- cher sie herkamen, ist das Tal durch die hohe Kette der Candelaria vollständig abgeschlossen, in einer Entfernung von bloß 5 km, und in der Richtung, nach der sie hinflogen, ist der Grat zwischen den Vul- kanen Irazü und Turrialba, der sich nirgends unter die Frostgrenze senkt, etwa 12 km entfernt. Die Raupe der U. fulgens lebt auf den ver- schiedenen Spezies von Canna. C. Werckle. Neuere Untersuchungen über Wurzelhaare und deren Sekrete. — Bekanntlich sind es die Wurzelhaare, jene schlauchförmigen Trichome, welche sich an den feineren Wurzelfasern in großer Zahl befinden, die dem pflanzlichen Organismus Wasser und gelöste Bodenbestandteile zuführen. Man kann ihre Gestalt und Anordnung leicht auf einfache Weise beobachten, wenn man auf einem mit engmaschigem Tüll überspannten, weithalsigen, bis zum Rande mit Wasser gefüllten Glase Sinapis- samen zum Keimen bringt. Die ins Wasser hinab- reichenden Keimwurzeln tragen äußerst feine, vvag- recht abstehende Haargebilde, welche in einer be- stimmten Zone die Wurzel umgeben. An der Spitze fehlen sie, und nach dem oberen Wurzel- ende zu sterben sie allmählich ab, um an der ent- gegengesetzten Seite durch neue ersetzt zu werden. In Erde kultivierte Keimpflanzen von Sinapis zeigen. 92 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. VI. Nr. 6 wenn man sie vorsichtig aus dem Boden hebt, an jener Stelle eine dichte Umhüllung mit Erd- teilchen, die fest ansitzen und sich auch nach längerem Abspülen in Wasser nicht völlig loszu- lösen vermögen. Sie haften an den Wurzelhaaren, die man bei mikroskopischer Betrachtung als aus- gestülpte Epidermiszellen erkennt. Die Haare sind ursprünglich senkrecht zur Wurzel gerichtet, be- kommen aber bei der fortwährenden Berührung mit kleinen Bodenpartikelchen, denen sie sich an- schmiegen, im Erdboden die verschiedensten Ge- stalten. Daß die Anordnung der Wurzelhaare an den Wurzelteilen von erheblicher ökologischer Be- deutung sein muß, leuchtet ohne weiteres ein. Die Ausnutzung des Bodens kann durch die kleinen Gebilde eine recht beträchtliche werden, wenn man bedenkt, daß nach angestellten Zählungen z. B. bei Pisum sativum auf i qmm etwa 230 Haare, bei Zea Mays 420 Wurzelhaare kommen, so daß da- durch die aufnehmende Fläche um das 12- resp. 6 fache vervielfacht wird. Diejenigen Teile der Wurzel, an der die Wurzelhaare abgestorben sind, umgeben ihre Epidermis mit einer dünnen Kork- schicht und haben danach für die Nahrungsauf- nahme keine Bedeutung mehr. Die Biologie und Physiologie der Wurzelhaare behandelt eingehend eine 1883 erschienene Arbeit von Frank Schwarz, „Die Wurzel haare der Pflanzen, Unters, aus dem botanischen Institut zu Tübingen 1883". Er wies bereits nach, wie Bildung und Wachstum der Wurzelhaare durch äußere Faktoren, z. B. das Wasserbedürfnis